Ziele der Revolutionäre 1918/19

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Gisele, 2. Mai 2005.

  1. Gisele

    Gisele Neues Mitglied

    Hallo,
    vielleicht kann mir ja jemand von Euch noch ein paar Tipps geben. Ich habe mich schon durchgegoogelt, und habe zu
    Welche Ziele die Revolutionäre 1918/19 verfolgten
    folgende Fragen:
    Kann mir jemand sagen, ob ich die Gruppierungen (welche genau?) mit den jeweiligen Zielen nennen sollte, oder kann man eine allgemeine Antwort formulieren? Was würdet Ihr machen?

    Wieviele Gruppierungen waren es genau? USPD, SPD, Sparkatusbund, KPD....:grübel:

    Danke im Voraus für jede Hilfe!:bussi:
    Vielleicht hat noch jemand einen Superlink, der nicht über google zu finden ist??
     
  2. parago

    parago Neues Mitglied

    Ich wuerde beides machen. Fang an mit den allgemeinen, Gruppenuebergreifenden Zielen und 'sortier' dann aus, d.h. geh' dann weiter auf die jeweiligen Gruppen ein. Welche das im einzelnen sind, kann ich dir allerdings leider nicht beantworten - da muessen anderer Experten her.. :)
     
  3. collo

    collo Aktives Mitglied

    ganz kurz und knapp: fang mit den matrosen und arbeiter- und soldatenräten an. die revolution wurde nämlich nicht von den parteien getragen, die sind später erst auf den fahrenden zug aufgesprungen.

    der spd ging es vor allem darum, die revolution in geordnete bahnen zu lenken und schlimmeres, einen kommunistischen umsturz nämlich, zu verhindern. dabei war sie nicht gerade zimperlich in der wahl der mittel.

    die uspd beteiligte sich zwar in den arbeiter- und bauernräten, war aber schon nicht mehr relevant.

    die spartakisten (die kpd gabs noch nicht!!!) wollten ihren russischen vorbildern nacheifern, und eine proletarische diktatur errichten.
     
  4. Rantanplan

    Rantanplan Neues Mitglied

    SPD und USPD waren zunächst Eins, also nur SPD. Im Laufe der Revolution hat sich SPD aufgeteilt aus den Sozial-Demokraten (SPD) und Sozialisten (USPD). Die USPD forderte wie oben schon gesagt ein Rätesystem. Zum Spartakusbund würd ich an deiner Stelle auf jeden Fall Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg erwähnen.

    So die angegebenen Links sind alle von der Seite wikipedia.de .
     
  5. collo

    collo Aktives Mitglied

    einspruch, die uspd ging bereits im krieg aus der spd hervor, nicht erst während der revolution!
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die USPD spaltete sich im Krieg von der SPD ab. Streitpunkt war die Zustimmung der "Mehrheits"-SPD zu den Kriegskrediten.
    Spartakus kann als der radikale Flügel der USPD bezeichnet werden. Auch im Nov. 1918 behielten die Spartakus-Bündler ihre USPD Mitgliedschaft bei. Erst über den Jahreswechsel 18/19 gründeten sie dann die KPD. Die USPD löste sich dann später auf, ein Teil ging wieder zur SPD der andere zur KPD. 1918/19 spielte die USPD aber durchaus noch eine Rolle.
    Auslöser war zweifellos der Matrosenaufstand, dieser wiederum ausgelöst durch die "Meuterei" der Seekriegsleitung. Diese wollte ohne Wissen der Reichsregierung! die englische Flotte angreifen. Während laufender Verhandlungen!
     
  7. Gisele

    Gisele Neues Mitglied

    Danke für Eure Antworten!:bussi: Ich habe jetzt den Matrosenaufstand, Arbeiter- und Soldatenräte, SPD und USPD, Spartakusbund aufgeführt.

    Als Hauptziel kann man den Umsturz der Regierung (Abschaffung Monarchie -> Demokratie) nennen, denke ich:grübel:
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich würde als Hauptziel die Beendigung des Krieges ansehen.
    Die Abdankung der Monarchen würde ich eher als Nebenforderung einstufen.
    Mit der September-Verfassung wurden die Forderungen der "Mehrheits"-SPD eigentlich überwiegend erfüllt. Die Lage an der Westfront hatte sich im September/Oktober auch wieder stabilisiert, und ohne das Verhalten der Seekriegsleitung wäre die Lage insgesamt wohl auch unter Kontrolle geblieben. Vermutlich wären die Waffenstillstands-Bedingungen dann auch besser gewesen.
    Der echte "Dolchstoß" kam klar von den Herren Admiralen!
     
