Ziele der NS-Wirtschaftspolitik (geheim und öffentlich)

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von m-nietz, 28. Juni 2014.

  1. m-nietz

    m-nietz Neues Mitglied

    Hallo (geht um die Ziele der Wirtschaftspolitik im Nationalsozialismus)

    Dazu gibt es zwar im Internet reichlich Material, jedoch bekomme ich nicht die Antwort, die ich eventuell brauche. Habe bis jetzt immer noch nicht verstanden, was man genau verfolgt hat.

    Also ich versuch's mal

    Das Ziel von Hitler war es, den deutschen Lebensraum nach Osten zu erweitern.

    (Das war ja, glaube ich, einer seiner Kernziele)

    Wollte er Deutschland aus diesem Grund innerhalb von 4 Jahren kriegsfähig machen?

    Er konnte den Lebensraum nach Osten sicherlich nicht ohne einen Krieg bekommen und um überhaupt einen Krieg führen zu können, musste er natürlich erstmal einige Maßnahmen ergreifen. Auf der einen Seit um die Akzeptanz und das Vertrauen vom eigenen Volk zu bekommen und auf der anderen Seite wurde Deutschland ja größtenteils entmilitarisiert (nach dem 1. Weltkrieg), heißt, er musste erstmal einiges umsetzen.

    Liege ich richtig?


    Zudem frage ich mich gerade, welche Geheimen und Öffentlichen Ziele geplant waren:

    Öffentlich: Arbeitslosigkeit senken (das schafft Vertrauen beim Volk), Landwirtschaft unterstützen

    Geheim: Lebensraum erweitern und Autarkie.

    Ist das korrekt?

    Würde mich sehr auf Antworten freuen
    (Muss auch nicht zu tiefgründig sein)
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juni 2014
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ging auch um "Lebensraum" im Osten, aber es ging dabei auch um die Vernichtung der dort lebenden slawischen und jüdischen Bevölkerung! In diesem Sinne war es kein "normaler" Krieg, sondern es war ein von Hitler geplanter "ideologisch motivierter Vernichtungskrieg! mit tatkräftiger Unterstützung durch die Wehrmacht und anderen politischen und wirtschaftlichen Eliten.

    Die Erweiterung des Lebensraums war unter militärökonmischen Gesichtspunkten der Politik der "Autarkie" geschuldet. Damit wollte Hitler verhindert, dass er bei einem fortgeführten Konflikt mit den atlantischen Mächten (GB & USA) durch eine Blockade wirtschaftlich besiegt werden konnte.

    In der langfristigen Konsequenz ging es dabei um nicht mehr und nicht weniger als die "Hegemonie" über die gesamte Welt, da der Krieg militärisch und wirtschaftlich entschieden werden würde.

    Dieses hatte sowohl F.D. Roosevelt und auch Churchill in der Zielsetzung und der Konsequenz für ihre Ländern begriffen und das erklärt ihren konsequenten Widerstand gegen die Ziele von Hitler. Appeasement war lediglich ein Mittel, um Zeit zu gewinnen.

    @m-nietz: Im Prinzip kann man die Sicht auf die Wirtschaft im 3. Reich, stark vereinfacht, so formulieren. Bei Wiki im einzelnen noch nachzulesen.

    Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschen Reich ? Wikipedia

    Insgesamt liegen eine Reihe von informativen Büchern zum Thema Wirtschaft, "Vierjahresplan", "Autarkiepolitik", "Vernichtungskrieg und Lebensraum im Osten" und NS-System vor.

    Einen generellen Einblick in das Wirtschaftssystem bietet:
    A. Barkai: Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus, 1988

    Eine Darstellung der frühen Phase der Aufrüstung liefert Meinck:

    Gerhard Meinck: Hitler und die Deutsche Aufrüstung 1933 - 1938, 1959

    Das aktuelle Referenzwerk zu dem Thema kommt von Tooze:
    A. Tooze: Ökonomie der Zerstörung, 2008

    Speziell zum "Vierjahresplan" ein Buch von Petzina:
    D. Petzina: Autarkiepolitik im Dritten Reich, 1968

    und zur "Autarkiepolitik" von Volkmmann:
    H. Volkmann: Ökonomie und Expansion. 2003

    Zwei englische "Klassiker" zu dem Thema sind:
    B. Carroll: Design for total war, 1968
    und:
    R. Overy: War and economy in the Third Reich, 2002
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juni 2014
  3. hatl

    hatl Premiummitglied

    @m-nietz,

    ich denke Du liegst da schon ungefähr richtig.

    Ein paar Anmerkungen:

    Im ersten Schritt ging es Hitler und seinem inneren Zirkel darum eine möglichst schnelle Gleichschaltung, also eine totale Macht, zu erreichen.
    Ohne schnelle wirtschaftliche Erfolge, etwa bei der Verringerung der Arbeitslosigkeit, war dieses Ziel gefährdet und den "Führernimbus" untergraben.
    Dabei muss man sich vor Augen, dass unmittelbar vor der Machtergreifung die NSDAP selbst von innerer Spaltung bedroht war.

    Man ging hier den Weg einer hoch riskanten Staatsverschuldung und es wurde bereits 1933 die Veröffentlichung des Staatsetats für das 1934 verboten. Dieses Verbot blieb auch für die folgenden Jahre bestehen.
    (Götz Aly - Hitlers Volksstaat - Seite 368)
    Was die "Erweiterung des Lebensraums" anging, so war das von vorneherein Hitlers Ziel. (Hierzu: Hitler - Mein Kampf)
    Thane hat bereits darauf hingewiesen, dass es nicht einfach nur um eine Kolonisierung ging, sondern um einen Vernichtungskampf gegen vermeintlich rassisch Minderwertige.
    Dies im Sinne eines radikalen Sozialdarwinismus der zentraler Bestandteil der Ideologie war.
    Dazu war es notwendig die stärkste Militärmacht der Welt aus dem Boden zu stampfen, was auch gelang. (siehe Richard Overy - The Dictators )
    Zu Erreichung dieses Ziels wurde die Staatsverschuldung bis zum Staatsbankrott gesteigert.
    Dieser konnte letztlich nur durch ohnehin beabsichtigte, und selbstverständlich geheimgehaltene, Raubzüge aufgeschoben werden.

    Insgesamt, denke ich, kann man sagen, dass die Wirtschaftspolitik im Ganzen geheim war und nicht Gegenstand öffentlicher Erörterungen sein durfte.
     
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