William Adams - oder der "echte" John Blackthorne

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von Marbod, 24. August 2004.

  1. Marbod

    Marbod Neues Mitglied

    Letztes Wochenende kam in Sphinx die Doku über William Adams, den "echten" Anjin-San aus James Clavell's Weltbestseller "Shogun".
    Schon seit jeher war ich von der Feudalzeit Japans angetan und habe natürlich den Roman verschlungen. Ich muß allerdings gestehen, dass ich mich nur sehr oberflächlich mit der Geschichte beschäftigt habe und mir deswegen diese historische Person mit Namen William Adams entgangen ist. Ging das nur mir so? Oder habt ihr vielleicht sogar schon den Roman "Samurai William: The Englishman Who Opened Japan" gelesen? Es soll 2003 erschienen sein.
    Weiterhin würde mich interessieren, wer sich von euch mit Japans 16. und 17. Jahrhundert
    auskennt. Das ist auch der Grund, warum ich hier schreibe und nicht im Bereich historischer Literatur.

    Gruß

    Marbod
     
  2. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Dann mal etwas ausführlicher:
    William Adams ist nur Grundlage für den Roman "Shogun". Zwar hat Clavell einiges übernommen und beibehalten, aber ebensoviel erfunden bzw. aus anderen Zusammenhängen eingebracht.

    William Adams selbst begann sein Seefahrerei nicht als Navigator sondern als normaler Matrose auf Reisen bis nach Nordafrika.
    Sein Debüt als Kapitän hatte er auf einem Versorgungsschiff während derSchlacht der Engländer gegen die Armada.
    Eigentlich hätte er nun eine militärische Karriere beginnen können, aber als er von einer holländischen Handelsexpidition zu den Gewürzinseln hörte, heuerte er bei dieser als Navigator an.

    Die Holländer hatten die Rechnung aber ohne die Portugiesen und Spanier gemacht. Erstere verhinderten die Versorgung der Schiffe mit Lebensmitteln, beie aber kaperten jeweils ein Schiff.
    Ein weiteres mußte nach dem Verlust des Großteils der Besatzung umkehren.
    Als die Schiffe in Südamerika versuchten, Proviant zu übernehmen wurden sie von den Eingeborenen angegriffen. Thomas Adams starb dabei, Williams Bruder.

    Zu guter letzt, nachdem sich die Karten als schlecht erwiesen hatten und eine Irrfahrt die Folge war, blieb nur noch Williams Schiff, die Liefde übrig.
    Mit 24 Überlebenden erreichte sie 1600 oder 1600 Japan. Dabei wurde sofort klar, die Liefde war nicht nur zum handeln unterwegs gewesen, denn sie führte mehrere (19!) schwere Kanonen mit sich. Die Initiatoren behaupteten zur Selbstverteidigung, die offensichtlich auch nötig gewesen war, andere Stimmen sprachen von Plünderungen ähnlich denen Drakes.

    In Japan selbst hatten die Jesuiten Fuß gefasst und als Mittler zwischen China und Japan Reichtum und ansehen erhalten, denn Japanern war es auf Todesstrafe untersagt einen Fuß auf chinesischen Boden zu setzen. Da sie kein Interesse daran hatten, dass unter den Tisch gefallene Details der portugiesischen Kolonialpolitik an die Ohren der Daimyos drang klagten sie auf dieser Grundlage Williams und seine Männer der Piraterie an.
    Dieser wiederum berichtete von den "Religionskriegen" der katholischen Staaten gegen Holland und England. Da die Jesuiten verschwiegen hatten, dass es außer dem katholischen noch andere Glaubensrichtungen gab, dies aber nun zugeben mußten, geriet ihr ansehen umgehend ins wanken.
    Dem Mann, dem er dies zu Ohren brachte war Tokugawa Ieyasu, Mitglied im Rat der 5 Regenten. Ieyasu schenkte vielem keinen Glauben, was Adams ihm nun und in den kommenden Jahren berichtete, aber trotzdem ließ er sich von ihm Waffen, Schiffe, Karten und andere Dinge erklären und anfertigen.
    Adams schaffte etwas, dass die bisherigen Europäer nicht mal versucht hatten, er paßte sich in die Gesellschaft ein. Er übernahm Kleidung, Sprache, Verhalten und Traditionen. Da sein Einfluß beim Hofe des neuen Shogun Ieyasu wuchs, brachte er auch den Handel zwischen England und Japan nach vorne, was allerdings Portugiesen und Holländer schädigte.
    Adams erlebte ebenfalls den Anfang der Verfolgung der kath. Christen infolge des verlorenen Einflußes der Jesuiten und der Bedenken der herrschenden Klasse.
    Sein Tod im Jahr 1620 macht die Frage nach seinem Schicksal in diesen Wirren zu einer hypotethischen.

    Quellen: "Europäer im alten Japan" 1976, Stuttgart
    "Samurai Williams" 2004
    http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,2210673,00.html
    http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,2210675,00.html


    Nachtrag: James Clavell ist ein Überlebender des Kriegsgefangenenlagers Changai, aus dem nur jeder 15. der 150 000 Alliierten wieder herauskam. Er verarbeitete die Erlebnisse in seinem Buch "Rattenkönig" und beschäftigte sich, statt sich verbittert vom japanischen abzuwenden den Hintergründen des Volkes zu.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2005
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