Wie kann man sich in der Antike einem Gegner ergeben ?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Werner Schroth, 21. August 2008.

  1. Werner Schroth

    Werner Schroth Neues Mitglied

    Hallo liebe Antikfreunde !

    Schon seit langem bin ich am Versuchen auf die Frage Antwort zu bekommen, wie kann man sich in der Antike einem Feind ergeben der gerade im Brgriff ist dem anderen den Schaedel einzuschlagen ?
    Zum Beispiel, Roemer gegen Germanen.

    Hat jemand zufaellig Wissen zu dieser Frage ? Oder bin ich der einzige wo sich ueber so etwas Gedanken macht.

    Gruesse aus Mississauga Werner.

    :winke::fs::devil::D
     
  2. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Soweit ich weiß, wäre das ein seltener Fall. Was soll man denn mit diesem Gegner machen? Gefängnisse gab es ja nicht. Versklaven kann man so einen Kerl ja auch nicht so einfach, der wird immer aufmüpfig bleiben, selbst wenn man ihn kastrieren würde. MWn wurden üblicherweise die kampffähigen Männer getötet und Kinder und Frauen versklavt. Was denn sonst?
     
  3. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Das siehst du häufig auf den Reliefs von Ramses bis Trajan: auf die Knie fallen, Kopf senken, Hände heben, Waffen wegwerfen. Diese Gesten der Unterwerfung haben in den letzten 4000 Jahren nichts an Aktualität verloren.

    Das schreckliche an dieser Unterwerfung ist, dass sie evtl. doch mit Vernichtung enden kann; so sieht man häufig genug auf eben denselben Reliefs in Rom und Karnak summarische Hinrichtungen. Man begibt sich eben in die Hände des Feindes; nur die Möglichkeit, dass er die Arbeitskraft des Unterwerfenden nutzen kann, verspricht die Möglichkeit auf Gnade und das Weiterleben in Sklaverei.
    Internationaler Handel und kultureller Austausch führen dann auch zu Phaenomenen wie dem absichtlichen Gefangenemachen zwecks Austausch gegen eigene Leute oder Zahlung von Lösegeld. Lösegeldzahlungen sind schon in der Ilias beschrieben, und zwar als alte Sitte (wenn auch natürlich nicht mit Geld sondern mit Pferden, Waffen, Gütern aller Art).
     
  4. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Ich glaube, da irrst du dich. Es gab durchaus Kriegsgefangene auf beiden Seiten - bleiben wir ruhig mal beim Beispiel Römer./.Germanen:
    Die Römer versklavten anfangs ihre Kriegsgefangenen. Später (etwa 3. Jh. n. Chr.) wurden z. B. Franken als "Laeten" auf römischem Gebiet angesiedelt und etwa ab dem 4. Jh. konnten sich Franken soga als Föderaten auf römischem Reichsgebiet ansiedeln. Siehe hier:
    http://www.geschichtsforum.de/f37/die-entstehung-der-franken-7068/index5.html#post197103

    Kriegsgefangene bei den Germanen ging es meines Wissens meist schlechter. Zwar gab es auch Sklaven bei den Germanen, aber nicht sehr viele. Die meisten Kriegsgefangenen hatten - soviel ich weiß - die für sie zweifelhafte "Ehre", dem Kriegsgott geopfert zu werden. Zu Opfer bei den Germanen lies hier: http://www.oyla16.de/cgi-bin/designs/23/index.cgi?page=text&id=413327561219340952&userid=31940647
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. August 2008
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ergeben war höchstens für größere Gruppen drin oder bei erfolgreichen Belagerungen. Als Einzelkämpfer im Handgemenge standen die Chancen auf Pardon eher schlecht - wie auch in modernen Kriegen.
     
  6. Nakharar

    Nakharar Neues Mitglied

    Selbst in größeren Gruppen war das schlecht. So gibt es Berichte das die Kimbern und Teutoten ihre Gefangenen nach der Schlacht allesamt ihren Opfern geopfert haben. Ob das allerdings nur römische Propaganda ist weiß ich nicht.
    Ebenso wenige Chancen auf Pardon hatten Verletzte. Crassus hat in der Schlacht bei Carrae seine Verwundeten im Lager zurückgelassen - diese wurden allersamt von den Parthern abgeschlachtet.
    Was Versklavung anging, waren die Chancen gar nicht so schlecht am Leben zu bleiben. Viele Sklaven waren Kriegsgefangene. Man hat in Mesopotamien Bauwerke gefunden die nachweislich von gefangenen Legionären - etwa denen von von Valerians katastrophal gescheiterten Feldzug 260.
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In der Ilias stürzt sich Achilleus mitten ins Gemetzel und legt sich sogar mit dem Flußgott Skamander an, dessen Flußbett er mit Leichen und Pferdekadavern füllt. Er trifft dabei den jüngsten Sohn des Priamos, den er bereits früher einmal gefangen nahm und der aus der Sklaverei entkommen und sich zurück nach Troja durchschlagen konnte. Der vollzieht die erwähnte Demutshaltung, umfasst Achilleus Knie und versucht sein Kinn zu berühren, doch der gibt kein Pardon stößt ihn zurück und sticht ihn ab, bevor er ihn als Opfergabe in den Fluß wirft, worauf Skamander über diese Blasphemie richtig sauer wird.

