Wieso hat Amerika Kredite an Deutschland gegeben?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von valevale, 19. November 2012.

  1. valevale

    valevale Neues Mitglied

    Hallo! Ich hab mich gefragt wieso Amerika 1924 Kredite an Deutschland gegeben hat. Welche Profite hatten die Amerikaner davon? Und noch was kann ich mir nicht beantworten: Wieso gab es durch diese Kredite keine Inflation in Deutschland? Eine Inflation entsteht ja wenn mehr Geld als Güter da sind und deswegen steigen die Preise. Bei den Krediten war es doch auch der Fall, oder? Ich würde mich riesig freuen, wenn mir jemand diese Fragen beantworten könnte! :) Liebe Grüße valevale
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zunächst einmal gab es keine Kredite an "Deutschland", sondern amerikanische Käufe von langfristige Anleihen einzelner deutscher Kommunen, Länder, Banken, Industrieunternehmungen. Die Anleihen wurden von US-Finanzinstitutionen über die Kapitalmärkte erworben.

    Im kurzfristigen Bereich waren es in erster Linie hohe US-Bankkredite an deutsche Kreditinstitute, die ihrerseits langfristige Kredite an die deutsche Industrie vergaben, also Fristentransformation betrieben.

    Grund hierfür waren Zinsdifferenzen zwischen dem Deutschen Reich und den USA, also höhere deutsche Zinsen als US-Zinsen in dem Zeitraum. Das oben beschriebene US-Kapital strebte - bei Währungsstabilität, also vermeintlich ohne Währungsrisiko - in die höher verzinslichen (rentierlichen) deutschen Anlagen.

    Populärwissenschaftlich wurde hieraus die angebliche US-Finanzierung der deutschen Reparationsleistungen gestrickt. Der Grund für diese "Interpretation" liegt im Darstellungsbild (aussenwirtschaftlicher) Kapitalverkehrs- und Devisenbilanzen, deren "Gleichungssystem" diese direkte Gegenfinanzierung vortäuscht. Es handelt sich aber um voneinander isolierte ökonomische Vorgänge. So haben weder die "Stadtwerke Köln" noch die Danatbank oder eine andere der vielen geldsuchenden Institutionen US-Kredite aufgenommen, um etwa die Reichsschuld der Reparationen zu tilgen, sondern aus eigenem Finanzierungsbedarf.


    Siehe auch hier:
    http://www.geschichtsforum.de/f62/versailler-vertrag-zu-hart-und-weich-13487/index5.html#post375475
    http://www.geschichtsforum.de/f39/g...ahmenbedingungen-37571/index3.html#post640867
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. November 2012
    1 Person gefällt das.
  3. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Schöne Umschreibung des Bruches der "Goldenen Bankenregel".

    M. :winke:
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Es war allerdings nicht kritisierend gemeint.:winke:

    Die Fristentransformation wird je nach Zinsstrukturkurve betrieben, und war hier angesichts des "billigen" Zugangs ausländischer Finanzmittel getrieben. Sie ist Bestandteil des Konditionenbeitrages der Banken, der theoretisch mit oder ohne Fristentransformation realisiert werden kann.

    Riskant wird es, wenn das Vertrauen in die Bonität verloren geht oder die Abzüge aus Liquiditätsgründen oder "Kippen" des Zinsgefälles erfolgen, und die Abzüge nicht aus Reserven gedeckt werden können. So geschehen in der Weltwirtschaftskrise. Aber ich trage hier Eulen nach Athen.:scheinheilig:
     

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