Die Zeugen der Massaker - Ein Historikerstreit über die Aborigines in Australien

Dieses Thema im Forum "Australien und Ozeanien" wurde erstellt von lynxxx, 15. Juni 2007.

  1. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied


    Wie jetzt? Nur 9 Themen hier? Dann mal los... ;)

    Jürgen Zimmerer
    Die Zeugen der Massaker

    Ein Historikerstreit über die Aborigines in Australien Als Cathy Freeman bei der Eröffnungsfeier der Spiele von Sydney die Olympische Flamme entzündete, wurde diese Geste auch als Zeichen an die Aborigines interpretiert, als gleichberechtigte Australier anerkannt zu werden. Und als sie wenige Tage später die erwartete Goldmedaille gewann, war sie plötzlich die Vertreterin des ganzen Australien. Mit ihrem Triumph schien die unheilvolle Geschichte der Beziehungen zwischen europäischen Kolonialisten und den Ureinwohnern, wie sie sich 1997 durch den Schock der "Stolen Generations" - dem Bekanntwerden staatlich sanktionierter Kindesentführungen bis weit in die Nachkriegszeit - mit Wucht ins öffentliche Bewusstsein Australiens gedrängt hatte, zu einem versöhnlichen Abschluss gekommen zu sein. Trotz Raub und Totschlag, Vergewaltigung und Massakern, die die Grenze zum Genozid überschritten, sollte am Ende des 20. Jahrhunderts die Idee einer multikulturellen Heimat für alle Bewohner obsiegen.
    Wer war Opfer, wer Täter?

    [...]

    weiter hier.




    Dirk Moses
    Triumph der Geschichtskrieger

    Völkermord oder zivilisatorische Mission? In Australien ist eine "Genozid-Debatte" um die Siedlungsgeschichte des Landes entbrannt

    Inhalt


    Kaum Augenzeugen
    Stellungnahme der Historiker

    Seit dem Jahr 2000 tobt in Australien ein Historikerstreit. Der freie Autor Keith Windschuttle hat der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte der Aborigines vorgeworfen, sie würde das Ausmaß der von den britischen Siedlern an den Aborigines verübten Gewalt maßlos übertreiben. Die entsprechenden Historiker seien Teil einer postkolonialen Elite, die den Australiern beibringen würde, die nationale Vergangenheit zu hassen, statt sie zu lieben. Windschuttles Angriffe wurden von der Presse ebenso aufgegriffen wie von der konservativen Regierung, die gleich eine Untersuchung im neuen Nationalen Museum von Australien in Canberra durchführen ließ - um zu prüfen, ob es die Vergangenheit in zu düsteren Farben zeichne.

    [...]

    weiter hier:
    Stiftung für Sozialgeschichte > sozial.geschichte.extra > Beiträge

    Wie ist der Streit ausgegangen?

    Ciao und LG, lynxxx
     
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  2. Die streiten ja primär um die Todesrate, also wieviele in Zahlen umgebracht wurden. Und das es nur 100 gewesen seien in einem Fall statt 4000 usw

    Keiner von diesen Revisionisten nennt die Qualität der in Australien begangenen Verbrechen: Es ist doch eigentlich recht egal ob bei einer Treibjagd auf Menschen in Tasmanien nun 50 Schwarze erschossen wurden oder nur 2. Allein die Tatsache das es Treibjagden (zur Unterhaltung!) auf Menschen gab ist doch ein Verbrechen sondergleichen.

    Bei allen Verbrechen an den Schwarzen wird von den Revisionisten zudem immer gesagt, diese hätten durch Plünderungen dazu eine Ursache gegeben.

    Wie verquer eine solche Denkweise ist scheint diese Leute gar nicht zu stören, da töten also Schwarze ein Schaf und essen es, und das gibt das Recht etliche Schwarze umzubringen ?!

    Beispiel Frazer Massaker: Das habe ich selbst von Australiern gehört, die sich empörten das man die Tötung von Schwarzen heute als Mord hinstellt, schließlich habe es vorher das Frazer Massaker gegeben !! Die Schwarzen hätten also vorher auch Weiße umgebracht.

