Erziehung im 19. Jh in Amerika

Onkel Tom

Neues Mitglied
Hallo, ich bereite gerade ein Referat über Onkel Toms Hütte vor...Dabei soll die Erziehung im gesellschaftlichen Kontext in Amerika kurz dargestellt werden (im 19. Jahrhundert). Im Internet habe ich hier allerdings bis jetzt nichts gefunden... Über ein paar Infos im Bezug auf Erziehung in Amerika im 19.Jh wäre ich also sehr dankbar...
euer Tom
 
Ich verstehe nicht ganz, was Onkel Tom mit Erziehung zu tun hat. Der Roman behandelt ja das Thema der Sklaverei, bzw. die zeitgenössische Lage der Schwarzen in den USA.
 
Ich verstehe nicht ganz, was Onkel Tom mit Erziehung zu tun hat. Der Roman behandelt ja das Thema der Sklaverei, bzw. die zeitgenössische Lage der Schwarzen in den USA.

Gute Frage. :grübel:

Eine mögliche Erklärung, die jetzt aber vielleicht etwas weit hergeholt ist:

Betrachtet man das Menschenbild, dass die "Weißen" von den "Negern" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten (eine solche Verallgemeinerung ist nicht ganz unproblematisch, ich weiß, aber als "Arbeitshypothese" nehme ich das mal so an), dann zeigt sich oft, dass die "Neger" entweder als eine Art höher entwickelte Tiere oder aber als eine Art "große Kinder" angesehen wurden, die der Erziehung durch die kundige Hand des "Weißen" benötigen.

Eine derartige Haltung lässt sich vor allem aus Quellen der Kolonialgeschichte ableiten. Ob dies auf die Verhältnisse in den USA zu direkt übertragbar ist, darf bezweifelt werden, aber ich könnte mir vorstellen, dass zumindest in den Südstaaten teilweise ähnliche Vorstellungen herrschten. Die Notwendigkeit der Prügelstrafe für schwarze Arbeiter wurde aber zumindest in den deutschen Kolonien Schwarzafrikas teilweise so begründet. Parallelen zu den Südstaaten der USA mit ihrer Plantagenwirtschaft könnte man evtl. finden. Dazu kann ich aber mangels eigener Kenntnisse nichts sagen.

Einen anderen Zusammenhang zwischen Onkel Tom und Erziehungsfragen finde ich aber auf Anhieb auch nicht. :grübel:

Viele Grüße

Bernd
 
Mmh, war es nicht eher so, dass die Aufzucht und Erziehung der weißen Kinder wohlhabender Eltern den schwarzen Hausmädchen und Dienern überlassen wurde?
 
Ich habe auch Probleme damit, wie der Fragesteller den Bereich Erziehung im Zusammenhang mit Uncle Tom's Cabin umreißen möchte - ich vermute, es gibt eine genauere Fragestellung, als er uns hier wissen ließ. Eine Vermutung geht schon mal dahin, daß vielleicht nicht die Erziehung in den gesamten USA gemeint war, sondern nur in den Südstaaten.

Die Gesellschaft bestand jedoch nicht nur aus Sklavenhaltern und Sklaven, auch so was Banales wie weiße Handwerker und Arbeiter sowie kleinere Farmer waren ja vorhanden. Daher kann man die Frage auch nicht auf die beiden gesellschaftlichen Gruppen Pflanzer und Sklaven eingrenzen.

Der angebliche 'kindhafte' und minderwertige Charakter der afrikanischen Sklaven führte zum einen dazu, daß ihnen so etwas wie Erziehung (im Sinne von Bildung) weitgehend vorenthalten wurde. Dies war auf jeden Fall bei den sogen Feldsklaven der Regelfall. Es bestanden aber (mE zeitlich begrenzte) Verbote, Sklaven das Lesen und Schreiben zu lehren. Wenn sich dieses Problem bei Feldsklaven bzw deren Kindern kaum erst stellte, betraf es die sogen Haussklaven, die sich teilweise erhebliche Kenntnisse aneigneten bzw aneignen durften.

Andererseits galt es auch nur für eine recht kleine Schicht der Sklavenhalter, daß deren Kinder von schwarzen Ammen und Kindermädchen betreut wurden. Über solche Arbeitskräfte verfügte längst nicht jeder Sklavenhalter, sondern nur diejenigen mit erheblichem Sklaven- und Landbesitz. Auf kleineren Besitzungen oder Farmen waren zumeist alle Sklaven in der Produktion und nicht im Haus.

