Wie wurde die Neutralität während des Kalten Krieges gesichert?

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Griffel, 24. August 2022.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    Mich als Außenstehendem, interessiert, wie genau Österreich gedachte, seine erklärte und verbriefte Neutralität zu sichern? Wenn, man blöde ausdrücken wollte, gehört die Neutralität zur Österreich, wie die Mozartkugel und die Familie Strauss.

    Soweit so gut möchte man meinen! Aber diese Neutralität wurde ja von der Weltgemeinschaft nie offiziell anerkannt. :rolleyes: Und speziell im Kalten Krieg, hat keine der beiden Seiten, weder die USA noch die UdSSR, sich besonders um Verträge oder Versprechungen geschert. Im Falle der Sowjetunion käme dann noch dazu, dass nach ihrem eigenen Selbstverständnis, die ganze Welt kommunistisch zu werden hatte. Und das hätte ja auch Österreich eingeschlossen.
    Selbstverständlich weiß ich, dass Österreich ein Bundesheer und eine Luftwaffe hat(te). Aber es stellt sich doch die Frage, wie und ob eine Verteidigung, gegen so einen Riesen überhaupt möglich gewesen wäre. Nun kann man einwenden, dass sowohl Österreich als auch die Schweiz, für die Weltmacht SU, viel zu uninteressant waren, um beachtet zu werden.

    Allerdings, haben sowohl die Sowjetunion, als auch die USA, noch selten Rücksicht auf Verträge genommen, wenn, ihren Zielen diente. So haben ja die USA, auch kraft eigener Macht, überall in Mittel und Südamerika interveniert, wo sie dies für notwendig erachtet haben! In den wenigsten Fällen gab es dafür eine gesetzliche Grundlage. Und selbst wenn, es eine gegeben hätte, wäre dies ein einseitiger Schritt gewesen.

    Allerdings müsste man dazu erst einmal wissen, wie in diesem Punkt, die Einschätzungen waren. Ich hoffe hier auf Beiträge von österreichischer Seite.
     
  2. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Welche erklärte und verbriefte Neutralität?
    Kann das sein, dass du Neutralität mit Blockfreiheit verwechselst?

    Joa, wenn du allerdings mit einer solchen Argumentation anfängst dann erübrigt sich deine gesamte Fragestellung.
    Denn dann müsste man ja jegliche vertragliche Absprache, inklusvie tatsächlicher Bündnisverpflichtungen als potentiell nichtig betrachten.

    Folglich wäre es nicht möglich irgendeinen Status herzustellen, unabhängig davon, wie dieser en detail auszusehen habe.
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Karl Marx ging davon aus, dass eine Revolution nur durch eine Zusammenarbeit aller Proletarier eine Chance haben kann, daher auch der Aufruf im Kommunistischen Manifest Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Lenin ging davon aus, dass der Weltkrieg ein Krieg imperialistischer Mächte sei und eine Kommunistische Revolution nur dann Chancen hatte, wenn die Proletarier in Deutschland und Frankreich sich an einer Revolution beteiligen. Der russisch japanische Krieg führte zur Revolution von 1905 in Russland. Während des Krieges kam es in Russland zu Auflösungserscheinungen und schließlich zur Märzrevolution von 1917. Die Provisorische Regierung setzte aber den Krieg fort. Lenin schreckte nicht davor zurück, sich mit der reaktionären 3. OHL zu verbünden. Die ließen Lenin nach Russland einreisen, weil sie ihm zutrauten, den Revolutionsprozess zu beschleunigen. Die Oktoberrevolution war ein Putsch von sehr entschlossenen und skrupellosen Berufsrevolutionären und Kadern. Lenin versprach Frieden um jeden Preis, und die Bolschewiki schlossen den Frieden von Brest-Litowsk mit großen Gebietsverlusten. Lenin rechnete damit, dass auch in Deutschland das Kaisertum zusammenbrechen würde, und er hoffte auf ein überschwappen der Revolution nach Deutschland und Frankreich. Beide Staaten hatten eine gut organisierte Arbeiterbewegung. In mehreren europäischen Staaten gab es kurze Intermezzos von Räteregierungen und Arbeiter und Soldatenräten.