    Tatsächlich lief das ganze aber so ab: 1857 vergewaltigten zwei Männer der Frazer Farm in Queensland schwarze Mädchen während deren Väter nicht da waren. In der darauf folgenden Nacht drangen daher die Männer des Stammes in die Farm ein und töteten einen der beiden Mädchenschänder, Frau Frazer und einen Erzieher.

    Der Sohn Frazer eilte direkt nach dem "Massaker" zum Nachbarort. Es versammelte sich in kürzester Zeit eine ganze Reihe Weißer Farmer und Bewaffneter und diese töteten dann den gesamten Stamm der dafür verantwortlich war, einschließlich der Babys.

    Damit aber nicht genug, einen ganzen Monat lang wurde in Queensland jeder Schwarze der sich blicken ließ umgebracht. Auf Kinder wurden bevorzugt Hunde gehetzt. Innerhalb von wenigen Wochen starben ca 1000 bis 4000 Schwarze. Lassen wir es gerade mal 1000 sein.

    Aber damit nicht genug: Wiliam Frazer, der älteste Sohn erhielt von der Regierung dann schriftlich eine Erlaubnis, jederzeit überall jeden Schwarzen zu töten der nicht im Besitz eines anderen Weißen war. Jahrelang jagte Frazer darauf hin Schwarze, und tötete ununterbrochen jeden Schwarzen den er finden konnte.

    Dreißig Jahre ! nach dem Vorfall vergewaltigten und töteten er und sein jüngerer Bruder eine junge Schwarze die die Sklavin eines wohlhabenden Farmers war und dieser klagte in Brisbane das es doch endlich nun mal genug sei mit diesem Irrsinn.

    Anderes Beispiel: An der Grenze einer Farm am Brisbanefluß lebte ein Stamm von Schwarzen. Obwohl schon mehrere von diesen erschossen worden waren zogen sie nicht weg und bettelten um Essen. Die Besitzer der Farm entschieden sich, das Problem eleganter zu lösen und mischten Mehl mit Arsenik, das gaben sie dann dem Stamm überreichlich. Als etliche wimmernden und schreiende Schwarze vor ihrer Farm auftauchten erschoss man sie kommentarlos.

    Man schätzt, daß es in Australien ca 500 000 Schwarze gab, von denen bis zum Ende der Menschenjagden noch 60 000 übrig waren, von denen aber die Hälfte ca Mischlinge waren, was insbesondere so ist wegen durchgehenden Vergewaltigungen durch Weiße.

    Auf Tasmanien hat man sogar alle Schwarzen ausgerottet, man hat dort komplett alle umgebracht, dazu hat man regelmäßige Jagden veranstaltet, primär aus Spaß. Schwarze zu schießen war Volkssport.

    Ein Schwarzer namens Tuckiar tötete einen Weißen namens McGoll weiß dieser seine Frau vor seinen Augen vergewaltigte. Richter Wells erkannte, das diese Umstände strafmildernd seien und verhängte die Todesstrafe. Auf Betreiben von Menschenrechtlern kam das Urteil in Berufung und die Todesstrafe wurde vom Obersten Gerichtshof aufgehoben. Das war das erste Mal in der Geschichte Australiens das ein Schwarzer nicht hingerichtet wurde.

    Die Weißen Australier waren darüber endlos empört, die Zeitungen waren voll von Artikeln das ja jetzt jeder Schwarze jeden Weißen straflos umbringen dürfe. Das sei ein Freibrief für jedwede Gesetzlosigkeit.

    Zum Schluß noch ein Spruch des berühmt berüchtigen Richters Wells, zur Frage der Todessstrafe wie sie gegen Schwarze noch bis in den Zweiten Weltkrieg hinein wegen Diebstahl usw gang und gäbe war.

    "Es macht mir sicher kein Vergnügen die Eingeborenen aufzuhängen, aber wir können ihn doch wirklich keinen Freibrief ausstellen!"
     

