Satellitenstaaten im 18.Jh. - Ursachen und Wirkung

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 9. März 2018.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    Ich habe mich lange gefragt wie Friedrich II. so erfolgreich den Siebenjährigen Krieg überstehen konnte. Oftmals ist in der Geschichtsschreibung von einem Patt die Rede. Dabei wird vielleicht übersehen, dass die Grundvoraussetzungen Preußens eigentlich schlechtere waren. Der Allianz der 3 Großmächte Frankreich, Österreich und Russland die Stirn zu bieten scheint oberflächlich betrachtet als eine Art Wunder - nicht umsonst taucht der Begriff des Mirakels des Hauses Brandenburg auf, auch wenn da eher im Zusammenhang mit einer Verquickung glücklicher Umstände für Friedrich (die russischen Befehlshaber agierten vorsichtig, da der Gesundheitszustand Elisabeths bedenklich war und man wusste, dass Peter ein Verehrer Preußens war).

    Warum war das System Friedrich II. so stabil und das Napoleons zerbrach beispielsweise 1813 so rasch? Beide setzten auf einen Mix aus Zuckerbrot und Peitsche, ganz anders als Louis XV, der primär auf Subsidien setzte.

    Die Mittel Preußens sind eigentlich recht logisch.
    Preußen war keine Seemacht und erzielte auch nicht Überschüsse durch die Produktion von Luxusgütern. Die wesentliche Industrieregion wurde mit der Eroberung Schlesiens dazu gewonnen, welches für die Textilproduktion bekannt war.
    Obendrein seit Friedrich Wilhelm I. auf große Sparsamkeit und die Verwendung eines großen Teiles der Staatseinnahmen für das Militär bedacht, war kein Geld und wohl auch kein Verständnis für ein Subsidienwesen vorhanden. Stattdessen war Preußen seinerseits auf die finanzielle Unterstützung Großbritanniens angewiesen und das obwohl nach dem Beginn des Siebenjährigen Krieges kaum Truppen zur Unterstützung der Verteidigung Kurhannovers abgestellt wurden.

    Es mutet seltsam an wie das Preußen unter Friedrich II. seine Klientelstaaten wie Braunschweig-Wolfenbüttel durch Drohungen auf Linie brachte. Offenbar war das wirksam. Typisch ist ein Brief Friedrich II. worin er seine Gemahlin dazu aufforderte ihre Brüder dazu zu zwingen ins preußische Lager zu wechseln und das eher durch eine Art von Einschüchterung. Eigentlich könnte man an der Stelle eher erwarten, dass die Braunschweiger Nebenlinie einfach Schulterschluss mit der Kurlinie suchte. Aber da mag eine Rolle gespielt haben, dass den Braunschweiger Linien die Vormacht der Kurhannoveranischen Linie eh schon zuviel war und Preußen als Ausgleich willkommen war. Österreich, welches traditionell gute Beziehungen zu Braunschweig-Wolfenbüttel pflegte, hatte schon in den 1730ern das Rennen um die Gunst bei diesen Braunschweigern verloren. Eine Ausnahme stellte Ludwig Ernst von Braunschweig-Wolfenbüttel (1718-1788) dar, der es in österreichischen Diensten bis zum Generalfeldzeugmeister brachte.

    England-Hannover scheint mit dem Tod Georg II. aus dem Bemühen um die Gunst der norddeutschen Reichsfürsten ausgeschieden zu sein und überließ somit wunderlicherweise Preußen hier das Feld. Wie an anderer Stelle beschrieben, hat sich ja Kursachsen schon eine Weile davor selbst ins Abseits geschossen mit seiner eigenwilligen und unrealistischen Außenpolitik. Georg III. hatte zwar noch recht innige Bande, nicht zuletzt durch seine Vermählung zu Mecklenburg-Strelitz geknüpft, unterließ aber etwas, was damals durchaus noch wichtig war, nämlich die personelle Präsenz in seinem Kurfürstentum. Daraus resultierte, dass die wohl zweitstärkste protestantische Macht in Deutschland aufhörte einen nennenswerten Einfluss geltend zu machen. Schlaglichtartig wird das nochmal deutlich, als William Fawcett (1728-1804) zu seiner Mission nach Deutschland kam um Subsidientruppen für den Unabhängigkeitskrieg in Amerika zu werben. Die Unkenntnis des britischen Außenministeriums über die bedeutendsten deutschen Staaten ist schon regelrecht erschreckend.

