Xoanon / Palladium / hölzerne Götterbilder, die vom himmel fielen

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von alenga, 19. Februar 2006.

  1. alenga

    alenga Mitglied

    "Hölzerne Bilder", die dem Mythos nach vom Himmel gefallen sein sollen, scheinen ein verbreitetes Motiv im griechischen Mythos zu sein (und wahrscheinlich nicht nur dort).

    Ich würde darüber gerne etwas mehr erfahren.

    Ich weiß von dem berühmten Palladium aus Troja, und seiner spannenden Geschichte. Oder auch von einem hölzernen Bildnis, das in Ephesos den Amazonen vom Himmel zu Füßen gefallen sein soll. Kennt ihr weitere Beispiele aus der antiken Mythologie?

    Ist Xoanon die allgemeingültige Bezeichnung für diese "vom Himmel gefallenenen" Götterbilder?

    Und wie sieht so ein "hölzernes Bild" typischerweise aus? Ich habe darüber gelesen, dass man seit Phidias darunter Statuen des Typs "Chryselephantin" versteht, im Kern hölzerne Statuen, die mit Goldblech und Elfenbein überzogen wurden.

    Aber wie sahen sie vor Phidias aus? Mich irritiert das Wort "Bild" immer etwas, weil ich darunter spontan ein zweidimensionales Bildnis (Gemälde o.ä.) verstehe und keine dreidimensionale Statue.
     
  2. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Xoanon ist zunächst nur etwas aus Holz Geschnitztes, insbesondere aber auch verwendet für eine aus Holz oder Stein gefertigte Götterstatue.

    In der Frühzeit wurde ausschließlich Holz für Skulpturen verwendet, die mit Metallplättchen (Sphyrelata) benagelt werden konnten (z.B. Apollon von Dreros, dädalische Epoche 7. Jh. v. Chr.).
    Ebenfalls seit dem 7. Jh. v. Chr. tritt als weiteres Material Marmor (z.B. umstrittene Darstellung der Artemis, sog. Nikandre) hinzu, seit dem 5. Jh. v. Chr. auch Bronze (z.B. der sog. Gott aus dem Meer).
     
  3. alenga

    alenga Mitglied

    Erst einmal: ganz lieben Dank für deine Aufklärung, Aquilifer!!

    Dann führt mich der oft verwendete allgemeine Begriff "Bild" tatsächlich in die Irre und es sind ausschließlich Götterdarstellung in plastischer und nicht zweidimensionaler Form gemeint, wenn man von so einem Xoanon spricht?

    Und noch eine Nachfrage: Oft wird davon gesprochen, dass sie vom Himmel gefallen seien. Das setzt ja voraus, dass der schaffende Künstler des Werkes vergessen wurde. oder waren es ursprünglich unbearbeitete fundstück, wie z.B. ein Stein oder Ast in einer ungewöhnlich (menschlichen?) Form?
     
  4. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Ja, xoanon bezieht sich meines Wissens nach auf eine plastische Darstellung. Inwiefern es auch gemalte "Kultbilder" gab, kann ich dir so momentan gar nicht sagen. Der Erhaltungsgrad der griechischen Wandmalerei ist darüber hinaus ja auch sehr sehr schlecht, so dass man sich ihr meist nur über ihre Reflexe (in Mosaiken, Vasenmalerei, Malerei in Etrurien und Unteritalien u.a.) nähern kann.

    Oder das Bedürfnis sich in einen "mythologischen" Kontext zu setzen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
    Was man hingegen nachvollziehen kann, ist ein Wandel in der sozialen Stellung des griechischen Bildhauers: Erst seit der Spätarchaik (560-490/80 v. Chr.) begannen sie ihre Werke zu signieren und waren überregional tätig. Sie waren also nicht mehr nur blose Handwerker, sondern gefragte "Künstler", deren Werke eine bestimmte Bekanntheit erlangten (insbesondere eben seit der klassischen Epoche).
     

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