  3. Die Übergriffe der Weißen auf die Ureinwohner Australiens waren teilweise so extrem, daß schon sehr früh Weiße sogar wegen Mord verurteilt und hingerichtet wurden. Dies rief damals regelmäßig die heftigste Empörung der Öffentlichkeit und der Medien hervor. Die Regierung sah sich vor allem aufgrund der zu Tode Folterung von gerade frisch konvertierten Ureinwohnern gezwungen, auf die Klage der Missionare hin immer wieder Weiße für ihre Taten hinzurichten. Die Kirche beklagte insbesondere, daß ihr durch die Morde die Arbeitskräfte genommen wurde, das gleiche bei Ureinwohnern die im Besitz von Weißen waren.

    Solcher Besitz wurde mit einem Messinghalsband markiert in dem der Name des Besitzers eingraviert war. Wie aber das Foltern, Vergewaltigen und Töten von solchen de facto Sklaven geahndet wurde war in Australien sehr unterschiedlich. Im Süden hat man auf Betreiben von Priestern immer wieder mal Weiße dafür verurteilt, im Norden Australiens aber nicht.

    Ein schönes Beispiel aus der endlosen Liste der Massaker ist das Masssaker das in New South Wales in der Nähe von Inverell stattfand. Nach diesem Massaker wurden von den 12 beteiligten Weißen Tätern 7 wegen Mord verurteilt, das war das allererste Mal überhaupt das Weiße wegen der Tötung von Ureinwohnern verurteilt wurden und dann sogar gleich wegen Mord. Der Grund für dieses harsche Urteil ist der Ablauf des ganzen:

    Anfang Juni beschloss die Gruppe von Weißen jeden Schwarzen umzubringen der in dieser Gegend lebte. (viele waren es aber gar nicht mehr). Einen Grund dafür gab es nicht, die überlebenden Schwarzen dort arbeiteten kostenlos für die Farmer der Gegend, waren frisch zum Christentum bekehrt und mussten für ihre Arbeit noch nicht mal mit Essen versorgt werden, sie arbeiteten völlig umsonst. Daher waren sie akzeptiert. Die Weißen die diese Schwarzen töten wollten waren Neuankömmlinge in der Gegend.

    Es verschwand dann ein Stück Vieh (eine Kuh) und die Gruppe erklärte, man müsse nun Rache nehmen für diesen Viehdiebstahl, tatsächlich hatten die die Kuh selber geklaut. Gleich darauf zog man zu den Hütten der Einwohner und schlachtete die 28 anwesenden Männer, Frauen und Kinder ab.

    Die Frauen und die Kinder (egal welchen Alters) wurden vorher vergewaltigt, Zeugen hörten das ganze aus der Entfernung. Nur der Anführer der Gruppe John Fleming beteiligte sich nicht an den Vergewaltigungen da er es für Abartig hielt, Geschlechtsverkehr mit Tieren auszüben.

    Nach der Tat (bei der die Ureinwohner zum Teil erschossen, zum Teil aber zu Tode gefoltert worden waren) verbrannte man die Leichen.

    Der Leiter der örtlichen Bahnhofsstation entdeckte dann am nächsten Tag die nur halb verbrannten Leichen und meldete den Vorfall.

    Erst nach massiven Klagen von Einwohnern der Gegend und der Intervention von Missionaren die bis hoch zum Gouverneur des Staates vorgetragen wurden, entsandte der Gouverneur im Juli dann eine Truppe um die Täter zu verhaften.

    Über einen Monat später wurden dann 11 der Täter verhaftet, und vor Gericht gestellt. Die genauen Taten waren offenbar dermaßen heftig (Brüste abgeschnitten, Kinder vergewaltigt usw) das man 7 der Täter zum Tode verurteilte. Das Gerichtsverfahren dauerte aber lange, und erst im Dezember wurde das Todesurteil vollstreckt.

    Die Medien und die Weiße Öffentlichkeit waren darüber empört: So schrieb die Zeitung Sydney Morning Herald:

    „the whole gang of black animals are not worth the money the colonists will have to pay for printing the silly court documents on which we have already wasted too much time“

    Viele Weiße erklärten, sie würden eine solche verbrecherische Regierung die solche Untaten beginge nicht mehr als ihre Regierung ansehen.

    Seit dem Jahr 2000 gibt es am Ort des Geschehens ein Denkmal. Dieses wurde aber inzwischen bereits mehrmals geschändet und beschädigt.


