Zwischen 513-515 gab es einen Bürgerkrieg im Byzantinischen Reich, ein gewisser Vitalian kämpfte gegen Kaiser Anastasios. Die entscheidende Schlacht 515 im Goldenen Horn wurde nach Malalas so geführt:
Assoziativ kann man den Einsatz von Proklos vielleicht dadurch nachvollziehen, dass ein gewisser Marinos aus Neapolis Nachfolger von Proklos Diadochus der Athenischen Akademie wurde und eine Biographie eben über diesen Proklos verfasst hat. Der Marinos des Anastasios aber war Prätorianerpräfekt des Ostens und stammte aus Apamea. Möglicherweise stimmt ja auch einiges: vielleicht gab es einen Proklos, der Name war nicht ungewöhnlich, auch ein Bischof von Konstantinopel hieß so. Warum sollte dieser Mann nicht das Griechische Feuer erfunden haben? Vielleicht hat man aber auch die großartige Strategie des genialen Vandalenkönigs Geiserich aus der Schlacht bei Cap Bon unter Leo I benutzt und sie einfach mittels Schwefel etwas dramatischer gestaltet?
Mischa Meier gibt an, dass Malalas in seiner Chronik gerne Wundermänner ins Spiel bringt. Da fragt man sich, warum nicht ein christlicher Heiliger Mann? Davon gab's doch genug, und Malalas war Christ. Warum der heidnische Philosoph Proklos? Da entsinne ich mich des Schwefels. Heutzutage ein Werkzeug des Teufels, wobei ich aber nicht sicher bin, dass dies auch für die Antike gilt. Überhaupt war der Teufel in der Antike selbst im Christentum nicht sonderlich präsent. Fragen, wo man nur hinschaut!
In diesem Beispiel ist das Problem leicht zu erkennen, aber was erzählen uns die Quellen sonst noch so, was man heute nicht mehr erkennen kann?
Die Lösung ist das, was man später "griechisches Feuer" nannte:Kaiser Anastasios nun hatte zuvor durch Vermittlung des Marinos Proklos, den Philosophen aus Athen, einen weithin bekannten Mann, kommen lassen; und Kaiser Anastasios sagte zu ihm: >Was soll ich mit diesem Hunde [also Vitalian] anfangen, wo er mich und den Staat so erschüttert, Philosoph<. Proklos wieder antwortete ihm: >Verliere den Mut nicht, Kaiser. Er wird sich sofort in die Flucht schlagen und abziehen, wenn du nur gegen ihn Leute ausschickst<.
Tatsächlich, es klappt:Und Proklos der Philosoph sagte angesichts des Kaisers zum Syrer Marinos: >Nimm, was ich dir gebe, und ziehe aus gegen eben diesen Vitalianos'. Und derselbe Philosoph befahl, man solle den so genannten rohen Schwefel in großer Menge herbeischaffen; er ordnete an, man solle ihn zu einer Art feiner Mischung verreiben; und er übergab ihn diesem nämlichen Marinos mit den Worten: >Wohin du davon etwas losschießen wirst, sei es auf ein Haus oder auf ein Schiff, sobald die Sonne aufgegangen ist: Sogleich fängt das Haus oder das Schiff Feuer und wird von den Flammen verzehrt<.
Nach dem Erfolg soll Proklos eigentlich belohnt werden, stirbt aber lieber:Und urplötzlich gingen alle Schiffe des Tyrannen Vitalianos in lodernde Flammen auf und versanken auf den Grund der fließenden Gewässer mitsamt den gotischen, hunnischen und skythischen Soldaten seines Gefolges, die darauf geladen waren.
Bemerkenswert ist an dieser Quelle, dass sie den Philosophen Proklos herausstellt, der 515 schon 30 Jahre lang tot war. Proklos galt in de Tat als eine Art Magier, der Regen herbeizaubern konnte, warum also nicht das "Griechische Feuer" erfinden, das (laut Quellen!) erst im 7. Jh eingesetzt wurde? Malalas aber starb 570 und konnte davon nichts wissen, falls es tatsächlich erst nach ihm erfunden wurde. Eine Prophezeiung? Eine spätere Interpolation?Der Philosoph Proklos aus Athen nun suchte beim Kaiser um Entlassung nach, und erhielt sie; er wollte nichts von diesem Kaiser annehmen. Jener hatte ihm nämlich angeboten, er solle vier Kentenaria (= 400 Goldpfund) entgegennehmen. Dieser Philosoph begab sich nach Athen, in seine Heimatstadt zurück, und verstarb alsbald.
Assoziativ kann man den Einsatz von Proklos vielleicht dadurch nachvollziehen, dass ein gewisser Marinos aus Neapolis Nachfolger von Proklos Diadochus der Athenischen Akademie wurde und eine Biographie eben über diesen Proklos verfasst hat. Der Marinos des Anastasios aber war Prätorianerpräfekt des Ostens und stammte aus Apamea. Möglicherweise stimmt ja auch einiges: vielleicht gab es einen Proklos, der Name war nicht ungewöhnlich, auch ein Bischof von Konstantinopel hieß so. Warum sollte dieser Mann nicht das Griechische Feuer erfunden haben? Vielleicht hat man aber auch die großartige Strategie des genialen Vandalenkönigs Geiserich aus der Schlacht bei Cap Bon unter Leo I benutzt und sie einfach mittels Schwefel etwas dramatischer gestaltet?
Mischa Meier gibt an, dass Malalas in seiner Chronik gerne Wundermänner ins Spiel bringt. Da fragt man sich, warum nicht ein christlicher Heiliger Mann? Davon gab's doch genug, und Malalas war Christ. Warum der heidnische Philosoph Proklos? Da entsinne ich mich des Schwefels. Heutzutage ein Werkzeug des Teufels, wobei ich aber nicht sicher bin, dass dies auch für die Antike gilt. Überhaupt war der Teufel in der Antike selbst im Christentum nicht sonderlich präsent. Fragen, wo man nur hinschaut!
In diesem Beispiel ist das Problem leicht zu erkennen, aber was erzählen uns die Quellen sonst noch so, was man heute nicht mehr erkennen kann?
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