Die Betreuung der Kinder durch schwarze Frauen war vorwiegend in den ersten Lebensjahren der Kinder gegeben, danach kamen - zumindest in der sogen Pflanzeraristokratie Hauslehrer oder Internatsschulen zum Zuge. In die öffentlichen Schulen wurden diese Kinder eher nicht geschickt, weil sie dort ja auch in gewissem Umfang mit den Kindern der weißen Unterschicht zu tun gehabt hätte (ich meine mich zu erinnern, daß die Südstaaten keine sonderlich fortschrittliche Einstellung gegenüber einer allgemeinen Schulpflicht sowie deren Dauer gehabt hätten, kann da aber so aus dem Bauch raus nichts Genaues sagen).

In der Schicht der ärmeren und armen Weißen jedenfalls gab es keine schwarzen Ammen und Kindermädchen und auch teilweise wenig an Schulbildung.


Vielleicht meldet sich der Fragesteller ja noch einmal und gibt uns genauere Informationen darüber, was genau er referieren soll, damit wir nicht so im Nebel stochern müssen.
 
Ich habe auch Probleme damit, wie der Fragesteller den Bereich Erziehung im Zusammenhang mit Uncle Tom's Cabin umreißen möchte - ich vermute, es gibt eine genauere Fragestellung, als er uns hier wissen ließ. Eine Vermutung geht schon mal dahin, daß vielleicht nicht die Erziehung in den gesamten USA gemeint war, sondern nur in den Südstaaten.

Die Gesellschaft bestand jedoch nicht nur aus Sklavenhaltern und Sklaven, auch so was Banales wie weiße Handwerker und Arbeiter sowie kleinere Farmer waren ja vorhanden. Daher kann man die Frage auch nicht auf die beiden gesellschaftlichen Gruppen Pflanzer und Sklaven eingrenzen.

Der angebliche 'kindhafte' und minderwertige Charakter der afrikanischen Sklaven führte zum einen dazu, daß ihnen so etwas wie Erziehung (im Sinne von Bildung) weitgehend vorenthalten wurde. Dies war auf jeden Fall bei den sogen Feldsklaven der Regelfall. Es bestanden aber (mE zeitlich begrenzte) Verbote, Sklaven das Lesen und Schreiben zu lehren. Wenn sich dieses Problem bei Feldsklaven bzw deren Kindern kaum erst stellte, betraf es die sogen Haussklaven, die sich teilweise erhebliche Kenntnisse aneigneten bzw aneignen durften.

Andererseits galt es auch nur für eine recht kleine Schicht der Sklavenhalter, daß deren Kinder von schwarzen Ammen und Kindermädchen betreut wurden. Über solche Arbeitskräfte verfügte längst nicht jeder Sklavenhalter, sondern nur diejenigen mit erheblichem Sklaven- und Landbesitz. Auf kleineren Besitzungen oder Farmen waren zumeist alle Sklaven in der Produktion und nicht im Haus.

Die Betreuung der Kinder durch schwarze Frauen war vorwiegend in den ersten Lebensjahren der Kinder gegeben, danach kamen - zumindest in der sogen Pflanzeraristokratie Hauslehrer oder Internatsschulen zum Zuge. In die öffentlichen Schulen wurden diese Kinder eher nicht geschickt, weil sie dort ja auch in gewissem Umfang mit den Kindern der weißen Unterschicht zu tun gehabt hätte (ich meine mich zu erinnern, daß die Südstaaten keine sonderlich fortschrittliche Einstellung gegenüber einer allgemeinen Schulpflicht sowie deren Dauer gehabt hätten, kann da aber so aus dem Bauch raus nichts Genaues sagen).

In der Schicht der ärmeren und armen Weißen jedenfalls gab es keine schwarzen Ammen und Kindermädchen und auch teilweise wenig an Schulbildung.


Vielleicht meldet sich der Fragesteller ja noch einmal und gibt uns genauere Informationen darüber, was genau er referieren soll, damit wir nicht so im Nebel stochern müssen.


