Pardela_cenicienta

Aktives Mitglied
Schwierig, das in ein Thema einzuordnen. Mich faszinieren Menschen der Antike und Neuzeit, die Fremdes erkennen und beschreiben wollten.
Es gab Händler, in der Ferne, die zuhause von fremden Ländern berichteten. Und Menschen die ihnen mit offenem Mund zuhörten. Und Schriftsteller, die das aufzeichneten.

  • Herodot: Seine Werke sind nur deshalb erhalten geblieben, weil er begeisterte Leser hatte.
  • Homer und Odysseus: Das Erzählen, der Kontakt zu Fremden ist Kernelement, Bestandteil jeder Episode. Gefahr, Neugierde und Lust auf das Fremde sind spürbar nach mehr als 2.500 Jahren, plastisch und packend geschildert, als säßen wir unter den Zuhörern.
  • Hanno der Seefahrer: Und die griechischen, mauretanischen und römischen Schriftsteller die uns seinen Reisebericht, den Periplus hannonis übermittelt haben
  • Was sind Eure Lieblinge unter den Reise- und Erzählsüchtigen?
 
Natürlich gibt's einen Grund, und eine Anregung ein Thema zu eröffnen:
Ein tamiler Reisender verewigt sich in den ägytischen Königsgräbern. So ein Ferkel!


Von Benjamin Leonard

Graffiti im Grab von Cikai Korran, Tal der Könige, Ägypten
Timothée Sassolas

"Eine Reihe indischer Besucher des ägyptischen Tals der Könige hat ihre Reisen vor rund 2.000 Jahren gewürdigt, indem sie ihre Namen in verschiedene Denkmäler ritzten. Die Epigraphiker Charlotte Schmid von der École française d’Extrême-Orient und Ingo Strauch von der Universität Lausanne haben etwa 30 Beispiele solcher Graffiti an den Wänden von sechs Gräbern identifiziert, die Pharaonen der 19. (ca. 1295–1186 v. Chr.) und 20. (ca. 1186–1070 v. Chr.) Dynastie gehörten. Die meisten dieser Inschriften stammen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Die Mehrheit ist in Alt-Tamil verfasst, einer Sprache, die ihren Ursprung in Südindien hat; die übrigen verwenden andere indische Sprachen und Schriften.
Die indischen Kaufleute und Militärs, die die Gräber besuchten, schrieben ihre Namen neben frühere griechische Graffiti aus der Zeit der Ptolemäer (304–30 v. Chr.).
„Es ist klar, dass die Menschen aus Indien mehrere indische Sprachen beherrschten“, sagt Schmid, „aber sie beherrschten auch Griechisch, was notwendig war, wenn man über den Indischen Ozean hinweg Handelsbeziehungen mit Ägypten unterhielt.“

"Ein besonders begeisterter indischer Tourist, Cikai Korran, ritzte seinen Namen hoch über den anderen in die Gruften von fünf Pharaonen – in einigen Fällen sogar mehrmals in ein und demselben Grab. Eine seiner Inschriften in Alt-Tamil lautet: „Cikai Korran, der gekommen ist, hat gesehen.“ Laut Schmid ahmen die Inschriften des indischen Reisenden den Stil einer in den Gräbern häufig anzutreffenden Art griechischer Inschriften nach. „Er wollte, dass sein Name neben den dort bereits vorhandenen griechischen Graffiti erscheint“, sagt sie, „und er wollte auch einen Platz neben den dort begrabenen Königen finden.“

- - - - - - - -

  • Es belegt die Existenz und das Ausmass des römisch-indischen Fernhandels
  • Wer das geschrieben hat, hat eine beschwerliche touristische Reise in das Tal der Könige gemacht.
  • Er muss von diesem Reiseziel gewusst haben.
  • Er hatte Zeit
  • Er nutzte eine touristische Infrastruktur mit Transport, Reiseliteratur, Fremdenführer, Beleuchtung
  • Er war gebildet, neugierig, und wusste was die Königskartuschen bedeuteten, dass es Königsgräber waren.
  • Er stand in einer langen epigraphischen Reihe touristischer Ferkel.
 
