Welche Unterschiede im Triebverhalten von Frauen und Männern?

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HannahEbener

Gast
Ich finde es interessant, wie sich Männer und Frauen in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Im Internet liest man Artikel, sieht Videos und Kommentare verschiedener Personen, die versuchen zu erklären, warum Männer und Frauen unterschiedlich sind.

Die einen sagen, es liege an der Kultur, andere, es sei einfach die Biologie. Einige fallen in den biologischen Determinismus, andere in den kulturellen Determinismus. Was prägt Männer und Frauen wirklich dazu, unterschiedlich zu sein? Es kann sowohl die Biologie als auch die Kultur sein, aber bis zu welchem Punkt?

In sozialen Medien gibt es viel Streit über die Red Pill, den Feminismus, „hochwertige Frauen“, Incels usw. Themen im Zusammenhang mit Sexualität. Es gibt einen starken sexuellen Konflikt zwischen Männern und Frauen, der sich sogar auf die Politik auswirkt. Sexualität ist zur Politik geworden.

Es ist ziemlich unklar, warum Männer und Frauen unterschiedlich sind. Zum Beispiel habe ich viele Videos auf YT über weibliche Psychologie gesehen, und viele von ihnen kommen zu dem Schluss, dass Frauen von Natur aus hypergam sind. Aber welche Studien belegen, dass Hypergamie etwas Intrinsisches in der Natur der Frau ist?

Viele Studien über Hypergamie sind soziologische, historische Studien und Statistiken. Aber ich habe keine biologische Studie gesehen, die die hypergame Biologie des weiblichen Geschlechts bestätigt oder widerlegt. Viele rechtfertigen sich mit der Psychologie und/oder der evolutionären Biologie, aber sowohl die Psychologie als auch die evolutionäre Biologie sind nicht falsifizierbar und daher keine Wissenschaft. Wenn ich sage, dass es keine Wissenschaft ist, meine ich nicht, dass es absurde Theorien sind, aber es gibt auch keine empirischen Beweise, was es wenig zuverlässig macht.

Auch die Natur von Mann und Frau wird oft auf das Biologische reduziert, und ebenso werden bestimmte Stereotypen über die sexuelle Natur von Mann und Frau geschaffen. Zum Beispiel: Der Mann ist von Natur aus polygam, die Frau von Natur aus monogam. Der Mann ist hypogam, die Frau hypergam.

Woher weiß man das mit Sicherheit? Wie lassen sich diese Unterschiede biologisch nachweisen? Das heißt, Polygamie, Hypergamie, Monogamie usw. Diese Faktoren sind kaum biologisch, da das Suffix "-gam" Vereinigung bedeutet. Ist diese Art von Vereinigung biologisch? Wenn Frauen aufgrund biologischer Determination monogam wären, gäbe es keine untreuen, nymphomanen oder promiskuitiven Frauen. Bei Männern, wenn sie von Natur aus hypogam wären, gäbe es keine Männer, die Frauen mit einem höheren wirtschaftlichen Status suchen, wie „Sugar Mommies“. Viele dieser Unterschiede sind eher kulturell als biologisch.

Dennoch wäre es ein Fehler, zu ignorieren, dass unsere biologischen Bedingungen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht bestimmen. Männer produzieren viel mehr Testosteron als Frauen, während Frauen viel mehr Östrogen als Männer produzieren. Es ist offensichtlich, dass hormonelle Unterschiede dazu führen, dass sich Männer und Frauen unterschiedlich verhalten, aber nicht alles wird durch Hormone bestimmt, sondern das Kulturelle, das Ökonomische, das Historische, das Soziale und das Materielle bestimmen in gewisser Weise die Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Das Problem ist: Welche Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind kulturell und biologisch bedingt? Bis zu welchem Punkt? Man muss bedenken, dass sich der biologische und der kulturelle Zustand gegenseitig beeinflussen, was die Sache unklar macht.

