Zusammenhang mos maiorum und Erfolg der res publica

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Rheinländer, 19. November 2010.

  1. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Hallo Foristen,


    das mos maiorum war althergebrachte soziale Normen, in deren Beachtung und Wieder-Durchsetzung traditionalistische Römer im 1. Jhd. v. Chr. eine Voraussetzung für den Erfolg der res publica sahen.

    Ist das so korrekt und gibt es ein Zitat von z.B. Cicero, Cato o.ä., das diesen Zusammenhang deutlich machen?


    Gruß,


    Rheinländer
     
  2. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Gebaiere über das Fehlen der sittlichen Reife, Abwendung von den kargen Lebensformen und beschaulichen Lebenswandeln der "Alten" (Großen) ist ein kontinuierliches Stilmittel, das sich fast durch die ganze lateinische Schriftlichkeit zieht. Ich lese gerade Plinius (70 n. d. Zw.), selbst der preist immer wieder die Schlichtheit und Bescheidenheit der Alten.
    Was mich mal interessieren würde: ich kenne die "mos maiorum" eigentlich immer nur als die eine oder andere drakonische Strafe, die im Moment der Selbsterkenntnis der moralischen Zerrüttung aus dem Sack gezogen wurde, z. B. das Einmauern der unkeuschen Vestalin unter Domitian. gab es eigentlich irgendwo eine schriftliche Abfassung der Mores?
     
  3. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Das mit dem Dauermotiv stimmt, aber unter Augustus nimmt es eine neue Qualität an und gipfelt in den Sittengesetzen, in denen Augustus eine Art Kodifizierung des mos maiorum gesehen hat. Mos maiorum wurde wohl als ungeschriebene Verhaltensnorm der römischen Republik gesehen, die Werte wie familia, virtus, honor hochhielt und einforderte. Das ging es nicht um Strafen, das konnte man eher, indem man den mos maiorum als Legitimation dafür heranzog. Bei der Vestalin, das sie gegen das Gebot der pudicitia

    Die Sittengesetze sollten diese dann nach den Bürgerkriegswirren einsetzen. Was ich jetzt bräuchte wäre ein Text, wo virtus usw. propagiert werden, sone Art Idealbild des guten Römers.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2010
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  4. Odysseus

    Odysseus Neues Mitglied

    Das findet man u.a. in Ciceros De officiis oder auch bei Seneca.
     
  5. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Okay, hast du die bei dir zu Hause und könntest vielleicht ein Zitat einwerfen?
     
  6. Odysseus

    Odysseus Neues Mitglied

    Ja, ich hab die zu Hause. Aber die Fragestellung ist mir zu unkonkret. Das Werk umfasst drei Bücher über pflichtgemäßes Handeln. Die will ich nicht alle abschreiben. =) Suchst Du eine bestimmte Tugend?

    Hier gibt es den Text, allerdings nur auf Latein:
    Cicero: de Officiis
     
  7. Amalaswintha

    Amalaswintha Aktives Mitglied

    Hallo Rheinländer,

    wenn ich Dich richtig verstehe, dann steht Dein Anliegen in Zusammenhang mit der umfangreichen Diskussion um den Sittenverfall. Die Rückbesinnung auf mos maiorum war nicht nur ein Schlager in der Republik, sondern auch in der Kaiserzeit.
    Es gibt zu diesem Thema zahlreiche Quellenstellen. Eine der aussagekräftigsten ist sicherlich der Beginn von Sallusts Catilina. Auch Ciceros Catiliniarische Reden beschwören die mores maiorum.
    Zudem findest Du auf den Münzen immer wieder Anklänge an die guten alten Sitten in Text und Bild.

    Mit Bezug auf diese Thematik war vor ein paar Jahren eine nette Ausstellung zu sehen, zu der auch ein gut lesbarer Katalog erschienen ist:
    "Luxus und Dekandenz". Dort finden sich auch Beiträge, die dieses Thema ansprechen.
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Amalaswintha hat schon schöne Beispiele gebracht, bei Sallusts "Verschwörung des Catilina" sind die Kapitel 5 bis 13 relevant.

    Bei Cicero verweise ich auf die berühmte Stelle ziemlich am Beginn seiner ersten Rede gegen Catilina: "O tempora! O mores!" (O Zeiten! O Sitten!). Dieses Gejammer bringt Ciceros Ansicht vom fortschreitenden Verfall auf den Punkt.
     
