Wie Muslime einst Christen zu Sklaven machten

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von heinz, 3. Mai 2004.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Versklaven des jeweils anderen war ziemlich gegenseitig.

    Hier mal der Anfang eines Artikels von Judith E. Tucker, Piracy of the Eighteenth-Century Mediterranean. Navigating Laws and Legal Practices. In: Tucker, Judith E.: The Making of the Modern Mediterranean. Views form the South. Berkely 2019, S. 123–148.


    The snow* Ermosa [sic] Rachel was a chameleon. Originally a Portuguese ship, the Ermosa Rachel was captured in Mediterranean waters by corsairs from Algiers in 1767 and subsequently became the property of the ruling dey by virtue of his right to a share in his corsairs’ prizes. The dey of Algiers then sold the ship to Demetrio Vidari, a Greek Ottoman subject from the island of Limos, who was residing in Algiers at the time. In 1768, Vidari in turn sent the ship to the port of Mahon on the British-controlled island of Minorca and sold it there in shares: half of the ship to Theodore Alexiano, the captain of the port and presumably a British subject; one-eighth to Jaymo Vidal, of unknown origin and identity; and the remaining three-eighths to David Busnach, a Tunisian Jew, who registered his shares in the name of his son Abraham Busnach. Then Alexiano and Vidal both sold their shares to Abraham Busnach, so that the ship, based in a British port, was owned in its entirety by a young Jewish subject of Tunis. At some point along the way, the Ermosa Rachel was issued a passport as a British ship. The British consul in Algiers, Archibald Campbell Fraser, who reported on the matter in 1772, was clearly dis-quieted by the whole affair for a mix of anti-Semitic and chauvinist reasons: how could a twenty-two-year-old Jew from Tunis, the “lowest, meanest and most abject of their subjects” be the sole owner of a ship with a British pass?1 We might pose some questions of our own: How could a Portuguese vessel captured by corsairs from Algiers wash up as a lawfully registered ship sailing out of a British port under the British flag? And what does a story like this have to tell us about the mores of Mediterranean piracy, the complexities of life under the law in the twi-light time of the early modern Mediterranean, and fundamental shifts in attitudes toward piracy as they unfolded in the late eighteenth century?
    *Nicht Schnee, sondern Schnau(w)
     
  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Aber in dem Auszug aus dem Artikel lese ich nur, dass ein gekapertes portugiesisches Schiff letztendlich unter britischer Flagge und einem jüdischen Eigentümer aus Tunis in Menorca registriert wurde. Von Überfällen europäischer Kaperfahrer auf nordafrikanische Schiffe oder gar Überfälle auf Siedlungen in Nordafrika und anschließender Entführung, Versklavung und Verbringung nach Europa der einheimischen Bevölkerung sehe ich da nichts.
     
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  3. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Das kann ich in diesem Artikel oben auch nicht finden. Dennoch ist es vorgekommen. Malta, das von Sklavenjagden gebeutelt wurde und selbst über Jahrhunderte Skavenjagden veranstaltete, ist ein gutes Beispiel für Els Aussage.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. November 2020
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Okay, das war ein kleiner Kommunikationspatzer. Der obige Satz und der Auszug hängen nur mittelbar miteinander zusammen. Der Text ist natürlich länger, als der gepostete Auszug. Aber ihr wisst ja, Urheberrecht. Ich habe den Auszug vor allem deswegen gepostet, weil ein portugiesisches Schiff, von Korsaren gekapert, in Mahón/Menorca (damals britisch) verkauft und im britischenn Handelsregister gemeldet wurde. Das zeigt, wie über die religiösen und politischen Grenzen hinaus agiert wurde, zwischen Piraterie und legalem Handel. In dem Artikel wird u.a. aber auch die muslimische Rechtsposition zur Piraterie behandelt.
     
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  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Hintergrund dürfte sein, dass es in beiden Religionen verboten war, Angehörige der jeweils eigenen Religion zu versklaven. Insofern sind die Sammelbegriffe Muslime und Christen nicht verkehrt. Ansonsten sind mir auch die Begriffe Maghreb-Piraten oder Barbaresken-Korsaren geläufig. Das bezieht sich nur auf die muslimischen Staaten Nordafrikas. (Ob es auch osmanische Korsaren in der Neuzeit gegeben hat, ist mir nicht bekannt)
     
  6. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  7. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Natürlich nicht, aber das hat hier auch keiner behauptet oder angedeutet.

    (Übrigens gab es neben dem transatlantischen Sklavenhandel auch einen ostafrikanischen Sklavenhandel, durch den Schwarzafrikaner in die arabischen Gebiete verkauft worden sind: Sklavenhandel in Ostafrika - ein verschwiegenes Kapitel | DW | 22.08.2019 )
     
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  8. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo

    @Carolus
    Ja sogar bis nach Indien, dort gibt es immer noch eine kleine Gemeinschaft der Nachkommen ehemaliger afrikanischer Sklaven.

    mfg
    schwedenmann
     
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  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Bei dem Artikel ist wohl die „Handelsmarine“, sprich die private Seefahrt mit eingerechnet worden, sonst kommt man nicht auf so große Zahlen.
    Die Royal Navy hatte bei dem Begriff Schiff ein festes Bild vor Auge. Das Vollschiff. Der Begriff kommt wohl von Full ratet.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vollschiff

    Andere Fahrzeuge, wie eine Brigg, Yacht oder Kutter waren keine Schiffe für die RN, nur Fahrzeuge. Soweit zum Thema 100 Schiffe bei der RN.
     
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  10. Thalassa

    Thalassa Neues Mitglied

    Wurde bestimmt schon angesprochen, aber Christen haben auch Muslime im Mittelmeer versklavt. Das hatte mediterrane Piraterie so an sich. Spanier hatten sogar weibliche muslimische Sklavinnen, die sie auf den Eroberungszügen gegen die Azteken in Amerika mitgenommen hatten. Genauso interessant ist, dass der erste Schwarze auf dem amerikanischen Kontinent ein ehemaliger muslimischer Sklave war, der dann zum Christentum konvertiert ist.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist soweit richtig.

    Dafür hätte ich gerne eine belastbare Quelle.

    Auch hierfür hätte ich gerne eine belastbare Quelle.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zu Morisk(inn)en in Hispanoamerika geht es hier weiter.
     
  13. Was mich stört ist, dass Versklavung von weißen Menschen lange Zeit mehr oder weniger bekannt war, die Sklavenjagden der Malteser und vielleicht noch anderen Akteure lange ignoriert worden wie ich einmal in einem Buch in unserer Bibliothek lesen durfte. Hab leider keine Quelle jetzt parat, aber ich halte die Aussage für glaubwürdig und ärgerlicher als die Kaperfahrten der muslimischen Korsare, vielleicht sogar noch ärgerlicher als diese, grade in unserer Zeit, reißerisch und undifferenzierte Überschrift!
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2021
  14. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Aha und wo genau wurden die Aktivitäten der Malteser und etwa auch der italienischen Seestädte in dieser Hinsicht ignoriert?
    Allmählich wird es dann etwas trollig.
     
  15. Was hat das mit trollen zu tun? Ein Troll ist meines Wissens nach jemand der Leute absichtlich verarscht.

    Gemeint ist natürlich die Ältere Forschung/Berichterstattung. Mitlerweile ist es wohl besser. War dem Autor des Buches das ich in der Hand hielt jedenfalls ne Erwähnung wert.
     

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