Wie selbstständig, waren Bulgarien und Rumänien innerhalb des WP?

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von Griffel, 17. September 2022.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    Ich wollte mich mal schlaumachen, inwieweit Bulgarien und Rumänien souverän waren. Während des Kalten Krieges. Sowohl Rumänien als auch Bulgarien hatten ja eigene "Herrscher", sprich Diktatoren.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_Bulgarien
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rumänien#Volksrepublik

    Beide konnten in ihrem Staat ja relativ ungestört von Moskau agieren. Aber diese Bewegungsfreiheit dürfte sicherlich Grenzen gehabt haben. Mich interessiert vor allem, wie es mit dem Außenhandel aussah. In diesem Bereich, dürfte es sicherlich konkurrierende Interessen, mit der UdSSR gegeben haben.

    Wie bei Diktatoren üblich, wurde ja auch eine Menge Geld und andere Dinge beiseite geschafft.
    Freue mich auf viele Beiträge.
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

  3. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Die Bulgaren sind faktisch in ihrer Gesamtheit meistens sehr Russophil, hängt damit zusammen, dass Bulgarien seine Existenz dem Russischen Zarenreich verdankt, dabei gelten die Serben als die größten Prorussen, das bulgarische Volk ist nicht minder Russophil.

    Causcescu war zwar Kommunist aber vor allem rumänischer Nationalist und da schmerzt der Verlust der heutigen Republik Moldawien schwer. Kein Wunder das Rumänien soweit es geht einen eigenen Weg ging.

    Bulgarien war MOskauhörig.
     
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  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Todor Schikow machte sogar mal den Vorschlag, Bulgarien der SU anzugliedern, allerdings war dieser Vorschlag parteiinternen Machtkämpfen geschuldet, und Schikow versuchte wohl damit, diese Opposition zu neutralisieren und sich der Gunst der SU zu versichern. Schikow hatte freundschaftliche Beziehungen zu Chrustschow und Breschnejew.
     
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  5. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ja, das wusste ich nicht danke dafür, in Serbien gibt es auch immer wieder solche Scherzartikel, wirklich ernst nimmt die niemand glaub ich, außer die paar wirklich sehr stark Antirussisch eingestellten Leute die es gibt.
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Während Todor Schikow demonstrativ seine Loyalität zur SU bekundete und dabei soweit ging, dass er vorschlug, Bulgarien als Sowjetrepublik der SU anzugliedern, ging Rumänien unter dem "Condukator" Ceaucescu eigene Wege und ging enge wirtschaftliche Bindungen mit dem Westen ein.

    Ceaucescu nahm als erstes Staatsoberhaupt des Ostblocks diplomatische Beziehungen zur BRD auf, er beteiligte sich nicht an der Niederschlagung des Prager Frühlings und verurteilte öffentlich den Eingriff der SU in der CSSR.

    Die Tauwetterphase in Rumänien und ein bescheidenes Wirtschaftswachstum führten dazu, dass Ceaucescu anfangs beliebt war im rumänischen Volk, und sein Stehvermögen gegenüber der SU führten dazu, dass Ceaucescu bis kurz vor seinem Sturz im Westen als ein Staatsmann galt, der ähnlich wie der Präsident Jugoslawiens Tito einen "Sonderweg" unabhängig von der SU verfolgte.

    Während aber Jugoslawien unter Tito ein offenes Land war, dass seinen Bewohnern ein großes Maß an persönlicher Freiheit garantierte, entwickelte Rumänien unter Ceausescu sich zu einem hermetisch abgeschlossenen Land, und der "Conducator" entfesselte mehr und mehr einen geradezu grotesken Personenkult, der auch die Gattin einschloss.

    Elena Ceausescu hatte lediglich die Volksschule besucht, und außer einer guten Note in Handarbeit hatte nichts darauf hingedeutet, dass sie wie die Propaganda nicht müde wurde zu berichten, eine "Wissenschaftlerin von Weltrang" war. Auf das rumänische Bildungswesen übte Elena aber einen ähnlichen Einfluss aus wie Margot Honecker. Der Geheimdienst Securitate etablierte ein Terrorregiment, die Familie Ceausecu schien Rumänien als Privatkolonie zu betrachten und seine Bewohner für leibeigene Verfügungsmasse. Ende der 1980er war Rumänien zu einem der ärmsten Staaten Europas geworden. Da Rumänien zu einem 40 Millionen-Volk werden sollte, wurden in Rumänien sämtliche Verhütungsmittel verboten und Abtreibung kriminalisiert. Roma-Frauen wurden dagegen häufig sterilisiert und es wurden an ihnen zwangsweise Abtreibungen durchgeführt.

