Zusammenbruch der Sowjetunion

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von Atila, 24. Februar 2006.

  1. Atila

    Atila Neues Mitglied

    Hallo:winke:


    kann mir jemand sagen warum die Sowjet-Union zusammen gebrochen ist ?
    Was meint ihr ging es den Russen in der SU besser als heute???


    thx :yes:
     
  2. Liljana

    Liljana Neues Mitglied

    Hallo,
    zu allererst kann ich Dir ganz sicher sagen das es Russland, bzw. den Russen, heute besser geht als damals. Unter dem Kommunismus war das Leben in der damaligen SU kaum zu ertragen. Ich weiß das leider aus erster Hand, weil ich selbst in Leningrad geboren bin und erst nach dem Zusammenbruch der SU nach Deutschland kam.

    Hier ein paar Links:

    http://www.russische-botschaft.de/Information/geschichte.htm

    http://www.kssursee.ch/schuelerweb/kalter-krieg/ende/sowjetunion.htm

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunion
     
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  3. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Hier findest du eine von Schülern verfasste brauchbare Einführung:
    http://www.kssursee.ch/schuelerweb/kalter-krieg/

    Genaueres suche z.B. unter
    Gorbatschow, Michail: Der Zerfall der Sowjetunion. München 1992
    Simon, Gerhard, Das Ende der Sowjetunion. Ursachen und Zusammenhänge. In:Aussenpolitik 1/1996: 9 -21 Druwe, Ulrich: Das Ende der Sowjetunion, 1991 (Beltz)

    Ausführlicheres ist hier zu lesen (inkl. Literaturliste)
    http://www.referate10.com/referate/Geschichte/30/Aspekte-zum-Zusammenbruch-der-Sowjetunion-reon.php

    ...und wie fast immer bei Wiki
    http://de.wikipedia.org/wiki/Aufl%C3%B6sung_der_UdSSR









     
  4. Liljana

    Liljana Neues Mitglied

  5. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Die Sowjetunion dürfte an Bürokratisierung, Gängelung der Bevölkerung und den Unwahrheiten über die jeweilige Planerfüllung zusammen gebrochen sein.:grübel:
     
  6. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    An der Unterdrückung der Bevolkerung ist noch kein Staat zu Grunde gegangen, eher am Gegenteil.

    Ich vermute eher, dass die Ausgaben langfristig größer waren als die Einnahmen, es sich also um einen schleichenden Staatsbankrott handelte.

    Dadurch war es nicht mehr möglich, die Aufgaben des Staates wahrzunehmen (z.B. die Armee zu bezahlen), die elementaren Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen und den Vielvölkerstaat zusammenzuhalten.

    Offenbar funktioniert letzteres nur dann, wenn

    a. ein Volk die anderen unterdrückt (die rebellieren aber, wenn die Zentralmacht schwächelt)
    b. ein Volk die anderen materiell korumpiert (die rebellieren aber, wenn kein Geld mehr da ist)
    c. ein Volk die anderen assimiliert (das ist am billigsten)
    d. alle gleichzeitig ihre kulturelle Identität aufgeben und McDonald's zur Leitkultur erheben (das macht aber dick)

    Der Hintergrund für den Bankrott war das nicht-Funktionieren des real existiert habenden Sozialismus, insbesondere, weil er es nicht geschafft hat, das Geld da zu investieren, wo es nötig war (schlechte Allokation der Mittel). Durch die Zentrale Planwirtschaft ging leider die Dynamik "von unten" (systemische Intelligenz) verloren.

    Dies ist ein Problem jeder Bürokratie, auch der unseren, aber der Staatsanteil in Deutschland liegt bei "nur" 55 %, das ist weniger als die 100 % in der Sojetunion.
     
  7. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Claus,

    wenn ein Modell erfolglos ist, dann hat das sicherlich immer mehere Ursachen. Ein entscheidenter anteil daran, dürften auch die vielen Völkerschaften in der SU haben. Auch die Russische föderation hat diese Schwierigkeiten.
    In China, wo es nur in in Tibet und Sinkiang andere Völkerschaften gibt,scheint es mit dem absoluten Mehrheitsvolk der Han besser zu laufen.:grübel:
     
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Wird das Ende der SU nicht an Glasnost und Perestroika festgemacht. Also 2 Programmen, die dem bisherigen Charakter des Staates widersprachen. damit war ein scheitern eines der beiden doch vorprogrammiert.
     
