Zahnlos in der Arena?

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Nergal, 2. März 2011.

  1. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Bei so etwas fällt mir immer Görings Löwe ein den er sich zum Spaß hielt, vieleicht war das bei den Osmanen auch so.

    Raubtiere sind ja eigentlich nur die Hunde und Katzenartigen.
    Wie soll man die Restlichen Fleischfresser bezeichnen?
    Beutegreifer, oder Prädatoren?
     
  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Dann müsste man ja auch innerhalb der Menschenaffen in Vegetarier und Allesfresser unterscheiden. Gorillas und Orang Utans ernähren sich rein pflanzlich. Bei den Schimpansen glaubte man das auch lange Zeit, bis man beabachtete ,dass sie gezielt Jagd auf kleinere Affenarten machen, um Fleisch zu fressen. Der größte Teil ihrer Nahrung ist aber pflanzlich. Die ersten Menschen werden sich wohl ähnlich ernährt haben.
     
  3. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Allesfresser ? Wikipedia , lat. Omniphoren, davon gibt es weitere, z.B. Bären.
     
  4. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Kleidung und Zeit

    Natürlich Spätantik, aus dieser Zeit stammt die Darstellung ja wohl. Ach ich fürchte über Kleidung und Trachten diskutieren zu wollen ist ein Faß ohne Boden. Nur allgemein gesagt: Im ganzen Imperium erhielten sich auch während der Blütezeit des Reiches lokale Trachten und sie unterlagen auch modischen Wendungen. Hier sehr genau zwischen „römischer & nichtrömischer Kleidung“ unterscheiden zu wollen ist eher etwas für Spezialisten. Natürlich kann man in der hohen Kaiserzeit zwischen „Mediterranen Trachten“ und jenen weiter im Norden unterscheiden. Es heißt, die römische und griechische Tracht kenne vor allem genähte, drapierte Gewänder die ohne Fibeln und ähnliche Fixmittel aus Metall auskommen (können). Das galt fast für den ganzen Mittelmeerraum mit Ausnahmen im Orient (Syrien…). Tunika, Toga (römische Kleidungsstücke) oder aus dem griechischen Raum der Chiton oder Himation konnte man lässig ohne Fibeln tragen, aber teils auch mit! Vor allem nördlich der Alpen dagegen waren Fibeln ein sehr wichtiger Trachtbestandteil. Frauenkleider waren dort oft als Peplos bezeichnete, um den Körper geschlungene Tücher, die an der Schulter mit Fibeln zusammen gehalten wurden – eine Tracht, die man auch im frühen Griechenland gekannt hatte. Männerkleidung war im Norden vor allem die Hose, ein Kleidungsstück, dass die frühen Römer besonders verachteten. Männer von Stand trugen (wenigstens) bei offiziellen Anlässen die Toga als Kleidung des freien, römischen Bürgers. Oberschichtler trugen ohnehin gerne die Kleidung ihres Standes und die war traditionell römisch, egal aus welchem Volk sein Träger hervorgegangen war. So weit, so einfach…

    Es lassen sich, solange es noch häufig entsprechende, bildliche Darstellungen (etwa Gräber) gibt, die Beibehaltung traditioneller Formen in den Nordprovinzen noch lange beobachten. Man kann etwa zwischen „donauländischer Tracht“ mit häufig zwei großen, wuchtigen Fibeln und eher keltisch-germanischer Tracht weiter im Westen unterscheiden. Bei Germanen waren die Hosen eher enger geschnitten als im dakischen Raum an der Donau und man trug nicht deren sockenartigen, langen Fußbekleidungen. Dazu kamen langärmelige Tuniken, bei den Dakern oft gegürtet und rechteckige Stoffbahnen als Mäntel, die auf der rechten Schulter mit einer Fibel zusammengehalten wurden. Hosen kannte man außerdem aus dem Orient, vor allem in Gebieten zu den Persern hin.