    Der Regierungsstil des "Conducators" wurde auch an seiner Jagdleidenschaft deutlich. Er ging in den Karpaten auf Bärenjagd. Dabei wurden die Petze schon wochenlang vorher mit Lebensmitteln angekirrt. Ceausescu verfügte über beheizte Hochsitze mit Mobiliar samt Minibar. Damit er noch größere Brocken schießen konnte, sollen Kodiakbären eingekreuzt worden sein. Die Jagdkultur erinnert ein wenig an Reichsmarschall Herman Göring- siehe dazu den Thread "Wo die braunen Auerochsen weideten".
     
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  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Naja wenn wir beim Wahn von Causcescu sind.

    Er hat alle Dörfer des Landes abgerissen und dafür Agrarstädte gemacht, dies wollte Stalin machen, aber selbst der war nicht so wahnsinnig es umzusetzen. Heute sind die Dörfer zwar bevölkert, aber nicht lebensfähig, das gute ist, dass die Parzellen jetzt im Gegensatz zu Ex Jugoslawien oder Bulgarien groß sind, aber diese Parzellen haben vor allem reiche deutsche Landwirte gesichert.

    Das einzig positive was seine Legende aufrecht erhält, er hat alle Schulden abbezahlt indem er Fleisch und Getreide verkaufte, während sein Volk hungerte.

    Die vielen Straßenkinder in Rumänien stammen aus seiner Zeit, die Waisenhäuser waren die Hölle auf Erden und viele traumatisierte Kinder sind geistig behindert geblieben und wurden von christlichen Organisationen aufgenommen.

    Illegale Abtreibungen blühten und die Rumänen sind mit den Maltesern das gläubigste Volk Europas, die Rumäninnen und auch die Rumänen haben dies nicht aus Spaße gemacht. Viele Frauen sind verstümmelt oder gestorben.

    Also Katastrophe von der sich Rumänien noch bei weitem nicht erholt hat, das einige diese Zeit doch besser finden, als von der Enttäuschung EU macht mir Sorgen und sollte auch uns im Westen zu denken geben.
     
  8. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ein recht umfangreiches, komplexes Thema!

    Von mir deshalb nur ein paar Gedanken dazu.

    Du schreibst vom „WP“ und „Außenhandel“.

    Der Außenhandel der sozialistischen Länder war aber nicht der „Warschauer Pakt“.
    Der Außenhandel spielte sich im „RGW“ (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ ab.
    Das äußere sichtbare Zeichen war das 30ig Stockwerke hohe Gebäude an der Moskwa in Moskau, welches architektonische wie ein aufgeklappte Buch aussieht.
    Wurde 1967 fertiggestellt. Gebaut wurde es von den Ländern des RGW.
    So z.B.:
    · Rumänien lieferte die Verkleidung der Seitenteile mit Keramikplatten,
    · Bulgarien war für den Sitzungssaal des RGW-Exekutivkomitees zuständig.

    In diesem Haus wurde die Durch-und Ausführung der gemeinsamen Wirtschaftspolitik des RGW besprochen.
    Empfehlenswert ist da der nachfolgende Beitrag vom 11.03.2020:
    https://kalterkriegundentspannungsp...-fuer-gegenseitige-wirtschaftshilfe-kurz-rgw/
    Und da Du Dich für Außenhandel interessierst empfehle ich Dir auch den wiki Text zu:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Bank_für_wirtschaftliche_Zusammenarbeit

    Was dort alles lief, ich meine das wissen nur Insider. Ich meine aber, die Russen waren da nicht immer die Diktaturen.
    Unsereins spürte nur die Auswirkungen der Beschlüsse und die boten mehr wie oft Stoff für endlose Diskussionen im Kollegenkreis.

    · Viele Produkte hatten einen Rufnamen so z.B. Sibirientrommel der UdSSR (Diesellok), Hochbaukrane von Typ Mostostal aus Polen (Mist aus Stahl). Kleintransporter aus Rumänien (Karpatenziege) usw. usf.