Man muss auch bedenken, dass es keine einzige „menschliche Natur“ gibt. Es gibt Neurodiversität, es gibt auch sexuelle Vielfalt, nicht alle teilen genau die gleichen Gene. Nicht alle sind genau gleich, aber das bedeutet auch nicht, dass wir völlig unterschiedlich sind. Die Problematik ist komplex, und ich glaube nicht, dass sie sich auf eine grobe Dichotomie reduzieren lässt. Das Thema der menschlichen Natur in der Philosophie an sich ist schon ziemlich umstritten, ziemlich debattierbar, es gibt die Idee der menschlichen Natur aus dem Göttlichen, dem Metaphysischen, dem Idealen, dem Religiösen, dem Abstrakten, und dann gibt es die aus dem Biologischen, dem Genetischen, andere Ideen der menschlichen Natur sind mit dem Kulturellen, dem Politischen, dem Ökonomischen, dem Historischen usw. verbunden. Andererseits gibt es einige Intellektuelle, die eine menschliche Natur rundweg leugnen. Man muss auch bedenken, dass es nicht eine einzige Kultur gibt, schon gar nicht in der heutigen Zeit dank der Globalisierung. Viele Kulturen, Lebensstile und Ideologien kollidieren und widersprechen sich mit anderen Ideen.

Wenn wir nicht wissen, ob die menschliche Natur selbst existiert oder nicht, was lässt uns dann mit Sicherheit über die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau denken?
 
Ich habe das mal freigeschaltet.
Ich bitte zu bedenken, dass wir ein Geschichtsforum sind und unter diesem Aspekt sollte das Thema diskutiert werden.

Hypo- und Hypergamie sind doch im Prinzip keine verhaltensbiologischen/psychologischen/sexuellen Charakteristika, sondern soziologisch bedingt (Thema: arrangierte Ehe). Insofern halte ich Äußerungen, wie "Frauen sind hypergam, Männer sind hypogam" für fragwürdig. In patriarchalen Gesellschaften mag es Tendenzen dazu geben, vor allem dann, wenn die Herkunft des Mannes zählt, wie etwa im europäischen Feudalsystem oder im kolonialspanischen Kastensystem oder in der Sklavenhaltergesellschaft Virginias, wo der soziale Status eines Menschen danach bemessen wurde, wer Mutter und wer Vater war.

Ein weißer Baumwollfarmer, der mit einer schwarzen Sklavin ein Kind zeugte, hat im Prinzip sein Eigentum benutzt, eine weiße Frau, die mit einem schwarzen Sklaven ein Kind zeugte, hat sich erniedrigt und beide mussten damit rechnen geteert und gefedert zu werden. So unterschiedlich waren die Bewertungen.

Ein in Europa geborener Spanier galt mehr, als ein in den Amerikas geborener Spanier, selbst wenn es hundertprozentige Geschwister waren. Dementsprechend wäre eine Ehe einer Europaspanierin mit einem Amerikaspanier eine Ehe nach unten gewesen, aber die Ehe einer Amerikaspanierin mit einem Europaspanier eine Ehe nach oben, auch wenn der Statusunterschied gering war.
 
Ausklammernd:
Es gibt einen starken sexuellen Konflikt zwischen Männern und Frauen, der sich sogar auf die Politik auswirkt. Sexualität ist zur Politik geworden.
Wenn man von dieser Warte aus argumentiert, wird man doch sicherlich davon ausgehen müssen, dass Sexualität immer politisch war, es nicht "geworden" ist.
Ich finde es interessant, wie sich Männer und Frauen in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Im Internet liest man Artikel, sieht Videos und Kommentare verschiedener Personen, die versuchen zu erklären, warum Männer und Frauen unterschiedlich sind.

Die einen sagen, es liege an der Kultur, andere, es sei einfach die Biologie. Einige fallen in den biologischen Determinismus, andere in den kulturellen Determinismus. Was prägt Männer und Frauen wirklich dazu, unterschiedlich zu sein? Es kann sowohl die Biologie als auch die Kultur sein, aber bis zu welchem Punkt?

[…]

Es ist ziemlich unklar, warum Männer und Frauen unterschiedlich sind.
Besteht zwischen dem oberen Absatz und dem Schlusssatz nicht ein Widerspruch? Es gibt keine Gewissheit, da der zu betrachtende Zeitraum um zig Jahrtausende über das experimentell falsifizierbare Maß hinausreicht, aber es existieren eben doch gute Anhaltspunkte, die Du selbst genannt hast: Kulturelle und biologische Faktoren spielen eine Rolle, lediglich der Grad der Ausprägung ist umstritten.

Wobei manche Argumente dafür sprechen, dass die biologischen zumindest wirkmächtiger sind als die kulturellen. Zeigen sich z.B. Parallelen im Verhalten der Geschlechter zwischen den liberal-egalitären Gesellschaften Skandinaviens und den konservativ-misogynen des Nahen Ostens, liegt eine biologische Erklärung jedenfalls näher als eine soziologische.