Die hohe Analphabetenrate im Süden sollte die Konföderation noch vor große Problreme stellen. Viele Kinder von kleinen Farmern gingen nur im Winter oder eben überhaupt nicht zur Schule wie Huckleberry Fynn, was in dem fiktiven Städtchen St. Petersburg/ Missouri auch niemanden zu stören scheint.


Mark Twains Tom Sawer, mehr aber noch die Abenteuer von Huckleberry Finn, ist ein amerikanischer Bildungsroman par excellence. Ein degradierter Weißer, ein Angehöriger des "white trash" und ein entlaufener Sklave auf der Suche nach Freiheit, Selbstbestimmung und diesem so typisch amerikanischen Streben nach Glück. Dabei treffen sie allerlei Charaktere, die vorgeben, gut und edel zu sein, sich aber gar nicht so aufführen.

Die Temperenzler und Missionsfeste am Missisippi, die Grangerson und Sheperdsons, The Duke and The King- das ist große Literatur!

Wenn wir über die Sklaverei im amerikanischen Süden (und in Grenzstaaten, die in der Union blieben wie Deleware, Missouri, Kentucky und Maryland) sprechen, müssen wir bedenken, dass die große Mehrheit der Bevölkerung gar keine Sklaven besaßen, dass selbst wohlhabendere Farmer meist nur wenige besaßen, und dass die Einrichtung der Sklaverei es war, die die Armut der weißen Unterschicht verursachte, die verhinderte, dass Handwerker und Kleinfarmer von ihrer Arbeitskraft ihren Lebensunterhalt sichern konnten. Tatsache ist, dass die Einrichtung der Sklaverei fast jeden verarmen lässt, bis auf die kleine Minderheit der Pflanzeraristokratie. Die Sklaverei drückte die Löhne und die Preise für Agrarerzeugnisse. Auch die wirklich wohlhabenden Pflanzer bewirtschafteten in der Regel weniger große Latifundien mit mehreren Hundert Sklaven, sondern eher mittlere Plantagen, Zulieferbetriebe, etc, etc, die sich oft über mehrere Staaten erstreckten. Der Tabakboom im 18. Jahrhundert, der Reisanbau in den Carolinas und der Siegeszug von "King Cotton" in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschärfte noch die Schwierigkeiten des Südens, denn die Gewinne wurden in noch mehr Land und in noch mehr Sklaven investiert, und es wäre das auch der Fall gewesen, hätte es keine rassistisch motivierte Sklaverei und 3 Millionen weiße Sklaven gegeben.
 
die Einrichtung der Sklaverei fast jeden verarmen lässt, bis auf die kleine Minderheit der Pflanzeraristokratie

Auf Anhieb sieht dieser Gedanke sehr glaubwürdig aus, aber meiner Meinung nach gibt es hier ein Loch was die wirtschaftliche Zweckmäßigkeit betrifft. Nach der Freilassung wurden die Beziehungen zwischen den Großpflanzer und den Sklaven monetarisiert, aber die Arbeitskraft der Schwarzen blieb wegen dem Mangel an Bildung, an wirtschaftlichem Selbstbewusstsein usw. sehr preiswert. Billiger als die der weißen Handwerker. Wer braucht dann die Weißen und ihre Werkzeuge?

Den Beleg dafür sehe ich darin, dass wäre es anders, dann würden diese Bevölkerungsschichten (Handwerker, Kleinfarmer) die Sezession nicht unterstützt. Meines Erachtens war es so, weil sie von der Sklavenfreilassung keine zusätzlichen Vorteile erwarteten.
 
Auf Anhieb sieht dieser Gedanke sehr glaubwürdig aus, aber meiner Meinung nach gibt es hier ein Loch was die wirtschaftliche Zweckmäßigkeit betrifft. Nach der Freilassung wurden die Beziehungen zwischen den Großpflanzer und den Sklaven monetarisiert, aber die Arbeitskraft der Schwarzen blieb wegen dem Mangel an Bildung, an wirtschaftlichem Selbstbewusstsein usw. sehr preiswert. Billiger als die der weißen Handwerker. Wer braucht dann die Weißen und ihre Werkzeuge?

