Benno Ohnesorg vom Stasi-Spion erschossen

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Arne, 21. Mai 2009.

  1. Arne

    Arne Premiummitglied

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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht unbedingt. Die APO hatte mit dem Sozialismus-Verständnis der DDR wenig gemein, siehe auch die Bedeutung Dutschkes für die 68er. Für die Bewegung 2. Juni allerdings ist diese Entdeckung bitter. :autsch:
     
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Aus Wiki zu Kurras:
    Ich, und vermutlich die meisten meiner Altersklasse, hielt ihn für den Prototyp des Spät-Nazi-Beamten.

    Aber auch Wiki weiß jetzt von der Stasi.
     
  4. Arne

    Arne Premiummitglied

    Auch mit dieser Entlarvung kann aber keinesfalls davon ausgegangen werden, daß der Schuß durch die Stasi in irgendeiner Weise geplant war, zum Beispiel um die Protestbewegung eskalieren zu lassen.

    Nach dem tödlichen Schuss auf Benno Ohnesorg funkte das MfS an Kurras: "Material sofort vernichten. Vorerst Arbeit einstellen. Betrachten Ereignis als sehr bedauerlichen Unglücksfall."



    Eigentlich wird nur deutlich, daß da jemand in der Uniform einer Bundesdeutschen Polizei steckte, der aber im Geiste einer anderer Staatsform anhing. Somit kann man sagen, daß die Vorwürfe der 68er an die westdeutsche Polizei zwar auf den ersten Blick in die richtige Richtung gingen, aber mit dem Wissen von heute, die Verteidiger einer Staatsform trafen, für die der Täter keine Sympathie hatte.
     
  5. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Die Frage, die sich schon stellt, lautet: Warum schoss eigentlich Kurass auf Ohnesorg?
     
  6. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied


    Für die Bewertung des 2. Juni wird das m.E. nicht viel ändern. Interessant ist eher, wie stark das politische Leben der BRD von Spitzeln aus dem Nachbarland unterwandert war. Die DDR hatte ebenso ihre Leute in der Apo wie bei den staatlichen Stellen bis hoch ins Bundeskanzleramt. Kulminiert ist das ganze sicher im Misstrauensvotum gegen Willy Brandt, als die DDR durch Bestechung zweier CDU-Abgeordneter das Abstimmungsergebnis beeinflusste.
     
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  7. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    "Wer mich angreift, wird vernichtet. Aus. Feierabend. So is das zu sehen." Ich denke, das ist die Antwort. Der Kurras war nur ein kleinkarrierter Spießer, der langhaarige Jugendliche im Allgemeinen nicht mochte. Vielleicht hat Ohnesorg den Kurras in der aufgeladenen Situation "provoziert", indem er Arschloch oder so etwas sagte und dann rastete Kurras ganz unpolitisch aus.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ganz genau.

    Und ergänzend kann man auf das letzte Heft der VfZ 2009 hinweisen, in dem zur Thematik NATO-Doppelbeschluß einiges Interessante enthalten ist (verwertete außenpolitische Archive der DDR nach Ablauf der Sperrfristen). Man hat sich für die jeweiligen europäischen Ländern im Warschauer Pakt sozialistische Betreuungs-Patenschaften aufgeteilt, um Bewegungen zu beeinflussen.

    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/zeitschriften/ausgabe=4823
    (Aufsatz Wettig - spannend übrigens auch das Wischnewski-Protokoll)
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Mai 2009
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    OK, zweifellos richtig.
    Was wir jedoch nie erfahren werden (oder zumindest nicht in den nächsten Jahrzehnten) wo Verfassungsschutz und BND in der DDR überall die Finger drin hatten.
    Die Wurst hat nämlich zwei Enden.:D


    Sonst sehe ich es wie Gandolf.
    Warum hat er geschossen?

    Die von mit aus Wiki kopierte Aussage ist aus 2007, als er noch den "Hardliner" zu spielen hatte.
    Insofern wertlos.

    Dass ausgerechnet ein Stasi-Agent unter allen Berliner Polizisten den Benno Ohnesorg erschoss.
    Also mir ist das irgendwie zuviel Zufall.
     