Deterministische Ansätze sind sicher falsch, jedenfalls solche mit Absolutheitsanspruch; Du schreibst ja selbst, Ausnahmen kann man beobachten. Dennoch darf man davon ausgehen, dass im anthropogenetischen Maßstab—über hunderttausende Jahre hinweg—"der" Mann in der Tat polygam ist, "die" Frau übrigens auch, und dass "die" Frau ihre Partner hypergam auswählt. Mehr im Folgenden.
Man muss auch bedenken, dass es keine einzige „menschliche Natur“ gibt. Es gibt Neurodiversität, es gibt auch sexuelle Vielfalt, nicht alle teilen genau die gleichen Gene. […] Wenn wir nicht wissen, ob die menschliche Natur selbst existiert oder nicht, was lässt uns dann mit Sicherheit über die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau denken?
Der Rahmen dessen, was unter menschlicher Natur subsumierbar ist, mag weiter sein, als man früher dachte, siehe z.B. sexuelle Vielfalt, aber ich würde schon behaupten, dass es "die" menschliche Natur gibt—das heißt, die Natur eines extrem hochstehenden Tieres, das eine komplexe Zivilisation entwickelt hat, und sich im Spannungsfeld zwischen biologischen und sozialen Impulsen bewegt. Genauer gesagt, ich wüsste nicht, wie man leugnen kann, dass es sie gibt. Weiter im Folgenden.
Viele Studien über Hypergamie sind soziologische, historische Studien und Statistiken. Aber ich habe keine biologische Studie gesehen, die die hypergame Biologie des weiblichen Geschlechts bestätigt oder widerlegt. Viele rechtfertigen sich mit der Psychologie und/oder der evolutionären Biologie, aber sowohl die Psychologie als auch die evolutionäre Biologie sind nicht falsifizierbar und daher keine Wissenschaft. Wenn ich sage, dass es keine Wissenschaft ist, meine ich nicht, dass es absurde Theorien sind, aber es gibt auch keine empirischen Beweise, was es wenig zuverlässig macht.

Auch die Natur von Mann und Frau wird oft auf das Biologische reduziert, und ebenso werden bestimmte Stereotypen über die sexuelle Natur von Mann und Frau geschaffen. Zum Beispiel: Der Mann ist von Natur aus polygam, die Frau von Natur aus monogam. Der Mann ist hypogam, die Frau hypergam.

Woher weiß man das mit Sicherheit? Wie lassen sich diese Unterschiede biologisch nachweisen? Das heißt, Polygamie, Hypergamie, Monogamie usw. Diese Faktoren sind kaum biologisch, da das Suffix "-gam" Vereinigung bedeutet. Ist diese Art von Vereinigung biologisch? Wenn Frauen aufgrund biologischer Determination monogam wären, gäbe es keine untreuen, nymphomanen oder promiskuitiven Frauen. Bei Männern, wenn sie von Natur aus hypogam wären, gäbe es keine Männer, die Frauen mit einem höheren wirtschaftlichen Status suchen, wie „Sugar Mommies“. Viele dieser Unterschiede sind eher kulturell als biologisch.

Dennoch wäre es ein Fehler, zu ignorieren, dass unsere biologischen Bedingungen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht bestimmen. Männer produzieren viel mehr Testosteron als Frauen, während Frauen viel mehr Östrogen als Männer produzieren. Es ist offensichtlich, dass hormonelle Unterschiede dazu führen, dass sich Männer und Frauen unterschiedlich verhalten, aber nicht alles wird durch Hormone bestimmt, sondern das Kulturelle, das Ökonomische, das Historische, das Soziale und das Materielle bestimmen in gewisser Weise die Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Das Problem ist: Welche Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind kulturell und biologisch bedingt? Bis zu welchem Punkt? Man muss bedenken, dass sich der biologische und der kulturelle Zustand gegenseitig beeinflussen, was die Sache unklar macht.
Die Entwicklungsbiologie ist aber auch keine Geisteswissenschaft, die nur mit Theorien arbeitet: sie wertet faktische Erkenntnisse aus (nicht zuletzt vergleichend und interdisziplinär). Meine Frage wäre daher, ob es auf die absolute Sicherheit, die Du vermisst, überhaupt ankommt. Die Evolutionstheorie bspw. ist ja auch nicht mit Sicherheit bewiesen, dennoch ist sie allgemein akzeptiert, weil sie Befunde schlüssig erklärt, und durch spätere Erkenntnisse immer wieder erhärtet wurde. Man kann also mit hoher Gewissheit davon ausgehen, dass sie stimmt.

