Lebten Jäger-Sammler besser als Bauern?

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Idomenio, 19. Juni 2017.

  1. Idomenio

    Idomenio Mitglied


    Das Leben in der Steinzeit wird meistens als extrem hart dargestellt und es wird behauptet, die Menschen waren nur damit beschäftigt, das Überleben zu sichern.

    The Worst Mistake in the History of the Human Race | DiscoverMagazine.com
    https://www.psychologytoday.com/blo...-us-human-v-why-hunter-gatherers-work-is-play
    https://en.wikipedia.org/wiki/Original_affluent_society

    Angeblich stimmt das nicht. In Wirklichkeit hatten und haben Jäger-Sammler meist alles, was sie brauchen und erleiden in der Regel keinen Mangel.

    Außerdem arbeiteten sie im Durchschnitt nur 4-6 Stunden am Tag, weniger als in modernen Dienstleistungsgesellschaften. Wobei sie das selber so nicht wahrgenommen haben, für sie existieren die Konzepte von Arbeit und Freizeit nicht, weil die zum Überleben notwendigen Aktionen für sie gleichzeitig Unterhaltung darstellen.

    Mit der Einführung der Landwirtschaft ging es den Menschen danach angeblich schlechter. In neolithischen Gesellschaften soll Mangelernährung weit verbreitet gewesen sein. Klar, die Arbeit, mit stundenlangen, repetitiven Bewegungen, macht den Körper kaputt. Man merkt, dass die Leute im Schnitt kleiner waren als Jäger-Sammler und unter starken körperlichen Abnutzungserscheinungen litten. Das Gehirn wurde ebenfalls kleiner.

    Natürlich wurde es später besser, aber auch ein mittelalterlicher Bauer oder ein Textilarbeiter im viktorianischen England lebte meistens härter und ungesünder als ein Angehöriger einer altsteinzeitlichen Jäger-Sammler-Kultur. Auch heute sind viele Menschen in Entwicklungsländern und auch solche in der Ersten Welt, die z.B. auf der Straße leben, schlechter dran.
     
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  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Das Leben war für Jäger/Sammler hart... in gewisser Weise: Hunger wird bei vielen Völkern eine immer wiederkehrende Rolle gespielt haben (bspw im Winter bzw in Jahreszeten ohne überfließendes Nahrungsangebot); Verletzungen oder Krankheiten waren extrem gefährlich, da kaum behandelbar (gerade wenn häufig der Aufenthaltsort gewechselt wurde). Dafür gab es viel "Freizeit" in unserem Sinne, und die Ernährung war, wenn vorhanden, recht vielfältig.

    Für neolithische Bauern war das Nahrungsangebot vermutlich stetiger, konnte aber sehr einseitig sein und zu Mangelerscheinungen führen. Die notwendige Arbeit war vermutlich länger und härter. Dafür bot die Sesshaftigkeit Vorteile (und es gab Alkohol...).

    Das alles sind natürlich sehr allgemeine Aussagen, die je nach Umfeld (örtlich, kulturell, etc) sehr unterschiedlich ausfallen können.
     
  3. steffen04

    steffen04 Gesperrt


    Wir arbeiten heute acht Stunden am.Tag. Damit wir uns am Wochenende ein bisschen Jagen und Sammeln fernab der Grossstadt leisten koennen. Damals lief das unter Arbeit
     
  4. Idomenio

    Idomenio Mitglied

    Mir ist klar, dass es in nördlichen und südlichen Breitengraden im Winter zu Engpässen kommen kann, das war bei Bauern aber genauso und wie sieht das in den Tropen aus? Moderne Jäger-Sammler leben hauptsächlich dort und in Wüstengebieten. Und die Eskimos leben in einer Gegend, in der kaum essbare Pflanzen wachsen und haben von Jagd und Fischerei gelebt.

    Das ist die Zeit, die im Durchschnitt am Erwerbsarbeitsplatz verbracht wird. Strenggenommen müssen u.a. Fahrtweg zur Arbeit, Einkaufen gehen, Behördengänge, Hausputz etc. auch dazu zählen. Damit kommt man auf etwa 10 Stunden in den entwickelten Nationen. Man kann jedoch nicht genau differenzieren. Wenn man z.B. im Zug zur Arbeit einen Comic liest oder Spaß am Einkaufen hat, stellt sich die Frage, ob die damit verbrachte Zeit Arbeit oder Freizeit ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2017
  5. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Stimmt schon, es ging mir auch eher darum, dass es Hungerphasen auch im Leben von Jägern/Sammlern geben kann (bzw geben wird, Murphy's law ist universell...). Wobei Bauern Lagerhaltung betreiben müssen, schon um im nächsten Jahr was zum sähen zu haben.

    Tropen: Der tropische Regenwald Neuguineas bspw ist extrem arm an möglicher Nahrung. Dort nicht zu verhngern ist eine Kunst, und die Bevölkerungsdichte (vor Kolonialisierung und Industrialisierung) war mWn sehr gering, selbst für Jäger/Sammler.

    Ich teile durchaus den Gedanken, dass es nicht eine direkte Verbesserung der Lebensverhältnisse waren, die die Menschen vom jagen & sammeln abbrachten, aber man sollte auch nicht ins gegenteilige Extrem verfallen, und dieses Leben als paradiesisch verklären. Das war es idR sicher nicht.
     
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  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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