Ist das Holocaustmahnmal ein Denkmal der Schande?

Das sehe ich anders. Der Sinn der Stolpersteine ist doch, an individuelle Schicksale zu erinnern. Dass es eben nicht eine anonyme Masse war, die ermordet wurde, sondern 6 Mio. Individuen mit Namen und Biographien, reale Menschen aus der Nachbarschaft.
Wenn man nur den Stolperstein an sich wahrnimmt, bleibt die Person, der er gewidmet ist, erst wieder anonym und Teil einer anonymen Masse.
 
Gerade eben schrieb ich zu den Stolpersteinen, da lese ich diesen Beitrag im Netz:
Die Empörung über das Vorgehen von CDU und AfD ist groß: In der sächsischen Kleinstadt Heidenau sollen künftig im öffentlichen Straßenraum keine Stolpersteine mehr zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Der Stadtrat hat einen entsprechenden Antrag von AfD und CDU beschlossen. Die Entscheidung löst bundesweit Kritik aus. Israels Botschafter Ron Prosor schrieb auf X: "Ich bin beschämt."
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte "Bild": "Ein Verbot von Stolpersteinen wie in Heidenau ist in meinen Augen ein Skandal." Wer Erinnerungsorte jüdischen Lebens auf Friedhöfe verdrängen wolle, mache Jüdinnen und Juden "noch einmal unsichtbar". Die kleinen Messingplatten im Gehweg erinnerten tagtäglich an einzelne Schicksale und daran, welche Verantwortung Deutschland aus dem Holocaust ableiten müsse.
 
Das sehe ich anders. Der Sinn der Stolpersteine ist doch, an individuelle Schicksale zu erinnern. Dass es eben nicht eine anonyme Masse war, die ermordet wurde, sondern 6 Mio. Individuen mit Namen und Biographien, reale Menschen aus der Nachbarschaft.
Wenn man nur den Stolperstein an sich wahrnimmt, bleibt die Person, der er gewidmet ist, erst wieder anonym und Teil einer anonymen Masse.
Ja und nein, es kommt durchaus auf die einzelne Person an, ließt man oder nicht. Ich lese auch ab und an was draufsteht. Zumindest wird einem bei der "täglichen Begegnung" damit die Dimension des Horrors eher bewußt.
Aber das ist natürlich meine persönliche Ansicht dazu.

Für mich wird hier die "anomyme Masse" eher zur einzelnen Persönlichkeit gemacht.
 
Ich habe ja schon einmal von meinem Alltagserleben der Stolpersteine in Siegen und in Marburg erzählt.
Ich kannte die Stolpersteine in Marburg, fand sie jetzt auch in Siegen. Mich berührt das Schicksal, ich lese die Namen in einer Straße die mir seit der Kindheit "geläufig" ist. Jetzt sehe ich die Namen der Opfer, während die Täter in meiner Stadt "verdiente Bürger" waren, deren Verstrickung in den Mord und in das System zu meiner Schulzeit tabu waren, ein Nicht-Thema.
Das Gedenken zu bewirken ist ehrenvoll. Die Täter und ihre Apologeten wollen das Schweigen.

Besonders wichtig ist es mir aber in der kleinen Landgemeinde Roth im Lahntal, wo ich früher oft mit dem Fahrrad unterwegs war, zum Beobachten seltener Vogelarten mit Fernglas und Spektiv.
Ein sehr sehenswerter Ort, mit Mühle in malerischer Lage an einem Lahnwehr, mit geschlossenem Ortskern, Dorfsynagoge, Gemeinschaftskühlhaus im Dorf (gab's früher überall in Hessen).

und der kleine Ort Roth steht zu seiner Geschichte, und zu den Schicksalen seiner Einwohner.

Das Gedenken (nur) auf dem Friedhof? Nein, durchaus auch da wo es stört und verstört, und nah am Alltag.
 
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Es wird im Übrigen mit den Stolpersteinen nicht ausschließlich an die sechs bis sieben Millionen ermordeten Juden sondern auch an andere Opferguppen erinnert. Und nicht nur in Deutschland, auch im Ausland habe ich schon Stolpersteine gesehen, ich kann mich leider nicht erinnern, wann und wo.
 
