Schweiz im zweiten Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Chrisyma, 18. März 2015.

  1. Chrisyma

    Chrisyma Neues Mitglied


    Hallo,

    Ich habe mich gewundert, wieso die Schweiz im zweiten Weltkrieg verschont wurde - welches waren die Gründe dafür?

    Ich habe mir selbst auch noch einige Gedanken gemacht.
     
  2. Morifea

    Morifea Neues Mitglied

    Einen wunderschönen guten Abend!

    Zu allererst müsste man erstmal wissen, wer deiner Meinung nach die Schweiz verschont hat.
    Ich schätze du meinst den "böhmischen Gefreiten", aber ich frage Sicherheitshalber mal....

    Beste grüße,
    Morifea
     
  3. Chrisyma

    Chrisyma Neues Mitglied


    Dir auch einen schönen Abend!

    Ich habe mich damit generell auf die ganze Situation und Lage der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges bezogen. Die Schweiz war mitunter eines der wenigen Länder, die fast gänzlich verschont wurden. Damit meine ich, dass die Schweiz nicht von Nazi Deutschland überrollt wurde, wie andere neutral gesinnte Länder (Belgien, Niederlanden).
     
  4. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied


    Die Schweiz wurde, obwohl sie ihre Neutralität von 1939-1945 aufrecht erhalten konnte, gar nicht völlig vom Krieg verschont. Damit meine ich nicht mal indirekte, wie z.B. ökonomische Folgen. Die Lage des Landes führte dazu, dass der Luftraum von den Alliierten wie der Achse immer wieder verletzt wurde. Die Schweiz ging während des Krieges unterschiedlich damit um, erduldete diese Verletzungen des Luftraums aber nicht. Gegnerische Flugzeuge wurden zur Landung gezwungen, es kam auch gelegentlich zu Luftkämpfen und Schweizer Städte wurden (allerdings in Folge von Fehlabwürfen) auch bombardiert.

    Vom Thema Luftkrieg abgesehen, war die Schweiz wie alle neutralen Länder Europas ein beliebter Platz für Geheimdienstoperationen und diplomatische Manöver.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  6. xXNatsuXx

    xXNatsuXx Neues Mitglied

    Mein Lehrer hat erzählt, dass es auch an den ganzen Bergen in der Schweiz gelegen haben soll, bin mir nicht sicher, ob das ironisch gemeint war, oder nicht..
     
  7. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Dass die Schweiz verschont wurde, führt zu unwissenschaftlichen Spekulationen und Mythenbildung. An den Stammtischen wurde jahrzehntelang darüber diskutiert warum Hitler die Schweiz nicht angriff. Wer seine Skepsis oder Zweifel an der Wirkung des Réduit aufbrachte, wurde als unpatriotisch angesehen. Dabei wurde ausser Acht gelassen, dass es keine klare Antwort gibt, weshalb Hitler die Schweiz nicht angriff. Denn es gab Angriffspläne, Operation Tannenbauch entstand im Sommer 1940. Und wenn man sich mit Hitler selber näher beschäftig und seine Entscheidungen genauer untersucht ist eines klar - wenn er den Entschluss gefasst hätte die Schweiz anzugreifen, dann wäre das auch geschehen.
    Die Schweizer erwartenden im Mai 1940 das die Wehrmacht die französische Maginotlinie über die Schweiz zu umgehen versuchte. Aus diesem Grund hatte General Guisan 1939 mit den Franzosen eine Absprache zur militärischen Hilfe abgesprochen, damit die Schweizer Armee sich auf die Rheingrenze konzentrieren konnte. Die Wehrmacht "verschonte" die Schweiz beim Angriff auf Frankreich und die schnelle Kapitulation von Frankreich am 22. Juni kam doch unerwartet.
    Die Dokumente des Kontaktes von General Gusian und dem französischen Generalstab viel den Deutschen in die Hände und es gab konkrete Angriffspläne (Operation Tannenbaum) Dennoch gibt es, wie oben erwähnt keine klare Antwort darauf, warum Hitler die Schweiz verschonte.

    Denn 1937 bestätigte Hitler, wie auch Belgien und den Niederlanden eine Woche vor Kriegsbeginn, die Unverletzlichkeit und Neutralität der Schweiz. Ebenso gab es genug Aussagen von ihm und von andern Nazis das aufzeigte, dass die Schweiz ebenso wie der alle andern Europäischen Staaten zum Deutschen Reich gehören werden*. Dazu muss man sich eben schon mit der Ideologie der Nazis befassen, denn es war in den Augen dieser ganz klar, dass es früher oder später dazu kommen wird.

    Dann kommt noch dazu, als Frankreich besiegt war, richtete sich die ganze Aufmerksamkeit Hitlers auf den Luftkrieg gegen England und die Vorbereitung des Feldzuges gegen die Sowjetunion. Die Pläne für den Angriff auf die Schweiz bestanden, die Prioritäten des der deutschen Heeresleitung war aber eine andere.