Wie schon geschrieben, der Mensch ist letzten Endes nur ein besonders hoch entwickeltes Tier. Was das Verhältnis der Geschlechter anlangt, wäre es meines Erachtens unlogisch anzunehmen, dass zig Jahrtausende menschlicher Entwicklungsgeschichte aus unserem evolutionären Imprint getilgt wären, immerhin beginnt die menschliche Zivilisation (je nach Definition) erst vor 12.000 bis 9.000 Jahren—mithin der Zeitpunkt, von dem an das Individuum beginnen konnte, sich von den Anforderungen der Natur zu lösen, oder sogar im Widerspruch dazu zu handeln.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass alle Menschen doppelt so viele weibliche wie männliche Vorfahren haben: Im evolutionsgeschichtlichen Maßstab haben sich weit mehr Frauen als Männer fortgepflanzt.

Die Gründe:

Erstens, weibliche Hypergamie. Meines Wissens nach gibt es keinen ernstzunehmenden Grund zu zweifeln, dass der weibliche Homo sapiens seit jeher höherstehende Partner bevorzugt, weil diese Individuen gerade durch ihren Status ihre Eignung als Partner bewiesen haben. Es geht um Eigenschaften wie Gesundheit und Stärke, aber auch um die Fähigkeit, Besitz zu erlangen und zu verteidigen.

Man sieht, dass die Kriterien teils biologisch sind, teils aber auch kulturell bedingt: In einer funktionierenden Hochkultur kann ein alter, aber vermögender Mann ein interessanterer Partner sein als ein kraftstrotzender, doch mittelloser Jüngling.

Zweitens: Der Institution der (monogamen) Ehe—und sogar der sexuellen Gewalt—zum Trotz wählt im menschheitsgeschichtlichen Maßstab immer "die" Frau ihren Partner, nicht "der" Mann seine Partnerin. Unerwünschter Nachwuchs kann ausgesetzt oder getötet werden, ein ungewünschter Partner ersetzt werden, und sei's durch Ehebruch. Die Gruppe der bevorzugten Partner ist aber kleiner als die Gesamtzahl der Männer, weswegen sich viele Frauen für immer dieselben wenigen Männer entscheiden.

Drittens: Männer sind Frauen gegenüber physisch im Vorteil—was für sie aber den Nachteil hat, dass sie eher für gefährliche Aufgaben infragekommen (wie den Kampf oder harte körperliche Arbeit), und dass sie von aggressiven Männern eher angegriffen werden. Deswegen sind noch heute die meisten Gewaltopfer und fast alle Opfer von Arbeitsunfällen männlich. Statistisch gesehen sterben Männer früher; Clans, Stämme und ganze Nationen werden deshalb eher mit einem Frauen- als einem Männerüberschuss konfrontiert. Die Folge ist natürlich wieder Polygynie.

Viertens: das Patriarchat (in jüngerer Zeit). Wobei seine Wirkung nicht überschätzt werden sollte, solange hohe Anforderungen vor eine Familiengründung gestellt werden. Meiner Auffassung nach spielt das Patriarchat weniger durch Kontrolle der Frau eine Rolle, als vielmehr dadurch, dass der Mann seine Mitbewerber besser kontrollieren kann: Unser äffischer Vorfahr musste noch um Paarungsrechte kämpfen; wenn er einem Rivalen unterlag, hatte er halt Pech gehabt. In den Zivilisationen hingegen bremsen legale und soziale Sanktionen den Rivalen aus, der potentielle Hahnrei muss(te) sich (bis in die jüngste Vergangenheit) nicht ganz allein verteidigen.