Und nicht nur in Deutschland, auch im Ausland habe ich schon Stolpersteine gesehen, ich kann mich leider nicht erinnern, wann und wo.
Die werden mWn überall hingeschickt, wenn es Anfragen gibt, und eine Überprüfung wie in Deutschland möglich ist. Ist auch kein Wunder; es ist nunmal auch ein Wirtschaftsunternehmen (gar nicht als Kritik gemeint), und das es quer durch Europa Opfer gibt, an die man erinnern kann...

Der Sinn der Stolpersteine ist doch, an individuelle Schicksale zu erinnern.
Ich hab keine Ahnung, was der Erfinder sich dabei gedacht hat, aber wenn sie bei mir eines erreicht haben, dann das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es wirklich überall Opfer gab. Man kann in Berlin tatsächlich keine 200 m laufen, ohne über einen zu stolpern (pun intended...); ist nur leicht übertrieben (und an manchen Stellen reichen natürlich 20 m und weniger).
 
Die Empörung über das Vorgehen von CDU und AfD ist groß: In der sächsischen Kleinstadt Heidenau sollen künftig im öffentlichen Straßenraum keine Stolpersteine mehr zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Der Stadtrat hat einen entsprechenden Antrag von AfD und CDU beschlossen. Die Entscheidung löst bundesweit Kritik aus. Israels Botschafter Ron Prosor schrieb auf X: "Ich bin beschämt."
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte "Bild": "Ein Verbot von Stolpersteinen wie in Heidenau ist in meinen Augen ein Skandal." Wer Erinnerungsorte jüdischen Lebens auf Friedhöfe verdrängen wolle, mache Jüdinnen und Juden "noch einmal unsichtbar". Die kleinen Messingplatten im Gehweg erinnerten tagtäglich an einzelne Schicksale und daran, welche Verantwortung Deutschland aus dem Holocaust ableiten müsse.
Wobei München mit derselben Argumentation auch lange Stolpersteine abgelehnt hat, ohne Beteiligung der AfD, insofern finde ich es nicht hilfreich, diesen Ratsbeschluss politisch aufzuladen. Ich würde übrigens auch behaupten, dass Stolpersteine (so gut ich die Idee finde), der deutschen Gedenkkultur der Moderne nicht gut entsprechen. Ich kenne viele Gemeinden, wo man sich zum Volkstrauertag behelfsweise auf dem Friedhof oder irgendeinem öffentlichen Platz trifft, weil es nicht mal ein Mahnmahl für die eigenen Gefallenen der Weltkriege gibt.
 
Wobei München mit derselben Argumentation auch lange Stolpersteine abgelehnt hat, ohne Beteiligung der AfD, insofern finde ich es nicht hilfreich, diesen Ratsbeschluss politisch aufzuladen. Ich würde übrigens auch behaupten, dass Stolpersteine (so gut ich die Idee finde), der deutschen Gedenkkultur der Moderne nicht gut entsprechen. Ich kenne viele Gemeinden, wo man sich zum Volkstrauertag behelfsweise auf dem Friedhof oder irgendeinem öffentlichen Platz trifft, weil es nicht mal ein Mahnmahl für die eigenen Gefallenen der Weltkriege gibt.
Was genau ist denn die „deutsche Gedenkkultur der Moderne“ ?
Die Friedhöfe gibt es ja schon lange.
 
Das Gedenken (nur) auf dem Friedhof?

Dazu fällt mir ein Mahnmal ein, dass ich bei dem Besuch meiner Schwester gesehen habe. Auf dem Friedhof ist meine Mutter begraben.

Geht aus dem Text nicht hervor, aber laut meiner Schwester (Lehrerin) wurden die Reliefs von Schülern ihrer Schule gstaltet. Die Schule hat ein besonderes Verhältnis zur Erinnerungskultur, da sich der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg bis zu seinem Tod da engagierte.

Interessanter historischer Hintergrund und ein Beispiel für Erinnerungskultur im Kleinen auf dem Lande.
 
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