    Also wenn z.B. die Rumänen Dieselloks in der Schweiz einkauften, lies man sich nicht ins Geschäft reinreden.
    Und als die Polen eine Lizenz nach der anderen zur Herstellung von Baumaschinen im westlich Ausland kauften, war das ebenso.
    Wenn wir –DDR- aus der Schweiz von der Firma Bühler Nudelmaschinen einkauften, ging das auch keinen an. Die DDR hatte zur Wende 5 Nudelmaschinen aus der Schweiz, darunter in Riesa/BL Sachsen die modernste Spaghettimaschine Europas der damaligen Zeit (um 1990).
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die beiden Staaten waren sehr unterschiedlich. Bulgarien und seine Bevölkerung waren bereits seit Generationen recht russophil eingestellt. Es gab bereits vor 1945 eine gewisse sozialistische Tradition mit einer gut organisierten kommunistischen Partei. Bulgarien hatte bei der "Befreiung" durch die Rote Armee 1944 weit weniger gelitten, als Ungarn und Rumänien, wo es zu massiven Plünderungen und Vergewaltigungen gekommen war. Es galt Bulgarien als der zuverlässigste und loyalste Bundesgenosse der SU, und es waren in Bulgarien auch keine sowjetischen Truppen stationiert. Als linientreuester Verbündeter bekam Bulgarien scherzhaft den Spitznamen 16. Sowjetrepublik.

    Rumänien hatte eine andere Geschichte, und es waren die Verhältnisse in Rumänien ganz andere. Rumänien gehörte zu den Gewinnern des 1. Weltkriegs. Es hatte Siebenbürgen, das Banat und Bessarabien gewonnen und seine Fläche mehr als verdoppelt. Als Folge des Hitler Stalinpakts hatte Rumänien Bessarabien wieder an die SU verloren und im Wiener Schiedsspruch Nordsiebenbürgen an Ungarn. Rumänien war im 2. Weltkrieg mit Deutschland verbündet gewesen. Vor 1945 hatte die Kommunistische Partei in Rumänien keine große Rolle gespielt. Wegen Bessarabien, dem heutigen Moldawien und Kriegsgreuel beim Vormarsch der Roten Armee, war das Verhältnis zur SU nicht unproblematisch. 1945 wurde in Rumänien eine Einparteiendiktatur durchgesetzt, im Zuge der Entstalinisierung kam es zum sogenannten Tauwetter, und Rumänien leistete sich einen sehr eigenwilligen Kurs. Rumänien gehörte zwar im Gegensatz zu Jugoslawien Teil des Warschauer Paktes-Rumänien trat 1955 bei. In Rumänien waren aber nach 1958 keine sowjetischen Truppen mehr stationiert. Ähnlich wie Jugoslawien leistete sich Rumänien einen sehr eigenwilligen Kurs.

    Im Gegensatz zu Bulgarien war die Stimmung in Rumänien eher anti-russisch/sowjetisch. Traditionell waren Rumänien Eliten kulturell nicht nach Russland, sondern eher nach Deutschland und Frankreich orientiert. Dabei spielten Gräuel im 2. Weltkrieg eine Rolle wie auch die Annexion von Bessarabien und der Schlangeninsel. Außerdem hatte die SU sich geweigert, den rumänischen Staatsschatz zurückzugeben. Rumänien konnte es sich daher eher leisten, eine eigenwillige Politik die von der Linie abwich durchzusetzen. Rumänien setzte sich mehrmals über "Blocksolidarität" hinweg: Wie schon erwähnt, beteiligte sich Rumänien nicht an der Niederschlagung des Prager Frühlings, kritisierte vielmehr heftig diese Politik, und auch am Olympiaboykott 1984 beteiligte sich Rumänien nicht. Zugeständnisse des Westens blieben dafür nicht aus. Ceausescu öffnete anfangs Rumänien nach Westen. Der Westen war ein wichtiger Absatzmarkt für Holz, landwirtschaftliche Erzeugnisse etc.

    Anders aber, als Jugoslawien, das ein offenes Land war, geriet Rumänien in Isolation.-Jugoslawien war eines der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland in den 1970er Jahren, und zahlreiche Jugoslawen gingen als Gastarbeiter nach Deutschland. Ceausescus Personenkult nahm selbst für Ostblockverhältnisse ziemlich groteske Formen an.
    Politisch aber ging Rumänien einen eigenen Weg.

