Entwicklung von Schwertern in Europa: Gladius Typ Mainz

G

Gast

Gast
Wie entwickelten sich die Schwerter in Europa. Nun, nicht von Anfang an, sondern so ab Gladius Typ Mainz bis zum Ende des Mittelalters. Noch ne Nebenfrage. Der Gladius Typ Mainz hatte ja ne recht komische Form. Die muss ja zu irgendwas gut gewesen sein. Ob man nun besser stechen konnte oder ob der Hieb dann stärker war, irgendetwas muss es ja gewesen sein. Warum wurde dieser Typ dann nicht auch bei den längeren Einhandschwertern im Mittelalter benutzt? Was war das längste, je effektiv eingesetzte Einhandschert der Welt? Viele Fragen, und ich hoffe auf viel Antworten.
 
Gladius Typ Mainz

Ich habe letztens ein von den Römern beutztes Schwert gesehen, dass eine recht merkwürdige Form hatte. Nach längerem googlen habe ich herausgefunden, dass es sich um das Gladius des Typ Mainz handelt. Jetzt meine Frage: Wieso hatte dieses Gladius diese Form. Die Form muss ja irgendeinen Vorteil haben, sonst hätte man die Schwerter ja einfach gerade gemacht.
Schon einmal danke für die Antworten.
 
Hat man ja auch, später gab es dann die graden Schwerter vom Typ "Pompeji".

Möglich, dass die geschwungene Form des "Mainz" Vorzüge im Kampf hatte; viele gestalterische Variationen (auch an Waffen) sind aber durch schlichte Freude an der Gestaltung und an der schönen Form entstanden.
 
Der Gladius von den Römer wurde meist zum Stichangriff eingesetzt,damit der Feind kaum weiterkämpfen konnte.Ob das Schwert deshalb diese komische Form bekommen hatte,weiß ich nicht.
 
...dass es sich um das Gladius des Typ Mainz handelt. Jetzt meine Frage: Wieso hatte dieses Gladius diese Form. Die Form muss ja irgendeinen Vorteil haben...
Wenn die Klinge zur Spitze hin nur breiter, aber nicht dünner wird, führt die Verbreiterung zu einer Verlagerung des Schwerpunkts nach vorn. Dann hätte diese Bauform den Effekt, dass sie die Hiebwirkung der Waffe steigert (mehr Masse an der Spitze, mehr Massenträgheit, höhere Zentrifugalkraft beim Schlagen mit der Waffe). Demnach wäre ein Gladius vom Typ Pompeji in erster Linie eine Stichwaffe, ein "Mainz-Gladius" dagegen auch zum Schlagen geeignet.

Verarbeitungstechnisch wäre Typ Pompeji leichter herzustellen und deshalb "billiger", weil Typ Mainz sowohl bei der Formung der Klinge als auch beim späteren Schleifen zusätzliche Arbeitsschritte erfordert (Amboß und Schleifstein sind ja "plan" und haben nicht die Wellenform eines Mainz-Gladius).

Meine Aussagen kennzeichne ich hiermit als pure Vermutungen. Ich gebe zu, dass ich nicht wirklich Ahnung von unterschiedlichen Gladius-Varianten habe... :S.

MfG
 
Die Form kann auch schlicht etwas mit Gewichts- und Materialersparnis zu tun haben.
Ein schlankerer Mittelteil,der ja nur zum Parieren gebraucht wird,braucht weniger Masse und damit weniger Material.Vergleichbare Spareffekte hat man später auch mit der sogenannten "Blutrille" erzielt
 
Die Form kann auch schlicht etwas mit Gewichts- und Materialersparnis zu tun haben.
Ein schlankerer Mittelteil,der ja nur zum Parieren gebraucht wird,braucht weniger Masse und damit weniger Material.Vergleichbare Spareffekte hat man später auch mit der sogenannten "Blutrille" erzielt

Laut Wikipedia (ich weiß, mit Vorsicht zu genießen...) war ein Gladius vom Typ Mainz 1200 bis 1600 Gramm schwer, ein Pompeji-Typ nur 1000 Gramm. Das würde gegen Gewichtsersparnis sprechen.

