Steve Bannon/Neil Howe- the Fourth Turning

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von dirtybob, 28. Februar 2017.



  1. dirtybob

    dirtybob Neues Mitglied

    Hallo allerseits,

    ich bin Laie und habe leider über die Suchfunktion nichts zu dem Thema finden können, daher eröffne ich hier einen neuen Thread.

    Steve Bannon ist in seiner Vision sehr inspiriert vom Autoren Neil Howe und dessen Buch The Fourth Turning. Dies beschreibt einen zyklischen Verlauf in der amerikanischen Geschichte beginnend mit Hochphase, Aufwachen, Zusammenbruch und Krise. Der Autor beschreibt wie dieses Muster immer wiederkehrend in der US-amerikanischen Geschichte zu finden ist.

    Nun meine Frage :
    Was meint ihr - stimmt das mit der Zyklizität?
    Wenn ja, wäre das Modell sicher auch auf Deutschland zu übertragen - haben wir hier eine gewisse Synchronität mit der US-Geschichte?

    Freue mich auf eure Antworten.

    Viele Grüße
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 7. März 2017
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Bei solchen "Mustern" ist es meistens so, dass sie umso mehr stimmen, je schwammiger sie definiert sind, und dass sie umso weniger stimmen, je konkreter ihr Inhalt definiert ist.
     
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Schon darauf, was eine Hochphase ist wird man sich nicht einigen können. Militärische Macht? Kunst und Literatur? Menschenrechte?
     
  4. dirtybob

    dirtybob Neues Mitglied

    Nunja, hierzulande denken viele im Hinblick auf Hochphase an die Adenauer Zeit und im Hinblick auf Krise an den zweiten Weltkrieg. Ich glaube, das ist ohne sich in Details zu versteigen ziemlich eindeutig oder? Nach eurer Kritik müsste man ja alles relativieren können, was aber in meinen Augen dann ab einem bestimmten Punkt absurd wird oder habe ich euch falsch verstanden?
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nach einem Krieg, bei dem viel kaputt geht, geht es irgendwann wieder wirtschaftlich aufwärts, da kommt früher oder später eine "Hochphase", die kürzer oder länger dauern kann.
    Auch nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine wirtschaftliche "Hochphase", diese dauerte aber nur wenige Jahre.
    Die Zyklen nach Howe/Strauss sollen jeweils 80 Jahre dauern, das haut zwischen I. und II. Weltkrieg für Deutschland nicht hin.
     
  6. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Bauchgefühl ist nicht quantifizierbar. Rein nach bewertbaren Zahlen geht es dem Durchschnittsbürger heute in Deutschland besser als zu Adenauers Zeiten, Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen sind besser ausgebaut etc. Trotzdem schlittern wir gerade von Krise zu Krise.

    Hast Du Howe denn gelesen? Woran macht er seine Phasen denn fest bzw. wie grenzt er sie voneinander ab?
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Bei Howe/Strauss geht es vermutlich nicht um quantifizierbare Daten, sondern um Dinge wie: "Diese Phasen sind gekennzeichnet durch schlechte Manieren, Zynismus und schwachem zivilen Gehorsam..."
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Prinzip scheint mir die Vorstellung der vom Untergang des Abendlandes zu ähneln. Spengler hat einen Staat oder eine Zivilisation kulturpessimistisch als Menschen charakterisiert, der notwendigerweise irgendwann ins Greisenalter kommt und stirbt. Nur sind Staaten und Zivilisationen eben gerade keine biologischen Organismen.
     
  9. Idomenio

    Idomenio Neues Mitglied

    Laut Steve Bannon sind diese Phasen an Kriege gebunden. Auf jeden großen Krieg folgt eine Periode des Aufstiegs die im Zenit gipfelt. Danach findet ein schleichender Verfall statt bis hin zu einer Krise auf welche ein weiterer Krieg folgt, danach das ganze von vorne.

    Er bezieht sich auf den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, den Bürgerkrieg und den Zweiten Weltkrieg. Dazwischen liegen je etwa 80 Jahre. Deshalb stünden wir nun kurz vor einem neuen Krieg.

    Ich halte natürlich nichts von dieser These, allein deshalb, weil seltsamerweise der 1. Weltkrieg und Vietnamkrieg fehlen, sie wurden wahrscheinlich bewusst oder aus kognitiver Dissonanz weggelassen, sonst haut das mit den gleich langen Zeitabständen nicht hin und die These funktioniert nicht mehr so wie gedacht bzw. noch weniger...
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juni 2017
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Da geht wohl etwas durcheinandheinander, da nicht Bannon die These originär formuliert hatte.

    Man wird wohl die Thesen von Strauss & Howe in ihrem "wissenschaftlichen" Anspruch trennen müssen von der politischen Funktionalisierung.

    Die Diskussionswürdigkeit der wissenschaftlichen Thesen, die m.E. bereits Al Gore betont hatte, steht nicht in Frage. Da stellt sich eher die Frage, ob die empirischen Fakten sich in diesen theoretisch behaupteten Zyklus einpassen lassen.

    Und Strauss & Howe stehen da wohl eher in der Tradition eines Struktur-Funktionalismus eines Parsons und kombinieren das AGIL-Schema mit den Generationsüberlegungen eines Mannheim.

    Insofern kann man über Strauss und Howe diskutieren.

    Die Frage der Funktionalisierung dieser Thesen für die aktuelle Politik steht auf einem anderen Papier und ist auch nicht das Thema in diesem Geschichts-Forum.

    Aber die m.E. wirren politischen Aussagen von Bannon, der die Thesen von Strauss und Howe ja nur lediglich für seine politischen Wunschvorstellungen funktionalisiert, sind nicht diskussionswürdig, weil sie nicht im wissenschaftlichen Sinne "wahrheitsfähig" sind. Man kann dieser beliebigen politischen Meinung in einem politischen Diskurs zustimmen oder - was wohl die Mehrheit tut - sie einfach ablehnen.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Besser kann man das nicht auf den Punkt bringen.
     

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