Zeitungswesen im Alten Reich

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von Referer, 15. September 2012.

  1. Referer

    Referer Gast

    Hallo Leute,

    ich schreibe an einem Referat zum Thema Frühe Neuzeit und den Buchdruck und bin dabei im Internet auf folgende Stelle gestoßen:
    Quelle: Zweiter Alphabetisierungsschub und Leserevolution im 18. Jh.

    Dabei stellen sich mir gleich 2 Fragen:
    1. Kann man daraus eigentlich auch politisch ableiten, dass eine große politische Zerspliterung im Gegensatz zu einer Zentralisierung auch gewisse Vorteile hat? Das sie Meinungspluralismus und Wettbewerb fördert und deshalb eigentlich was gutes war (anders als in der nationalistischen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts behauptet)?
    2. Stimmt die obige Angabe denn überhaupt? (Nicht, dass sie man nicht auch so einbauten könnte, gebe unter Punkt (1) sicher eine gute Diskussion.)
    In Deutschland wurde schließlich der Guttenbersche Buchdruck entwickelt. Es wäre also nicht überraschend, wenn die Technik auch von dort aus neue Anwendung erfahren hat. Die Leute dort hatten eben schon länger Gelegenheit, mit der neuen Technik zu experimentieren.
    Andererseits gibt es Gegenbeispiele wo Kulturen Jahrhundertelang über eine Technik verfügten, aber sie nicht wirklich einsetzten.

    Danke für eure Hilfe.
     
  2. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Referer

    Das sind viele Fragen aufeinmal und die nicht eindeutig zu beantworten sind. Zuerst Deine eher geschichtsphilosophische Frage, on der Zersplitterung des HRRDN eher positiv und der "Meinungsfreiheit" förderlich. Du hast recht, die eher nationalistisch geprägte Geschichtsschreibung des 19. Jh. verdammte die Zersplitterung als Ursache der politischen Ohnmacht Deutschlands, natürlich hatte die Zersplitterung auch Vorteile, die vielen Höfe und Städte entfalteten ein sehr reges kulturelles Leben, es gab praktisch kein Zentrum sondern nur Peripherie, von der überregionalen Bedeutung einiger großer Höfe w.z.B. den Wiener Hof, den sächsischen/polnischen Hof, mit Abstrichen den preußischen Hof und die großen Reichsstädte (Hamburg etc.).

    Richtig ist, aufgrund der Zerrsplitterung gab es auch keine einheitliche Pressegesetze, so es überhaupt Pressegesetze und nicht "Gnadenerlasse" und Exekutivvorschriften gab.

    Wenn ich das Referat halten und vorbereiten müßte, würde ich sicherheitshalber die Reichtagsabschiede ab dem 17. Jh. durchsehen, ob es da nicht einen Abschied gab, der dann für das gesamte Reich verbindlich war (Negativnachweis). Für die katholischen Reichsstände gab es als verbindliche Richtlinie den römischen Index, des Heiligen Offiziums.

    Für die protestantischen Reichsstände gab es wohl nichts einheitliches.

    Sieh Dir aber einmal die historische Entwicklung des Straftatbestandes der "Majestätsbeleidigung" an. Das dürfte wohl neben dem w.o. erwähnten Index der wahrscheinlich häufigste Tatbestand für Zensur bzw. Kassierung von Zeitungen gewesen sein. In Reichsständen mit ständischer Verfassung auch die Kritik an den Landständen.

    Nun muß die Vorbereitung für Dein Referat, ja auch einigermaßen wissenschaftsökonomisch gestaltet sein. Schau einfach mal im Heimatmuseum Deiner Stadt, ab wann es dort eine frühe Zeitung gab, dann ins Stadtarchiv und in die Stadtchronik, was sich dort dazu finden läßt.

    Wenn Du weitere Fragen hast, dann frag einfach.

    M.
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ist weniger ein technisches, sondern ein kulturelles bzw. gesellschaftliches Phänomen, das Du ansprichst. Die Entstehung der "Öffentlichkeit" als eine "Vierte Gewalt", die kritisiert, die lobt, die "zerstört" und auch legitimiert, nur durch die "Macht der Idee", gesprochen oder auch publiziert.

    Pauschaler die kulturelle Veränderungen sind hier beschrieben.
    Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit: Religion, Magie, Aufklärung : 16 ... - Richard van Dülmen - Google Books

    Sehr stark auf die deutsche Situation bezogen und sehr informativ.
    Die Gesellschaft der Aufklärer - Richard van Dülmen - Google Books

    Einstieg in das generelle Thema der entstehenden Öffentlichkeit.
    Das Europa der Aufklärung - Ulrich Im Hof - Google Books

    Sehr nahe an Deinem Problem des entstehenden Pressemarkts.
    Pressewesen der Aufklärung: Periodische Schriften im Alten Reich - Google Books

    Geschichte des deutschen Buchhandels
    http://books.google.de/books?id=6Lo...age&q=geschichte des buchdrucks, beck&f=false

    Eine übergreifende europäische Sichtweise.
    Das Alte Europa 1660-1789: Kultur der Macht und Macht der Kultur - Timothy C. W. Blanning - Google Books

    Zur Frage der Zentralisierung der Aufklärung und der sich entwickelnden Öffentlichkeit findet sich im folgenden Buch ein hervorragender Beitrag. Dieser würde die Konzentration der Aufklärung und ihrer entstehenden Öffentlichkeit sehr wohl an Paris als zentralen Ort binden. Die entstehenden Salons, die kritische Masse der Philosophes, die Publikationen aller Art, die Cafes etc. sind wichtige Voraussetzungen für die rasche Entwicklung in Paris.

    Old Regime France - Google Books
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. September 2012

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