Zuletzt bearbeitet:
 
Johannes de Plano Carpini und besonders Wilhelm von Rubruk für Asien.
Auch wenn es etwas später ist, bekommt man echte Reiseberichte von echten Personen und echten Reisen. Gerade Rubuck hört sich wie die erlebte Urlaubsreise von Onkel Fritz 1970 an....... der arme Esel der mich da hoch schleppen musste oder dieser Nichtsnutz von Reiseleiter war ständig besoffen. Beim lesen hört man fast das Klicken von einem Dia-Projektor.

Täte zusätzlich noch Ibn Dschubair aus Valencia und seine Erfahrungen empfehlen, eingeschränkt auch Usama ibn Munqidh. Usama finde ich, ist teilweise schwerer zu lesen und mehr Diplomat als Reisender. Aber beide bieten einen guten Einblick in den keinen Clash of Culture im Alltag.

Kolumbus Ausgabe von Marco Polo. Mit den Anmerkungen von Kolumbus kommt man zwei der wichtigsten Reisenden schon mal näher.


Nunja Herodot...... manche halten auch Cassius Dio für eine Robert Capa der Varus Schlacht.
 
Keine Übersee-Fernreisen, aber man kommt doch in der "Geschichte von Apollonius, dem König von Tyros“ (Historia Apollonii regis Tyri) einiges herum in der Levante. (Nicht zu verwechseln mit dem Philosophen Apoll. von Tyrus.) Ich zitiere ein bisschen aus der Story:

Die Geschichte beginnt in Antiochia, wo König Antiochus ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Tochter eingeht. Um sie für sich behalten zu können, stellt er ihren Freiern ein Rätsel, das diese lösen müssen. Gelingt es ihnen nicht, werden sie hingerichtet. Allein Apollonius, dem König von Tyrus, gelingt es, das Rätsel zu lösen ... Nun beginnt die Irrfahrt des Apollonius. In einem Seesturm verliert er sein Hab und Gut, kommt in der Folge an den Hof eines anderen Königs, wo sich dessen Tochter in ihn verliebt. Die beiden heiraten und begeben sich nach dem Tod des Königs Antiochus zurück nach Antiochien.
Apollonius fährt weiter und gibt seine Tochter in die Obhut von Zieheltern. Danach ist er einige Jahre verschollen. Tarsia wächst heran und wird eines Tages von Seeräubern gefangen, die sie an einen Bordellbesitzer verkaufen. Es gelingt ihr, die Freier abzuwehren und sie wird dabei zum Objekt der Begierde eines jungen Prinzen. Apollonius segelt in dem Glauben, seine Frau und Tochter seien tot, durch die Welt. ...

Am Schluss gibt es selbstverstädlich ein Happy End. Man erkennt die Versatzstrücke aus Oedipus und Odyssee. Ist trotzdem ganz spannend zu lesen.
 
Wer nicht auf die Antike fixiert ist und auch gerne mal ein echtes Buch lesen will.

Folker Reichert hat auch einige Monographien zum Reisen geschrieben. Da geht es auch mal von China nach Rom oder zu verzweifelte italienische Mönche und ihre Probleme mit der deutschen Küche..... "Kohl! Überall Kohl und die Raben sind zäh wie Leder!"

 
Schwierig, das in ein Thema einzuordnen. Mich faszinieren Menschen der Antike und Neuzeit, die Fremdes erkennen und beschreiben wollten.
@dekumatland

Klar warum nicht? Der Reise und Entdecker Topos ist doch spannend ohne Ende und wenn Pardela schon bis in die Neuzeit will? Bei Rubuck lernst du einen Pariser Silberschmied in der Mongolei kennen, bei Polo oder Richthoffen im Anhang eine italienische Familie in China und Täbriz kennen. Die Herausforderungen eines Pilgers auf dem Jakobsweg sind ganz alltäglich. Darum habe ich auch Reichert angeführt. Der bietet einiges zum Reisen und Entdecken an und wenn es sein muss, hat er auch in einem Buch die Textstellen in Griechisch ohne Übersetzung im Angebot. ;-)

„Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland“ von Johann Kaspar Riesbeck.
 