Das ist so ein wenig zu kurz gesprungen. Ein großer Teil der freigelassenen Schwarzen wurde sharecropper*; es gab allerdings auch viele arme Weiße, die sich so den Lebensunterhalt verdienten. Diese pachteten ein Stück Land vom Grundbesitzer und bewirtschafteten es; häufig stellte der Grundbesitzer auch Saatgut und einfache landwirtschaftliche Geräte, die diese Familien - sowohl schwarze wie weiße - nicht hatten. Häufig mußte die Familie neben der Arbeit auch ihre Unterkunft selbst herstellen. Als Pachtzins lieferten die Sharecropper einen Teil der Ernte beim Grundbesitzer ab; auch Saatgut etc wurde so verrechnet. Den übrigbleibenden Rest konnte der Sharecropper entweder selbst verkaufen oder durch den Grundherrn verkaufen lassen - sprich: der Grundherr verkaufte die Ernte in toto und reichte dann weiter, was ihm beliebte. Bei solchen Arbeitsbedingungen spräche man heute von Scheinselbständigkeit - und genau das war es damals im Grunde auch.

Es gab nicht nur einen Mangel an wirtschaftlichem Selbstbewußtsein bei den Schwarzen, sondern auch bei den unteren Gesellschaftsschichten der Weißen, die ebenso aus überwiegend schlecht, kaum und gar nicht gebildeten Personen bestand. Weiße und schwarze Handwerker konkurrierten zwar miteinander, wie auch bereits vor 1865. Das Problem der weißen Handwerker und Arbeiter vor 1865 bezüglich niedrigerer Löhne für schwarze Konkurrenten lag darin, daß diese eben Sklaven waren, die häufig ihren Verdienst beim Sklavenhalter abliefern mußte, der sie aber im Gegenzug verköstigte und kleidete, während weiße Handwerker und Arbeiter diese Ausgaben für sich und ihre Familie auch noch bestreiten mußten. Daher war vor 1865 eine erhebliche Zahl des weißen Proletariats unterbeschäftigt oder sogar arbeitslos.

Den Beleg dafür sehe ich darin, dass wäre es anders, dann würden diese Bevölkerungsschichten (Handwerker, Kleinfarmer) die Sezession nicht unterstützt. Meines Erachtens war es so, weil sie von der Sklavenfreilassung keine zusätzlichen Vorteile erwarteten.

Die Unterstützung dieser Bevölkerungsschichten für das Sklavenhaltersystem und die Sezession wurde ja durch die Ideologie des Rassismus gesichert. In dieser Ideologie war der ärmste. kohldampfschiebende Weiße ohne Hemd überm Ar...m aufgrund seiner Hautfarbe um Klassen besser als der gebildetste und satteste Schwarze, der 'von Natur aus' fauler, kindhafter, zivilisationsunfähig sein sollte. Gerade das weiße Proletariat war die gesellschaftliche Schicht, die das System und die Sezession am stärksten stützte. Ohne diesen ideologischen Überbau wären sie ja auch nur arme Schlucker gewesen und obendrein noch derer verlustig, auf die sie angeblich heruntersehen konnten.

Zwar lebten auch nach dem Krieg viele Weiße unter ähnlich schlechten Bedingungen wie Schwarze, jedoch blieb die Ideologie weiter wirksam. Sie paßte sich ja auch den geänderten Gegebenheiten an. Man kann nicht ohne Weiteres behaupten, schwarze Handwerker hätten aufgrund der niedrigeren Löhne nun alle Arbeiten bekommen und die weißen Handwerker hätten allesamt in die Röhre gesehen - so hat das System vor 1865 nicht funktioniert und danach auch nicht. Es gab Verpflichtungen und Abhängigkeiten sowie Konventionen, die auf allen Ebenen und allen Seiten beachtet sein wollten.


* Der Begriff setzt sich zusammen aus "share" = teilen und "crop" = Ernte.
 