    Auf Iniative Lenins kam es 1919 zur Gründung der 3. Internationale, einem Zusammenschluss verschiedener sozialistischer Parteien
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunstische_Internationale

    Während der Russischen Revolution und des Bürgerkrieges hatte Lenin anfangs noch die Hoffnung, dass die Revolution nach Deutschland überschwappt. Es zeichnete sich allerdings bald ab, dass an einen Revolutionsexport nicht zu denken war. Nach Lenins Tod kam es zwischen Stalin und Trotzki zum Machtkampf. Stalin setzte sich durch, und er gab die neue Linie vor, die dem Aufbau des Sozialismus in einem Land" den Vorrang gab. Statt Revolutionsexport setzte Stalin auf die Industrialisierung der SU, die er skrupellos forcierte. Damit war im Grunde genommen auch das Projekt einer Weltrevolution vom Tisch.

    Man muss nun wirklich nicht 30 Jahre nach Ende des Kalten Krieges antikommunistischen Feindbildern auf den Leim gehen, die schon während des Kalten Krieges bedenklich abgeranzt müffelten.


    Bedenklich müffeln auch pauschale anti-amerikanische Klischees. Es ist schon bemerkenswert, dass du die USA, immerhin ein demokratischer Staat mit einer beachtlichen Rechtstradition mit der SU in einen Topf wirfst.
     
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  4. Griffel

    Griffel Mitglied

    Wenn, Österreich das geschafft hat, dann ist da ja schön. Für die Menschen in der Alpenrepublik. Das ändert aber nichts daran, dass Neutralität, nur dann auch funktioniert, wenn, sie auch respektiert wird.
     
  5. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Ah und warum noch gleich hätten die Siegermächte, wenn sie die Blockfreiheit zu respektieren grundsätzlich nicht bereit gewesen wären, ihre jeweiligen Besatzungszonen, die sie bereits hatten aufgeben sollen?
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Wohl wahr! Es funktionieren aber Völkerrecht und internationale Beziehungen auch nicht nach den vulgär-machiavellistischen Grundzügen, die du als selbstverständlich vorauszusetzen scheinst. Da wird ständig irgendwo einmarschiert und interveniert, bzw. man wundert sich, dass nicht einmarschiert oder interveniert wurde- weil es ja irgendwo logisch ist, Politik nach der Maxime zu machen, dass es nur ein Recht-das des Stärkeren gibt. Wenn die Schweiz nicht annektiert wurde, kann es nur daran liegen, dass sie nicht beachtet wurde-Die Schweizer sind ja auch nur ein "Völkchen"

    Es wird konstatiert, dass die USA und die SU sich selten an Verträge gehalten haben. Im Zusammenhang mit "Indianerverträgen" ist das noch nicht mal falsch. Im Vorwort zum Der Letzte der Mohikaner schrieb James F- Cooper, der sich anscheinend die Mühe machte, das mal zu recherchieren, dass sich nur William Penn und die Kolonie Pennsylvania rühmen könne, nie einen Vertrag mir den First Nations gebrochen zu haben. Zum Zeitpunkt der Handlung des Romans gab es die USA noch gar nicht.

    Als Verbündeter war die SU ein unbequemer Partner, grundsätzlich aber ist die SU Verpflichtungen durchaus nachgekommen und hat sich an Abmachungen gehalten. Die Weimarer Republik konnte mit der SU durchaus zufrieden sein. Da wurde natürlich der Vertrag von Versailles ausgehebelt, da konnten deutsche Militärs nach Herzenslust verbotene Waffen testen. Beide Partner haben aber von der Zusammenarbeit profitiert.