  9. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Ich hab mir jetzt da hier rausgegriffen:
    „Da wir aber […] nicht für uns selbst geboren sind, sondern einen Teil unseres Daseins die Vaterstadt beansprucht, einen Teil die Freunde, […] die Menschen aber um ihrer Mitmenschen willen gezeugt sind, damit sie, einer nach dem anderen, von sich aus gegenseitig nützen können, so müssen wir […] den gemeinsamen Nutzen in den Mittelpunkt stellen […] und das Band zwischenmenschlicher Zusammengehörigkeit festigen.“ Cicero in De Officiis

    Aber es ist mir eigentlich noch nicht eindeutig genug. Ich bräuchte (für ein Referat) den einen Satz, der sagt, Erfolg der res publica ist nur möglich, wenn der mos maiorum eingehalten wird.

    Vor dem Hintergrund, dass das in den Bürgerkriegszeiten des 1. Jhd. v. Chr. nicht getan wurde und Augustus mit seinen Sittengesetzen jetzt den mos maiorum kodifiziert und damit ein Goldenes Zeitalter ermöglicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2010
  10. Odysseus

    Odysseus Neues Mitglied

    Ich habe etwas gefunden: Cicero, De re publica V,1:
    Moribus antiquis res stat Romana virisque.
    Zu Deutsch etwa: Durch die alten Sitten und die Männer besteht der Staat.

    Cicero führt dann aus, dass das nicht mehr der Fall ist. AM deutlichsten wird das durch die Frage in V,2:
    Quid enim manet ex antiquis moribus, quibus ille dixit rem stare Romanam?
    Zu Deutsch heißt das ungefähr: Denn was bleibt von den alten Sitten, über die jener sagt, dass der römische Staat durch sie (be)steht?
     
  11. tela

    tela Aktives Mitglied

    Den Satz habe ich gerade auch gefunden. Soll aber von Ennius sein. (Ennius Ann. 500)

    Eine Idee, wo man noch suchen könnte, wären die erhaltenen Leichenreden von verschiedenen nobiles. Da könnte doch der Erfolg dieser Leute auch mit der Einhaltung der mores begründet sein?
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2010
  12. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Der Satz ist überaus gut! Vielen Dank erstmal.
    Ist er nun Cicero, Ennius oder beide?
     
  13. Odysseus

    Odysseus Neues Mitglied

    Richtig. Und Cicero zitiert ihn. Da hätte ich mal in den kritischen Apparat schauen sollen:pfeif:
     
  14. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Wobei es beim ersten doch auch römischer Staat heißt?
     
  15. tela

    tela Aktives Mitglied

    Vielleicht noch ein wenig Literatur:

    B. Linke, M. Stemmler (Hrsg.), Mos Maiorum. Untersuchungen zu den Formen der Identitätsstiftung und Stabilisierung in der römischen Republik, Stuttgart 2000.

    M. Braun, A. Haltenhoff, F.H. Mutschler (Hrsg.), Moribus antiquis res stat Romana. Römische Werte und römische Literatur im 3. und 2. Jh. v. Chr., München 2000.

    M. Jehne, Cato und die Bewahrung der traditionellen res publica, in: G. Vogt-Spira, Rezeption und Identität, Stuttgart 1999.

    Die Titel klingen so, als könntest du da auch noch das eine oder andere finden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2010
  16. Odysseus

    Odysseus Neues Mitglied

    In der Tat. Da habe ich ein Wort ausgelassen. Aber es kommt ja nur ein einziger Staat in Frage.:scheinheilig:
    Als Literatur kann ich ergänzen:
    Martin Jehne:Cato und die Bewahrung der traditionellen res publica. Zum Spannungsverhältnis zwischen mos maiorum und griechischer Kultur im zweiten Jahrhundert v.Chr., in: G. Vogt-Spira / B. Rommel (Hgg.), Rezeption und Identität. Die kulturelle Auseinandersetzung Roms mit Griechenland als europäisches Paradigma, Stuttgart 1999, 115-134
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2010
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  17. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Aber ich lass lieber Cicero, der ist renommierter und bekannter. Sonst muss ich erst noch erläutern wer Ennius überhaupt war.
     
  18. Rheinländer

    Rheinländer Aktives Mitglied

    Vielen Dank, ist fürne Hausarbeit später vielleicht interessant, aber ich hab was zur Sittengesetzgebung und zur lex de ambitu, dass muss erstmal reichen, bin eigentlich auch bei der Komposition und am finishen.
     

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