    * Es gibt in Schulbüchern aus dem Jahr 1936 Karten wo die Schweiz bereits ins Dritte Reich integriert wurde.


    Weltkrieg, Zweiter

    Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg UEK
     
  8. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Dazu empfehle ich dir als Einstieg den Artikel im Historischen Lexikon der Schweiz zu lesen:

    Weltkrieg, Zweiter

    Und dann noch diese Themen im Forum:

    http://www.geschichtsforum.de/f73/faschismus-der-schweiz-47275/

    http://www.geschichtsforum.de/f68/luftkrieg-der-alliierte-luftangriff-auf-basel-22306/

    http://www.geschichtsforum.de/f66/verhielt-sich-die-schweiz-im-2-weltkrieg-wirklich-neutral-27902/
     
  9. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Weiss man denn etwas ueber møgliche Begehrlichkeiten Mussolinis, was die Schweiz anbelangt? Weiss man etwas ueber møgliche Absprachen zwischen Hitler und Mussolini, fuer den Fall, dass...?
    Ich kann mir schlecht vorstellen, dass Mussolini die Deutsche Inbesitznahme auch der "italienischsprachigen" Schweiz akzeptiert hætte. Oder war er sogar ein Fürsprecher fuer den Erhalt der Schweiz?

    Gruss, muheijo
     
  10. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Mussolinis war gegenüber der Schweiz versteckt aggressiv. Das hatte wo möglich auch damit zu tun, dass er nach seiner Ansicht nach schlechte Erfahrungen gemacht hat. Kurz dazu. 1902 reiste er ohne Ziel in die Schweiz. Arbeitete für die italiensischen Sozialsiten, dabei organisierte er Versammlungen und hielt Vorträge. Er unterstützte in dieser Zeit die Idee eines gewaltsamen Generalstreikes, daraufhin wurde er 1903 verhaftet und aus der Schweiz ausgewiesen. Kehrte aber wieder zurück und wurde 1904 erheut ausgewiesen. Er hatte seinen Pass gefälscht. Im Tessin kam es dann zu protesten gegen die Ausweisung, worauf er wieder freigelassen wurde. Am 7. Mai schrieb er sich an der Universität Lausanne ein. Er besuchte die Vorlesungen von Vilfredo Pareto und Pasquale Boninsegni neben den Vorlesungen hielt er weitere Reden für die italienischen Arbeiter in der Schweiz. Im November 1904 kehrte er nach Italien zurück. Über seinen Werdegang dann in Italien, schreib ich jetzt nichts. 1913 wurde er nach Zürich eingeladen um eine 1. Mai Rede zu halten und im Juli sprach er in Flamatt vor italienischen Arbeitern. 1921 hielt er eine Rede in Italien wo er auf die "Gotthardgrenze" anspielte - dazu mehr unter Irredentismus, nach dieser Rede wurde er mit einem Einreiseverbot belegt.

    Die versteckte agressive Politik Mussolinis war vor allem in den italienischen Zeitungen zu lesen, gegenüber der "offiziellen" Schweiz war er diplomatisch. In Reden war er dann provokativ. Es war ein Doppelspiel was Mussolini veranstaltete. Mussolini standen aber bei weiten nicht so ein ideologischer Apparat zur Verfügung wie Hitler.
    Wie weit er am Ende dann gegeangen wäre ist ebenso Spekulativ und kann nicht schlüssig beantwortet werden. Eine mögliche Antwort hat vielleicht Mussolini selber gegeben als er im Mai 1934 Georges Wagnière, dem Schweizer Gesandten im Rom sagte:

    "L'histoire nous apprend que la guerre est le phénomène qui accompagne le développement de l'humanité. C'est peut-être le destin tragique qui pèse sur l'homme. La guerre est à l'homme ce que la maternité est à la femme. (...) Je ne crois pas à la paix perpétuelle; je la crois même déprimante et néga-trice des vertus fondamentales de l'homme, qui ne se révèlent à la pleine lumière du soleil que dans l'effort sanglant" 1

    1 Wagnière an Motta, Rom, den 28. Mai 1934. Der bezeichnende Kommentar des schweizerischen Gesandten dazu lautet: «Ce serait une grave erreur de croire que Mussolini nes'emploie de toutes ses forces et très sincèrement à maintenir la paix en Europe.» - BAr E 2300 Rom, Archiv-Nr. 3
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Falls es interessiert: die Akten des OKH enthalten die Angriffsnotiz Schweiz vom 25.6.1940 (Quelle: T78R649), auf deren Basis dann GenFM R.v.Leeb im Sommer 1940 eine Angriffsplanung ausarbeitete. Die Notiz fällt unmittelbar zusammen mit der Niederlage Frankreichs.

    EDIT: plus ein Nachtragsbeispiel aus der "Diskussion" der Planung, hier vom Oktober 1940 (2.)
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2017

Diese Seite empfehlen