    Aber warum ist schon Augustus gegen das Tragen von Hosen in Rom eingeschritten? Warum propagierte er das weitere Tragen der eher umständlichen Toga? Es gab eine gegenseitige Durchdringung, die man als Mode beschreiben kann und dagegen waren auch die Römer nicht gefeit. Lokale Traditionen und regionale Unterschiede blieben erhalten. Eher einheitlich war repräsentative Kleidung. Militärkleidung unterstand eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die verpönte Hose ist auch bei Legionären etwa auf der Trajans-Säule zu bewundern. In der Spätantike machten besonders viele Soldaten aus dem Illyricum (Donauländer) Karriere – unter ihnen finden sich die meisten Soldatenkaiser, auch Diokletian, die Dynastie des Konstantin oder später noch Justinian von Konstantinopel. Das dortige Militär nahm viele wichtige Schlüsselstellungen im Reich ein und mit ihnen verbreiteten sich dortige modische Eigenheiten. Spätantike „Ausgehuniformen“ der Soldaten waren etwa durch eine spezielle Kopfbedeckung erkennbar, die auch Kaiser trugen. Tracht und Kleidung der „Zwillings-Tetrarchenstatuen“ zeigen den Einschlag militärischer Tracht ganz deutlich, wie am folgenden Bild zu sehen.

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/67/Venice_–_The_Tetrarchs_03.jpg
    (aus: „Bildnisse der Tetrarchenzeit“ S 61 in Konstantin der Große, Ausstellungskatalog 2007)
    Die Verwendung von Broschen und Fibeln zeigt auch mein Avatar (Münze Konstantins), oder Theodosius (aus spanischer Herkunft) im nächsten link
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0b/Theodosius-1-.jpg
    Gerade Fibeln wurden auch zu Rangabzeichen innerhalb römischer Hierarchien, wie im Kontext mit Militär besonders auffällig wird.
    Zwiebelknopffibel ? Wikipedia

    Nur wenn aufgrund einer Stellung oder Postens eine eher „altertümliche“, konservierte Form der Bekleidung getragen wurde, werden die Unterschiede zu „klassischeren Formen“ offensichtlicher. Hier etwa ein Bild des Heermeisters Flavius Felix, als er sich als römischer Konsul darstellen lässt.
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/90/Flavius_Felix_00.JPG

    @Tierfänger:
    Durch Inschriften und auch Darstellungen ist häufig bezeugt, dass auch Militär daran beteiligt wurde, Tiere für die Arenen des Reiches einzufangen. Gerade unter den Militärs war das „barbarische“ Element auch in der Kleidung bereits lange vor der Reichskrise im 3.Jht. immer mehr angewachsen. Man braucht daher nicht auf Vandalen zurückzugreifen, deren Herrschaft auf Sizilien (dem Fundort der Darstellung) oft unterbrochen wurde und bereits vor Ende ihres Reiches vorbei war. Die Art der Darstellungen sollen weiterhin ihre Parallelen in spättetrarchisch-konstantinischer Zeit haben – also etwa 100 Jahre vor Eintreffen der Vandalen in Afrika und deutlich vor der Zeit Theodosius I., ab welchem germanische Foederaten auf römischem Boden eine eigenständigere Rolle spielen konnten. Gerade das Hilfspersonal der Fänger (Träger, Wagenlenker) ist in eher schlichter geschnittene, aber offensichtlich ebenfalls aufwändigere Tuniken gekleidet und trägt keine Hosen – im Gegensatz zu den besser gestellten Jägern. Aber auch unter ihnen finden sich aufwändig gekleidete Männer ohne Schilde und Hosen.
    La Villa Romana del Casale di Piazza Armerina - 25 - Piccola Caccia - Diaeta
     