Übrigens waren diese Schwerter alle nicht zum Parieren geeignet. Dafür war der Schild zuständig. Abwehrfunktion haben Schwerter erst im frühen Mittelalter bekommen, als die Parierstange eingeführt wurde. Sie verhindert, dass bei Paraden die gegnerische Waffe über die eigene Klinge hinaus abgleiten und die Waffenhand treffen kann. Hintergrund: Für Paraden kommt eigentlich nur der Bereich nahe am Griff in Frage. Je weiter zur Spitze die gegnerische Klinge auftrifft, desto größer ist dort die Hebelwirkung. Deshalb wird in alten Fechtbüchern der Bereich der Klinge nahe beim Griff "Stärke" genannt, der Bereich zur Spitze hin dagegen "Schwäche".
 
Römische Militärausrüstung wurde allgemein oft regionalen Gegebenheiten, insbesondere der Bewaffnung des dortigen Gegners angepasst.

So mussten beispielsweise die römischen Truppen während des zweiten Dakischen Krieges ihre Rüstungen, Bein und v.a. Armschienen verstärken und ihre Helme modifizieren, um sich besser gegen die Falx zu schützen, welche unter den Daker / den Getai eine oft benutzte und gefürchtete Waffe war.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Römer auch in Germanien, Gallien und sonst wo ihre Bewaffnung ständig modifiziert haben.

Römische Militärbewaffnung war sowieso meist eine Übernahme oder Weiterentwicklung fremder bewaffnung, so z.b. der/das (wie sagt man?) Gladius, inspiriert von Iberischen/Lusotannischen klingen, von den Römern gladius hispanniensis genannt. Oder der bekannte Montefortino Helm, der den Kelten zugeschrieben wird....
 
Ob der Typ Mainz zufällig durch das Schleifen der mechanisch beanspruchten Schwertmitte oder gezielt entstanden ist kann diskutiert werden. Aus meiner Sicht, ist der Gladius Typ Mainz die ausgereifteste Variante des Gladius für den Nahkampf. Die breite Spitze verursacht bereits bei geringem Eindringen lange tödliche Wunden. Die Kante im oberen Drittel der Klinge führt zu einer Konzentration der Kraft auf eine kleine Fläche und somit zu einer durchbrechenden/durchdringenden Wirkung. Diese Wirkung ist beim Typ Pompeji nicht gegeben. Aufgrund von Schädel und Knochenfunden der Opfer des Typ Mainz in England und Deutschland kann die verherende Schlag-Wirkung der Waffe belegt werden. Bei älteren Schwertern (z.B. Griechenland) ist die Form in einer abgerundeten Variante zu finden die den Schwerpunkt der Waffe für den Schlag günstig verlegt aber auch die Hiebwirkung verstärkt. Wenn wir annehmen, dass die Römer im Kampf gegen die Germanischen Stämme gezwungen wurden in aufgelockerten Formationen zu kämpfen, ist der Typ Mainz vor dem Übergang zur längeren Schwertern (Spatha) von Vorteil. In geschlossenen Formationen die wohl im Süden aufgrund vermehrter Anwendung von Bodenschützen notwendig waren musste zwischen den Schilden vorgestochen werden. In der Hitze wurde die körperliche Anstrengung auf ein Minimum reduziert. Das aus dem Schutz der Formation überraschende vorstechen und zurückziehen der Waffen war von Vorteil und weniger anstrengend. So waren Verbreiterungen der Klingen nicht erforderlich und ggf. auch hinderlich.
 
Sieht man eine Saufeder, eine traditionelle Waffe zum Abfangen von Schwarzwild, an, hat sie ziemliche Ähnlichkeit zum Typ Mainz, nur viel kürzer.
Die Form begünstigt Fleischverletzungen, weil sie vom Knochen abrutscht und nicht super scharf angeschliffen ist.

"Damit soll verhindert werden, dass der Jäger die Saufeder zu tief oder gar durch das Wild stößt. Das „Herz der Saufeder“ stellt aber die Klinge dar. Die Spitze sollte leicht abgerundet aber scharf sein, damit sei bei einem Auftreffen auf Knochen abgleitet und eine tiefe Wunde schlägt – denn Ziel ist es, die lebenswichtigen Organe zu treffen."

 
Noch ein Video, ab Minute 9 wird ein modernes Gladius zu jagdlichen Zwecken erklärt, Ziel ist immer bei jagdlichen Waffen, möglichst schwere Verletzungen zu verursachen um das Leid des Tieres möglichst kurz zu machen.
Der Legiönar hat nur das Ziel, den Gegner möglichst schnell zu töten.

 
Zurück
Oben