    Vielleicht fielen die norddeutschen und ein Teil der süddeutschen Fürsten einfach der preußischen Politik anheim, da die Alternativen fehlten?

    Ganz augenscheinlich wird der Erfolg der preußischen Politik auf den Porträts deutscher Fürsten. Diese tragen oftmals (Carl Eugen von Württemberg oder Carl Friedrich von Baden z.B.) statt einem eigenen Hausorden regelrecht zur Schau stellend den preußischen Schwarzen Adlerorden, und das obwohl dieser keinerlei Exklusivität besaß, sondern auch von gewöhnlichen preußischen Generälen geführt wurde. Das erstaunt um so mehr vor dem Hintergrund, dass diese Staaten selber Hausorden entwickelt hatten und ihnen ähnlich wie in Frankreich der Ordre de St. Esprit oder in Österreich der Orden vom Goldenen Vlies hätten eine vordringliche Bedeutung beimessen können.
     
  2. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Braunschweig war dynastisch durch Heiraten an Preußen gebunden, Wilhelm VIII von Hessen-Kassel ein persönlicher Freund vom Alten Fritz (interessant, dass auf der Sohn trotz aller Bedrängnis am Bündnis festhielt), Friedrich III von Sachsen-Gotha-Anhalt dürfte durch seine Frau beeinflusst worden sein, die sich viel mit Voltaire und dem Alten Fritz ausgetauscht hat und Graf Wilhem von Schaumburg-Lippe war nicht nur Neffe von König Georg II von England, er hatte auch enge Beziehungen zu Potsdam.

    Wurden bei diesen Verbindungen der Regierenden die Klientelstaaten wirklich so unter Druck gesetzt? Und wie hätte sich bei der geografischen Situation ein Abfall überhaupt auszahlen können? Weniger Belastung durch Kämpfe im eigenen Land?
     
  3. Shinigami

    Shinigami Neues Mitglied


    "Warum war das System Friedrich II. so stabil und das Napoleons zerbrach beispielsweise 1813 so rasch? Beide setzten auf einen Mix aus Zuckerbrot und Peitsche, ganz anders als Louis XV, der primär auf Subsidien setzte."

    Was die Außenpolitik betrifft:

    Im Unterschied zu Napoleons Frankreich war Preußen unter Friedrich keine ernsthafte Gefahr für die Machtverteilung in Europa. Zur Zeit des Siebenjährigen Krieges war Preußen nicht einmal eine veritable Großmacht, sondern eine regionale Mittelmacht, die in Norddeutschland etwas Einfluss hatte, viel mehr aber nicht.
    Für Frankreich und Russland, war dieses Preußen eher ein Geschenk als ein Problem, weil es sich bei Bedarf gegen Österreich installieren ließ und auch für die anderen deutschen Kleinstaaten war so ein Preußen eigentlich eine praktische Sache um innerhalb des Reiches ein Gegengewicht zu Österreich zu Stande zu bringen.
    Wenn man sich einmal vor Augen hällt, dass Maria Theresia ja durchaus Anlehnung an die Bourbonen und die Beendigung des traditionellen Antagonismus zwischen Habsbrug und Frankreich suchte, bestand dadurch für die kleineren deutschen Fürstentümer die veritable Gefahr, dass wenn dies gelingt Österreich innerhalb des Reiches expandieren könnte, was sie Preußen und dessen Expansion auf Kosten Österreichs gegenüber zwangsläufig gewogener stimmen musste.


    Napoleon hingegen hat mit seiner Expansion ja nun wirklich jedem in Europa auf die Füße getreten. Sein außenpolitisches System hätte wahrscheinlich funktioniert, wenn er auf der linken Rheinseite und nördlich der Pyrenäen geblieben und sich auf die Niederlande, den Rhein und Norditalien beschränkt hätte.
    Expansion weiter in das Reich hinein vertrug sich dauerhaft nicht mit den Machtansprüchen Preußens und Österreichs und die Unterwerfung dieser beiden musste unweigerlisch Russland auf den Plan rufen.

    Friedrichs Staat war ein verhältnismäßig kleiner, der ins Europäische Machtgefüge hineinpasste. Napoleons Staat sprengte dieses Gefüge, was den anderen Komponenten selbstredend dauerhaft missfiel.
     