Alles in allem sieht man, dass "die" Frau durchaus ein anderes Triebverhalten zeigt jedenfalls aus der Perspektive der ganzen Menschheitsgeschichte gesehen. Das heißt aber nicht, dass das Individuum dazu verurteilt wäre, evolutionär eingeübte Verhaltensmuster abzuspulen. Weltweit befinden sich die Geburtenraten im freien Fall, selbst in ultrakonservativen Ländern wie Saudi-Arabien, die von "reproductive rights" noch nie gehört haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine Frage ist auch eher, welches Geschlecht ist (rein biologisch) das, mit dem höheren Sexualtrieb? Wieso sagt man über Frauen, das sie Gefühle/Nähe/Sicherheit brauchen und Männer reicht der einfache Geschlechtsakt?
Sind Männer tatsächlich visueller veranlagt? Wieso ist es eher so, das man sagt, das Männer von Natur aus Brüste und Hintern fixieren, während Frauen z.B. bei Männern nichts körperliches haben, worauf sie (rein biolgoisch!) achten?
 
Meine Frage ist auch eher, welches Geschlecht ist (rein biologisch) das, mit dem höheren Sexualtrieb?
Zu dieser Frage wird dir keine geschichtswissenschaftliche Bibliothek Auskunft geben, ebenso mager wird deine Ausbeute ausfallen, wenn du dich an die Lehrstühle im Fach Geschichte wendest. Denn deine Frage hat mit Historik nichts zu tun.
Für deine Fragestellung sind andere Disziplinen zuständig.
 
Meine Frage ist auch eher, welches Geschlecht ist (rein biologisch) das, mit dem höheren Sexualtrieb?
Es gibt sexualwissenschaftliche Studien dazu, die natürlich unter der Problematik leiden, dass sie nur die Gegenwart betrachten, und nur in sexuell befreiten Gesellschaften überhaupt brauchbare Erkenntnisse zu erwarten sind.

Als Mann würde ich behaupten, dass es durchaus nicht unfair ist, Männern größere Triebhaftigkeit zuzusprechen. Oder besser ausgedrückt: sie als triebhafter wahrzunehmen. Denn auch Männer haben mal Kopfschmerzen oder gerade einfach keine Lust, sie reden nur nicht darüber, und schon gar nicht vor ihren Partnerinnen; sie sind konditioniert, sexuell zur Verfügung zu stehen, teils, weil man ihnen eingehämmert hat, dass das maskulin ist, teils, weil es logischerweise die für "den" Mann bessere Reproduktionsstrategie zu sein scheint. Wie schon gesagt, im Maßstab der gesamten Menschheitsgeschichte haben sich weit mehr Frauen als Männer fortgepflanzt.

Anekdotische Erkenntnisse (aus Umfragen) scheinen zu belegen, dass Männer auch heute insgesamt weniger Sexualpartner haben als Frauen, und dass Männer ihre "Erfahrung" eher übertreiben, Frauen sie hingegen untertreiben, was natürlich auch soziale Gründe hat. Und das meine ich ganz wertfrei; schon die (feministische) Komikerin Amy Schumer hat gewitzelt, dass sie mit jedem Mann in ihrem Publikum Sex haben könnte, wenn sie wollte, falls allerdings ein beliebiger Mann aus dem Publikum das Gleiche versuchen würde, müsste er schon wie Henry Cavill aussehen.
Wieso sagt man über Frauen, das sie Gefühle/Nähe/Sicherheit brauchen und Männer reicht der einfache Geschlechtsakt?
Sind Männer tatsächlich visueller veranlagt? Wieso ist es eher so, das man sagt, das Männer von Natur aus Brüste und Hintern fixieren, während Frauen z.B. bei Männern nichts körperliches haben, worauf sie (rein biolgoisch!) achten?
Diese Frage hast Du Dir im Prinzip schon selbst beantwortet. Es bestehen biologische und sozial geprägte Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die aus allen möglichen Gründen instrumentalisiert werden. Langlebige Stereotypen haben in der Regel jedoch so etwas wie einen wahren Kern, denn nur durch ein Fünkchen Glaubwürdigkeit können sie sich überhaupt halten.

Sind Männer visueller veranlagt? Ich würde sagen, tendenziell ja.

Nagle mich nicht darauf fest, mein Modul Psychologie ist zehn Jahre her, aber es gab so um die Jahrhundertwende eine großangelegte Studie, im Zuge derer Neugeborenen Bilder gezeigt und gleichzeitig ihre Hirnströme gemessen wurden. Damals fand man heraus, dass die Jungen eher von Bildern von Maschinen angeregt wurden, und die Mädchen eher von Bildern von Gesichtern, Tieren und Farben.

Wieso sagt man über Frauen, dass sie Gefühle/Nähe/Sicherheit brauchen? Ich würde sagen, weil diese Behauptung einen wahren Kern hat.

