Zwei-Kaiser-Problem

Dieses Thema im Forum "Das Byzantinische Reich" wurde erstellt von karl258, 16. Mai 2010.

  1. karl258

    karl258 Neues Mitglied

    Hallo,
    Im Byzantinischen Reich hat Kaiserin Irene ihren Sohn gestürzt und war Kaiserin. Der Papst war aber nicht der Meinung, dass Frauen den Titel das Kaisers tragen durften und krönte deshalb Karl den Großen. Damit enstand das zwei Kaiser Problem zwischen Bayzanz und dem Frankrenreich/Italien.

    Ist das soweit richtig??
     
  2. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Zwar arg vereinfacht, aber ja. So ist das damals wohl gewesen. Nur, dass das Zweikaiserproblem unter den römisch-deutschen Kaisern ab Otto dem Großen fortgesetzt wurde.
     
  3. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    War ja auch nichts ganz Neues: Reichsteilung von 395 ? Wikipedia

    Was die femme fatale betrifft: Irene selbst, so heißt es im Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, Sp. 645, wollte "das Doppelkaisertum wieder aufleben ... lassen. Entsprechende Anregungen an Karl d. Gr., den sie als Nachfolger der Langobarden und Herrn über Italien anerkannt hatte, fanden dessen Zustimmung. Seine Krönung sollte in Rom durch den Papst im Sinne einer 'Präsentation in Abwesenheit des Präsentierers' stattfinden, doch änderte Leo III. selbständig diese Verabredung (Weglassen der Akklamationen an Irene), wodurch Karl [im byzantinischen Staatsverständnis] zum Usurpator wurde."
     
  4. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Die Interpretation aus dem Lexikon des Mittelalters wäre mit neu. Es stehen da nicht zufällig irgendwelche Quellenbelege dabei?

    Die "Reichsteilung" von 395 hat aber nichts mit dem späteren Zweikaiserproblem zu tun, da es sich bloß um eine Herrschaftsteilung handelte, wie sie vorher auch schon praktiziert worden war - und da es sich bei den Kaisern um mehr oder weniger einträgliche Kollegen, wenn nicht gar Verwandte handelte. Nicht jedoch um "Konkurrenten" wie seit Karl dem Großen.
     
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  5. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Schon klar, ich wollte auch keine Diskussion anzetteln über die Feinheiten von Zwei-, Doppel-, Mit- und sonstigem Kaisertum.:winke:

    Nur zum Artikel insgesamt: Speck, Kaiser Konstantin VI.; ders., Weitere Untersuchungen und Untersuchungen über die Ursprünge der byzantinischen Renaissance; Threadgold, The Byzantian Revival.
    Über das "Dreieck" Irene, Karl und Leo und die Hintergründe der Krönung im Jahre 800 gibt es ja viele Versionen.
     
  6. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Das Zwei-Kaiser-Problem lebte übrigens bis in die Neuzeit hinein fort.
    Selbst nachdem Ostrom untergegangen war, wurde der Absolutheitsanspruch durch die "osmanischen Kaiser" fortgesetzt, wie die abwertende Bezeichnung Ferdinands I. (Bruder Karl V.) durch Süleyman I. als "Bec krali" - König von Wien.

    Erst 1606 mit dem Frieden von Zsitvatorok wurde der Habsburger Kaiser, als einem dem osmanischen Sultan gleichberechitigter Herrscher anerkannt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Mai 2010
  7. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Diese Erklärung nennt uns zumindest die karolingische Darstellung der Lorscher Annalen, um eine argumentative Vorraussetzung für die Kaisererhebung zu schaffen. Wie uns Einhard berichtet, erkannte Karl Kaiserin Irene an und besänftigte die Byzantiner durch zahllose Gesandte und Briefe.

    Nach dem Bericht der Vita Leonis scheint Papst Leo III. selbst als Kaiser aufgetreten zu sein und wollte Karl den Großen im Stile vorheriger byzantinischer Kaiser zum Mitkaiser machen, welche Rolle Karl nicht akzeptieren konnte.
     
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