Widerstand im dritten Reich. Wahrheit oder Lüge?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von SchMo, 12. Juni 2012.

  1. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    Globke wurde ja schon genannt, hier noch andere Beispiele, bei denen man die Lebensläufe nachlesen kann:

    GELSENZENTRUM Gelsenkirchen - Eine Auswahl Deutscher Nazi-Karrieren nach 1945

    DER SPIEGEL*37/1958 - Was ein Christ nicht kann
     
  2. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    Es gab aber auch andersrum Personen, denen man Widerstand nicht geglaubt hat, weil man meinte, sie wollten ihre Haut retten.

    Auszug aus dem Wiki-Artikel über Albert Göring:
    Widerstand

    Albert Göring nutzte auch seinen Einfluss, um seinen jüdischen Chef bei der Tobis-Sascha Filmindustrie AG, Oskar Pilzer, zu befreien, nachdem dieser von den Nationalsozialisten verhaftet worden war. Dann half er ihm, aus Deutschland zu fliehen. Es wird berichtet, er habe dies auch für viele andere, u. a. politisch Verfolgte, getan.[10]
    Göring verstärkte seine Aktivitäten gegen die Nationalsozialisten, als er Exportchef bei den Škoda-Werken in Pilsen wurde. Er setzte mehrfach seine Kontakte zum Regime zum Schutz von Mitgliedern der Škoda-Belegschaft ein. Hier unterstützte er kleinere Sabotageakte und unterhielt Kontakte mit dem tschechischen Widerstand. In vielen Fällen fälschte er dabei die Unterschrift seines Bruders, um Reisedokumente für die Flucht von Dissidenten zu unterzeichnen. Daher musste sich sein Bruder Hermann mehrere Male für Albert verwenden, damit er aus Gestapo-Haft entlassen wurde. Albert Göring schickte auch Lastwagen in Konzentrationslager mit Anforderungen nach Arbeitern. Diese Lastwagen hielten dann in abgelegenen Gebieten, um den Arbeitern die Flucht zu ermöglichen.[11]


    Späte Jahre (1945 bis 1966)

    Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs meldete sich Albert beim amerikanischen 'Counter Intelligence Corps' (der Spionageabwehr-Abteilung des Heeres) und wurde sofort verhaftet. In Zelle fünf desselben Verhörzentrums ('interrogation center') wurde später sein Bruder Hermann inhaftiert.[12] Albert Göring wurde bei den Nürnberger Prozessen verhört. Viele Menschen, denen er geholfen hatte, sagten zu seinen Gunsten aus; er wurde nicht verurteilt, aber zunächst weiter in Haft gehalten. Nachdem sein letzter Fallbearbeiter seine Freilassung empfahl, wurde er von den US-Amerikanern an die Tschechoslowakei ausgeliefert, wo man ihm wegen möglicher Kriegsverbrechen während seiner Zeit bei Škoda den Prozess machen wollte. Im dortigen Prozess wurde er jedoch freigesprochen, nachdem viele seiner ehemaligen Arbeitskollegen von Škoda als Zeugen zu seinen Gunsten ausgesagt hatten und zudem seine Gestapo-Akte bekannt geworden war.[13]
    Göring kehrte nach Deutschland zurück, wurde aber wegen seines Familiennamens gemieden. Für Albert Göring, den Retter zahlreicher NS-Opfer, die sein Bruder mitzuverantworten hatte, wurde sein Name zum Verhängnis. In diesen Jahren bitterer Armut und Arbeitslosigkeit wurde er von Überlebenden des NS-Regimes, denen er geholfen hatte, unterstützt. Er arbeitete gelegentlich als Autor und Übersetzer. Seine bescheidene Wohnung in München war weit entfernt vom Luxus seiner Kindheit. Er starb am 20. Dezember 1966 im Alter von 71 Jahren an den Folgen von Bauchspeicheldrüsenkrebs, ohne dass seine Aktivitäten im Zweiten Weltkrieg von der Öffentlichkeit anerkannt worden waren.[14]
     
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  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ein Aspekt, der am Widerstand insgesamt sicherlich interessant ist, ist das Ausmass, wie der äußere Druck durch das NS-Regime die unterschiedlichen Gruppen zur Kooperation ermunterte.

    Es ergaben sich neue Konstellationen der Kooperation zwischen ursprünglich antagonistischen Interessenstandpunkten, wie beispielsweise Schlabrendorff es ausführt (2, S. 15).

    In diesem Kontext auch der Verweis auf einen "alten Bekannten" des Forums, Ernst Niekisch.

    Hoffmann weist darauf hin, dass Niekisch schon vor 1933, seit 1926 in den "Blätter für sozialistische und nationalrevolutionäre Politik" sich als "Nationalbolschewist" sowohl gegen den Versailler Vertrag als auch gegen Hitler positioniert hatte. (1, S. 34ff).

    Dabei zeigte er auf der einen Seite eine "Ostorientierung" und trat für eine Kooperation mit der Sowjetunion ein. Dabei konspirierte er seit 1932 mit dem KPD-Mitglied Dr. Josef Römer, einem ehemaligen Freikorps- Hauptmann.

    Andererseits erstreckten sich seine Kontakte bis hin zu "extrem konservativen und deutschnationalen Kreisen" (ebd. S. 36).

    In diesem Rahmen baute er einen Kontakt zum "hochkonservativen, preußisch-monarchistischen Gutsbesitzer" Ewald von Kleist-Schmenzin auf. Der war wiederum einer der entschiedensten und härtesten Gegner von Hitler und bezog im "Mitteilungsblatt der konservativen Hauptvereinigung" gegen ihn Stellung.

    Ab 1933 wurde die Zeitschrift allerdings wegen eines Aufsatzes von Schlabrendorff durch das 3. Reich verboten. Seit März 1933 kam es zu regelmäßigen Treffen mit Nieksich, wenn Kleist nach Berlin kam.

    Die Distanz und sogar Verachtung, die dabei Kleist zum nationalsozialistischen Regime aufgebaut hatte, formulierte er in einem Flugblatt aus: "In Zukunft wird es heißen: Charakterlos wie ein deutshcer Beamter, gottlos wie ein protestantischer Pfaffe, ehrlos wie ein preußischer Offizier". (ebd. S. 36).

    Im Zuge der "Säuberung" im Juni 34 sollte auch Kleist erschossen werden, wurde aber gewarnt und versteckte sich beim "Linksradikalen" Niekisch in dessen Berliner Wohnung. "Das ist kein Kuriosum, sondern ein sehr charakterisches Symptom für den Widerstand gegen Hitler" (ebd. S. 37).

    In der Folge tagten in der Wohnung "linke" und "rechte" Verschwörergruppen "Wand and Wand".

    Eine für mich interessante Episode, da sie einmal mehr deutlich macht, wie notwendig es ist, die ideologischen Positionen und ihr soziales und politisches Umfeld dieser Zeit - aber auch anderer Epochen - in Beziehung zueinander zu interpretieren.

    1. Hoffmann, Peter (1970): Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler. 2. Auflage: Ullstein.
    2. Schlabrendorff, Fabian von (1960): Offiziere gegen Hitler. Frankfurt a. Main, Hamburg: Fischer.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Hoffmann_(Historiker,_1930)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2015

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