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  5. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Dazu muß man bedenken, wie ein solches Mosaik gemacht wird, und zumeist sind solche Mosaiken, zumal wenn sie aus einem größeren Villenkomplex stammen, immer Teil eines größeren Ensembles. Da werden in Werkstätten viele verschiedene Motive vorgefertigt, und die werden dann je nach Auftrag eingefügt. Man muß also, gerade in römischer Zeit, damit rechnen, daß da nicht ein Einzelkünstler eine Skizze bei einem Kampf gemacht hat, akribisch eine detailgetreue Szene zu einem Moment aufgenommen hat und dann dieses Bild umgesetzt hat. Aufgrund der Fülle von Beispielen, wo Szenen aus dem Circus in Mosaiken verwewigt wurden, ist davon auszugehen, daß es eine bestimmte Formelhaftigkeit sowie eine Erwartungshaltung des Auftraggebers gab, und die wurde dann erfüllt. Dazu setzte man Szenen zusammen, die "Circusatmosphäre" vermitteln sollen.
    Generell ist bei "erzählender Kunst" im römischen nie davon auszugehen, daß es sich um eine "realistische Momentaufnahme" handelt. Hier muß man stets den Unterschied zwischen Realismus und Verismus beziehungsweise Naturalismus beachten.
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Was mir beim Betrachten der Mosaiken aus der Villa Casale aufgefallen ist: Die Szene mit den Nashörnern kann nicht am Nil oder sonstwo in Afrika spielen. Es handelt sich hier auf dem Bild nämlich ganz eindeutig um ein Panzernashorn ? Wikipedia und die waren, soweit bekannt, auch früher nie viel weiter westlich als bis zum Indus verbreitet. Es muss eine reife logistische Leistung gewesen sein und irre viel gekostet haben, so ein Tier lebend nach Rom zu bekommen, nur um es in die Arena zu treiben.
     

    Anhänge:

  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Im Laufe der Zeit wurde der Fang wilder Tiere immer mehr verstaatlicht, wobei römische Beamte Einheimische, aber auch Soldaten verpflichten konnten, die Know How, Arbeitskraft, gespanne und Zugtiere für den Fang wilder Tiere mobilisieren konnten. Ich habe weiter oben beschrieben, dass sich Soldaten der Rheinarmee als Bärenjäger betätigten. Großwild wurde in Fallgruben gefangen oder es wurde in netze getrieben.

    Ein gewisser Patiscus, ein Protege´ Ciceros beschwerte sich bei seinem Mentor, weil der ihm nur so wenige anatolische Leoparden aus Kleinasien geschickt hatte, während ihm Curio, noch 10 afrikanische als Dreingabe gab.

    Worauf Cicero antwortete, er habe bereits Fallensteller ausgeschickt und werde sich der Sache annehmen, obwohl sich bereits Leoparden bei ihm über allzu große Bejagung beschwert hätten und das Gerücht umginge, sie seien alle nach Karien emigriert. Einzelne Leopardenbestände haben sich übrigens bis heute im Taurusgebirge erhalten, obwohl man sie kaum zu Gesicht bekommt.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Eher dürfte man erwarten, dass es dann, je nach der Größe des Volkszorns oder des "gesunden Volksempfindens" zum Aufmarsch der Sündenböcke kam. Von Kaiser Claudius ist überliefert, dass er einige Male Bühnenarbeiter, Requisiteure oder Erfinder von Maschinen, die nicht funktionierten kurzerhand in die Arena schickte.

    Insgesamt waren die Römer bei Hinrichtungen zu erfahren, als dass man annehmen könnte, dass ihnen auf diesem Gebiet solche Patzer unterliefen.

    Es gab allerdings auch in der antiken römischen Kultur Freistätten ähnlich wie Kirchen Verfolgten im Mittelalter Asyl boten. verurteilte, die auf dem weg zur Richtstätte einer Vestalin begegneten, mussten freigelassen werden. Ähnlich wie im Mittelalter Kirchen, waren tempel Freistätten. In einem Hain am Nemisee bei aricia in den Albaner Bergen hauste ein entlaufener Sklave als Waldkönig (Rex Nemorensis) der seinen Platz einmal im Jahr behaupten musste. Wer ihn mit einem Knüppel erschlug, durfte seinen Platz einnehmen, wobei dieser Kampf in späterer Zeit offenbar eher ein ritualisiertes Scheingefecht war. Sueton berichtet als Zeichen von Caligulas Grausamkeit darüber, dass er einen körperlich stark überlegenen Kontrahenten auf den Waldkönig ansetzte, der ihn erschlug.
     

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