Erziehung im 19. Jh. in den (Nord)staaten

So hallo, hier ist der Autor der Fragestellung.
Entschuldigung für die Verspätung...
Hier nochmal die genauen Hintergründe dieser Fragestellung:
Ich bin Student der sozialen Arbeit, 5. Semester und muss im Rahmen des Seminars "veränderte Kindheit - veränderte Erziehung" ein Buch vorstellen, welches ich als Kind gerne las. Ich habe mir "Onkel Toms Hütte" ausgesucht und bald bemerkt, dass dieses Buch relativ wenig mit Erziehung zu tun hat, ich soll es jedoch dennoch abhalten/vorstellen. Lediglich kann ich ableiten, dass "Onkel Tom" so etwas wie eine Vaterfigur für z. B. George Shelby, den Sohn seines ersten Herrn oder Evangeline, die Tochter des zweiten Herrn darstellt/darstellen könnte. In diesem Referat, welches maximal eine halbe Stunde dauern sollte, soll ich auch auf die Erziehung im gesellschaftlichen Kontext kurz eingehen.
Mittlerweile habe ich bereits herausgefunden, dass es zu dieser Zeit keine Schulpflicht gab, Kinderarbeit gesetzlich nicht verboten war und Schläge ein "normales" Mittel zur Erziehung der Kinder war.
Rätselhaft für mich ist die Tatsache, dass
"die Lebenswelten von Kindern natürlich auch im 19. Jahrhundert nicht
ausschliesslich in diesem Lichte zu sehen sind. Bürgerliche Kinder wuchsen in eine Brief- und Buchkultur hinein, die nicht allein aus Disziplinierung bestehen konnte. Briefe zwischen Eltern und Kindern sind eine unterschätzte Form moralischer Erziehung, und oft waren Briefe die einzige Möglichkeit des emotionalen Ausdrucks."

Der Erziehungskontext sollte sich natürlich auf das Gebiet beziehen, in dem das Buch erstmals veröffentlicht bzw. die Autorin Harriet Beecher-Stowe gelebt hat. In diesem Fall in Hartford (nähe New York, Grenze zu Kanada), vermutlich damals die Nordstaaten, in denen es ja keine oder weniger (?) Sklaverei gegeben hat.


Interessant fände ich auch einen kurzen geschichtlichen Überblick über das 19. Jh...



Vielen Dank für alle bisherigen Bemühungen, ich konnte mit einigen Beiträgen schon viel anfangen...

Lg Tom
 
Zuletzt bearbeitet:
Ähm, du hast da offenbar kein Buch ausgesucht, das du bereits als Kind gern gelesen hast.... Also jetzt mal das Beste draus machen.

Unter dem Stichwort "veränderte Kindheit" ließe sich einiges herausarbeiten, vor allem in der jeweiligen Lebenswirklichkeit von schwarzen Kindern einerseits und weißen Kindern aus der Oberschicht sowie aus der weißen Unterschicht.

Lediglich kann ich ableiten, dass "Onkel Tom" so etwas wie eine Vaterfigur für z. B. George Shelby, den Sohn seines ersten Herrn oder Evangeline, die Tochter des zweiten Herrn darstellt/darstellen könnte.
Als Vaterfigur würde ich das nicht bezeichnen, da Uncle Tom - weil er Schwarzer und Sklave ist - da einige Tabus der rassistischen Ideologie im Wege sind, die du einbeziehen mußt, und ebenso ist einzubeziehen, ob Beecher-Stowe diese Sicht des Uncle Tom nicht aus dramaturgischen Gründen so darstellt.
Häufiger war übrigens - ein entsprechend großer Besitz an Sklaven in der jeweiligen Familie vorausgesetzt - die Betreuung der Kinder der weißen Herrschaft durch sogen Haussklavinnen und Ammen, jedenfalls bis zu einem bestimmten Alter.

Weiterhin kannst du an diesem Beispiel aber herausarbeiten, wie unterschiedlich der Umgang der Schwarzen mit den eigenen Kindern und denen der Besitzer ist (häufig gab es in Sklavenfamilien nur sehr 'lauwarme' familiäre Bindungen, da alle Familienangehörigen jederzeit zb durch Verkauf auseinandergerissen werden konnten).

Obwohl Beecher-Stowe in den Nordstaaten lebte, schreibt sie jedoch über die gesellschaftliche Realität der Südstaaten; daher ist es mE geboten, daß du auch über diese referierst.
 
Hallo @Tom, du solltest unbedingt berücksichtigen, dass bei der Erziehung die Religion eine große Rolle spielte. In den USA tummelten (und tummeln) sich diverse radikale evangikale Kirchen, die ihr tägliches Leben und die Kindererziehung am Alten Testament der Bibel ausrichten. Diese Gemeinschaften waren zuvor aus Europa ausgewandert, weil es ihnen dort "zu gottlos" zuging, in der Neuen Welt lebten sie ihre Vorstellungen voll aus.
Amische ? Wikipedia
 
Sorry, bb, aber gerade die Amishen sind als Beispiel nicht geeignet:


Practices of the Amish

Slavery: In the early years of the movement, there are no records of any Amish family owning slaves, even though this was a common practice among "The English" (non-Amish) in Pennsylvania until the late 18th century. However, some families did purchase redemptioners. These were skilled European immigrants who had no money with which to pay for their trip to the New World. They promised to work for a family for a defined number of years in exchange for the cost of their passage.