  4. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Nun ja, wenn mir ein kurzer Einschub erlaubt ist : Dadurch, dass Kurhannover ja mit Preußen verbündet war, distanzierte man sich ja nicht mit der Entscheidung für Preußen von jenen. Sehe daher keinen Widerspruch .
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Rein nominell war Wilhelm erstmal zwiegespalten. Mal neigte er dem französisch-preußischen und mal dem englisch-österreichischen Lager zu.
    Dankbarerweise für Preußen hat England offenbar einen Zweifrontenkrieg gegen Preußen UND Frankreich ausgeschlossen, auch wenn man de facto zumindest zeitweise in gegensätzlichen Lagern stand. Das erscheint von daher um so absurder, da Georg II. 1740 noch geschworen hatte, den frechen borussischen Okkupator zurecht zu stutzen. Finanziell trug zumindest in gewissem Maße die Subsidienpolitik Englands dazu bei, dass Maria Theresias Chancen zur Rückeroberung Schlesiens ab 1744 stiegen. Andererseits drängte die englische Regierung auf ein unbedingtes Einlenken Österreichs in der Schlesischen Frage, obwohl sich diese Einmischung die Wiener Regierung verbat. Als Friedrich 1745 endlich wirklich aus dem Krieg ausschied, schrieb es sich just die Carteret-Regierung als großen Sieg zu, da sie damit angeblich ein Stück aus der franz. Phalanx gebrochen hatte (obwohl Friedrich II. eh nie bereit war irgendwas zu Gunsten Frankreichs zu tun).

    Sachsen-Gotha verhandelte ja nach dem Siebenjährigen Krieg andauernd wegen französischer Subsidiengelder in Paris. Die Politik Sachsen-Gothas war recht verworren. Auf der einen Seite diente ein Prinz als Inhaber eines österreichischen Infanterieregiments - dieser wollte sogar im Siebenjährigen Krieg Reichsgeneralfeldmarschall werden, auf der anderen ging ein Regiment für britisches Geld schließlich in der hannoveranischen Armee auf.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das Bündnis gilt ja vor allem und beinahe ausschließlich für den Siebenjährigen Krieg. Zuvor und vor allem zwischen Georg II. und Friedrich Wilhelm I., die sich persönlich nicht leiden konnten, hatte es ja durchaus eine Rivalität zwischen Preußen und Kurhannover gegeben.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Dynastisch war Braunschweig auch direkt mit Österreich verbunden. Die Mutter Maria Theresias stammte von dort und hatte auch noch lange einigen Einfluss auf ihre Tochter. Hier scheint Österreich auch verschlafen zu haben an die dynastischen Beziehungen der ersten Hälfte des 18.Jh. anzuknüpfen. Noch zu Lebzeiten von Elisabeth Christine - verwirrenderweise namensgleich mit der preußischen Königin - wandte sich Braunschweig-Wolfenbüttel wieder von Österreich ab.

    Letztlich war das österreichisch-französische Bündnis in Frankreich sowohl im Volk als auch in weiten Kreisen des Hofes zutiefst verhasst. Es galt als unnatürlich und widersinnig. Letzterem mag man zustimmen. Letztlich war eine Kriegsführung weit in Deutschland 1742-45 schon für Frankreich gescheitert. Die Offensive der Franzosen auf Prag war viel zu weit von den franz. Grenzen entfernt. Wenn man sich Friedrich II. und seine Operationen anschaut, stellt man fest, dass er bewusst oder unbewusst - wahrscheinlich beides - nie seine Versorgungslinien überdehnte, wie es die Franzosen mit einem Vorstoß bis auf Halberstadt taten.
    Auch die franz. Diplomatie war ja keineswegs eindeutig. Die von vielen abgelehnte proösterreichische Politik wurde ja sogar innerhalb der Regierung mit einer antiösterreichischen Subsidienpolitik im Reich wieder untergraben.
    Die Maximen unter Richelieu waren im Grunde in den Köpfen der Franzosen noch immer präsent. Der Rhein galt als natürliche Grenze und wo Frankreich sie nicht militärisch erringen konnte, sollten wenigstens franz. Marionetten die Fürstentümer linksrheinisch inne haben (wie der Kurtrierer Kurfürst schon zu Richelieus Zeiten) - im Süden galt es als untragbar dass der franz. Süden schutzlos vor dem Feind da lag. Piemont lag noch immer auf beiden Seiten der Alpen und Österreicher und Engländer hatten sich den Mangel an einer Sperrung der Alpenfront schon zunutze gemacht und waren im Spanischen und Österreichischen Erbfolgekrieg in die Provence eingefallen.

