Monarchie-Formen und Absolutismus

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von algarius, 27. Februar 2017.



  1. algarius

    algarius Neues Mitglied

    Liebe Community

    Ich kenne drei Monarchien Formen: Absolute Monarchie Konstitutionelle Monarchie und Parlamentarische Monarchie

    Wie war es aber früher, bsp zur Zeit Karl des Grossen oder bsp. zur Zeit Karl des Einfältigen? Was herrschte dort für eine Monarchie Form.


    Und noch etwas zum Absolutismus welcher der Sonnenkönig begründete. Dort ist es mir nicht genau klar wie es mit den Minstern war. Hat der Sonnenkönig im Absolutismus alleine geherrscht ohne Minister oder hatte er auch Minister?

    Ich denke er hatte zwar auch Minister aber das Privlieg im Absolutismus unter dem Sonnenkönig war Minster selbstständig einzusetzen oder abzusetzen? Ist dies so korrekt?


    Falls ja wie war es dann aber bei der Minister Einsetzung vor dem Sonnenkönig. Wie wurden dann die Minister eingesetzt. Das hatte doch fürher auch der König selbst bestimmt und nicht etwa das Volk.
    Es gab ja dann auch noch keine Konstitutionelle Monarchie.

    Was ist also der grosse Unterschied zur Einsetzung der Minister im Absolutismus und vor dem Absolutismus ?

    Vielen Dank füür Eure Antworten.
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Natürlich hatte er auch Minister. Colbert und Louvois dürften die heute noch berühmtesten sein. Allerdings nannte man sie z.B.: "Le secrétaire d'État à la Guerre" - also soviel wie Staatssekretär in Kriegsangelegenheiten. Das entspricht auch dem Verständnis der Zeit. Ein Minister war pro forma nur derjenige, der die Beschlüsse des Herrschers wie ein Sekretär ein Schreiben eines Privatmannes (Privatsekretär) oder Unternehmers (Chefsekretär) in eine schönere Form brachte. Dass effektiv natürlich die Minister des Sonnenkönigs ihm auch wichtige Reformen und ähnliches vorschlug, die er sich selbst erdacht hatte. Colbert gilt in der Hinsicht als besonders erfinderisch.
    Als Entwickler/Wegbereiter des franz. Absolutismus wird übrigens weniger Louis XIV als die beiden Kardinäle Richelieu und Mazarin gesehen.
    Absolutismus heißt im Falle von Louis XIV, dass er ohne eine große Einmischung des Adels oder der Stände regieren konnte.
    Hierzu muss man wissen, dass Frankreich wie auch alle anderen Staaten in Europa eine traditionell starke Position des Adels hatte. Vor der Alleinherrschaft von Louis XIII hatte es ein letztes Mal die Einberufung der 3 Stände in den Generalständen gegeben. Aber auch danach war immerhin der Adel noch sehr einflussreich und konkurrierte mit einem erstarkenden Königtum. Mit der Fronde erschütterten nochmal bürgerkriegsähnliche Zustände Frankreich - Louis XIV soll sein Leben lang davon geprägt worden sein.

    Im Zeitalter des "Absolutismus" wurden eigentlich die meisten Staaten ziemlich ähnlich regiert. Es gab einen engeren Kreis um den Herrscher, egal ob Fürst, König oder was auch immer, welcher die Grundlinien der Politik festlegte. Dann gab es größere Gremien, auf welche Adel oder auch Bürgerliche mehr oder minder viel Einfluss hatten. Es gab immer wieder Versuche - erfolgreiche und erfolglose - von ambitionierten Herrschern aus dem sogenannten Kabinett zu regieren. Das Kabinett ist eigentlich nur ein Raum (natürlich gab es zahlreiche Kabinette damals in einem Schloss), kein Saal, sondern ein überschaubarer Raum. Hier hatte der Herrscher mit seinen wichtigsten Beratern (Minister und Räte) den Ort, wo sie über die Politik berieten. Es konnte sogar vorkommen, dass die absolutistischen Herrscher selbst ihrem Geheimen Rat (franz. Conseil) misstrauten und an diesem vorbei insgeheim zu regieren suchten. Louis XV wäre dafür ein Beispiel.
    Abgesehen von diesen Gremien, die den Herrscher berieten und Gesetze und Verordnungen ausarbeiteten, gab es zumeist noch eine Vertretung der Stände. Diese hatte eine Art überwachende Funktion, war aber manchmal sogar mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, sodass sie wie ein modernes Parlament in bestimmten Fällen Gesetze oder andere wichtige Entscheidungen des Herrschers und seiner Gremien genehmigen musste, damit sie in Kraft traten. Je nachdem nahm im "Absolutismus" die Macht der Ständeversammlungen zu (z.B. in deutschen Reichsstädten oder in Frankreich mit der Régence) oder ab (z.B. in Preußen ab dem Gr. Kurfürst).
     
