Orientalismen* sind im Mittelalter und der Frühen Neuzeit über vier Wege nach Europa gekommen:
Die meisten Orientalismen sind wohl über die PI nach Europa gekommen, ein erklecklicher Teil auch über Italien. Weitere durch den Kontakt vor allem des Balkans mit dem Osmanischen Reich oder des Russischen Imperiums mit dem islamischen Raum (Osmanisches Reich, Persien). Rückkehrende Kreuzfahrer haben auch ein paar Orientalismen mitgebracht.
Ein Beispiel für einen über das Osmanische in die Balkansprachen eingegangenen Orientalismus (ein arabisches Wort) ist čorba bzw. ciorba - eine zitronensäuregewürzte Suppe mit Fleisch und Gemüse. Das Wort ist weiter bis ins Russische getragen worden (Чо́рба, über Moldawien?).
Manche Worte sind mehrfach aus dem Arabischen in europäische Sprachen entlehnt worden, etwa
In Italien lief das alles noch ein wenig anders ab. Während auf der iberischen Halbinsel der islamisch-arabischsprachige Herrschaftsbereich immer zusammenhängend war (gleichwohl es im christlich-romanischsprachigen Bereich die morerías gab, in denen auch bis ins 15. oder 16. Jhdt. Arabisch gesprochen wurde (später vergaßen die Muslime das Arabische als Alltagssprache, es gibt da interessante Dokumente (Aljamiado) die romanischsprachig sind, aber in arabischen Lettern).
Die arabische Präsenz in Italien dauerte wesentlich kürzer, als auf der PI, auch wenn nach der normannischen Eroberung Siziliens Muslime weiterhin dort lebten und in der Stauferzeit auch militärisch noch eine Rolle spielten.
Venedig war nie arabisch beherrscht. Aber aufgrund des wichtigen Levantehandels und das Venedig Handelsdependencen in der arabischen Welt hatte (etwa in Aleppo oder Alexandria) war das Arabische eine wichtige Sprache, die venezianische Händler sprechen konnten. Ob radebrechend oder fluent wird vom individuellen Talent sowie Werdegang abhängig gewesen sein.
Wichtige Arabismen im Venezianischen finden wir im Palazzo della Zecca, bei den Arsenale, den Magazzini del Sale oder beim Fondaco dei Tedeschi.
Der Palazzo della Zecca ist die Staatliche Münze der Republik Venedig gewesen. Bis heute ist in Italien das Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato S.p.A. (Staatliche Druckerei und Münzstätte) für die Münzprägung verantwortlich. Eine Zecchina war eine venezianische Goldmünze. Das arabische sikka bedeutet sowohl 'Münze' als auch den 'Münzprägestempel'. (Vgl. span. ceca)
Die Arsenale waren die Werften. Arsenal kommt vom arabischen dār aṣ-ṣinā‘ah und bedeuet in etwa 'Werkstatt', wird aber hauptsächlich für 'Werft', 'Trockendock' verwendet. (Das spanische dársena wird teilweise für Haltebuchten von Bussen in größeren Busterminals verwendet oder für die Parkpositionen von Flugzeugen an Airport-Terminals, das spanische atarazana für Werft)
Die Magazzini del Sale (Veneto: Magazeni de'l Sal): die Salzlager. Für Venedig war Salz wichtig, die nach venezianischem Vorbild funktionierende dalamtische Republik von Ragusa (Dubrovnik) bestritt ein Drittel ihres Staatshaushalts mit Salz. Arabisch maḫzan, Pl. maḫāzin. Es ist das Warenlager.
Entwicklungen:
Magazin = dt. Zeitschrift
Magazin = dt. Patronentrommel im Revolver
Magazin/Mahazin = Geschäft im Russischen und Ukrainischen
almacén/armazem - 'Lager' im Spanischen und Portugiesischen
Der Fondaco dei Tedeschi (tw. Fontega) war die Unterkunft/das Warenlager der Deutschen, wobei das auch Polen und Tschechen umfasste. Von arab. funduq, im MA eine Karawanserei, heute ein Hotel. Die Karawanserei war gewissermaßen Unterkunft der Händler, aber auch Warenlager. Genau das war auch der Fondaco dei Tedeschi. Es gab nur für die Tedeschi in Venedig eine solche Einrichtung, nicht für andere Nationen, weil die Venezianer vor allem auf das erzgebirgisch-böhmische Silber scharf waren, welches sie als Handelsware mit der Levante benutzten, aus der sie Luxusgüter (Gewürze, Seide etc.) bezogen. Sie wollten daher mit dem Zwang für "Deutsche", dort ihre Waren zu lagern und zu übernachten die Handelsströme vor allem des Silbers kanalisieren.
Im Spanischen und Protugiesischen ist alhóndiga bzw. alfândega das 'Warenlager'.
*der Begriff des Orient ist umstritten, ebenso der der Orientalistik, bzw. des Orientalismus. Die Kritik reicht von 'unscharf' bis 'eurozentrisch'.
- die iberische Halbinsel (PI)
- die Appeninhalbinsel
- das Osmanische Reich
- rückkehrende Kreuzfahrer
- das Russische Reich
Die meisten Orientalismen sind wohl über die PI nach Europa gekommen, ein erklecklicher Teil auch über Italien. Weitere durch den Kontakt vor allem des Balkans mit dem Osmanischen Reich oder des Russischen Imperiums mit dem islamischen Raum (Osmanisches Reich, Persien). Rückkehrende Kreuzfahrer haben auch ein paar Orientalismen mitgebracht.
