Zenturionen und Dekurionen der Auxilia

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von wufi, 9. Februar 2007.

  1. wufi

    wufi Gast

    Meine Frage: Wie Wurde man Zenturio oder Dekurio einer Auxilia (In Flavischer Zeit)? Bzw. wie war die Zusammensetztung (röm. Bürger?, hochgedient?, etc.)?

    Weis, dass
    1. Unter den Juliern noch recht lange Stammesführer diese funktionen übernahmen.
    2. Die Mehrzahl der Soldaten der auxiliaeinheiten waren zu ungebildet (schreiben) um ensprechend dem Vorbild der Legion sich hochzudienen.
    3. Wurden Legions-Zenturionen zu einer Auxilia versetzt, wurden diese ja zugleich befördert (Präp....??) und übernamen den Befehl über die ganze Kohorte (bis Claudius, dann ja für Ritter reserviert.
    4. Der 'Fall Maximus' (Connolly) ist mir bekannt, aber gilt das auch schon für das 1. Jhd. Denke eher nicht.

    Wurden die Zenturios/Dekurios direkt aus den örtlichen Eliten rekrutiert?
    (War ja hin und wieder auch der Fall in der Legion, das ein Ritter oder Sohn eines Zenturios direkt Zenturio werden konnte)
     
  2. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Ursprünglich sind Dekurionen ja nichts anderes, als hochrangige Persönlichkeiten auf municipaler Ebene gewesen.

    Später ist der Rang ganz normal in militärische Hierarchie eingebunden.

    Centurionen werden ganz regulär aus gedienten Soldaten heraus befördert, eine Versetzung eines centurio in die auxilia muß also keineswegs bedeuten dass er zu einem Präfekten aufsteigt (zumal nicht jeder Typ der Hilfstruppen über einen Präfekten verfügt), es kann sich dabei auch nur um eine Beförderung innerhalb der centuriones selbst bedeuten oder er wurde vom optio ad spes zum centurio.

    Ab dem Ende des 2. Jh. wird die translatio, das versetzen in eine andere Truppe selten, man hoffte auf ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und gute Kenntnis.

    Übrigens ist auch der Bildungsstand der Legionen keineswegs zu blühend, es gibt sogar die ein oder andere Untersuchung, die nachgewiesen haben will, dass mindestens 1/3 bis 1/2 der Männer Analphabeten waren. (Woran ich merkbarer Weise Zweifel hege).

    Die Präfektenposten sind keineswegs für equitaner reserviert.
     
  3. wufi

    wufi Gast

    @ Tiberius

    Du gehst also davon aus, das die Zenturionen der Auxiliakohorten, bzw. die Dekurionen der Alae, sich in der Mehrzahl, ensprechend der Praxis in den Legionen, vom einfachen Sdt. hochdienen mussten?

    PS: Noch zu zu zwei Infos

    Wenn ein Legions-Zenturio in eine Auxilia versetzt wurde, musste er üblicherweise als Praepositus eingesetzt werden, da er ja eine in eine tiefer rangierte Einheit versetzt wurde.

    Zu den Rittern und den Präfektenposten der auxilia: Diese wurden ab Claudius zu "einer Domäne der Ritter", wie Junkelmann es nennt. :winke:
     
  4. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Ja, davon gehe ich aus.

    Vorsicht mit dem Begriff praepositus, das ist eine recht allgemeine Bezeichnung die im Detail zwar differenziert werden kann, mitunter aber unklar bleibt.
    z.B. praepositus operi marmorum.
    Im Grunde ist damit aber nichts anderes gemeint als ich untenstehend bereits erläuterte.

    Das die Präfekten, nicht nur der auxilia sondern etwa auch die praefecti fabri, also die Handwerkerchefs wenn man so will im Laufe des 1. und vor allem 2. Jh. (ich würde es nicht auf Claudius einengen) vor allem durch equitaner dominiert wurde (anders als reserviert), liegt in der verwaltungstechnischen und fiskalen Bedingung dieser Posten.
    Dazu kann ich dir Petrikovits empfehlen, der in seinem Werk zum Lagerbau dazu ein paar sehr informative Randbemerkungen fallen läßt.
     
  5. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Bei Dekurionen der Kavallerie kann man für das 1. Jhd. n. Chr. bis hin zur flavischen Zeit sagen dass sie etwa im Verhältnis 1:1 römische Bürger und nichtrömische "Hochgediente" waren. Danach kippt das Verhältnis zugunsten der römischen Bürger.
     
  6. Tiberius Caesar

    Tiberius Caesar Neues Mitglied


    Das hat allerdings auch mit der Tatsache zu tun, dass das römische Bürgerrecht mit der Zeit immer mehr Menschen gewährt wurde. So war es z.B. im Jahr 150 v. Chr. deutlich schwerer das römische Bürgerrecht zu erlangen (siehe Bundesgenossenkrieg), als im Jahr 150 n. Chr.

    212 wurde dann das römische Bürgerrecht von Kaiser Caracalla allen freien Reichsbewohnern gewährt, was aus heutiger Sicht wohl als fortschrittlich gewertet werden würde, damals aber auch durchaus Probleme hervorbrachte (die Reichskrise begann wenig später), da die kollektive Identität mit dem Staat zu zerbröckeln begann.

    s.d.caes.
     

Diese Seite empfehlen