  9. collo

    collo Aktives Mitglied

    das ist ziemlich verkürzt dargestellt und m.e. nicht ganz richtig, man kann die grundlegend anderen ziele von spd und spartakus nicht auf den gemeinsamen nenner "demokratie" bringen, die die spartakisten ja auch nicht wollten (sie nannten es zwar so, aber im endeffekt wäre es auf eine kommunistische diktatur wie in russland rausgelaufen).

    nach meinem verständnis wollte die spd eigentlich keinen umsturz, sie war mit den reformen, die noch unter der monarchie begannen, durchaus zufrieden. als sie sah, dass die revolution eine aus ihrer sicht falsche richtung einzuschlagen drohte, setzte sie sich eher widerwillig an die spitze, um von oben die revolution zu lenken. das ist ihr ja auch im grossen und ganzen gelungen, wenn auch nur mit hilfe rechtsgerichteter militärs.

    die uspd als partei der kriegsgegner wollte in erster linie das ende des krieges. ihre sozialen und politischen ziele waren eher diffus, so dass sie zwischen spd und spartakisten kaum wahrgenommen wurden. im rat der volksbeauftragten, wo sie die gleiche stärke wie die spd hatte, wurde sie von dieser übergangen. die weitere entwicklung ist bekannt, der linke flügel schliesst sich den spartakisten/kommunisten an, der rechte flügel kehrt zur spd zurück.
     
  10. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Abgesehen davon, daß damals keiner wusste, ob Demokratie oder eine andere Regierungsform der "Heilsbringer" werden würde, ging es Spartakus vor allem um die vollständige Entmachtung der Kriegsverursacher, die Deutschland schon in diesem ersten WK in Tod und Verderben gestürzt hatten.
     
  11. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Übrigens war Liebknecht der einzige Reichstagsabgeordnete der selbst an der Front kämpfen musste (obwohl die Abgeordneten eigentlich freigestellt waren), wahrscheinlich weil er neben Otto Rühle als einziger Abgeordneter gegen die Kriegskredite stimmte. Die anderen feinen Herren haben sich das "Schauspiel" von weitem angesehen. Soweit ging dann der patriotische Geist nun auch nicht.

    Mal abgesehen davon, muß man sich mal vorstellen, welchen barbarischen Geist diese Kriegsherren hatten, die fast sämtliche teilweise sogar aus dem Mittelalter überdauteten Kirchenglocken für Geschütze einschmelzen ließen.
     
  12. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Nachdem die SPD die Finanzierung des Krieges erst ermöglicht hatte, ist das wohl ziemlich zynisch, andere, die von Anfang an gegen diesen waren und ständig etwas für dessen Beendigung unternommen hatten, als "schlimmeres zu verhindern" zu bezeichnen. Das schlimmste, was Deutschland damals passierte, war dieser Krieg und dessen Folgen. Spartakus wurde übrigens schon 1916 gegründet und ging aus der Gruppe Internationale hervor, die im August 1914 gegründet wurde.
    Anfang 1916 stimmten dann schon 20 SPD-Abgeordnete gegen die Kriegskredite, die daraufhin aus der Reichstagsfraktion ausgeschlossen wurden.
    Liebknecht trat am 1.5.1916 als Führer einer großen Antikriegsdemonstration in Berlin auf, woraufhin er verhaftet wurde (er war immer noch Reichstagsabgeordneter, also hatte theoretisch Immunität).
    Erst danach kam es zur Spaltung der SPD 1917, in die dann Spartakus eintrat.
    Die Stimmung im ganzen Land war so gespannt, daß es nur eines Funken bedurfte, um einen Aufstand loszuschlagen. Dieser Funke war dann der Matrosenaufstand 1918, der in sämtlichen deutschen Großstädten binnen weniger Stunden ausbreitete.
    Die Forderungen waren damals Beendigung des Krieges, Beendigung der Monarchie
     
  13. collo

    collo Aktives Mitglied

    zynisch ist diese bemerkung nicht, wie das beispiel sowjetunion zeigt. ausserdem wollte ich damit die stimmung in der spd-führung wiedergeben.

    die revolution ging nicht von den parteien aus, diese sind von ihr überrascht worden und versuchten dann die revolution in ihrem sinne auszunutzen. wobei es der spd vor allem darum ging, den kommunistischen umsturzversuch der spartakisten zu verhindern. denen gings nämlich auch nicht um die beendigung des krieges, der war ja schon vorbei, als sie die revolutionäre bühne betraten.

    übrigens ist karl liebknecht vielleicht der einzige eingezogene kriegsteilnehmer unter den reichsttagsabgeordneten gewesen, was aber durchaus an seinem alter gelegen haben dürfte. die spd beklagte mit dem jüdischen abgeordneten ludwig frank, der sich freiwillig gemeldet hat, den einzigen gefallenen. ich vermute mal, dass es auch in anderen parteien kriegsfreiwillige und reservisten gegeben hat.

    die traurige tradtion, glocken einzuschmelzen, begann auch nicht im ersten weltkrieg, sondern geht auf die zeit zurück, da glocken und kanonen aus dem selben material gewonnen wurden.
     
