Zitat-Frage zu Bachelor-Arbeit

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Gast, 1. Juli 2019.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo Leute,

    Ein schönes und interessantes Forum habt ihr hier! Ich denke, ich werde mir am WE mal einen Account hier zulegen. :)

    Aber nun zu meiner Frage: Wenn ich in der Arbeit etwas erwähne, was sich auf einen antiken Dude bezieht, schreibe ich normalerweise ja sowas wie Hdt. 4, 125-128. Was ist aber, wenn ich diesen Inhalt in der Sekundärliteratur lese und so auch verwenden möchte (Also in der SL ist der Inhalt (kein direktes Zitat) angegeben mit der Fußnote Hdt. 4, 125-128). Ich frage deshalb, weil ich u.a. nicht alle Primärquellen direkt vorliegen habe, sondern manche nur durch die Verwendung ihrer Inhalte in der SL. Soll ich dann trotzdem nur den antiken Autor zitieren? Oder den ant. Autor zitieren und dahinter soetwas schreiben, wie: Vgl. Mustermann, Max, blablabla. Weil strenggenommen hätte ich es ja nicht selber überprüft, sondern mich nur auf die Aussage des SL-Typen verlassen. (Hab das Problem z.B. bei antiken Autoren, die ich wirklich nur für ein, max. zwei Fußnoten brauche und auf die ich über die SL aufmerksam wurde)

    Ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen. :)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dann schreibst du:

    Hdt. 4, 125-128, zitiert nach: Mustermann, Max: Herodot und Scheherazade im Gespräch. Kleinkleckersdorf 1915. S. 26. ​

    Denn wenn Max Mustermann falsch zitiert hat, bist du dann am Ende nicht am Falschzitat schuld. Es lohnt sich aber immer mal wieder, solche Stellen selber nachzuschlagen.
     
  3. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Es handelt sich dabei um ein sog. Sekundärzitat. EQ hat schon die richtige Antwort gegeben. Man sollte eine Häufung solcher Zitate vermeiden, weil sie beim Leser unweigerlich den Eindruck erzeugen, dass der sekundär Zitierende den Kontext des Zitats nicht kennt und deswegen möglicherweise über kein tieferes Verständnis des Contents verfügt. Das hängt aber auch von der Art des Contents ab.

    Richtig zitieren: Sekundärzitate

    Als Sekundärzitat bezeichnet man die Bezugnahme auf fremde Texte, die man selbst nicht gelesen hat, sondern von denen man nur durch Zitate bei anderen Autoren erfahren hat. Es handelt sich also prinzipiell um »Zitate vom Hörensagen«.

    Wann sind Sekundärzitate erlaubt?

    Sekundärzitate kommen regelmäßig nur dann in Betracht, wenn die Primärquelle nicht verfügbar ist und auch nicht mit vertretbarem Aufwand beschafft werden kann.

    Dabei muß man berücksichtigen, dass der vertretbare Aufwand bei einer Dissertation sicherlich höher anzusetzen ist als bei studentischen Arbeiten oder sonstigen Texten.


    Hattest du dabei Alexander Rüstows Bonmot über "Herodot, die griechische Scheherazade, der bunteste und anmutigste aller abendländischen Erzähler"* im Sinn?

    (*Rüstow: Ortsbestimmung der Gegenwart: eine universalgeschichtliche Kulturkritik, 120)
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juli 2019
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, das kannte ich tatsächlich nicht. War eher meinem Faible für die "arabische" Welt geschuldet.
     
  5. Gast

    Gast Gast

    Vielen Dank für eure Antworten! Ich werde jetzt versuchen, mir die entsprechenden, fehlenden Texte nach Möglichkeit noch als pdfs herunterzuladen (DeGruyter ist ja gratis für Studenten und ein Paradies für die historisch Interessierten unter ihnen :)) Notfalls gehe ich dann so vor, wie ihr's vorgeschlagen habt (also mit Sekundärzitat).
     
  6. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Mir ist aktuell ein Beispiel für einen verfälschenden Verweis auf eine nicht geprüfte Quelle untergekommen (kein eigentliches Sekundärzitat, aber etwas sehr Ähnliches). In einer Studie über Echnaton bezieht sich ein ´faculty member´ der Moscow State University auf eine deutsche Studie von 1997, die wiederum eine amerikanische Studie von 1951 als Quelle nennt. Der Russe hat den amerikanischen Text offensichtlich nicht gelesen, obwohl er ihn als Quelle in einer Fußnote nennt (mit Verweis auf den deutschen Text als Quelle dieser Quelle in der vorhergehenden Fußnote).

    Die Pointe: Die vom Russen behauptete Aussage der amerikanischen Quelle, dass archäologische Funde im Malkata-Palast belegen, dass das Regierungjahr 38 von Amenhotep III und das Regierungsjahr 1 von Echnaton zeitlich zusammenfallen, steht im krassen Widerspruch zur tatsächlichen Aussage, dass das Jahr 1 des Echnaton in das Jahr 28 (also nicht 38) des Amenhotep III fällt - ein Unterschied, der für die in der Ägyptologie heftig umstrittene Frage der Ko-Regenz von erheblicher Bedeutung ist, weil 28 bedeutet: Ko-Regenz ja, und 38: Ko-Regenz nein.

    Hier hat es also zwei Fehler gegeben: (1) Der deutsche Autor, der eine Ko-Regenz bestreitet, stützt sich auf einen amerikanischen Autor, der die Ko-Regenz behauptet. (2) Der russische Autor, der wie der Deutsche die Ko-Regenz bestreitet, hat den Verweis des Deutschen auf den Amerikaner nicht überprüft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juli 2019
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