Peter der Grausame - Peter der Gerechte (1320 - 1367) und Peter der Grausame - Peter der Gerechte (1324 - 1369)

El Quijote

Moderator
Teammitglied
In vielen mittelalterlichen Königshäusern haben wir das, was wir Leitnamenkontinizät nennen. Die Karolinger hatten viele echte Kerle, die sie Karl nannten und deswwegen nennen wir sie Karolinger. Oder Pippiniden, weil Pippin auch ein beliebter Name war. Ähnlich die Ottonen, die ja eigentlich Liudolfinger waren.

Um die ganzen gleichnamigen Herrscher voneinander zu unterscheiden, benutzt man bekanntermaßen Ordnungszahlen (Karl I., Karl II., Karl III., Karl IV., Alfons der Viertelvorzwölfte). Manchmal kommt man ein wenig Durcheinander mit Königen und Mit- bzw. Gegenkönigen und dann wird ein König auch mal zum "Klammersiebten" um den Stauf9er Heinrich (VII.) vom Luxemburger Heinrich VII. zu unterscheiden, Heinrich "der Klammersiebte" war eben nur Mitkönig seines Vaters, verstarb aber vor diesem, wohingegen Heinrich VII. Kaiser wurde.

Da aber Ordnungszahlen weniger bildlich sind als Beinamen, werden oft Beinamen vergeben. Sie machten sich einen Namen

Nun kommt es manchmal vor, dass Beinamen doppelt vergeben werden. So denken manche bei Philipp dem Schönen vielleicht an Philipp IV. Le Bel (1268 bis 1314), andere eher an Felipe el Hermoso (1478–1506), der seine Johanna so wahnsinnig machte (Juana la Loca).

Nun gibt es in der kastilischen und portugiesischen Geschichte zwei Pedros, die nicht nur fast gleich alt waren (sie wurden im Abstand von vier Jahren geboren und starben im Abstand von zwei Jahren, sondern beide als Peter (bzw. Pe(d)ro) I. in die Geschichte ihres Landes eingingen und beide sowohl den Beinamen der Grausame als auch der Gerechte verliehen bekamen. Pedro el Cruel bzw. el Justiciero und Dom Pedro o Cruel bzw. o Justiceiro.
Und nicht nur das: Beide Peters hatten Beziehungen zu Töchtern (Halbschwestern) des Hauses Castro.

Pedro I. von Portugal wurde von seinem Vater (Alfonso IV.) mit der kastilischen Prinzessin Blanca (Blanca von Kastilien 1319 - 1375, nicht identisch mit der frz. Königin Blanca von Kastlien (1188 - 1252)), verlobt, weigerte sich aber schließlich, seine Cousine mütterlicherseits zu verheiraten, musste dann aber Constanza Manuel (port. Constança Manuel) heiraten. Constanzas Vater war ein kastilischer Hochadeliger und Erzieher des kastilischen Prinzen, ihre Mutter Tochter des Königs von Aragón, sie wurde zunächst minderjährig mit Alfonso XI. von Kastilien verheiratet, aber die Ehe nie vollzogen (sie war 7, als sie verheiratet wurde und 11, als die Ehe annulliert wurde) gebar Pedro zwei Kinder, aber sie brachte auch eine Hofdame mit, Inés de Castro, die ihrerseits aus dem kastilischen Hochadel stammte. Pedro hatte zwar mit mehreren Frauen Liebschaften, deren Kindern er später in seiner Regierungszeit eher Posten verschaffte, aber mit Inés da war mehr. Als Constanza starb, nahm Pedro Inés als seine Frau zu sich, sehr zum Unwillen seines Vaters. Alfonso IV. ließ 1355 die Geliebte oder Frau seines Sohnes (Pedro behauptete, sie seien vermählt) während einer Abwesenheit verhaften. In einem Blitzprozess wurde Inés als Hexe zum Tode verurteilt und enthauptet. 1357 starb Alfonso IV. und Pedro ließ die Beteiligten an der Verhaftung, dem Prozess und der Hinrichtung von Inés verfolgen. Zwei der Täter wurden von Kastilien ausgeliefert, wohin diese sich geflohen hatten und von Pedro zu Tode gefoltert.
Die Leiche seiner Frau ließ er exhumieren und aufhübschen, sie wurde offiziell zur Königin gekrönt und der König sah zu, dass die portugiesischen Granden der halb verwesten Leiche den Handkuss als Zeichen der Vasallität gaben. Erst danach wurde sie in Alcobaça bestattet, Pedro ließ zwei Särge so aufstellen, dass die beiden Liebenden sich bei der Auferstehung am jüngsten Tag sehen würden.

In Portugal ist diese Geschichte sehr präsent.

Pedro I. von Kastilien war zwar seit 1353 mit Blanche von Bourbon veheiratet, ging aber trotz dessen zwei weitere Ehen ein, zunächst 1353 mit María de Padilla, und eine 1355 mit Juana de Castro, die zwar eine andere Mutter als Inés (der Geliebten oder Frau von Pedro I. von Portugal) hatte, aber deren Halbschwester war. Sie ist als die Desamada ('die Entliebte') in die spanische Geschichte eingegangen, denn Pedro ließ Juana ziemlich schnell sitzen. Angeblich sollen die beiden nur einen Tag miteinander verbracht haben (aus dieser Ehe stammte ein Sohn, geboren 1355).
Später behauptete Pedro selbst, seine einzige legitime Ehe sei die mit María de Padilla gewesen.
Die frz. Königstochter ließ er ab 1355 einkerkern und schließlich (1361) ermorden. In der Zwischenzeit war Blanche nicht untätig, sie schrieb Briefe an den Papst (die aber wohl eher Briefe an die Bevölkerung von Toledo und den Adel waren), und sie wurde zwischenzeitlich befreit und Pedro geriet kurz in Gefangenschaft.
 
Zurück
Oben