  9. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Themistokles,

    Glasnost und Perestroika wurde von Gorbatschow eingebracht, um gerade das starre, unbewegliche System geschmeidiger zu machen. Meiner Ansicht nach war es nicht Ursache des Zusammenbruchs, sondern sollte den Zusammenbruch aufhalten. Es war eben so, dass sich das planwirtschaftliche System nicht als erfolgreich erwiesen hatte.:grübel:
     
  10. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Vielleicht nicht Ursache, aber Auslöser.
     
  11. Liljana

    Liljana Neues Mitglied

    Hierbei kann ich nur zustimmen. Es sah doch so aus, dass die von Michail Gorbatschow eingeführte Gasnost Politik zu mehr Transparenz und Meinungsfreiheit in der SU führen sollte. Aber das der Boomerrang zurück kommt, damit hat er nicht gerechnet. Die russische Bevölkerung war entsetzt über die veröffentlichte Wahrheit über die wahre Situation des Landes. Da die russische Bevölkerung, dank Glasnost, endlich angstfrei ihre Meinung äußern durfte war der Sturz des alten Regime nur eine Frage der Zeit.
     
  12. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Liebe Liljana,
    lieber Themistokles,

    das sozialistische System mußte versuchen, sich zu reformieren, sonst hatte es überhaupt keine Chance mehr. Wenn es Gorbatschow nicht gemacht hätte, wäre dieses System früher oder später doch in sich zusammengebrochen, mit oder ohne Reformer.
    Ich weiß von Äußerungen von Breschnew, der sich jedes Jahr darüber Sorgen machen mußte, ob die Ernte auch gut war. Das steht im Gegensatz zum Kapitalistischen System.
    Helmut Schmidt sagt spöttisch über die Sowjetunion, "Sie ist Obervolta mit Atomwaffen".:grübel:
     
  13. Liljana

    Liljana Neues Mitglied

    Natürlich wäre das "irgendwann" geschehen. Nur mit dem Unterschied das Gorbatschow sich das so nicht gedacht hat. Es ging ihm doch darum mit Perestroika dem Sozialismus ein demokratisches Aussehen zu verleihen und trotzdem die Stellung der Kommunistischen Partei der SU beizubehalten. Das die Bevölkerung aber anstatt des Fingers plötzlich die ganze Hand will, damit hat er nicht gerechnet.
     
  14. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ihr unterschätzt die Weitsicht Gorbatschows diesbezüglich aber schon etwas...

    Aus der Erinnerung die sinngemäße Wiedergabe eines Satzes von ihm gegenüber den Genossen der Bruderparteien im sozialistischen Lager. War 1988, wenn mich nicht alles täuscht...
    Er sagte in dem Satz, daß der Sozialismus/Kommunismus "an die Peripherie der Weltgeschichte" verdrängt werde, wenn es nicht gelinge, ihn entsprechend der Glasnost & Perestroika umzugestalten.
    Er sah das Szenario des Auseinanderbrechens des Sowjetimperiums also sehr wohl...

    Leider kann ich nach fast 20 Jahren den Satz nicht genauer wiedergeben und muß auch die Quelle schuldig bleiben; allerdings erinnere ich mich sehr gut, daß genau diese Aussage Gorbatschows seinerzeit in unserer Abiturstufe in der DDR für erhebliche Diskussionen gesorgt hat.

    Anm.: Nein, ich verwechsle den Satz nicht mit dem Zitat "Wer zu spät kommt..." :fs:
     
  15. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Liebe Liljana,
    das war Gorbatschows großer Fehler gewesen. Revolutionen laufen anders ab.
    Betrachte dir die Deutsche Vereinigung. Zuerst hat Kohl nur von konfederierten Strukturen für beide deutsche Staaten gesprochen, aber die Bevölkerung wollte mehr. Es gab die Sprüche vom "einig deutschen Vaterland" und "kommt die Westmark nicht zu mir, kommen wir zu ihr".
    Dasselbe gilt für die Französische Revolution, die mit der Hinrichtung des Königs und der Königin noch nicht zu Ende war.
    Reformen und Revolutionen haben ihren eigenen Charakter.:grübel:
     
  16. Liljana

    Liljana Neues Mitglied

    Muß mal noch ein Wort dazu sagen. Nicht das es hier den Anschein macht, ich würde Michail Gorbatschow verurteilen wollen. Dieser Mann hat Russland nur geholfen, es war zwar nicht unbedingt in seinem Sinne wie damals alles verlaufen ist, trotzdem ist er ein Großer Politiker. Ich persönlich kann diesem Mann nur meinen Dank aussprechen.