    An dieser Stelle sollte man sich vergegenwärtigen, dass die Rassentrennung in Australien bis 1980 bestand hatte. Und erst seit 1993 können die Ureinwohner aufgrund des Mabo Urteiles wieder Recht auf Öffentliches Land haben insofern dieses nicht von Weißen genutzt wurde oder wird und nicht früher von der Krone durch einen Vertrag erworben, gekauft oder beschlagnahmt wurde.

    Noch heute, im Jahr 2008 liegt die Lebenserwartung der Ureinwohner 20 Jahre unter der der Weißen Australier.

    Und es gibt in Australien eine massiv zunehmende Rechte bis Rechtsextreme Strömung unter den Weißen Australiern.

    Dieser ganze "" Historiker "" Streit kommt daher. Was dort von "" Historikern "" behauptet wird stimmt von Grund auf nicht und ist leicht widerlegbar. Dennoch wird es in Australien ernsthaft diskutiert und viele Weiße Australier vertreten diese Revisionistische Haltung.


    Das geht so weit das behauptet wird, es sei überhaupt kein einziger Ureinwohner umgebracht worden, die Bevölkerung der Ureinwohner sei nur geringfügig und nur durch Krankheiten reduziert worden usw

    Auch das ganze Buch hier das die Zahlen der getöteten angreift ist voll von rassistischen Bemerkungen und rechtsextrem Äußerungen. So steht in dem Buch, die Aboriginies seien ohnehin lebensuntauglich und es sei daher ein Wunder und reines Glück, das so ein unfähiges und wenig angepasstes Volk so lange überlebt habe.

    Und so etwas wird in Australien unter "" Historikern "" dann ernsthaft debatiert....
     
  4. Von den Rechten in Australien wird zudem am Schluß immer gerne der Black War aufgegriffen der in Tasmanien statt fand. Dort leisteten die letzten Reste der Tasmanier nämlich Wiederstand gegen die Europäer und einige Europäer wurden umgebracht. Man behauptet von diesen Kreisen aus, der Black War (Teil der Australischen Militärgeschichte) zeige doch klar, daß man sich lediglich gewehrt habe und der Schwarze Feind genau gleich vorgegangen sei.

    Nun ist es tatsächlich so, daß in Tasmanien etliche Weiße Farmer mit Speeren getötet wurden und in einzelnen Fällen auch ihre Frauen und Kinder. Man muß aber dazu klar nennen, was vorher dort stattfand, der der Black War setzte erst ein, als die Tasmanier mit beispielloser Bestialität schon fast ausgerottet waren.

    BLACK WAR: THE DESTRUCTION OF THE TASMANIAN ABORIGINES
     
  5. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    @Quintus Fabius: Danke für Deine Darstellungen, die eventuell nicht allen so bekannt sind....
    Da Du keine Jahreszahlen genannt hast, hier noch ein kleiner Nachtrag:
    Australien wird erst nach 1788 besiedelt... Wir erinnern uns, dass kurz darauf die Engländer die Gräuel der Französischen Revolution anprangerten...

    Die oben geschilderten Gräuel waren eher die Spitze des Eisbergs während des gesamten 19. Jh. - die Dinge, die man nicht mehr unter den Teppich kehren konnte ...
    Ich glaube nicht, dass es sich um eine besondere "Politik" handelte... Man ließ einfach gewähren... 1910 bis etwa 1965 gab es dann eine offizielle Politik des "unter den Teppich Kehrens" - die "Stolen Generation". Es ist im Nachhinein unbegreiflich, wie man alle Aborigines auf einen Schlag loswerden wollte: Sie sollten einfach von Weißen adoptiert werden..

    Wenn man z.B. so einen Artikel im Focus liest AUSTRALIEN: Die Entmündigung der Aborigines - Ausland - FOCUS Online dann kann man allerdings kaum glauben, dass sich für die Aborigines faktisch viel verbessert hat.

    Sie haben aber inzwischen "Rechte"... 1992 beseitigte das oberste australische Gericht die "terra nullius"-Fiktion. Vorher gab es per-definitionem überhaupt keine Ureinwohner: Die Engländer hatten 1788 ein völlig leeres Land vorgefunden!
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2008
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