Wann ging die griechische Religion unter?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Gast, 21. Januar 2011.

  1. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied


    und das haben alles die Missionare getan?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie ist denn das Christentum von der kleinen jüdischen Splittergruppe über die Verfolgungssituationen* vom 1. - 4. Jhdt. soweit gekommen, dass es letztlich im 4. Jhdt. zur Staatsreligion wurde?

    *Plural, weil es neben den Verfolgungswellen auch Duldungsphasen gab.
     
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Das lässt sich unter 1000 Seiten kaum zufriedenstellend schildern.
     
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  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Sicher ist jedenfalls, dass das Christentum sich mehrere Jahrhunderte in der Illegalität behaupten konnte und zwar trotz mehreren lokalen und schließlich reichsweiten Verfolgungswellen . In Kleinasien war das Christentum spätestens Ende des 1., Anfang des 2. Jahrhunderts eine Größe, mit der sich die Römer auseinandersetzen mussten. Im Westen des Imperiums waren die Missionserfolge des Christentum weitaus geringer, aber es muss in Städten wie Lugdunum/ Lyon dennoch zahlenmäßig nicht unbedeutende Gemeinden gegeben haben, jedenfalls sind dort Ende des 2. Jahrhunderts heftige Verfolgungen überliefert.
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Heidenverfolgungen im Römischen Reich sind eine Tatsache. Es ist traurig, dass die Christen, die selbst Jahrhunderte unter Intoleranz zu leiden hatten, sich gegenüber heidnischen Religionen nun ebenso intolerant verhielten. Bei Wiki las ich u.a. dazu:

    "Ebenso kam es zu Plünderungen von heidnischen Tempeln und dem Verbot privater Haruspizien bzw. Magieverbote. Während Kaiser Constans 342 Schutzvorschriften für heidnische Tempel erließ (Cod. Theod. 16,10,3), betrieb sein Bruder Constantius II., wie Constans ein Christ, eine anti-heidnische Religionspolitik und ging auf dem gesetzlichen Weg gegen die Heiden vor, wie das Verbot heidnischer Kulte zeigt (354). .... Unter Theodosius I. wurde 380 und 391/392 das Christentum zur alleinigen Staatsreligion erklärt und die heidnische Religionsausübung unter Todesstrafe gestellt. ...

    Dennoch kam es teils zu harten antiheidnischen Übergriffen. In Alexandria, wo es auch zu Gewalttaten von Heiden gegenüber Christen kam, wurde Hypatia als bedeutendste Naturwissenschaftlerin der Spätantike von einem Mob grausam ermordet und das berühmte Serapisheiligtum zerstört. Nachhaltig für die weitere Entwicklung waren die Zerstörungen klassisch heidnischer Kulturgüter, so auch die Bücherverluste in der Spätantike"
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2018
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  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Anhänger des Christentums bildeten eine kleine Sekte, die erst nach der Erhebung zur Staatsreligion und dem Verbot des Heidentums die im Reich praktizierten anderen heidnischen Kulten überflügeln konnte.

    Die Mitras-Mysterien waren im Reich mindestens so populär wie das Christentum und bei den Soldaten und der Armee weit verbreitet.
     
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  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Zur Zeit Konstantin des Großen war das Christentum sicher keine kleine Sekte, den dann hätte Konstantin sich sicher nicht auf diese gestützt.

    Sicher nicht die Mehrheit der Bevölkerung, aber sicherlich auch nicht eine kleine Sekte.

    Bei Mythras wissen wir doch garnicht ob er außerhalb der Soldaten populär war. Es gibt ja die These das Frauen nicht mitmachen durften.
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Klick bitte mal auf den Link, Magieverbote gab es schon lange...

    Bis wann würdest Du das Christentum als "kleine Sekte" bezeichnen? Bis zur Erhebung zur Staatsreligion (380) oder bis zum Verbot heidnischer Kulte (391/392)?
     
  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Schwer zu sagen. Ich glaube, dass das Christentum noch Ende des 4. Jh. nur im Nahen Osten und größeren Städten desWestens fester verankert war.

    In weiten Teilen des Römischen Reichs hatte das Christentum hingegen kaum Anhänger. Das zeigen schon Bekehrungsversuche durch Bonifatius in Mitteleuropa, das noch im 7. Jh. weitgehend vom Christentum unberührt war.

    Im Frankenreich kam es erst im 6. Jh. zu einer oberflächlichen Chrisianisierung durch Chlodwigs Übertritt zum römisch-katholischen Glauben. Ähnlich wird es in anderen Teilen des Römischen Reichs ausgesehen haben.
     
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  10. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Fritzlar (wo die Donareiche stand) gehört zwar zu Mitteleuropa, aber nicht um Römischen Reich. (Jedenfalls nicht mehr seit 9 n. Chr.)

    Christianisiert wurde damals die fränkische Oberschicht. Die alteingesessene romanische Bevölkerung war schon längst christlich und flächendeckend nach Bistümern organisiert.
     
