1. Hexe

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Blue Monday, 10. August 2012.


  1. Hallo,
    ich lese gerade einen interessanten Roman über die Hexenverfolgung in Würzburg im Mittelalter. Wer war eigentlich die erste Frau, die als Hexe in Deutschland angeklagt und sehr wahrscheinlch verbrannt wurde? Oder in Europa? Vielen Dank für Ihre Antwort!
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Bistümer Würzburg und Bamberg waren Kernzonen der Hexenverfolgung mit der höchsten Verfolgungsdichte in ganz Europa. Das hat sich aber in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zugetragen und nicht während des Mittelalters, so wie überhaupt der Hexenwahn eher ein Charakteristikum der frühen Neuzeit nicht des angeblich so finsteren Mittelalters war. Der Begriff "Hexerey" taucht erstmals 1419 in Luzern auf in einem Prozess gegen einen Mann.

    Leichter, als zu beantworten, wer die erste Hexe war, ist die Frage, wer die letzten Hexen waren, die auf Reichsboden oder in Europa wegen Hexerei angeklagt und exekutiert waren. Auf dem Territorium des Heiligen Römischen Reichs fand 1775 der letzte Hexenprozess statt gegen Anna Schwegelin, das Urteil wurde aber nicht vollstreckt. Vermutlich war Anna Schwinenwind die 1756 in Landshut statt, wo die erst 15 jährige Veronika Zeritschin geköpft und anschließend verbrannt wurde. exekutiert wurde. In der Schweiz wurde Anna Göldi 1782 in Glarus exekutiert, wobei im Prozess Begriffe wie Hexerei vermieden wurden. Ein Jahr später 1793 wurde im von Polen anektierten Südpreußen die letzte Hexe Mitteleuropas hingerichtet. Noch 1836 aber wurde eine Frau die man für eine Hexe hielt auf der Halbinsel Hela der Wasserprobe unterworfen und als sie nicht unterging, gelyncht.
     
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  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied


    Diese Frage ist leider nicht beantwortbar. Auch wenn das, was man heutzutage unter "Hexenverfolgung" versteht, erst in der frühen Neuzeit stattfand, reicht die Bestrafung von der (Schadens-)Zauberei beschuldigten Personen in Deutschland und Europa weit in die Antike, in graue Vorzeit, zurück. Namen und so etwas wie Prozessakten sind aus so früher Zeit natürlich nicht erhalten. Es gab zwar keine gezielten Verfolgungen, aber viele frühe Kulturen kannten Strafen für Personen, die Schadenszauber trieben. Auch das Zwölftafelgesetz der Römer (der Überlieferung nach 451/450 v. Chr. entstanden) enthielt ein paar Bestimmungen gegen Schadenszauber, allerdings ist nicht mehr erhalten, welche Strafen angedroht wurden. Bei den Griechen waren insbesondere die Thessalerinnen berüchtigt, Zauberei und Giftmischerei zu treiben, was nicht immer klar voneinander getrennt wurde; in die Herstellung von Gift spielten oft auch magische Rituale hinein. Wurde eine Frau der Giftmischerei überführt, konnte sie natürlich hingerichtet werden.
    Iordanes berichtete in seiner "Getica" über die gotische Geschichte, dass der (sagenhafte) Gotenkönig Filimer Hexen in die Wildnis vertrieben habe.
     
  4. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Um allein für Hexerei verurteilt zu werden, musste dieser Straftatbestand auch explizit in einem Gesetz auftauchen. Vorher war die Hexerei eher ein Beiwerk zur Ketzerei, Giftmischerei oder anderen nebulösen Straftaten. Nicht umsonst wurde der Hexenhammer von einem pathologischen Fanatiker in die Welt gesetzt. Als dann die Hexerei in der CCC ihren Niederschlag als greifbarer Straftatbestand fand, war, salopp gesagt, die Jagd freigegeben. Aber es gab auch Regionen in Deutschland, wo die CCC galt, in der aber kein einziger aktenkundiger Hexenprozess stattfand, z.B. die Oberpfalz.
    Ich wollte damit sagen, der Übergang von der Giftmischerin oder Ketzerin (z.T. Beginen und Begarden) zur Hexe war anfänglich noch fließend.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. August 2012
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Unser säkularisiertes Weltbild verweist Magie in das Reich des Unmöglichen. Für die meisten Kulturen war oder ist Magie etwas reales, (über)natürliches, und Schadenzauber galt als schweres Delikt.

    Nicht nurt die römischen Zwölftafelgesetze, auch der Codex Hammunrabi und die gesetze der Ägypter verboten Schwarze Magie. Im Alten Testament verboten Lev 19, 26 Ex 22, 17 Zauberei, und auf die Bibelstelle "Die Zauberer sollst du nicht am Leben lasssen, beriefen sich Hexenverfolger noch in der frühen Neuzeit.
     
  6. Vielen Dank!

    Sehr geehrte Damen und Herren vielen und herzlichen Dank für Ihre interessanten und ausführlichen Antworten!
     
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ja, die gotischen haliurunnae (evtl. Helrunen = Höllen/Unterweltsrunen) - H. Wolfram vermutet, dass diese irgendwie nekromantisch beschäftig waren; erstaunlich, dass laut Iordanes diese gotischen "Hexen", nachdem sie in die Sümpfe vertrieben worden waren, die Hunnen zeugten.

    ein anderer frühmittelalterlicher Text mit Erwähnung von Hexen ist einer der altenglischen Zaubersprüche:
    (ich habe durch Unterstreichung die "mächtigen Frauen", das "Hexen-Werk", das "Hexen- und Asengeschoss" markiert)
    altengl. haegtessa = Hexe, Zauberin
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. August 2012

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