    Die SU hat nach Ende des Krieges fast überall in Osteuropa Einparteien-Systeme nach stalinistischem Vorbild eingesetzt, und 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn und 1968 in der CSSR hat die SU nicht gezögert, militärisch zu intervenieren, wenn diese in Gefahr gerieten, gestürzt zu werden oder eine ungewünschte Linie einschlugen.

    1968 verkündete Leonid Breschnew die Breschnew-Doktrin: Die Souveränität und die Interessen einzelner sozialistischer Staaten finden ihre Grenzen an den Interessen und der Sicherheit des gesamten sozialistischen Systems.

    Breschnew-Doktrin – Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. September 2022
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  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Apropos Waisen: Die Securitate rekrutierte mit besonderer Vorliebe Waisen, die noch so jung waren, dass man sie leicht politisieren und manipulieren konnte.
     
  11. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Doch, Rumänien war Teil des Warschauer Paktes. Es waren zwar keine sowjetischen Truppen in Rumänien stationiert und die rumänischen Streitkräfte nahmen auch nicht bei der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 teil, dennoch beteiligte sich Rumänien an einigen Großmanövern des Warschauer Paktes, bspw. an "Waffenbrüderschaft 80".
     
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  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich weiß, 1955-deshalb habe ich den Beitrag auch geändert.
     
  13. Griffel

    Griffel Mitglied

    Danke schon mal bis hierher. Das ist alles sehr interessant. Im Falle von Bulgarien wurde die Ermordung des Schriftstellers Georgi Markow, ja vom Diktator angeordnet und von Moskau unterstützt bzw. stillschweigend geduldet.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Georgi_Markow_(Schriftsteller)
    Mir ist zwar bekannt, dass es auch in der UdSSR stramme Strafen gab und das Rechtssystem nicht frei war. Aber die Liquidierung von Dissidenten, kam meines Wissens nach Stalin nicht mehr vor. Also hätte Moskau theoretisch die Möglichkeit gehabt, auch mal "Nein" zu sagen.

    Abweichler waren im Ostblock nie besonders beliebt! Aber der arme Mann wurde in einem westlichen Land vergiftet und das mit einem Gift, welches auch als chemische Waffe eingesetzt werden kann!:eek: Das wundert mich doch etwas. Wo der Ostblock doch durch die KSZE versuchen wollte, seine Beziehungen zum Westen zu verändern.
     
  14. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

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  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das war sozusagen ein politischer Auftragsmord mit Bekennerschreiben zwischen den Zeilen. Man hätte auch das Opfer einfach erschießen können, So aber hat man sozusagen eine Handschrift hinterlassen, damit jeder weiß, wer der Auftraggeber war mit der simplen Botschaft, "Wo immer du bist-wir finden dich! -jetzt haben wir dich gefunden-ratet mal, wer das war!

    Die Auswahl der Tatwaffe, das Gift über das nur ein kleiner Kreis von Leuten überhaupt Zugriff hat war eine Inszenierung. Die Welt sollte wissen, dass der Geheimdienst den Mord vollstreckt hat. Jeder weiß und soll wissen wer der Auftraggeber ist-ohne das ein Bekennerschreiben hinterlassen wurde. Zugleich ein Signal an alle Abweichler-wir finden dich auch in der "freien Welt" kriegen wir dich!"

    Alexander Walterow Litwinenko hat man mit Polonium umgebracht. Könnte es am Ende sein, dass ein gewisses Staatsoberhaupt- lupenreiner Demokratendarsteller-, ehemals KGB-Agent irgendwie ganz an Rande etwas damit zu tun haben könnte?