Die Persönlichkeitspsychologie unterscheidet meist zwischen fünf Persönlichkeitsdimensionen:

* Offenheit
* Gewissenhaftigkeit
* Extravertiertheit
* Verträglichkeit
* Neurotizismus

Es gibt unglaublich viele Untersuchungen dazu. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind im Mittel geringer, als gerade die Politik uns glauben machen will; aber sie bestehen halt doch, vor allem in den Dimensionen Verträglichkeit und Neurotizismus.

Männer sind im Durchschnitt weniger verträglich als Frauen, d.h. aggressiver und weniger emphatisch.
Frauen sind im Durchschnitt neurotischer, d.h. empfindsamer und leichter zu verunsichern.
Mein letzter Informationsstand zu diesem Thema war (der könnte aber gut überholt sein), dass diese Unterschiede evolutionäres "Rüstzeug" darstellen und eine Reaktion darstellen auf die Doppelbelastung als Mutter und i.d.R. physisch unterlegene Hälfte in einer Beziehung. Es ist z.B. kein Klischee, sondern experimentell gut bewiesen, dass Frauen nuancierter hören und sehen als Männer, v.a. Lautäußerungen und Farben. Das könnte eine Anpassung sein, um den Gesundheitszustand des eigenen Babys, und den Gemütszustand des Partners, besser abschätzen zu können.

Alles in allem wird man aber sagen können, dass der Mensch längst nicht mehr nur evolutionäre Verhaltensmuster abspult. Geschlechtsverkehr haben die Menschen heutzutage meist aus hedonistischen Gründen. Und natürlich besteht ein Riesenunterschied zwischen sexueller Attraktion und romantischer Hinwendung.
Zu dieser Frage wird dir keine geschichtswissenschaftliche Bibliothek Auskunft geben, ebenso mager wird deine Ausbeute ausfallen, wenn du dich an die Lehrstühle im Fach Geschichte wendest. Denn deine Frage hat mit Historik nichts zu tun.
Für deine Fragestellung sind andere Disziplinen zuständig.
Wahrscheinlich hast Du Recht.
Ich meine, bis zu einem gewissen Grad berührt die Fragestellung die menschliche Urgeschichte, aber … eben nur bis zu einem gewissen Grad.

Mich würde mal interessieren, @HannahEbener, warum hast Du diese Frage gerade hier gestellt?
 
Nagle mich nicht darauf fest, mein Modul Psychologie ist zehn Jahre her, aber es gab so um die Jahrhundertwende eine großangelegte Studie, im Zuge derer Neugeborenen Bilder gezeigt und gleichzeitig ihre Hirnströme gemessen wurden. Damals fand man heraus, dass die Jungen eher von Bildern von Maschinen angeregt wurden, und die Mädchen eher von Bildern von Gesichtern, Tieren und Farben.
kurios!!
 
Zu dieser Frage wird dir keine geschichtswissenschaftliche Bibliothek Auskunft geben, ebenso mager wird deine Ausbeute ausfallen, wenn du dich an die Lehrstühle im Fach Geschichte wendest. Denn deine Frage hat mit Historik nichts zu tun.
Für deine Fragestellung sind andere Disziplinen zuständig.
Sondern wo? :)
 
Nöh. Auch Menschenaffenkinder zeigen ein geschlechtsspezifisches Spielverhalten. Also Bewegungs-, Konstruktions- und Wettkampfspiele vs. Soziale, Kooperative und feinmotorische Spiele. Hormonelle und neurologische Effekte sind evolutionär vorgegeben und durch Kultur nur überlagert oder verstärkt. Menschenaffenkinder haben kein Konzept von Mädchen und Jungs, aber in einem Zoo werden sie ihr menschliche Kinderspielsachen genauso wie Menschenkinder aussuchen.
 
Ich finde es interessant, wie sich Männer und Frauen in vielerlei Hinsicht unterscheiden.
Da bin ganz anderer Ansicht. Ich d´finde es interessant wie sich Menschen voneinander unterscheiden.

Ich bin in meinem Leben schon oft mit Büchern wie Pease: Männer sind vom Mars Frauen von der Venus und Ähnlichem genervt worden. Vieles ist da einfach aus dem hohlen Bauch heraus und hat höchstens humoristischen Wert.

