Wie entstand das erste chinesische Kaiserreich?

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von ShadowFury, 18. November 2006.

  1. ShadowFury

    ShadowFury Neues Mitglied

    Hallo,

    für eine Geschichtsklausur am Montag soll ich 25 fragen beantworten können. Eine der Fragen lautet: Wie kam es zum ersten chinesischen Kaiserreich?

    Leider konnte ich weder im Buch, noch im Internet etwas dazu finden.

    Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand antworten könnte oder einen Link posten würde :)
     
  2. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Dem wie näherst du dich am besten über Wer. Die Antwort auf diese Frage ist
    Chin Shihuang-di (Schreibweise ohne Gewähr, insbesondere auf Zusammenhang der Silben bezogen) Der erste Teil wird auch Qin geschrieben
    http://de.wikipedia.org/wiki/Qin_Shihuangdi
    http://www.sino-liedtke.de/Chin__Geschichte/Qin_Dynastie/qin_dynastie.html
    Filmtipp: "Hero", in der Zeit angesiedelter Martialartsfilm. Historisch zwar nicht hilfreich (wenngleich auf historische Korrektheit imho mehr Wert gelegt wurde als auf physikalische), aber wunderschön anzuschauen.
     
  3. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Zuerst sollte man mal klären, was man unter einem chinesischen Reich versteht? Da liegt nähmlich schon die ganze Problematik:

    Aus heutiger Sichtweise sprechen chinesische Historiker immer davon, dass die chinesische Geschichte knappe 5000 Jahre alt sei. Das würde ja die historischen Zahlen von Themisto und seinen Link entkräftigen. Die Chinesen rechnen setzen ihr erstes Reich mit den Shang an, das vom 16.-11. Jahrhundert vor Christus existierte. Bis vor ein paar Jahren war diese Zuordnung noch ein Määr, weil man nicht beweisen konnte, dass die Shang wirklich existiert haben. Mittlerweile hat man gesicherte archäologische Funde gemacht, die außerhalb Chinas ebenfalls geprüft und bestätigt wurden.
    Die Shang siedelten im heutigen Gebiet der Städte Kaifeng, Loyang und Anyang am Gelben Fluss - was charakteristisch für die frühe Zivilisationsgeschichte Chinas ist. Diese Kultur wird als Hochkultur eingestuft, die ähnliche Herrschaftsfugen wie die Qin kannten - aber eher in einem kleineren Ausmaß wie die nachfolgenden Dynastien. Die Shang wurden von einem Herrscher regiert, den man mit Qin Shihuang-Di nicht vergleichen kann.
    Qin Shihuang-Di war der erste Kaiser der Qin, das stimmt und hier tuacht auch das erste Mal der Begriff Sohn des Himmels auf, aber in seinen Methoden unterschied er sich nicht wirklich von den vorfolgenden Herrschern der Shang und der Zhou. Zumal die chinesischen Gelehrten die Aufgabe hatten, die vorangegangenen Herrschaft zu schmälern und zu beweisen, warum die Götter dem Kaiser die Gnade und das Mandat des Himmels wieder entzogen hatten. Die Qin waren wahre Meister in der Aufzeichnung verschiedenster Dokumente und Chronologien.

    Vielleicht kann man Shihuang-Di wirklich als ersten chinesischen Kaiser bezeichnen, aber er war kein Chinese, sondern Qin und das ist ein gewaltiger Unterschied!
     
  4. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Aber war Shihuangdi nicht der König von Qin der die anderen streitenden Reiche unterwarf und so zum Kaiser Chinas wurde? Warum sollte er kein Chinese gewessen sein? Gab es da ethnische Unterschiede zwischen den Reichen (Jin, Wei, Zhao, Han, Yan, Chu, Qi und Qin)?

    Mir kommt da immer der Begriff "Han-Chinesen" in den Sinn, die das Staatsvolk Chinas bilden sollen. War also das Reich Han das "eigentliche" China?
     
  5. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ich sehe kein Problem, gefragt war ja nach dem ersten chinesischen Kaiserreich. Und "Shi huangdi" heißt auf deutsch "Der erste Kaiser". Die vorangegangenen Herrscher der Shang und Zhou führten nicht den Titel "huangdi" (Kaiser), sondern den Titel "wang" (König).


    Nun ja, dann könnte man auch sagen, Wilhelm I. war kein Deutscher, sondern Preuße, deswegen kann er auch kein "Deutscher Kaiser" gewesen sein...
     