    Hier mal ein Link zu seiner Person:

    http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GorbatschowMichail/index.html


    Hierzu mal ein Link zu Breschnew:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Breschnew

    Und wer keine Lust hat alles zu lesen, die wichtige Aussage:

    Auch im Westen war allgemein bekannt, dass Breschnew den Luxus liebte und die zunehmende Korruption in seinem Land duldete. So ließ er – der Führer der Weltrevolution – sich zum Beispiel von Richard Nixon ein Luxusauto schenken. Schon zu seiner Zeit gab es russische Kriminalromane, die sich mit dem Thema Korruption im Staat beschäftigten.
     
  17. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Liebe Liljana,

    in Deutschland ist Breschnew mit einem geschenkten Mercedes, den Petersberg rauf und runter gefahren. Kein Zweifel, er liebte das Leben, wie Clinton auch. Nur das westliche System kann so etwas verkraften.:grübel:
     
  18. danila

    danila Neues Mitglied



    Wenn man heute in Russland eine Umfrage macht,ob Gorbatschow den Russen geholfen hat,dann wirst du verstehen,dass deine Aussagen falsch sind.Sein Ziel war von Anfang an Sowjetunion zu zerstören (das hat er auch mal selber gesagt).Er hat vielleicht den deutschen geholfen sich wieder zu vereinigen aber bestimmt nicht den russen.Deswegen lebt er ja auch hier in Deutschland,hat ein schönes,geschenktes Häuschen und freut sich,dass er der Eherenbürger ist.
     
  19. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Erstmal muss man festhalten, dass es keinen Sozialismus, geschweige denn Kommunismus je gab. Stalinismus mit soz. Elementen passt besser. Gorbatschow ist gescheitert, da es zu spät war. Eine riesige Schattenwirtschaft ist entstanden, die alles verschling. Die gleichen Reformen unter Breschnew hätten vielleicht die Wende gebracht. Aber das Ungetüm Stalinismus ist nicht flexiel genug gewesen. Und ich glaube den Menschen ging es besser. Warum? Meiner Meinung nach zählt zu einem besseren Leben nicht ein McDonalds in der russs. Tundra. Soziale Dinge sind viel besser -> Wohnungen, usw. Gorbatschow muss jetzt als Sündenbock herhalten. So Leute wie Jelzin haben die Kiste endgültig gegen den Dreck gesetzt. Die Grundfehler wurden schon früher gemacht. Das die Planwirtschaft nicht funktionierte ist richtig, aber nicht der Hauptgrund, eher ein Symptom. Die Leute haben es einfach nicht verinnerlicht, das es ihre Maschinen sind, an denen sie arbeiten. Und wie sich die hohen Funktionäre benommen haben, siehe Mercedes fahren und so, führte nur zu enormer Bitterkeit innerhalb der Bevölkerung. Der Verrat an den theoretischen Dingen war der Untergang. Letztendlich wurde die Sache in Verruf gebracht und verraten, dank Leuten wie Stalin und den äüßeren Bedingungen siehe Kalter Krieg und so.

    http://www.jungewelt.de/2006/02-28/019.php
    http://www.jungewelt.de/2006/03-01/023.php
     
  20. Liljana

    Liljana Neues Mitglied

    Also das kann ich nun wirklich nicht so stehen lassen. Meine Aussage das ich Gorbatschow nur danken kann, bezog sich darauf das er, unter welchen Umständen auch immer, die Sowjetunion zu Fall gebracht hat. Es ging mir zu keinem Zeitpunkt darum das ich es gerne gehabt hätte das die Sowjetunion so weiter besteht wie bisher. Ich bin in der Sowjetunion geboren, habe unter dem Kommunismus gelebt. Ich weiß nicht ob Dir bewußt ist wie man unter dem Kommunismus lebt.

    Tut mir leid das ich dich enttäuschen muß, aber ich stehe zu meinem Standpunkt das es den Menschen heute wesentlich besser geht. Was nützen dir Wohnungen ( überwiegend Kommunalkas) wenn man sich diese mit 3 fremden Familien teilen muß? Wenn man seine Küche und sogar sein Bad teilen muß? Na klar, dadurch wurde das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, aber nun sag mal ehrlich, hättest du es gerne wenn du dein Bad und deine Toilette mit 14 anderen teilen mußt ? Wenn man weit weg ist läßt sich das einfach sagen, wenn man in dieser Situation lebt sieht alles anders aus. Außerdem mache ich Gorbatschow nicht zum Sündenbock, ganz im Gegenteil. Meinetwegen sollte man ihn heilig sprechen.
     

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