    Was den Österreichern abging, das kam letztlich den Preußen zugute. Das sehe ich besonders bei der Attraktivität in der jeweils anderen Armee zu dienen. Sogar mit geringen Chargen in der preuß. Armee gab man sich als Deutscher Fürst zufrieden. Vielleicht fehlten nach den großen Türkenkriegen und dem Tod des Prinzen Eugen da auf österreichischer Seite die Anreize?
    Anders als in Staatsdiensten (der Straßburger Bartenstein konvertierte ja z.B. extra) war ja im Militär in Österreich offenbar die Konfession kein Hindernis (wie an württembergischen und sächsischen Prinzen zu sehen).
     
    flavius-sterius gefällt das.
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Im Falle Hessen-Kassel waren es vor allem die britischen Subsidien, die die Landgrafschaft oder besser den Landgrafen bei der Stange hielten. Wilhelm VIII. hätte sich eigentlich am liebsten aus dem Siebenjährigen Krieg am liebsten herausgehalten. Die Franzosen zwangen dann allerdings Wilhelm Farbe zu bekennen. Leider war die starke hessische Armee nicht zur Stelle, die Landgrafschaft zu verteidigen, da das FGros der Truppen unter Ferdinand von Braunschweig an der Weser oder am Rhein stand. Kassel und Marburg wechselten im Laufe des Krieges beide ein gutes Dutzend Mal den Besitzer. wem die Alliierten allerdings überhaupt nicht trauten, war Erbprinz Friedrich. 1754 kam raus, dass er zum Katholizismus konvertiert war, und er musste eine Assekurationsakte unterzeichnen, die die protestantische Konfession garantierte. Im Gegensatz zu seinem Vater war Friedrich nicht so recht vom Bündnis mit Preußen überzeugt. Man traute dem Erbprinzen zu, die Front zu wechseln und stellte ihn in Braunschweig kalt, achtete aber darauf, dass er zuvorkommend behandelt wurde und sich amüsierte. Als er 1760 seinem Vater folgte als Landgraf, war das Misstrauen so groß, dass Ferdinand von Braunschweig hannoversche Truppen in Kassel stationierte, da er fürchtete, dass Friedrich II. von Hessen die Stadt den Franzosen in die Hände spielen könnte. Schließlich hielten ihn die Subsidien des Hofes von St. James bei der Stange, die kulanterweise noch nach Kriegsende weiter gezahlt wurden.
     
    Neddy gefällt das.
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wobei Subsidien generell auch im Frieden gezahlt wurden (ist mir jetzt so aus der Kurpfalz erinnerlich). Man zahlte Subsidien für einen Eventualfall. Man könnte das auch schnöde als Bestechung bezeichnen, aber man ist ja unter Herrschern. Da wäre das wohl unfein gewesen. :D
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Subsidien sind ja eigentlich Hilfsgeldzahlungen.
    Im "Soldatenhandel" waren aber Verträge über die Lieferungen von Truppen, Werbekosten, Bereitstellungen von Reserven in der Regel über einen bestimmten Zeitraum befristet, wobei die "Mieter" oft geneigt waren, dem "Vermieter" Gelder schuldig zu bleiben.

    Soldaten zu vermieten, war übrigens keineswegs zwangsläufig ein Plusgeschäft für den Anbieter. Friedrichs II. von Hessen-Kassel Großvater, der von allen hessischen Fürsten die meisten Subsidienverträge abschloss, hatte sich bei einem seiner ersten Verträge mit der Republik Venedig etwas überhoben. Eine stehende hessische Armee war erst kurz vorher von Karl aufgestellt worden und war noch im Aufbau. Mit späteren Verträgen machte er das wieder wett. Überhaupt neigte dieser Landgraf böse ausgedrückt ein wenig zum Größenwahn, jedenfalls zu sehr ehrgeizigen Bauprojekten, die er dann nicht umsetzen konnte wie den Bau eines Kanals von der Fulda bis zur Nordsee.

    Wer im Geschäft des Soldatenhandels ein Plus machen wollte, musste sehr gut wirtschaften und kalkulieren können. Vor allem musste eine Armee, um für Interessenten attraktiv zu sein auch gut sein. Damit war ein Fürstentum, das in diesem Geschäft mitmischen wollte, zwangsläufig aufrüsten und wurde damit abhängig von "Mietern", da die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Staates wie Hessen-Kassel kaum in der Lage war, eine so starke Armee wie die hessische zu unterhalten. Eine weitere suboptimale Idee Landgraf Karls war der Versuch, Seidenraupen in Nordhessen zu züchten, und Kassel quasi zum deutschen Lyon zu machen.