Dieser Seite zufolge war Sklavenbesitz bei den Amishen nicht gegeben; sie beschäftigten aber europäische indentured servants, denen die Überfahrt bezahlt wurde, die diese dann abarbeiten mußten.
 
Sorry, bb, aber gerade die Amishen sind als Beispiel nicht geeignet:


Practices of the Amish

Slavery: In the early years of the movement, there are no records of any Amish family owning slaves, even though this was a common practice among "The English" (non-Amish) in Pennsylvania until the late 18th century. However, some families did purchase redemptioners. These were skilled European immigrants who had no money with which to pay for their trip to the New World. They promised to work for a family for a defined number of years in exchange for the cost of their passage.

Dieser Seite zufolge war Sklavenbesitz bei den Amishen nicht gegeben; sie beschäftigten aber europäische indentured servants, denen die Überfahrt bezahlt wurde, die diese dann abarbeiten mußten.

Ich wollte auch nicht explizit auf Sklaverei hinaus, sondern auf die an der Bibel orientierte konservative Familienstruktur mit einem absoluten Patriarchen an der Spitze.
 
Ich wollte auch nicht explizit auf Sklaverei hinaus, sondern auf die an der Bibel orientierte konservative Familienstruktur mit einem absoluten Patriarchen an der Spitze.


Patriarchlische Strukturen herrschten im Wesentlichen in allen Familienformen, die es um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab, bzw. die sich um diese Zeit, bedingt durch die Industrielle Revolution neu bildeten.

Im Wesentlichen war das in Europa die bäuerliche Familie, wobei zur Familie in diesem Sinne auch das Gesinde zählte.

Daneben die Handwerkerfamilie, wobei Gesellen, Lehrlinge und eigene Kinder integriert waren.

Dann die bürgerliche Familie, die am ehesten dem entspricht, was wir heute darunter verstehen. Mit erwerbstätigem männlichen Familienoberhaupt, Kindern und eventuell Dienstboten. Der Mann als "pater familias", während sich die Frau auf Kirche, Küche, Kinderzimmer konzentriert, den Haushalt führt und am besten sehr artige Kinder in Tugenden dieses Bürgertums erzieht.

Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19. "entdeckte" man sozusagen das Kind als solches, das zuvor als kleiner Erwachsener wahrgenommen wurde. Es entstand eine Literatur, die für Kinder gedacht war, es wurden Kindermoden hergestellt, eine Spielzeugindustrie etablierte sich, die ersten Kindergärten wurden in Deutschland gegründet... und verboten. Die Schriften Pestalozzis inspirierten eine ganze Reihe von Erziehungsliteratur und Ratgebern.

Einerseits entdeckte man die kindliche Phantasie, riet, Kinder zu leiten, andererseits gab es das, was "Alice Miller "Schwarze Pädagogik" nannte, Kinder (oder eben auch Schwarze) galten als triebhafte, unvernünftige Wesen, die man zum eigenen Schutz leiten musste, deren Willen gebrochen werden musste.

Diese Erziehungsprinzipien galten auch in den USA, und zwar im Norden wie im Süden gleichermaßen.
Harriet Beecher Stowe hat sich offenbar zum Thema Erziehung und Familie viele Gedanken gemacht, denn das Thema erscheint in unterschiedlichen Nuancen mehrfach.

Da ist z. B. George, der Freund Elizas und Vater von Harry. Er ist zur Hälfte weiß, kann aber keine gültige Ehe schließen. Er ist seinem Master überlegen, hat sogar eine Maschine erfunden, muss aber niedere Dienste tun, und seine Familie soll auseinandergerissen werden.

Uncle Tom hat Frau und Kinder, ist seinen Masters Mr. Shelby und Mr. st. Clair eher Freund und Familienmitglied, muss aber die Schuld seines Masters bezahlen und wird von seiner Familie getrennt.

