Wie viel Prozent der Bevölkerung war im Hochmittelalter im Kloster?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Kunstsuse, 22. April 2012.

  1. Kunstsuse

    Kunstsuse Neues Mitglied

    Ich schreibe gerade über die Gründe, warum man im Hochmittelalter ins Kloster ging. Dafür gibt es wirklich viele... was mir aber immer noch nicht ganz klar ist, wie viele Menschen betrifft das überhaupt? Ca. 80 - 90 % waren Bauern, das ändert sich etwas im Spätmittelalter und den zahlreichen Stadtgründungen. Aus dem Rest bilden sich die beiden anderen Stände. Hat jemand vielleicht eine verlässliche Angabe?

    Vielen Dank!
     
  2. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Ja, ich guck mal eben ins Bevölkerungsregister von 1167, da findet man sicher etwas. :D

    Eine "verlässliche Angabe" kann dir hier wohl keiner liefern. Aber wenn man sich mittelalterliche Rechnungen ansieht oder amtliche Dokumente studiert, kann man Schätzungen aufstellen, die freilich für nichts garantieren.

    Frag mich nicht, wo ich das her hab, aber ich glaube mal gelesen zu haben, dass man für das Hochmittelalter von etwa 3-5% Adligen, 5-10% Klerikern und dementsprechend 80-90% Mitgliedern des 3. Standes ausgeht. Zu diesen zählen freilich noch die Städter, deren Anteil man oft unterschätzt: Sind es im 12. Jahrhundert außerhalb Italiens noch unter 10%, in der Peripherie gar unter 5%, so steigt die Urbanisierungsrate im 13. und 14. Jahrhundert in Mitteleuropa auf 15-25% (je nach Region), in Ballungsgebieten wie Flandern teilweise sogar bis auf über ein Drittel. Natürlich leben in der Stadt auch sehr viele Geistliche; in Köln gibt es Ende des 13. Jahrhunderts z. B. fast 50 Klöster bei ca. 50 000 Einwohnern.

    Um 1300 leben also nach Expertenmeinungen etwa 80-85% der Zentraleuropäer auf dem Land, 15-20% in Städten. Jeder zwanzigste oder dreißigste darf sich für etwas besseres halten, jeder zehnte oder zwanzigste beten, dass die Wände wackeln. Jeder fünfte bis zehnte verdient sein Brot mit Handel, Handwerk oder Bettelei; sieben bis acht von zehn schuften sich auf dem Feld kaputt.

    Hoffe, dass ich dir geholfen habe.
     
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  3. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Man könnte über die Anzahl der Burgen die Besatzungen schätzen, über die Anzahl der Pfarreien, die Zahl der Pfarrer (in der Regel 1 Pfarrer pro Pfarrei in normalen Dörfern und dem Großteil der Städte, die nicht viel größer waren, als die Dörfer) die Zahl der Klöster ist in der Regel auch bekannt. Die Bürgerschaft der Städte setzte sich, gerade bei kleinen Städten vor allem aus Bauern zusammen. Es war durchaus nur ein bestimmter Prozentsatz Handwerker.

    In dem Gebiet um Jena (Stadt Jena und Saale-Holzland-Kreis) z.B. lebten um 1500 schätzungsweise 25000 Leute, darunter ca. 8500 Bürger in Städten, ca. 250 Leute in Klösterlichen Gemeinschaften und ca. 100 Pfarrer.
     
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