    1 Person gefällt das.
  3. algarius

    algarius Neues Mitglied

    Vielen Dank für die sehr sehr informative Antwort. Nun habe ich dies endlich verstanden.

    Nur noch dies zu meiner anderen Frage, welche mich auch sehr Wunder nimmt:


    Ich kenne drei Monarchien Formen: Absolute Monarchie Konstitutionelle Monarchie und Parlamentarische Monarchie

    Wie war es aber früher, bsp zur Zeit Karl des Grossen oder bsp. zur Zeit Karl des Einfältigen? Was herrschte dort für eine Monarchie Form.
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Im Frühmittelalter gab es keinen Staat. Der Staat ist etwas abstraktes, dass einen gewissen philosophischen Hintergrund voraussetzt. Die Philosophie war am Ende der Antike verschwunden. Zur Zeit Karls des Großen bemühte sich Alkuin, sie wieder zu beleben.

    Dadurch sind die politischen Gemeinwesen der Zeit nicht so einfach zu fassen:

    Die Interpretation dieser Dinge ist immer ein wenig im Schwung. Etwa gibt es da die Vorstellung des Personenverbandsstaats, der vom König über persönliche Beziehungen regiert wird, die durch Geschenke und Feudalbindungen aktualisiert werden. Zeitgenössisch ist die Vorstellung, dass Christus die Gewalt in der Welt an Kaiser und Könige gegeben hat. Die Stellung des Papstes und der Kirche dabei wurde unterschiedlich gesehen. Gleichberechtigt, untergeordnet oder übergeordnet. Allerdings ging man davon aus, dass die Herrschaft eine gemeinschaftliche sein sollte, Kriege zwischen christlichen Reichen im Prinzip ausgeschlossen. Zwischen Christen soll Frieden herrschen. Eine Haltung, die die Katholische Kirche bis heute im Grundsatz nicht aufgegeben hat. Auch das Reich als Besitz des Herrschers ist eine Sichtweise, die z.B. aus den Stammesrechten deutlich wird. Bei all dem darf man sich nicht groß an Widersprüchen stören, da es sich um die Verbindung von tradierten Vorstellungen untereinander und mit neuen Gedanken handelte, die sich nicht an der Vernunft orientierte, sondern an der Vorstellung, was 'richtig' ist.

    Die Entwicklung kann allenfalls an einigen Punkten gefasst werden und konnte einige Jahre später schon anders aussehen. Das Frankenreich war zu Beginn der Herrschaft Karl des Großen ein anderes Gebilde als bei seinem Tod. Eine Differenzierung von Kaiserherrschaft und Königsherrschaft stand dabei auch mit am Anfang der Entwicklung eines neuen Staatsgedankens. Dabei gestaltete der König seine Herrschaft nach dem als richtig empfundenen Herkommen, während der Kaiser auch gemäß der Gerechtigkeit gestalten sollte.

    Und hier spielte z.B. schon die Philosophie in Gestalt der berühmten Worte zwischen dem Räuber und Alexander dem Großen von Augustinus hinein:

    "Was anderes sind also Reiche, wenn ihnen Gerechtigkeit fehlt, als große Räuberbanden? Sind doch auch Räuberbanden nichts anderes als kleine Reiche. Auch da ist eine Schar von Menschen, die unter Befehl eines Anführers steht, sich durch Verabredung zu einer Gemeinschaft zusammenschließt und nach fester Übereinkunft die Beute teilt. Wenn dies üble Gebilde durch Zuzug verkommener Menschen so ins Große wächst, dass Ortschaften besetzt, Niederlassungen gegründet, Städte erobert, Völker unterworfen werden, nimmt es ohne weiteres den Namen Reich an, den ihm offenkundig nicht etwa geschwundene Habgier, sondern erlangte Straflosigkeit verleiht." (Zitiert nach Wikipedia.)