    Auch für Nazi-Deutschland war die SU ein verlässlicher Partner. Rohstofflieferungen wurden pünktlich geliefert, Absprachen eingehalten. Noch wenige Stunden vor Unternehmen Barbarossa gingen letzte Materiallieferungen über die Grenze. Dass die SU einen Angriff plante und die Wehrmacht nur einen Präventivschlag landete, war eine Lüge. Ganze Divisionen wurden buchstäblich im Pyjama gefangen.

    Die Anti-Hitler Koalition war total unnatürlich, sie hielt nur solange Hitler lebte, danach brach sie auseinander. Die SU war ein unruhiger, durchaus bedrohlicher Nachbar. In Europa entstand aber ein Patt. Die Angst vor einem Atomkrieg sorgte für ein Gleichgewicht des Schreckens. Der Status Quo war in Europa nicht zu verändern, ohne die Gefahr eines Krieges heraufzubeschwören, der spätestens am Rhein ein atomarer werden würde.

    Das war ein beklemmendes Szenario- so paradox es aber auch klingt- Dieses Gleichgewicht sorgte aber für eine gewisse Stabilität und Berechenbarkeit des Gegners, den man nicht überwinden konnte ohne Selbstvernichtung, und der gerade deshalb nicht zu fürchten war. Finnland war 1918 erst unabhängig von Russland geworden. Im 2. Weltkrieg war es mit Deutschland verbündet und hatte 1944 noch gerade rechtzeitig den Absprung geschafft.

    Als blockfreie und neutrale Staaten haben Finnland und Schweden über 70 Jahre recht unbesorgt gelebt, ohne zu befürchten, von der SU überrannt zu werden. Die SU war ein ungemütlicher Nachbar, aber sie war doch berechenbar, und wo sie sich auf internationale Verträge einließ, hat sie Absprachen durchaus eingehalten. Erst kürzlich, nach dem Überfall auf die Ukraine kam bei den skandinavischen Staaten der Wunsch auf, der Nato beizutreten. Beizutreten, weil man Putins Russland nicht die Verlässlichkeit zutraute, die die SU trotz allem gezeigt hatte.



    Die USA waren als Bundesgenossen eigentlich immer sehr zuverlässig. Im 1. und 2. Weltkrieg haben die USA den Krieg entschieden. Ein sehr großer Teil der US-Amerikaner hat deutsche Vorfahren, und im Großen und Ganzen wird man sagen können, dass die Amerikaner sehr deutschfreundlich sind. Als "Besatzer" hat man die Amerikaner fast kaum bemerkt. Wo sie in Garnison lagen, waren sie recht beliebt, sie ließen viel Geld im Land, mischten sich in deutsche Angelegenheiten nicht ein. Während und nach dem Krieg zeigten sie sich als faire Sieger, vielerorts kamen sie wirklich als Befreier. Nach dem Krieg haben die USA sehr viele Care-Pakete nach Europa und vor allem nach Deutschland geschickt, ein Großteil davon aufgebracht durch private Spenden von US-Amerikanern. Die Kriegsgeneration hatte das nicht vergessen. Die US-Außenpolitik mag sicher in vielem kritikwürdig sein, die doch sehr lange Friedensperiode in Europa nach 1945 war doch zum großen Teil den USA zu verdanken, und mal ganz ehrlich! Es lebte sich nicht schlecht im Schatten von Uncle Sam.

    Österreichs Souveränität wiederherzustellen, darauf haben sich die Alliierten bereits 1943 geeinigt,. Österreich sollte wieder vollständig als unabhängiger Staat hergestellt werden.

    Moskauer Deklaration – Wikipedia

    Mit dem österreichischen Staatsvertrag wurde Österreich 1955 wieder vollständig souverän. Es verpflichtete sich zu Neutralität und zum Verzicht auf eine Vereinigung mit Deutschland.
     
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  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Welche Staaten haben denn Österreichs Souveränität und Neutralität nicht anerkannt? Österreich wurde 1955 auch Mitglied der UNO, und Österreich hatte sowohl mit den Nato-Staaten wie auch mit seinen osteuropäischen Nachbarn recht gute Beziehungen.
     

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