Zurück zur Antike:

Da wären natürlich Strabon und Pausanias zu nennen. Pausanias hatte die von ihm beschriebenen Gegenden selbst besucht, Strabon zumindest teilweise.
Nicht direkt erhalten ist der Reisebericht von Megasthenes über Indien, wohin er als Gesandter (vermutlich von Seleukos I.) kam.
Aus der Spätantike wäre der Pilgerreisebericht (über eine Reise ins Heilige Land) "Peregrinatio Egeriae" zu nennen.
Ebenfalls in der Spätantike reiste Kosmas Indikopleustes in den Osten und schrieb darüber.
 
Und Du den ganzen ersten Absatz von Pardela nicht gesehen?

Herodot, Homer und Hanno täte ich jetzt auch nicht wirklich unter Römische Reich einordnen. ;-) Da könnte man ja Horaz Iter Brundisinum und Caesar Commentarii de Bello Gallico einsetzten.

Gut dann bleibt bei der Ilias, auch wenn ich Pardela etwas anders verstanden habe. Ich halte mich raus. :)
 
Und Du den ganzen ersten Absatz von Pardela nicht gesehen?
doch, den hab ich wahrgenommen (da ist von einer allgemeinen Faszination für historische Reiseberichte die Rede) und obendrein wahrgenommen, dass #1 und #2 explizit im Bereich römisches Reich platziert sind. Vielleicht ändert sich das noch durch Verschieben in evtl den Bereich Kulturgeschichte?
 
Die Neuzeit gehört auch dazu, vor allem aber die Neugier. Nicht unbedingt die des Eroberers, sondern die des Entdeckers, die der Kartographen, die der Nautiker und Händler.

Ich habe das Thema in die römische Antike gestopft, obwohl gerade die anfangs so leicht seekranken Römer auf das nautische Wissen ihrer punischen, griechischen Nachbarn zurückgreifen mussten, sich selbst die Schiffe zusammenraubten und sich später gar von den Chauken / Friesen retten lassen mussten.

Und trotzdem: Sie haben eine Vorstellung vom Verlauf der Küsten gehabt, haben die Breitengrade bestimmt, haben Stadtpläne gefertigt und Itinerare verkauft. Und die Menschen innerhalb dieses Wirtschaftsraums hatten eine alltagstaugliche Vorstellung von der Welt, sind mit dem Schiff gereist oder mit Sandalennägeln zu Fuß unterwegs gewesen!

Und die von Euch allen aufgezeigten Querverbindungen sind phantastisch! Es geht ja auch um Eure Präferenzen.

Wenn Kolumbus Marco Polo kommentiert, was ich gar nicht gewusst hatte, zeugt das von dem Willen die Welt zu verstehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Fernreisen in Sachen Industriespionage (bzw. Schmuggel) unternahmen 2 Mönche auf Bitten Justinians, der partout eine eigene Seidenspinnerei aufbauen wollte, denn das Produkt war in K'pel sehr gefragt, verschlang aber Unsummen. Und da die Byzantiner die Ware von persischen Händlern abkauften - also vom Feind -, betrübte das den Kaiser.
In diesem Jahre (552) erfuhren einige Mönche, die aus Indien gekommen waren, es sei Kaiser Justinianus darum zu tun, dass die Rhomäer die Seide nicht mehr von den Persern kaufen müssten. Sie begaben sich zum Kaiser und versprachen, die Seidenfrage so zu regeln, dass die Rhomäer die Seide nie mehr von den feindlichen Persern oder von irgendeinem anderen Volke einhandeln müssten...
[Es erfolgt die Darstellung der Seidenherstellung.]
... Als die Männer dies erzählt hatten, versprach ihnen der Kaiser, sie reich zu beschenken und überredete sie dazu, ihre Worte durch die Tat zu bekräftigen. Sie aber begaben sich wiederum nach Serinda [Ceylon?] und brachten die Eier nach Byzanz. Dann führten sie auf die oben geschilderte Art ihre Verwandlung in Raupen durch, nährten sie mit Blättern des Maulbeerbaumes und führten von da an die Seidenproduktion für alle Zukunft im Rhomäerreich ein. (Prok. Bell. Goth. VIII.17)
 
Zurück
Oben