    Karl gelang es dann aber doch, die Finanzen zu sanieren, und dynastische Verbindungen zu knüpfen. Das Haus Hessen ist mit fast allen großen europäischen Dynastien verwandt. Den Höhepunkt des Ansehens seines Hauses erreichte Karl noch zu Lebzeiten, als sein Sohn Friedrich I. König von Schweden wurde. Böse Zungen behaupteten, dass Friedrich beim Tod seines Schwagers Karl XII. die Finger im Spiel hatte. In Hessen war er nur ganz kurz, um sich von den Landständen huldigen und sich eine stattliche Apanage garantieren zu lassen. Friedrich I. war bei fast allen Erfolgen im Spanischen Erbfolgekrieg beteiligt und hatte durchaus gewichtigen Anteil an den Siegen von Blenheim, Ramillies, Oudenaarde und Malplaquet, die zum Ansehen der hessischen Armee beitrugen. Seine Dragoner nahmen Marschall Talard gefangen.
    Finanziell hat sich die Truppenvermietung für die Landgrafen ausgezahlt. Karls Enke Friedrich II. und sein Urenkel Wilhelm IX. gehörten zu den reichsten Männern ihrer Zeit. Die beiden haben auch nur 1 Vertrag abgeschlossen, wurden dafür aber kritisiert. Wilhelm IX. wollte so gerne ein großer Heerführer wie sein Großonkel Friedrich I. werden, hatte aber nie große Kommandos. Dafür war er ein großes Finanztalent. Sein Faible für Numismatik führte ihn mit dem alten Rothschild zusammen, der auch-damals war Wilhelm noch Graf von Hanau seine Gelder anlegte. Die konnte er auch vor Napoleon in Sicherheit bringen.

    Problematisch für die Landgrafschaft wurde es im Siebenjährigen Krieg. Die Verfügungsgewalt über die vermieteten hessischen Truppen hatte Ferdinand von Braunschweig. Die starke hessische Armee stand meistens am Rhein oder an der Weser und war meistens nicht zur Stelle, als die Franzosen in Hessen einfielen. Marburg und Kassel wechselten beide 1 gutes Dutzend Mal den Besitzer, die Wasserfestung Ziegenhain 2 oder 3 Mal und wurde von 1759-1762 von den Franzosen gehalten, 1760 von der eigenen Armee zum großen Teil zerstört, als der hessische General Schlüter die Stadt und Festung mit Brandgeschossen beschoss. Für die Bevölkerung hieß dass, das zwei Armeen das Land kahl fraßen und verwüsteten. Das war auch der Hintergrund, weshalb Friedrich II. nicht so recht von dem Bündnis mit Preußen überzeugt war und man ihn verdächtigte, womöglich die Seiten wechseln zu wollen. Hessische Truppen trugen mit dazu bei, französische Truppen in Mitteleuropa zu binden und das Kurfürstentum Hannover und das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel zu schützen, aber die Landgrafschaft Hessen-Kassel, jedenfalls der größte Teil davon konnte nicht ausreichend verteidigt werden.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wobei Anhalt-Zerbst und Württemberg auch Beispiele wären, wo das Subsidienwesen zwar vom Landesherrn her auf der Agenda stand, aber dennoch "nichts" für die Qualität der Armee getan wurde. Die Württemberger müssen nach dem Siebenjährigen Krieg einen miserablen Ruf gehabt haben. Egal ob im Westen wie auch in Schlesien zeichneten sie sich durch Unwillen und Unzuverlässigkeit aus. Bei Leuthen griff Friedrich - wohl aber eher zufällig - den Flügel zuerst an, wo die Württemberger standen, die ohne einen Schuss abzugeben auseinander liefen. Ich denke, dass der Mangel an Brauchbarkeit der Truppen auch bisweilen ein Argument gewesen sein kann, weshalb die Mieter mal nicht einsahen zu bezahlen.

    Hessen-Kassel hat eigentlich ganz gut seine Unabhängigkeit bewahrt und passt von daher eigentlich nicht so besonders gut in diesen Thread oder doch?

    Ich frage mich, ob diese Angewohnheit vom Exil aus auch unbesetzte Fürstentümer zu regieren vielleicht auch mit einem Wunsch nach Unabhängigkeit zusammen hing. Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen und Friedrich August von Anhalt-Zerbst in Frankfurt bzw. Basel waren dafür Beispiele. Wobei beide auch Zeit ihres Lebens Sonderlinge blieben.
     

Diese Seite empfehlen