Zusammenhang von Iuppiter & Jovis?

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Muspilli, 30. Dezember 2006.

  1. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Hallo jetzt bin ich bei Theodor Mommsen über die Erwähnung eines Gottes Jovis, der im alten Festkalender der Römer genannt wird, gestolpert und Frage mich, warum Jupiter eigentlich mit dem identisch sein soll: Zumindest steckt das ja in der Behauptung, dies jovis sei der Tag des Jupiters.
    Oder habe ich da etwas falsch verstanden. Hat jemand eine Erklärung?
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast



    "Jovis" ist der Genitiv von "Jupiter"

    "dies" = Tag
    "Jovis" = des Jupiter.
     
  3. Eichelhäher

    Eichelhäher Neues Mitglied

    Der Nominativ "Jupiter" ist tatsächlich die einzige Form im Lateinischen, die nicht den wirklichen Namen Iuppiters wiederspiegelt. Alle anderen Kasus werden mit Iov- gebildet.

    Nur im Nominativ ist "pater", "Vater", hängengeblieben, aus der alten Anrede dieus-pater, "Götter-Vater". dieus hat sich zu "iovi/os" veändert und ist zum Namen geworden, der ganz regelmäßig Iovis, Iovi, Iovem usw weitergeht; die alte Anredeform Iovis-pater ist als Nominativ geblieben.
     
  4. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Im 1. Kapitel des 2. Teils des "Weltreichs der Caesaren" (da habe ich zumindest gerade nachgesehen) benutzt Mommsen tatsächlich "Jovis" als Kurzform für Iuppiter im deutschen Text. Die Textstelle lautet (mag sein, dass es noch andere gibt, die hier sprang mich an): … so benannt, weil man dem jungen Most heilende Kraft beilegte, dem Jovis als dem Weingott nach vollendeter Lese dargebracht, …
    Es handelt sich hier also nicht direkt um den "Iuppiter" in seiner Funktion als Göttervater, sondern um den obersten Gott als Weingott (auch Liber pater, "Vater Befreier" genannt). Eine feine sprachliche Differenzierung, wie sie Eichelhäher auch schon etymologisch hergeleitet hat: Mommsen benutzt "Jovis" im weiteren Text gerne mit einer freundlichen Vertrautheit, sobald es um andere Aspekte als die des ehrfurchtgebietenden Göttervaters geht.

    Er nennt z. B. auch einen Gott Veiovis als "bösen Jovis" über dessen Herkunft, Name und Bezug zum eigentlich namenspendenden Iuppiter-Iovis gerätselt wird:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Veiovis
    Ein Hinweis, dass es sich doch eher um einen "jugendlichen Aspekt des Iuppiter" handeln könnte, liegt im Umstand dass später an der Stelle des Tempels des Veiovis auf dem Kapitol eine Kapelle für das "Bambino Gesu" stand.
     
  5. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied


    Da hast du schon die richtige Stelle; in identischer Weise findet sie sich auch in Römische Geschichte, Bd. I in dem Kp. XII über die Relgion, wobei er sich besonders mit dem altrömischen Festkalender beschäftigt bzw. diesen referiert. Mein Problem war/ist, daß er Jupiter einleitend erwähnt, und ich zunächst überlas, daß es dieser Gott ist, dem die Weinfeste geweiht waren. Des weiteren schien mir die Identifizierung auch nahe zu liegen, da er als "Widerspiel" eben auch den "bösen Gott" (Vediovis) anführt, dem die Agonalia (21. Mai) gewidmet wäre. Nachdem ich hier meine Frage formuliert hatte las ich dann erst die spätere Stelle, wo er von dem Vater Diovis spricht, der anscheinend mit Jupiter identisch ist, weil er kurz darauf von dessen Priestern spricht.

    Aber ist Jupiter eigentlich der Vater von Mars?


    Das halte ich zwar schon für eine Interpretation von EICHELHÄHERs Aufklärung - übrigens herzlichen Dank, auch an HYOKKOSE - aber es gibt eine gute Erklärung und ich vermute, daß es Mommsen damals auch nicht hatte erklären müssen, weil er wohl sicher sein konnte, daß jeder, der sein Buch laß, gewisse Lateingrundkenntnis hätte.


    Das ist ein interessanter Hinweis. Da fällt mir etwas ein, was ich bei Olgivie gelesen hatte: Hier hieß es, daß man von dionysischem Einfluß in frühester Zeit in Rom nichts wüßte. Sein Kult hatte doch auch etwas mit dem Wein zu tun? Die Römer hatte aber - wie gehört - schon einen eigenen Weingott. Insgesamt ging es bei Olgivie um die Diskussion des "Triumphes", den ihmnach die Tarquinier mit der Verehrung des Iuppiter Optimus Maximus eingeführt hatten.

    Weiß übrigens jemand, was den ursprünglichen Iuppiter Feretrius von dem größten und beste Göttervater unterscheidet?
     
  6. stormy

    stormy Neues Mitglied

    Iuppiter

    Unserer Lehrer hat uns mal gesagt, dass Iuppiter auch mit Männern "geschlafen" hat, für mich stellt sich nun die Frage, ob das allgemein mit der Phänomen, dass Götter ungeschlechtlich sind, erklären, oder taucht diese Zuneigung zum männlichen Geschlecht nur bei Iuppiter auf?:confused:
     
  7. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Aktives Mitglied

    Nein die Götter sind nicht ungeschlechtlich. Platon nutzt die Ganymedsage (darum geht es deinem Lehrer wohl) darum, die Knabenliebe zu erklären.

    Mach dich mal unter dem Namen Ganymed schlau, da wirst du einiges finden.
     
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Mit Ungeschlechtlichkeit geräte man bei vielen Sagen der Griechen und Römer in Erklärungsnot.
    Dieses "Phänomen" taucht auch bei vielen weiblichen Göttern und den Griechen Spartas, Athens,... auf. Ein älterer Liebhaber war damals der übliche Weg für einen Jugendlichen um in die Gesellschaft der Männer aufgenommen zu werden/sich hineinzufinden.
     
  9. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Ergänzung:
    die Villa des Tiberius auf Capri heißt "Villa Jovis" = Villa des Jupiter, wobei Villa ziemlich untertrieben ist, es war ein Palast.
     

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