Fritz ist nicht mehr dort

Naresuan

Aktives Mitglied
Kürzlich musste ich leider feststellen, dass das Denkmal auf dem Jurapass "Les Rangiers" nicht mehr dort ist, wo es mich vor vielen Jahren zuletzt sehr beeindruckte.
Der Pass war damals der östliche Hauptzugang zum sogenannten Pruntruter Zipfel bzw. zur Ajoie, die markante Ausbuchtung der nordwestlichen Schweizer Grenze zu Frankreich. Heute führt ein Tunnel unter dem Gebirge hindurch.
lossy-page1-322px-Les_Rangiers_Soldatendenkmal.tif.jpg

Das Denkmal, ursprünglich "Die Wache" genannt, wurde 1924 zum Gedenken an die Mobilmachung der Schweizer Armee von 1914 errichtet. Da ein Mann Namens Fritz für das Denkmal Modell gestanden hatte, wurde es im Volksmund "Fritz" genannt, doch sind auch andere Herleitungen für den Spitznamen möglich.

Vor ziemlich genau 35 Jahren, am 10. August 1989 wurde das Denkmal von einigen "Béliers", jurassischen Separatisten, schon zum wiederholten Mal gestürzt und der Kopf der Figur zerstört. Notabene 10 Jahre nach der Gründung des Kantons Jura. Der Vorgang entzog sich damals meiner Kenntnisnahme und ich war deshalb bei meinem kürzlichen Besuch mehr als erstaunt, dass es nicht mehr dort ist.
Die Beweggründe, wenn es denn solche gab, für diesen Denkmalsturz sind unklar und unverständlich.

Die Überreste der Statue wurden all die Jahre versteckt gehalten, nachdem auf ihren ersten Lagerort ein Brandanschlag verübt wurde. Seit Juli dieses Jahres steht der Rest der Statue wieder in einer alten Kapelle, im Musée du mont-repais , unweit seines ehemaligen Standortes und repräsentiert dort nun hoffentlich in Ruhe seine bewegte Geschichte.

P.S.: Mein Besuch galt weniger dem Denkmal, als dem mittelalterlichen Städtchen St. Ursanne gleich unterhalb des Passes bzw. am Ende des Tunnels, seit letztem Jahr auf der Liste der "besten Tourismusdörfer" der Weltorganisation für Tourismus der Vereinten Nationen. Noch hält sich der Tourismus in Grenzen. Kaum ein Schweizer, geschweige denn ausländischer Tourist, verirrt sich dort hinaus, fernab aller Touristenströme.
 
Zurück
Oben