    Das was Friedensnobelpreisträger Obama mit Osama Bin Laden angestellt hat, war eigentlich auch ein Auftragsmord. Statt ihn vor ein Gericht zu stellen, haben ihm die Navy Seals etwas durch den Kopf gehen lassen. .
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In Rumänien gab es nach dem Krieg unterschiedliche Fraktionen in der KP. Das waren eigentlich alles 150 %ige-Stalinisten, die sich inhaltlich kaum unterschieden, bei denen aber das persönliche Lebensschicksal ein verschiedenes war. Die "Moskowiter" um Ana Pauker und Wasile Luca hatten den Krieg im Moskauer Exil verbracht, während die "Gefängnis-Kommunisten" um Gheorge Gheorgiu-Dej während der faschistischen Ära in rumänischen Gefängnissen inhaftiert war. Die Nachkriegszeit war recht turbulent, es kam zu zahlreichen Verhaftungen und die Ressourcen des Landes wurden durch sowjetische Beschlagnahmen und Reparationszahlungen schwer belastet. Außerdem weigerte sich die SU, den rumänischen Staatsschatz zurückzugeben. Rumänien hatte dazu Bessarabien und die nördliche Bukowina verloren. Gheorgiu-Dej war 150%iger Stalinist, was ihn dazu bewegte, einen eigenen Kurs einzuschlagen, war ausgerechnet Chrustschows Reformkurs und die Entstalinisierung. Gheorghiu-Dej drohte vollends unglaubwürdig zu werden. Außerdem war er gegen eine Agrarpolitik, die Rumänien zum Brotkorb des Ostblocks machen wollte. Gheorghiu-Dej wollte mit Staaten Handelsverträge schließen völlig unabhängig von deren politischen System, solange diese die Gleichheit garantierten und sich in politische Angelegenheiten nicht einmischten. Diese Politik Rumäniens führte zu einer starken Anlehnung an China, und Rumänien folgte seitdem einen eigenen Kurs.
     
  17. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ich will ja zu Scorpio tollen Beiträgen was sagen, will erklären woher die Russophilie der Bulgaren, aber auch der Serben kommt und warum die Rumänen die Bulgaren, aber noch weniger die Serben verstehen. Weil das Verhältnis zwischen Serben und Rumänen ganz allgemein ausgezeichnet ist, nicht nur für Balkan, sondern für Europaverhältnisse. Serbien hat riesige rumänische Minderheiten gehabt und bis vor paar Jahren war dies kein Problem, jetzt wo das kulturelle verschwinden der Wallachen in Ostserbien befürchtet wird und Serbien und die serbische Kirche ein wenig paranoid ist (kein Gottesdienst auf Rumänisch, was ich nicht verstehe). Status Rumunske crkve u Srbiji je najveći problem između Srbije i Rumunije (blic.rs)

    Problematisch ist auch das in Serbien ein Rumänisch gesprochen ist voller slawischer und türkischer Wörter, die im eigentlichen Rumänien nicht benutzt wird. Aber bevor es eine Doktoarbeit wird, paar Daten warum die Russen so unterschiedlich gesehen werden.

    Mittelalter: - In Siebenbürgen, Transilvanien und Moldau wird Altslawisch geschrieben und auch offiziell gesprochen, verschiedene Varianten. In Bulgarien und Serbien assimilieren sich die Wallachen langsam in die Slawen. Enge Beziehungen zur Kiewer Rus (wobei man sich streiten kann ob die Ukraine eher der Nachfolger ist, sowohl Bulgaren und Serben haben da Ladehemmungen, weil die Ukrainer ja auch als "Brüder und Schwestern" gelten und man weiß nicht zu wem man halten soll.

    Ab dem 16. Jahrhundert. Neukirchenslawisch welches viele Wörter aus der russischen Volkssprache erhält, kommt in die Verwendung, sowohl bei den Bulgaren, Rumänen und Serben.

    Die katholischen Rumänen in Siebenbürgen machen Anfänge einer Schriftsprache die auf dem Rumänischen Basiert.

    Nach der Wiener Türkenbelagerung mehrere Versuche die Balkanchristen auf die Seite zu bringen, vor allem die Serben aber auch die Bulgaren.

    1792 Russo-Turkish War (1787–1792) - Wikipedia die Österreicher müssen wegen Preußen und der Französischen Rebellion ihre Verbündeten am Balkan "Verraten", Stärkung des Russischen Einflusses und Verlust von Österreich an Prestige.

    1804 Erster Serbischer Aufstand

    1806 Russland hilft den serbischen Rebellen

    1812 Napoleon steht Russland von der Tür. Frieden dafür bekommt Russland von Rumänien Besserabien (Republik Moldawien mehr oder weniger)

    1813 Serbien wird vernichtet. Von 300.000 christlichen Einwohnern vor dem Aufstand leben noch 200.000 geschätzt, Problematisch da viele Orthodoxe aus anderen Teilen während des Aufstandes ziehen. Alle Truppen der Osmanen 300.000 ziehen gegen 50.000 serbische Soldaten keine Chance. Der Führer der Serben will Guerillakrieg seine Generäle weigern sich, führt zur Katastrophe. Merke wenn Russland angegriffen wird, wird Serbiens Genick gebrochen.

