Ziegel

Ich war bei den Fotos gestern auf die Schnelle doch sehr nachlässig, hatte ja keine großen Erwartungen.

Und jetzt, wo die Scherbe durchgetrocknet ist, vermittelt sie nochmal einen ganz anderen Eindruck.

Die glatte Seite ist dunkler und auf der Rückseite kann man eine sehr feine, netz/textilartige Struktur erkennen,
Außerdem ist es ein Randstück. Riefen sind zu sehen, die wie Schnittspuren wirken. Und ein kleiner Grat ist dabei entstanden.

Fotos immer noch mit iPhone, auf Wunsch heute Abend auch hochauflösendeBilder mit echter Kamera.
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Zunächst einmal vielen Dank für die Aufnahmen, die m.E. sehr gelungen sind und gut weiterhelfen.
  • Auf dem Foto Nr. 1 und 2 ist die glatte Unterseite zu sehen, die nicht der Witterung ausgesetzt war.
  • Auf dem Foto Nr. 4 (img_2471.jpg, das, wo der Ziegel auf der Messlatte liegt), ist rechts eine originale Kante zu sehen.
  • Die Längsriefen auf dem Ziegelbruchstück in Foto Nr. 4 sind genau parallel zu dieser Kante.
Ich glaube, dass es neuzeitliche Dachziegel sind, die halbindustriell gepresst wurden. Deshalb die Längsriefen.

Im westlich der Amöneburg gelegenen Dorf Kleinseelheim gibt es an der Ziegeleistraße (ich glaube, @Sepiola wird bezweifeln, ob die Ableitung etymologisch korrekt ist) eine alte Ziegelei ¹, heute vermutlich mehr gepflegtes Privatgrundstück als vor 40 Jahren. Damals waren noch viele Ziegel auf Holzablagen zu sehen. Übrigens ist dort ein wunderschöner Schaftriebweg.


Aber, bei aller Kritik an Deinen Messungen: Der Lahnübergang in Ruttershausen ist bedeutend, gerade mit der Nähe zum Salzböde- und Lumdatal und zum Ebsdorfergrund, und er ist archäologisch nicht aufgearbeitet. Es sind sehr wohl wichtige archäologische Funde möglich.

Und: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und ein (neuzeitlicher) Ziegel noch kein Dach. Es können sehr wohl ältere Funde vorliegen.

Und das Betrachten der Ziegelbruchstücke macht Spaß.

¹ Die alte Ziegelei
 
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Auf die schnelle gesagt, ohne echtes Wissen: Vielleicht ein Abdruck der Ablagefläche zum Trocknen, vor dem endgültigen Brennvorgang?

Nachtrag: Auf Foto 3 und 5 (Img_2461.jpg) sind es neben den produktionstechnisch bedingten Riefen auch Verwitterungsspuren und Kratzer durch Bewegen der Ziegel bei Wind, Neueindeckung (die wurden ja oft wiederverwendet, weil teuer) und Beschädigung auf dem Acker.
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber wenn diese Seite der Witterung ausgesetzt gewesen sein soll, wie kann diese feine Struktur dann erhalten geblieben sein? Ich steh auf dem Schlauch.
 
Aber die gewebeartige Struktur ist doch auf der angeblich verwitterten Seite eingepresst zu sehen.

Edit:
Und auch ein paar Riefen sind dort zu sehen, die nicht rezent zu sein scheinen.
 
Könnte schon sein, Abdruck von Gras/Stroh/o.ä. vom Trocknen. Die Strukturen sehen ein bisschen aus, als könnten sie schon vor dem Brennvorgang entstanden sein.
Könnte aber schon auch oberflächliche chemische Verwitterung sein.

Was ist denn das, was auf den ersten beiden Fotos auf der glatten Seite zu sehen ist? Das schwärzliche Zeug auf der Fläche und der gräuliche Streifen am Rand. Das könnten Reste von einem Material sein, dass sich unter den Ziegeln/auf den Sparren befand. Diese beiden unterschiedlichen Materialrückstände ergeben wenig Sinn, wenn das die Oberseite wäre. Es sei denn, es war die Oberseite und und der Ziegel war in Zweitverwendung anderswo verbaut. Aber dann wäre die Seite wohl kaum so flach.