Ein Beispiel für einen über das Osmanische in die Balkansprachen eingegangenen Orientalismus (ein arabisches Wort) ist čorba bzw. ciorba - eine zitronensäuregewürzte Suppe mit Fleisch und Gemüse. Das Wort ist weiter bis ins Russische getragen worden (Чо́рба, über Moldawien?).
serbokroat. čorba/rumän. ciorba < türk. çorba < arab. شُّرْبَةُ (šurba(tun))
Manche Worte sind mehrfach aus dem Arabischen in europäische Sprachen entlehnt worden, etwa
- دَار السِّكَّة - dār as-sikka > ceca/zecca
- دار الصناعة - dār aṣ-ṣinā‛a > darséna/atarazana, arsenali
- مَخْزَن - maḫzan / Pl. مَخَازِن maḫāzin > almacén/armazem, magazzino
- σάκχαρον > سكر - sukkar > azúcar, zucchero
- قطن - quṭn > cottone, algodón/algodão
- نارنج - nāranǧ > laranja, naranja, arancia > orange (im Arabischen nur die Pommeranze, die Süßorange heißt im südlichen und östlichen Mittelmeerraum nach Portugal, die Bitterorange stammt aus Indien und ist über die Araber nach Europa gekommen, die Süßorange aus China und ist über Portugal aus China nach Europa gekommen)
- فُنْدُق - funduq > alhóndiga/alfândega, fondaco/fontega
In Italien lief das alles noch ein wenig anders ab. Während auf der iberischen Halbinsel der islamisch-arabischsprachige Herrschaftsbereich immer zusammenhängend war (gleichwohl es im christlich-romanischsprachigen Bereich die morerías gab, in denen auch bis ins 15. oder 16. Jhdt. Arabisch gesprochen wurde (später vergaßen die Muslime das Arabische als Alltagssprache, es gibt da interessante Dokumente (Aljamiado) die romanischsprachig sind, aber in arabischen Lettern).
Die arabische Präsenz in Italien dauerte wesentlich kürzer, als auf der PI, auch wenn nach der normannischen Eroberung Siziliens Muslime weiterhin dort lebten und in der Stauferzeit auch militärisch noch eine Rolle spielten.
Venedig war nie arabisch beherrscht. Aber aufgrund des wichtigen Levantehandels und das Venedig Handelsdependencen in der arabischen Welt hatte (etwa in Aleppo oder Alexandria) war das Arabische eine wichtige Sprache, die venezianische Händler sprechen konnten. Ob radebrechend oder fluent wird vom individuellen Talent sowie Werdegang abhängig gewesen sein.
Wichtige Arabismen im Venezianischen finden wir im Palazzo della Zecca, bei den Arsenale, den Magazzini del Sale oder beim Fondaco dei Tedeschi.
Der Palazzo della Zecca ist die Staatliche Münze der Republik Venedig gewesen. Bis heute ist in Italien das Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato S.p.A. (Staatliche Druckerei und Münzstätte) für die Münzprägung verantwortlich. Eine Zecchina war eine venezianische Goldmünze. Das arabische sikka bedeutet sowohl 'Münze' als auch den 'Münzprägestempel'. (Vgl. span. ceca)
Die Arsenale waren die Werften. Arsenal kommt vom arabischen dār aṣ-ṣinā‘ah und bedeuet in etwa 'Werkstatt', wird aber hauptsächlich für 'Werft', 'Trockendock' verwendet. (Das spanische dársena wird teilweise für Haltebuchten von Bussen in größeren Busterminals verwendet oder für die Parkpositionen von Flugzeugen an Airport-Terminals, das spanische atarazana für Werft)
Die Magazzini del Sale (Veneto: Magazeni de'l Sal): die Salzlager. Für Venedig war Salz wichtig, die nach venezianischem Vorbild funktionierende dalamtische Republik von Ragusa (Dubrovnik) bestritt ein Drittel ihres Staatshaushalts mit Salz. Arabisch maḫzan, Pl. maḫāzin. Es ist das Warenlager.
Entwicklungen:
Magazin = dt. Zeitschrift
Magazin = dt. Patronentrommel im Revolver
Magazin/Mahazin = Geschäft im Russischen und Ukrainischen
almacén/armazem - 'Lager' im Spanischen und Portugiesischen
Der Fondaco dei Tedeschi (tw. Fontega) war die Unterkunft/das Warenlager der Deutschen, wobei das auch Polen und Tschechen umfasste. Von arab. funduq, im MA eine Karawanserei, heute ein Hotel. Die Karawanserei war gewissermaßen Unterkunft der Händler, aber auch Warenlager. Genau das war auch der Fondaco dei Tedeschi. Es gab nur für die Tedeschi in Venedig eine solche Einrichtung, nicht für andere Nationen, weil die Venezianer vor allem auf das erzgebirgisch-böhmische Silber scharf waren, welches sie als Handelsware mit der Levante benutzten, aus der sie Luxusgüter (Gewürze, Seide etc.) bezogen. Sie wollten daher mit dem Zwang für "Deutsche", dort ihre Waren zu lagern und zu übernachten die Handelsströme vor allem des Silbers kanalisieren.
Im Spanischen und Protugiesischen ist alhóndiga bzw. alfândega das 'Warenlager'.
*der Begriff des Orient ist umstritten, ebenso der der Orientalistik, bzw. des Orientalismus. Die Kritik reicht von 'unscharf' bis 'eurozentrisch'.