  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Was hat Bonifatius mit dem Römischen Reich zu tun??
     
  12. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Es gibt hier eine Karte, die die Ausbreitung des Chistentums im Römischen Reich zegt.

    https://www.diercke.de/content/die-ausbreitung-des-christentums-im-römischen-reich-978-3-14-100770-1-125-5-0

    Danach waren im 4. Jh. noch weite Teile des Reichs heidnisch So z.B. weite Gebiete in Spanien, Frankreich, Dalmatien, Dakien, Nordgriecheland und der ganze Raum zwischen Rhein und unterer Donau. Auch halb Kleinasien war im 4. Jh. noch heidnisch.

    Das zeigt deutlich, dass das Christentum längst keine bestimmende Religion war, sondern erst durch das Vérbot aller heidnischen Religionen dazu wurde.
     
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  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Aus der Antike wird man schwer, belastbare Angaben zu Mitgliedszahlen von Religionen eruieren können. Über die Zahl der Anhänger von Mysterienkulten wie der des Mithras, des Serapis, Hermes Trimegitos oder der Isis liegen kaum Zahlen vor. Etwas besser sind die Informationen über die ungefähre Stärke der jüdischen Gemeinden. Zahlenmäßig dürfte das Christentum bis zum Ende des 2. Jahrhunderts das Judentum bereits weit überflügelt haben. Die Mehrheit stellten die Christen nirgendwo, auch nicht in den Zentren in Kleinasien, aber eine unbedeutende Sekte war es längst nicht mehr. Nachdem das Christentum aus den Verfolgungen des 3. Jahrhunderts gestärkt hervorging, war der Versuch, es staatlich einzubinden, eigentlich konsequent, zumal keine prinzipielle Opposition des Christentums gegen das Imperium bestand.
     
  14. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...im Text unter der Karte findet sich:
     
  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    An der Verbreitung des Christentums, wie sie die Karte zeigt, ändert das nichts.

    Fakt ist, dass im 4. Jh. noch weite Teile des Römischen Reichs heidnisch waren.
     
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  16. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...dieselbe Karte findet sich auch mit diesem Titel: Diercke Weltatlas - Kartenansicht - Römisches Reich Anfänge und Ausbreitung des Christentums - - 978-3-14-100870-8 - 37 - 3 - 1
    ...leider wird online nicht gezeigt, was mit heller und dunkler orange gemeint ist - ich nehme an, dass die dunklere Einfärbung eher früh (vor Diokletian) und die hellere eher später meint; und wenn das so sein sollte, dann sind mir deine großen heidnischen Gebiete innerhalb des weströmischen Reichs nicht so ganz klar (mag sein, dass manche Landbevölkerung "paganus" war bzw. nur oberflächlich christianisiert
     
  17. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Karte befindet sich ursprünglich im Großen Atlas zur Weltgeschichte, S. 44, erschienen im Westermann Verlag, der mir hier vorliegt. Dort sind alle Raster und Schattierungen noch gut ablesbar.

    Danach ist im 4. Jh. Italien weitgehend christianisiert, ferner das alte Staatsgebiet Karthagos sowie größere Teile SW-Anatoliens und der Raum um Antiochis und Jerusalem/Palästina. Spanin ist noch größtenteils heidnisch, abgesehen von SO-Spanien (Raum Cordoba, Malaga, Nova Carthago). Auch Frankreich ist größtenteils heidnisch, abgeshen von einigen christlichen Inseln um Massilia, Reims und Tours. Ganz Ostfrankreich, Süddeutschland sowie der Raum des heutigen Ungars, Jugoslawiens, Bulgariens und Griechenlands sind im4. Jh. noch heidnische Gebiete.
     
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  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...dann müsste im Lauf des 5. Jhs. eine hektische Massen- und Flächenchristianisierung stattgefunden haben, denn die teilweise noch heidnischen germanischen Foederaten/Eroberer stießen auf dem Territorium des römischen Reichs auf Bistümer usw. ...
     
  19. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Christianisierung war ein längerer Prozess, der im Einzelnen unterschiedlich ablief. Es gab keine synchrone Übernahme des Christentums durch die Menschen in den verschiedenen Räumen des Römischen Reichs. Ab Mitte des 5. Jh. war die steuernde Macht der weströmischen Regierung ohnehin zusammengebrochen, sodass ein Mosaik von heidnischen und christlich gewordenen Städten und Landschaften entstand. Wann dieser Prozess abgeschlossen war, lässt sich schwer sagen.
     
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  20. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ich hab mal i-wo aufgeschnappt, dass der englische Begriff für "Heide/Nicht-Christ", "pagan", daher stammt, dass die nicht-christliche Bevölkerung im 4. oder 5. Jh eher auf dem Land, Christen eher in den Städten zu finden waren. Ich hab aber zuwenig Ahnung, um das einordnen zu können (oder zu wissen, ob der Begriff in Britannien entstanden oder auf dem Festland geprägt und dann nach Britannien importiert wurde, und und und...)
     

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