Ich glaube, ich tendiere zu der glatten Seite als Lagerfläche auf den Sparren oder einem Zwischenmaterial, mit zweierlei Rückständen, die ich rein optisch nicht bestimmen kann, und die raue Seite dann doch chemische Verwitterung. Auch wenn es seltsam gleichmäßig aussieht, das sehe ich schon auch. Aber Verwitterung kann durchaus so aussehen.
 
Der Ziegel wird durch das Trocknen im Gestell oder auf der Ablage ja nicht stumpf. Es kann auch sein, dass neuzeitliche Ziegel vor dem Brennen noch einmal mit Schlicker überzogen wurden, was eine besonders glänzende Oberfläche ergibt.

Ich habe Anfang der 1990er Jahre mir auf der Strecke von Marburg nach Fulda die damals weiter freigelegte Burg Wartenberg angeschaut. Die Burg wurde ab 1220 erbaut, um 1265 zerstört. Die Dachziegel sahen fast wie neu aus.
 
Mache gerade Grünschnitt im Garten und da kam mir die Idee, dass die feinen Strukturen von Wurzelwerk herrühren könnten. Wenn da Moos drauf gewachsen ist, kann ich mir das gut vorstellen.

Das schwärzliche Zeug auf der Fläche und der gräuliche Streifen am Rand

Keine Ahnung, es lässt sich mit dem Nagel nicht einfach abkratzen. Der Streifen am Rand ist vermutlich erst nach dem Bruch entstanden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Also Moos habe ich jetzt mal untersucht, das bildet keine solche Wurzeln aus. Aber im Laufe der Zeit kann da natürlich alles Mögliche mal drübergewachsen sein.

Je länger ich mir das anschaue, um so wahrscheinlicher erscheint es mir.
 
Da dies hier m.M.n. zur Nebensache geworden ist, erlaube ich mir einen KI-Auszug.

Die Aussage ist von Gemini, die ChatGPT Gegenprobe bestätigt Plausibilität, weist aber auf einige Vereinfachungen hin.


Organische Säuren (Chemische Mikroverwitterung)

Wurzeln scheiden aktiv schwache organische Säuren aus, darunter Zitronensäure, Oxalsäure, Apfelsäure und Kohlensäure.
  • Die Wirkung auf weichen Ton: Weich gebrannter Ton besitzt im Gegensatz zu hartem Klinker eine sehr offene, poröse Struktur und enthält oft noch Reste von ungebundenen Mineralien oder Kalkanteilen. Die schwachen Wurzelsäuren lösen diese mineralischen Bindeglieder (Kationen aus dem Kristallgitter) im Mikrobereich auf.
  • Das Ergebnis: An den Stellen, an denen die feinen Wurzelhaare direkt auf dem Ton aufliegen, wird die ohnehin weiche Oberfläche des Tons noch weicher, leicht angeraut oder mikroskopisch abgetragen.
 
Die Dicke beträgt 14-14,5 mm, mit dem Messschieber gemessen. Bessere Bilder könnte ich heute abend liefern.
Römische Tegulae, die flachen, rechteckigen Dachziegel mit seitlich hochgezogenen Leisten, hatten gewöhnlich
eine Plattendicke von 20 bis 25 mm. Sehr große Exemplare waren mitunter auch 30 mm dick.

Meine Tegular hat eine Dicke von 24 / 26 bis 30 mm.
 
Meine Tegular hat eine Dicke von 24 / 26 bis 30 mm.
Und wahrscheinlich eine andere Farbe.



Anhand von Fotos ist es wirklich schwer zu sagen.

Neben Dachziegel könnte auch noch eine Kachel oder Fliese in Betracht kommen, weil man sich für die vermeidliche Rückseite keine Mühe gegeben hat.

Das ganze sieht nach oxidierenden Brand aus der noch unterhalb vom echten Klinker bleibt. Das war um 1900 sehr beliebt, oder? Und die Farbe erinnert doch sehr an die Bauten die man in der Main-Weser Hütte und den Arbeiterhäuser erwarten täte.

Ansonsten werden von Landwirten und Baufirmen alles mögliche mit der Erde verschleppt. Ein solches Highlight bei uns ist der untere Teil einer Bandkeramischen Grube die als Block neben eine Mauer eines Schlosses aus dem 16. Jahrhundert gesetzt wurde. Und selbst echte gestempelte römische Ziegel gehören zu einer sehr mobilen Gattung der archäologischen Fundstücken.
 
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