Ich kann eigentlich auch nur aus dem Bauch heraus argumntieren. Wenn es Studien gibt, werden die oftb reißerisch aufgearbeitet, amn müsst wirklich die Studie selbst lesen.

Ich glaube aber, aus eigener Erfahrung heraus, dass es sich mit Frauen und Männern wie mit der Unterteilung in Rassen verhält. Die Unterschiede in einer Gruppe sind oft größer als zwischen den Gruppen. Frauwen unterascheiden sich voin anderen Frauen mehr als Frauen von Männern.

Es hilft ja auch nichts. Man muss jeden Menschen einzeln kennen lernen, sich auf die andere Person einlassen. Den Gegegenüber zunächst in eine Schublade zu stecken, statt die Neugierd aufzubringen, die individuelle Haltung herauszufinden, ist ein kein gutes Sozialverhalten.
Insofern halte ich Äußerungen, wie "Frauen sind hypergam, Männer sind hypogam" für fragwürdig.
Das ist auch mein Instink. In Gesellschaften, in denen eine Frau prinzipiell einen geringeren sozialen Status hat als Männer, können Frauen gar nicht anders, als sich hypergam zu verhalten. Sie hat ja kaum andere Optionen. Und Staus, Erfolg macht Frauen auch für Männer attraktiver. Da will der Quarterback eben mit der ersten Cheerleafderin zusammen sein. Schauspielerinnen, reiche Frauen, erfolgreiche Frauen, das wirkt auch auf Männer attraktiv. Ausnahme sind natürlich jene Männer, die gar nicht vorhaben, eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu leben und gezielt nach einem Partner suchen, den sie dominieren können. Eher ein Problem der Männer, würde ich sagen.
 
Auch Menschenaffenkinder zeigen ein geschlechtsspezifisches Spielverhalten.
@pietFFM das (für mich) kuriose war die jungspezifische Reaktion auf Bilder von Maschinen (sic!) denn ein geschlechtsspezifischer angeborener oder anerzogener Hang ausgerechnet zu Maschinen/Apparaturen/Werkzeugen kommt mir nun mal kurios vor. (Sicher, sieht man heuer große Jungs, wie sie ihre Autos/Motorräder hätscheln... aber Neugeborene?)
 
Der Grundkonflikt der Geschlechter besteht darin,
dass das Männchen sein Erbgut auf sehr viele Weibchen übertragen kann, während das Weibchen nur so wenige Nachkommen hervorbringen kann, wie es selbst auszutragen imstande ist.
Somit hat das Weibchen ein sehr hohes Interesse sich keinen genetischen Mist anhängen zu lassen.
Das Männchen hingegen ist von solcher Sorge weit weniger geplagt und tendiert daher dazu weniger wählerisch zu sein.
 
Man neigt offensichtlich dazu, Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erarbeiten. Einfach ist es, die Gemengelage abstrakt zu betrachten und Gemeinsamkeiten zu finden.Die Unterschiede darf dann jeder für sich formulieren.

Gemeinsam ist beiden Geschlechtern der Fortpflanzungstrieb, und der ist allen Lebewesen dieses Planeten immanent(nehme x die Parthenogenese
raus). Das ist kein Grundkonsens, sondern ergibt sich aus der Evolution.
Ist zwar simpel, aber für mich reicht es.
 
Das hier ist ein Geschichtsforum! Solche Fragen können hier nicht beantwortet werden!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Wo gibt es zu dieser Frage belastbare geschichtliche Literatur, Artefakte, archäologische Befunde usw.?
Aus meiner Sicht ist das genau der Punkt. Die Thematik wurde in der Vergangenheit teils als "gegeben-Mann-Frau" vorausgesetzt und intensivere Betrachtungen schnell tabuisiert.

Ein Einstieg könnte dieser Artikel sein:


oder der hier:


Interessante Abschnitte:

1)
Viele Religionen und philosophische Strömungen propagieren, dass das Nichtverfolgen von Begierden zum Glück führt, darunter viele Philosophien aus Ostasien (etwa der Zen-Buddhismus) und dem antiken Griechenland (etwa Kynismus und Stoa). Askese und „einfaches Leben“ sind Lebensstile, für die dieses Prinzip zentral ist.