Ein zwiespältiger Charakter ist Toms zweiter Herr Augustin St. Clair. Verheiratet mit einer "Belle Dame", die er nicht liebt, die dunkle Augen, ewige Migräne und 10.000 Dollar Mitgift in die Ehe gebracht hat. Er erkennt die Sklaverei als einen Anachronismus, doch entschließt er sich gar nicht oder zu spät zum Handeln, und nach seinem tragischen Tod werden die Sklaven versteigert.

St. Clair sieht dass humane Master wie er, die Abschaffung der sklaverei nur verzögern, dass viele seiner Sklaven kindisch und eitel sind wie Adolphe, der Major Domus, der sich mit der abgetragenen Kleidung seines Herrn großtut. St. Clair (oder beecher Stowe) entlarvt aber auch die Bigotterie der Nordstaatler, die sich über schlechte Behandlung der Schwarzen mokieren, sie aber als zweitklassige Menschen einstufen wie St. Clairs Cousine Ophelia, die sich darüber entsetzt, dass die kleine Eva Schwarze küsst.

Diese ist es auch, die erkennt, dass die Schwarzen, die von Bildung ausgeschlossen sind, außer der Freiheit auch Bildung und Erziehung brauchen. Das wird deutlich als St. Clair seiner Cousine die quirlige und schlaue Tobsy anvertraut, die von ihrem früheren Herrn schwer misshandelt wurde. Diese ist auch die einzige, die Cousine Ophelia nach St. Clairs Tod retten kann, da sie sich vorsichtshalber pro forma Tobsy hat überschreiben lassen.

Erziehung, bzw dessen Mangel kommen auch in späteren Kapiteln zum Ausdruck. Die Schwarzen werden oft als eitel, kindlich naiv oder roh beschrieben. Der dumme tanzende Sambo entspricht ziemlich genau gewissen Klischeevorstellungen, die noch heute gepflegt werden. Ausnahmen sind eigentlich nur das Paar George und Eliza und die verbitterte Cassy, die von Herr zu Herr weitergereicht als Mätresse bei Uncle Toms letztem Master, Mr. Simon Legree landet. Alle diese Figuren sind aber auch zur Hälfte weiß. Zeitgenossen differenzierten sogar zwischen Mulatten, Quatronen und Quinteronen. Harriet Beecher Stowe führt die Fähigkeiten des Mulatten George vor allem auf den hohen Anteil an angelsächsischem Blut zurück. Einen Platz findet er in den USA aber nicht, er emigriert nach Kanada und später nach Frankreich. Die meisten Vertreter der schwarzen Bürgerrechtsbewegung lehnten Uncle Toms Cabin übrigens als rassistisch ab, und es wurde die Bezeichnung ein "Uncle Tom" , ein serviler Schwarzer zu sein, der es den Weißen recht macht, sogar zu einer Beleidigung.

So beschimpfte Muhammed Ali George Foreman vor dem "Rumble in the Jungle" 1974 in Kinshasa als einen "Uncle Tom- Nigger". Manche Amerikaner, die nach Deutschland kommen, wundern sich, dass Onkel Tom dort recht beliebt ist und Berlin eine Siedlung den Namen "Onkel Toms Hütte" trägt.


Manche Passagen in Beechers Roman sind unglaublich sentimental und kitschig. Beecher Stowe hat niemals längere Zeit im Süden gelebt, und es gab bald schon Dutzende von Plagiaten, Persiflagen und Widerlegungen. In manchen Passagen ist der Roman aber recht differenziert und scharfsichtig, die Autorin macht durchaus deutlich, dass ein rassistisches System für die scheinbare Naivität und Servilität der Schwarzen verantwortlich ist. Auch die Gleichgültigkeit und Scheinheiligkeit der Nordstaatler wird zuweilen aufs Korn genommen. Simon Legree, ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse, an dessen Misshandlungen Uncle Tom schließlich stirbt, ist übrigens selbst ein Yankee, erzogen im puritanischen Geist der Neu- Englandstaaten.

Legree ist offensichtlich als ein absolutes Zerrbild der Südstaatenaristokratie angelegt und entspricht so gar nicht dem Typus eines Gentlemans. Auf seiner heruntergekommenen Plantage lebt er ganz offen mit seiner Mätresse Cassy zusammen, die er aber offenbar über hat, weshalb er in New Orleans neben Uncle Tom noch ein junges Mädchen kauft.
 
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