Wiederherstellung Westroms

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Beigl, 2. Februar 2014.

  1. Beigl

    Beigl Neues Mitglied

    Hallo,
    Ich weiß rein hypothetische Frage,aber denkt ihr ob es möglich gewesen wäre das Weströmische Reich nach 500 vollständig wiederherzustellen?Justinian und seine Feldherren haben in Italien ja einige Erfolge gegen die Goten verzeichnen können und diese in der Schlacht am Mons Lactarius vernichtet.

    Bin auf eure Antworten gespannt.
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Frage ist schon sehr hypothetisch. Den (Ost-)Römern gelang es ja, Italien wieder in ihre Gewalt zu bekommen - nur verloren sie bereits ein paar Jahre später einen Gutteil davon wieder an die Langobarden. In Teilen Italiens, vor allem im Süden, konnten sie sich allerdings bis ins 11. Jhdt. halten. Iustinian wollte aber auch gar nicht das Weströmische Reich wiederherstellen, also keinen neuen Kaiser im Westen einsetzen (denn ein eigener Staat war das Weströmische Reich ohnehin nicht gewesen, die Teilung war nur administrativer Natur), sondern gliederte Italien, Africa und Südspanien einfach an sein Reich an. Italien ließ er von Narses regieren. (Sein ursprünglicher Plan war wohl, Italien von seinem Verwandten Germanus regieren zu lassen, der mit Mataswintha, einer Prinzessin aus der ostgotischen Amalerdynastie, verheiratet war, was helfen können hätte, zumindest Teile der Ostgoten für ihn zu gewinnen. Allerdings starb Germanus noch vor seiner Ankunft in Italien. Er hätte aber höchstwahrscheinlich ohnehin nur als Statthalter regieren sollen, nicht als neuer Westkaiser. Denn wenn früher vom Osten aus jemand in den Westen geschickt worden war, um dort Kaiser zu werden, wurde er üblicherweise bereits vor seiner Abreise zum "Caesar", also gewissermaßen "Augustus"-Anwärter, erhoben, was bei Germanus aber nicht der Fall war.)
    Einige Jahrzehnte später wurden die noch in oströmischer Hand befindlichen Teile Italiens zu einem Exarchat mit der Hauptstadt Ravenna umgewandelt, also einer recht eigenständigen Verwaltungseinheit, aber eben immer noch Teil des Reiches.

    Es gab in Italien zwar ein paar Usurpatoren, die sich zu Kaisern ausriefen (Eleutherius, Tiberius Petasius u. a.), aber diese blieben Episode.
    Eleutherius, ein Exarch von Ravenna, proklamierte sich 619 zum Kaiser und wollte anscheinend tatsächlich nur in Italien regieren, wurde aber schon 620 getötet. Wenn er Erfolg gehabt hätte, hätte es auf eine Art Wiedererrichtung des Weströmischen Reiches hinauslaufen können, wobei es sich aber auf Teile Italiens beschränkt hätte und wahrscheinlich nie vom Osten anerkannt worden wäre.
    Ca. 729 rief sich in Italien ein gewisser Tiberius Petasius zum Kaiser aus, jedoch dürfte er nach der Herrschaft über das Gesamtreich gestrebt haben, außerdem wurde er bereits 730 geköpft.

    Deine Frage lässt sich im Prinzip nur spekulativ beantworten: Was wäre gewesen, wenn die Langobarden nicht in Italien eingefallen wären oder zumindest Kaiser Konstans II. Mitte des 7. Jhdts. mit seinem Feldzug gegen die Langobarden Erfolg gehabt hätte? Dann wären vielleicht andere Invasoren gekommen - oder auch nicht. Vielleicht wäre Italien noch längere Zeit Teil des oströmischen Reiches geblieben - oder es hätte sich abgespalten und wäre wirklich zu einem eigenständigen Weströmischen Reich geworden - oder ...
    Du siehst, es gibt hier so viele Variablen, dass eine sinnvolle Antwort nicht möglich ist.

    Falls Du allerdings mit "vollständiger Wiederherstellung" eine Wiederherstellung in den Grenzen von 395 meinst, also inkl. ganz Spanien, Gallien und Britannien, dann lautet meine Antwort: nein. Iustinian strapazierte die Kräfte seines Reiches bereits für seine begrenzte Rückeroberung enorm. Das Oströmische Reich hatte zu keiner Zeit die Kapazitäten für eine vollständige Rückeroberung des Westens. Am Balkan machten ihm die Awaren und Bulgaren genug zu schaffen, im Nahen Osten die Perser und später Araber. Das Reich konnte sich im 8. Jhdt. nur mit Mühe und Not als Rumpfstaat halten, aber auch später, als es wieder bergauf ging, wäre eine vollständige Rückeroberung des Westens außerhalb seiner Möglichkeiten gewesen.
     
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    die italienischen Goten wurden nach einem mörderischen Krieg besiegt, Italien allerdings war ausgeblutet
    die Vandalen in Afrika wurden besiegt
    in Spanien gewann man ein paar Landstriche zurück

    die span. Goten wurden nicht verdrängt, die Merowinger saßen fest in ihren Sätteln - Awaren und Slawen deängten über die Donau - dazu die permanente persische Gefahr

    ...und dann auch noch die große Pestepidemie...

    ein Szenario, welches ein Wiedererrichten des west- und oströmischen, also des "gesamtrömischen" Imperiums etwa innerhalb der von Iulian oder Theodosius regierten Gebiete meint, scheint mir auch ohne die Pest die politisch-militärische Macht und die Ressourcen Justinians zu überfordern.
     
  4. Beigl

    Beigl Neues Mitglied

    Danke für eure Informativen Antworten.
     

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