  14. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    Den Spartakisten ging es vor allem darum, die Ursachen dieses Krieges zu beseitigen. Die Verantwortlichen konnten ja munter weiter machen konnten. Das fiel wenige Jahre später nicht nur der SPD sondern ganz Deutschland wieder schwer auf die Füße. Nun ist nur spekulieren, was das kleinere "Übel" gewesen wäre. Die Verhältnisse in Russland, einem rückständigen Agrarstaat, mit denen in Deutschland zu vergleichen, halte ich für fragwürdig. Hier gab es völlig andere Voraussetzungen.

    Daß es der SPD nicht möglich war, die Spartakisten mit sachlichen Argumenten in die Enge zu treiben, zeigt ja, daß ihre Führer natürlich rein zufällig in die Händer von Freicorps kamen und dann nach Folter und Verhör um die Ecke gebracht wurden. Die Verantwortlichen wurden erst nach eigenen Ermittlungen der KPD vor eine Gericht gestellt, mussten aber nie ihre Strafe antreten. Das sind also "demokratische" Denk- und Handlungsweisen. Das hier nach der Hatz auf alle Linken und anderen Kriegsgegner in der Kaiserzeit keine echten Zeichen einer wirklichen Bestrafung der Täter, sondern eher eine "Schwamm drüber"-Politik betrieben wurde, war das Totengeläut für die Weimarer Republik und hat die Befürchtungen der Spartakisten bestätigt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Mai 2005
  15. collo

    collo Aktives Mitglied

    die diskussion, wer schuld am untergang der weimarer republik war, hatten wir schon. und auch über die ach so hehren ziele der spartakisten/kommunisten...
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Um die Sache vom Kopf wieder auf die Füsse zu stellen:
    Die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren eine Erzsauerei, dies vorangeschickt.
    Aber sie kamen nicht "zufällig" in die Hände von Freikorps sondern im Gefolge eines von ihnen angeführten bewaffneten Aufstands. Das Standrecht war verkündet. Andere, nach denen heute kein Hahn mehr kräht, die sich der Tragweite ihres tuns sicher wesentlich weniger klar waren, kamen viel umstandloser um ihr Leben.

    Aber machen wir uns nichts vor, Sowjetdeutschland hatte keine Chance, nie.
    Und Luxemburg und Liebknecht waren viel zu brilliante Köpfe, als dass Stalins sie am Leben gelassen hätte.
     
  17. Gisele

    Gisele Neues Mitglied



    Aber es verfälscht nicht meine Antwort auf die obere Frage, wenn ich die Parteien mit aufführe, oder?

    Wie standen eigentlich die Militärs der alten Monarchie zur Revolution und zur jungen Republik?

    :winke: Vielleicht hat jemand gute Links?
     
  18. collo

    collo Aktives Mitglied

    nein, es geht da um wenige tage , wichtig wäre halt der hinweis, dass die parteien die revolution nicht losgetreten haben.

    DAS militär gilt hier nicht, schliesslich ging die revolution zum einen von den einfachen matrosen bzw. soldaten aus, zum anderen gab es "regierungstreue" einheiten, die kurzen prozess mit den revolutionären machten.

    vereinfachend dargestellt stand das militär, v.a. das offizierskorps, der republik ablehnend bis feindlich gegenüber. anfangs überwog aber der schock über die niederlage und die bürgerkriegsähnlichen zustände, so dass man sich in der pflicht sah, das vaterland gegen "reichsfeinde" (linke und sparatisten) zu verteidigen. dazu kam die massive abrüstung, die viele berufssoldaten orientierungslos machte. die freikorps, die anfänglich ja auf seiten der regierung standen, gerieten bald ausser kontrolle und die reichswehr weigerte sich gegen sie vorzugehen ("reichswehr schiesst nicht auf reichswehr").
     
  19. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Am Beispiel des "Kapp-Putsches"/"Kapp-Lüttwitz-Putsches" von 1920 wurde das Verhältnis der Militärs und auch der Parteien zur parlamentarischen Demokratie exemplarisch deutlich.
    Genaueres dazu unter den entsprechenden Suchbegriffen in den Suchmaschinen, z.B.
    http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/gewalt/kapp/
    http://www.gerdgruendler.de/Kapp-Putsch%20u.%20Admirale.html
    http://www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/k/kappPutsch.htm
    http://www.frieden-gewaltfrei.de/kapp.htm
    usw.
     
  20. derralf

    derralf Mitglied

    @repo:
    Wie hätte Stalin sie ermorden sollen?
    Denkst Du ein kommunistisches Deutschland hätte sich zu einem russischen Satelitenstaat entwickelt (wie die Diktaturen die Stalin in den Bereichen eingerichtet hat in denen 1945 die rote Armee stand?)?
    Ich denke es wäre uns ähnlich gegangen wie China - eine schlimme Diktatur mit reichlich Mißtrauen gegen andere kommunistische Diktaturen.

    Gut waren die politischen Morde in der Weimarer Zeit sicher nicht. Aber ich persönlich denke das Liebknecht und Luxemburg auch nichts Gutes für Deutschland bedeutet hätten.
     

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