  6. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ahh, Wiki hilft. Es hat nichts mit dem Königreich Han zu tun. Vielmehr mit der Han-Dynastie, deren Bevölkerung ihres Territoriums den Kern der heutigen "Han-Chinesen" bildete. Interessant: die chinesische Bevölkerung des Südens, an Indochina grenzend, bezeichnet sich bis heut als "Tang-Chinesen" da deren Gebiet erst unter jener gleichnamigen Dynastie in das Kaiserreich einverleibt wurde.

    Da das Reich der Han-Dynastie auf dem der Qin-Dynastie aufbaute und nachfolgte spricht überhaupt nichts dagegen das nicht auch Qin Shihuangdi ein Chinese gewessen sein soll.
    Stammt das Wort China nicht auch von seinem Reich? Jedenfalls lese ich oft das das Königreich Qin auch als Ch'in bezeichnet wurde.
     
  7. hyokkose

    hyokkose Gast

    Der Ursprung des Wortes ist dasselbe. Der Name der Han-Dynastie leitet sich vom vormaligen Fürstentum (dann Königreich) Han ab. Auch die nachfolgenden Dynastien trugen die Namen ehemaliger Fürstentümer. Erst die Mongolen brachen mit dieser Tradition und kreierten einen "Phantasienamen" (Yuan = "Ursprung"). Dem eiferten die Ming ("Helligkeit") und Qing ("Reinheit") dann nach.



    Es ist dasselbe Wort, nur die Transkription ist eine andere. Vermutlich leitet sich das Wort "China" von der Qin-Dynastie ab, jedenfalls wurde China den alten Römern unter der Bezeichnung "Sina" bekannt.

    Das Wort "China" gibt es auf Chinesisch nicht; dort wird seit alters her der Begriff "Zhongguo" - "Reich(e) der Mitte" benutzt.
     
  8. ShadowFury

    ShadowFury Neues Mitglied

    Danke für die zahlreichen Antworten,

    ich habe noch andere Schüler gefragt und mein Lehrer meinte wohl Folgendes:

    -die Fürsten wurden von Qin Shihuangdi unterworfen
    -er errichtete einen Beamtenstaat
    -vollbrachte gewaltsame Taten (Diktatur, Bücherverbrennung usw)


    Kann mir denn einer beantworten, welche Merkmale der chinesischen Kaiserzeit von Bedeutung sind?

    Ich habe mir aufgeschrieben, dass
    -das Volk viele Rechte (u.a. durch das tianming) hat
    -es viele Denkschulen gibt
    -der Kaiser das Land regiert
    -alle Provinzen durch Beamten kontrolliert werden, die durch Leistung aufstiegen und nicht wie der Adel von Geburt an
    -sehr zivilisiert (erfindungen früher als europa usw)

    Könnt ihr mir vielleicht weitere bedeutende Merkmale schreiben?
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2006
  9. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Ganz wichtig, gerade im Zusammenhang mit Chin Shihuangdi, ist die Vereinheitlichung von Maßen, Gewichten und Schrift.
     
  10. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied


    Eigentlich nicht. Die Chinesen haben im Vergleich zu den Europäern kaum Rechte, außer dem Recht als Untertan zu gehorchen und dafür Schutz zu erwarten. Kein Vergleich mit den Rechten, die die Stadtbürger in Europa hatten. Das "Wechsel des Mandats" könnte man aber durchaus als Revolutionsrecht interpretieren.


    Das ist ein wichtiges Merkmal, trifft aber auch auf Europa zu.


    Eine Monarchie, OK. Aber auch weit verbreitet.


    Auch in Europa gab es immer wieder Zeiten, in denen durch Leistung rekrutierte Beamte die Teilgebiete des Landes kontrollierten. Ich würde das eher in Beamtenprüfungen umbennen. Das ist eines der stärksten Merkmale des kaiserlichen China.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Beamtenpr%C3%BCfung


    Eine besonders hohe kulturelle Entwicklung ist schon richtig. Aber viele Erfindungen wurden zuerst in Europa gemacht, andere wieder in China. Beide Zivilisationen waren da recht kreativ und beide gehörten zu ihrer Zeit zu den zivilisiertesten Kulturen der Welt.

    Die chinesische Kultur ist aber ein Wesenszug an sich, das man als größtes Merkmal nennen darf.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Kultur
     
  11. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied


    Was ich immer wieder amüsant finde. Denn die Kommunisten haben bei ihrer Machtergreifung '49 per Dekret von oben einfach mal 2000 Jahre rangeklatscht. Bis zu den Guomindang sprach man in China nämlich immer nur von der 3000 jährigen Geschichte des Reiches der Mitte. Nationalistischer Übereifer pur.


    Da muss ich wiedersprechen. Den Titel eines Sohn des Himmels haben die frühen Zhou-Könige eingeführt um ihre eigene Macht zu legitimieren und so die Shang zu stürzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2006

Diese Seite empfehlen