2)
Begierde und Bedürfnis sind zwei unterschiedliche Konzepte, die oft verwechselt werden. Ein Bedürfnis ist ein Mangelzustand, der das Verlangen nach dessen Beseitigung auslöst. Bedürfnisse können körperlicher Natur sein, wie Hunger oder Durst, oder sozialer Natur, wie das Bedürfnis nach Zugehörigkeit.[7]

Begierde hingegen ist ein intensiver Wunsch oder Drang, der über das bloße Bedürfnis hinausgeht. Sie ist oft mit starken Emotionen und körperlichen Trieben verbunden. Während Bedürfnisse grundlegende Anforderungen des Lebens darstellen, ist Begierde oft durch spezifische Objekte oder Zustände geprägt, die als besonders begehrenswert empfunden werden.[8]

Aus psychologischer Sicht sind Bedürfnisse grundlegende Treiber des menschlichen Verhaltens. Sie sind oft biologisch verankert und notwendig für das Überleben. Begierden hingegen sind stärker von individuellen Erfahrungen und kulturellen Einflüssen geprägt. Sie können als Ausdruck tieferliegender psychologischer Motive verstanden werden, die über das bloße Überleben hinausgehen
...womit sich durchaus thematische Anknüpfungpunkte für die Geschichte ergeben könnten. Denn in der Geschichte der Menschheit war das einzelne Individuum je nach Lebenszeit unterschiedlichen kulturellen Einflüssen ausgesetzt und wurde durch jeweils andere individuelle Erfahrungen geprägt. D.h. die Gesamtheit der menschlichen Begierden muss sich über die Jahrtausende geändert und in unterschiedlicher Weise entwickelt haben. Die heutige Gesellschaft mit Massenmedien und ausgefeilten Marketingkampagnen wirkt anders auf das Individuum, als es die Dynamiken innerhalb einer steinzeitlichen Jäger- und Sammlergruppe taten. Die sozialen Medien setzen in der heutigen Welt mit ihren Influencern noch einmal eins drauf. Wenn man einem Steinzeitmensch erzählt hätte, dass heute Leute tagelang vor irgendwelchen Apple Stores campieren, um ein neues IPhone als erstes zu bekommen, hätte er sicher nur mit dem Kopf geschüttelt. Aber was wäre das steinzeitliche Gegenstück gewesen? Irgendwelche Federn und Muscheln?

Vermutlich hat es da etwas gegeben. Die Gehirnareale des Homo Sapiens haben sich über die Jahrtausende nicht soo nennenswert verändert. Irgendeinen Grund muss es geben, dass sie vorhanden sind - ich würde vermuten, dass dieser in die Richtung Sozial-/Gruppenverhalten geht. Wie gesagt, wurden diese Areale über die Zeit jeweils mit historisch-kulturell unterschiedlich "gefilterten" Eindrücken bespielt!

Auch und gerade beim Thema Sex. Heute gibt es je nach Umfeld und Kultur unterschiedlichste Einflüsse, welche durch Internet und soziale Medien global prinzipiell Zugänglich werden. Es gibt bekannte Pornoseiten im Internet, Vergütung für Amateurfilmchen etc. Früher waren die Zeitschriften, welche auch heute noch an den Tankstellen in der obersten Regalreihe liegen, die primäre Quelle. Das Duo Playboy und Beate Uhse war in der Nachkriegszeit in Westdeutschland dominant. In Japan entwickelten sich hingegen - aus westlicher Sicht - teilweise sehr abseitige Manga-Genres.

In der Antike wurde mit der ganzen Thematik wieder anders umgegangen:

Und die Steinzeitler hatten ihre Venusfigurinen/Frauenstatuetten:

Insgesamt dürfte es aber herausfordernd sein, anhand dieser Relikte und Überlieferungen Rückschlüsse auf die jeweiligen Begierden innerhalb von historischen Bevölkerungsgruppen zu ziehen. Und davon ausgehend zu versuchen, sich der Trennline angeboren/kulturell induziert anzunähern...

EDIT:
hier noch weitere Wikipedia-Artikel für die Materialsammlung...:rolleyes:
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke schon, dass man auch in unserem Kontext sinnvolle Überlegungen zum Thema anstellen kann, sofern sie die Urgeschichte des Menschen berühren. Das Verhältnis der Geschlechter gehört mit dem Verhältnis der Verwandten zueinander zu den ersten Problemen, denen sich die Menschheit auf dem Weg zur Zivilisation hin stellen musste, und da spielt das Sexualverhalten halt eine entscheidende Rolle.
 
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