Die Iberer

Um die verwirrung Komplett zu machen: Es gab im Kaukasus ein Staat der hieß auch Iberien, aber ich denke dies ist nur ein zufällige Namesgleichheit.
 
Ich lese bei Georg Bossong in dessen Buch Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. München 2008, 2. durchgesehene Auflage 2016, an noch relativ früher Stelle (S. 15) folgende Aussage:

Aus dem an dramatischem Geschehen reichen Krieg (man erinnere sich an Hannibals Alpenüberquerung) ging am Ende Rom als Sieger hervor; Iberien wurde romanisiert, weshalb dort heute romanische Sprachen gesprochen werden und keine semitischen Abkömmlinge des Phönizischen.​
Hui! Also mal abgesehen davon, dass das reine Spekulation ist, vergisst diese Passage natürlich, dass Geschichte zwar eine Einbahnstraße oder ein System von Einbahnstraßen ist, aber eine(s) mit vielen Einmündungen, von denen manche versperrt werden und andere reichen Verkehrsfluss beisteuern.
Also angenommen, Rom wäre im Zweiten Punischen Krieg statt zur Hegemonialmacht im Westmittelmeer aufzusteigen, von der italienischen Hegemonialmacht zu einer Stadt unter vielen degradiert worden oder gar ganz untergangen: Dann hätte die Romanisierung der PI natürlich nicht stattgefunden und heute würden dort keine romanischen Sprachen gesprochen. Das ist fraglos so. Daraus allerdings die Schlussfolgerung zu ziehen, dass man stattdessen eine Tochtersprache des Punischen spräche finde ich schon recht mutig.
Gut, das ist das Kapitel Erste Spuren, wo es erst mal noch nicht wirklich um Juden auf der iberischen Halbinsel geht, sondern um Punier, wobei man nicht ausschließen könne, dass auf den punischen Schiffen auch Hebräer mitfuhren. Bossong vertritt die bekannte These, dass Tarshish Tartessos sei (verschweigt aber auch nicht, dass das keineswegs gesichert ist) und, dass Cádiz um 1100 (nach Pomponius 1106) v. Chr. gegründet wurde. Ich bin der Meinung, dass Cádiz erst um 750 v. Chr. gegründet wurde. Denn die historiographische Überlieferung geht vom 80 Jahre nach Beendigung des trojanischen Krieges aus, die Archäologie hingegen datiert die ältesten Spuren auf die MItte des 8. Jhdts. (Wo ich schon dabei bin zu moppern: die Formulierung

Die Phönizier [...] bauten um 1100 v. Chr. den Naturhafen Cádiz zur Stadt aus. (S. 14)​
passt für mich eher zur schwärmerischen Sprache des 19. Jhdts., als zum 21. Jhdt. Aber das Buch handelt ja vom sephardischen Judentum, also den Juden nach 70 bis 1492 und deren Nachfahren, die auf der Iberischen Halbinsel lebten, und in diesem Zusammenhang habe ich dann nichts zu kritisieren.
 
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