    Die römischen Gladiatoren mußten den eigenen Tod inszenieren, sofern sie noch vor ihrem Gegner knien und den Hals für die iugulatio den Todesstoß senken konnten.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Römer hätten ausgebildete waffenfähige, kräftige Männer, selbst wenn sie aufsässig oder gefährlich scheinen mochten durchaus gerne genommen, sofern man nahegelegene Abnehmer hatte. Solche Leute wären für einen lanista eine gewinnbringende Anlage gewesen. Wenn auch bereits in der späten Republik viele Gladiatoren auctorati, Freiwillige waren, so traten Britannier unter Claudius, Juden unter den Flaviern und Daker unter Trajan im Amphitheater als Gladiatoren auf.
     
  9. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Zeichen geben um sich ergeben zu wollen und gefangen genommen werden sind ja nun zwei Schuhe.
    Zeichen gibt es in der Antike eine ganze Reihe, Mummius und Scorpio haben ja bereits einige genannt.
    Wenn ich mich richtig erinnere, also ohne Garantie, kam es in einer Schlacht zwischen Makedonen und Römern dazu, dass die werten Hellenen ihre Sarrissen nicht senkten sondern oben ließen / hoben, was sie als Zeichen der Aufgabe meinten. Genutzt hat es nichts.

    Zur Annahme der Kapitulation sei mal wieder auf Quellen verwiesen. Caesar etwa berichtet öfter, wie er beispielhaft clementia mit denen walten läßt, die sich ergeben, aber auch wie er gnandenlos gegen jene war, die sich nicht ergaben oder nach Aufgabe noch revoltierten.

    Bei den Römern ist denn die clementia der Feldherren denn auch wirklich eine Tugend, die auch der Kaiser stark nach außen stellt. Gleichzeitig findet sich auf der Marc Aurel Säule ein Abschnitt, der zeigt, wie gefangene Barbaren geköpft werden.

    Aber auch der Gedanke in Gefangenschaft zu gehen scheint nicht allen behagt zu haben, töteten sich doch die besiegten Kimbern teilweise selbst.
    Trotzdem soll sich eine stattliche Zahl schließlich als Gefangene wiedergefunden haben.
    Auch Perser und Germanen scheinen immer mal wieder römische Soldaten als Gefangene aufgenommen zu haben, zumindest tauchen immer wieder berichte auf, wie diese freigekauftwerden.
     
  10. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Das hat ihnen deshalb nichts genutzt, da die Römer dieses Zeichen der Aufgabe nicht als solches erkannten und deshalb ein fürchterliches Gemetzel unter den Makedonen anrichteten.
     
  11. Werner Schroth

    Werner Schroth Neues Mitglied

    Hallo Antworter !

    Sehr interessante Antworten und Vermutungen.
    Was mir bekannt ist, die Germanen haben die Roemer sehr gerne als Feldarbeiter, das heisst Kriegsgefangene als Feldarbeiter benutzt, und die Germanen haben keine Angst haben muessen, dass die Roemer ihnen entfliehen koennten, denn das germanische Land war meistens Urwald und die Roemer haben sich vor den germanischen Waelder gefuerchtet, es war ihnen Unwohl darinnen, und als einzelner alleine darinnen auf der Flucht war fast wie ein Totesurteil fuer sie.
    Ich glaube es war Tacticus der in seinem Bericht ueber die Rachefeldzuege des Germanicus in 15 und 16 AD, dass es eine grosse Menge Geld gekosted hat die vielen roemischen Gefangenen den Germanen wieder abzukaufen.
    De hoeher der Rang eines gefangenen Roemers, desto hoeher das Loesegeld.
    Auch der Gedanke, dass die gefangenen Roemer sich etwas mit den Germaninnen erlaubt haetten, waere sofort ohne Gnade Toetlich fuer diese Roemer ausgegangen.
    Das Sklaven machen war schon lange bevor den Roemern und Germanen bekannt, waren doch Sklaven eine billige Arbeitskraft fuer Arbeiten wo die Sklavenmacher selber nicht gerne machen wollten.
    Denke ich hab mich beeinflussen lassen, im Kampf Mann gegen Mann, wird es wohl selten passiert sein, dass es in der Hitze des Moments keiner eine Moeglichkeit hatte sich zu ergeben, aber vielleicht doch, dass sie sich als eine Gruppe gemeinsam als geschlossene Einheit ergeben konnte, hauptsaechlich wenn die Gewinner noch nicht all zu grosse Verluste erlitten hatten.

    Gruesse vom Werner

    :motz::autsch::friends::nono::vermoebeln:
     
  12. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    "Ich hab seine Hände nicht gesehen" ist auch in den folgenden Kriegen immer eine beliebte Aussage, wenn ein Gefangener erschlagen oder erschossen wird.
    Ich bin sehr skeptisch, dass die römischen Feldherren dieses Zeichen nicht kannten (die Auseinandersetzungen mit der hellenischen Welt, philosophisch wie kriegerisch, sind da bereits älter) und das die Soldaten nicht merkten, dass der Feind sich nicht wehrt.
     
  13. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Vielleicht war es ihnen egal? :D
     

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