    1815-1817 Neuer Aufstand, als Napoleon weg ist und im Wiener Kongress alles geregelt, helfen die Russen Serbien als Vasallenstaat wiederaufzuleben.

    1863 Krimkrieg. Serbien bleibt neutral, obwohl alle dafür sind den Russen zu helfen. Bekommt dafür die restlichen Städte die für die Muslime vorbehalten sind (Belgrad, Sabac, Smederevo und Sokac).

    1875 Aufstand in der Herzegowina. Zuerst Freiwillige aus Österreich, Serbien und Montenegro ziehen in den Krieg gegen die Osmanen. Russland kommt dazu. Bulgaren machen Aufstand, massive Massaker an den Bulgaren. Russland befreit Bulgarien mit rumänischer Hilfe im Krieg.

    Sprachreformen. Bulgaren übernehmen viele russische Wörter ersetzen die türkischen und andere, Rumänen säubern ihre Sprache von slawischen und türkischen Wörtern, viele romanische Wörter werden benutzt, Serben machen mit Kroaten Reform, wo es diese Säuberungen nicht gibt.

    1878 San Stefano Frieden Schaffung von Großbulgarien unter Sankt Petersburgs Gnaden, wegen Makedonien und den Gebieten wo ein Mischdialekt gesprochen wird, kommt es zur Feindschaft. Serbien verhindert diesen Frieden, wendet sich Österreich zu. Bulgarien wird kleiner geschaffen. Heute sagen viele Historiker in SErbien, man hätte den Frieden zustimmen sollen, weil ein autonomes Bosnien entstanden wäre, wo mit allgemeinen Wahlrecht eine proserbische und prorussische Regierung geworden wäre. Österreich-Ungarn annektiert Bosnien.

    1885 SErbisch Bulgarischer Krieg, Serbien gegen die Vereinigung von Bulgarien und Ostrumelien. Milan führt Krieg, Armee Serbiens bricht zusammen, Männer verstehen den Grund für den Krieg nicht. Serbien wird faktisch ein Vasall Österreichs.

    1903 Alexander Obrenovic wird ermordet, angeblich wollte auch eher von den Österreich-Ungarn weg. Serbien wendet sich von Österreich-Ungarn ab.

    1912 1. Balkankrieg unter russische Führung.

    1913 STreit um Makedonien

    1914 wegen Makedonien wendet sich Bulgarien von Russland ab.

    1918: Kommt Besserabien endlich zu Rumänien.

    Zwischenkriegszeit: Stalin hast das Königreich Jugoslawien, weil es viele Weiße Russen aufnimmt und die scheinen sich auch wohlzufühlen. Ein Grund für den fanatischen Hass der jugoslawischen Kommunisten auf Jugoslawien I (was sicher nicht ohne Fehler war, aber dies ist übertrieben).

    1941Bulgarien schließt sich der Achse an, keine Truppen gegen Russland.

    1945: Rumänien gibt Besserabien wieder ab, man ist nicht glücklich drüber.

    1991: Russland verhindert das die Republik Moldawien sich mit Rumänien verbindet.

    Nach 1991. Ist moldawisch eine eigene Sprache (Hymne von Moldawien: Unsere rumänische Sprache), sind wir ein eigenes Volk (Moldawier). Moskau fördert diese Idee einer moldawischen Nation und Sprache. Wut der Rumänen drauf. Kommt Transistrien zu Moldawien ist die Republik noch pro-russischer als jetzt schon, was machen??? Wissen die USA und die EU auch nicht.

    Ab 1991 in Bulgarien. Europa oder Russland. Kopf sagt Europa, Herz Russland, Enttäuschung über Abwanderung nach EU-Beitritt. Es wird gefühlt nichts besser, obwohl wir brav waren, im Gegensatz zu den Serben. (Angeblich kommt dies raus, wenn Historiker aus Serbien und Bulgarien miteinander reden).

    Serbien nach 1991 ist ja mehr oder weniger bekannt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. September 2022
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