    Statt von Staaten spricht man hier meist von Reichen oder primitiven Staaten und spricht das jeweilige System direkt an. Also das fränkische Reich der Karolinger oder das salische Reich.

    Erst während des Hochmittelalters setzte sich die Vorstellung vom Staat wieder durch. Die Antwort Konrad II. an die Pavesen ist dazu bezeichnend: "Ist der König tot, so bleibt doch das Reich bestehen, ebenso wie ein Schiff bleibt, dessen Steuermann gefallen ist." Die ganze Episode ist bei Wikipedia geschildert.

    Das entwickelte sich dann weiter zur verschiedenen Vorstellungen vom Absolutismus und auch einigen anderen Vorstellungen. Diese Entwicklung nachzuzeichnen wäre schon eine kleine Philosophiegeschichte der Zeit. Heutige Begrifflichkeiten sind nicht geschaffen, um damalige Staaten zu beschreiben. Hier hilft vielleicht schon der Wikipedia-Artikel zur Staatstheorie weiter.

    Wenn Du Dich über 'primitive' Staaten informieren willst, ist vielleicht ethnologische Literatur besser. Der Neoevolutionismus ist schon wieder veraltet, aber wenn man es nur als Beschreibung möglicher politischer Organisation liest, ist Peter Farb, Die Indianer, München 1988 noch erhellend. Und die Einteilung der politischen Organisation hat sich nicht soweit verändert, dass sie nicht mehr brauchbar wäre. Es ist eben eines dieser Bücher, dass eine wissenschaftliche Theorie gut verständlich darstellt und dem nichts gleichwertig Modernes gegenüber steht, während es natürlich zum Thema 'Indianer' zu Hauf modernere Darstellungen für ein breiteres Publikum gibt. Zur Verteidigung ethnologischer Schriftsteller ist zu sagen, dass es danach (wieder) komplizierter wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2017
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gemeinhin sprechen wir im Mittelalter vom Feudalismus. Der König war oberster Lehnsherr aber von seinen Vasallen durchaus auch abhängig. Frankreich setzte sich unter Hugo Capet das Erbkönigtum durch https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Capet#Regierung während das ostfränkische Reich sein Nachfolger das HRRDN und Polen bis in die Frühe Neuzeit (bis zum Ende der beiden Reiche) Wahlmonarchien blieben. Die Macht des obersten Lehnsherrn hing von vielen Faktoren ab: Charisma, eine ausreichende Hausmacht oder wie im Westfränkischen Reich/Frankreich die Kronlande über welche der König in seiner Herrscherfunktion direkt verfügen konnte.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Feudalismus
    https://de.wikipedia.org/wiki/Domaine_royal

    Der Feudalismus existierte natürlich bis in die Frühe Neuzeit fort. Den Absolutismus kann man also nur als eine Fortentwicklung des Feudalismus ansehen.
     
  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Mit dieser Vereinfachung habe ich Bauchschmerzen. Insbesondere ist die Bedeutung des Feudalismus unter Karl zumindest umstritten. Und Wahlmonarchie ist für das Ostfränkische Reich und die Entwicklung der Wahl des Königs auch keine stimmige Bezeichnung. Bis zu den Staufern ging es um den Konsenz über den richtigen Herrscher, was in der Regel nur beim Dynastiewechsel relevant wurde, um nur einen problematischen Aspekt zu nennen.

    Im Sinne einer allgemeinen Fragestellung mag ich hier aber zu genau sein.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das ist ja eben die Problematik mit Herrschaftsformen. Um diese zu beschreiben hat die Wissenschaft irgendwann Begriffe erfunden. Diese werden angelegentlich ersetzt oder einfach nur in Frage gestellt - siehe Absolutismus. Ohne einen klaren Begriff ist es schwierig ohne seitenweise Abhandlung etwas zu erklären.
     

Diese Seite empfehlen