  10. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Das Kurras von der Stasi war, scheint auf den ersten Blick hoch politisch. Wäre es damals auch gewesen.
    Ich habe gestern sogar gehört, die Linke müsse neu überdenken... bla, bla...
    Der Kurras hat unpolitisch und einfach nur rein emotional gehandelt. Der Typ war jähzornig und in seinen Augen der Ohnesorg ein langhaariger Gammler, der wahrscheinlich auch noch frech wurde.
    Das ganze ist eine Groteske, vieleicht auf einem nicht höheren Niveau als der Maschendrahtzaun und der Knallerbsenstrauch.
    Das der renitente Ohnesorg an den strammen Kurras geriet, war Zufall.
    Alles andere würde auf einen Auftragsmord der Stasi hindeuten. Das halte ich allerdings für unwahrscheinlich. Es hätte keinen Sinn ergeben, führende Köpfe einer sich anbahnenden "Revolution" zu opfern. Bauernopfer sind in der Regel kleiner.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Halt mal Stopp! Ohnesorg war keine der Ikonen der Noch-nicht-68er. Er war bis zu seinem unglücklichen Tod am 2. Juni '67 völlig unbekannt. Bis heute ist sogar umstritten, ob er Demonstrant oder nur zufällig anwesender Passant war.

    Und zu berücksichtigen ist natürlich auch die Stasi-Notiz, dass die Erschießung Ohnesorgs als bedauerlicher Unfall zu werten sei.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Aus der Stasi-Akte, zitiert nach heute.de:
    "Material sofort vernichten. Vorerst Arbeit einstellen. Betrachten Ereignis als sehr bedauerlichen Unglücksfall."
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Proteste in Berlin Ende Mai 1967 hatten keinerlei innenpolitischen Bezug.
    Der Schah von Persien war auf Staatsbesuch, iranische Studenten demonstrierten dagegen, bezahlte "Jubel-Perser" dafür, und die iranische Geheimpolizei prügelte.
    Und an dieser Prügelei der "Stasi" des Schahs, und insbesondere dem Gewährenlassen durch die deutschen Organe, entzündete sich der Studentenprotest.

    Aber zum Auslöser aller Vorgänge die dann folgten wurde ganz klar der Mord an Benno Ohnesorg.
    Die KZ-Prozesse liefen noch, und es hat sowas von "reingepasst".

    Für mich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Mielke den Finger mit an der Dienstpistole hatte.

    Es hat zu ganz erheblichen Konflikten in der BRD geführt, man erinnere sich, gleichzeitig gab es die 1. größere Rezession. Auch sonst war einiges los, Strafrechtsreform, Notstandsgesetze um nur einiges zu nennen.
    Die funktionierende Demokratie hat die Konflikte gelöst, vieles integriert.
    Diese Gewissheit, dass wir eine funktionierende Demokratie besitzen, hat uns der Kurras mit verschafft.
    Was, die verfluchten 12 Jahre waren noch nicht so lange her, sowenig nicht war/ist.

    Ansonsten wird es nun vermutlich einen neuen Mordprozess geben, auf die Erkenntnisse daraus bin ich gespannt.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dass der Mörder Mielke oder der Stasi-Apparat in den Tod Ohnesorgs verwickelt waren, lässt sich den Akten wohl nicht entnehmen, wohl eher das Ggt. Warum sollte die Stasi Akten für den internen Gebrauch fälschen? Hat sie doch sonst auch nicht gemacht. Und eine Entführungen und Morde der Stasi sind ja gerade dank der internen Akten aufgeklärt worden.
     
  15. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Warum wird die Stasi-Nähe dieses Herrn Kurras erst jetzt durch Aktenprüfung bekannt?
    Der Mann lebt doch noch, wie sind die internen polizeilichen Untersuchungen und die Gerichtsprozesse in den 60ern verlaufen, dass es nicht einen Hauch des Stasi-Verdachts gab?
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Spekulation.
    Warten wir doch mal den Mordprozess ab.

    Auch Spekulation:
    Es hat derart gepasst und hingehauen, dass mir der Glaube an die "Unschuld" der Stasi, in diesem Moment als Glaube an den Osterhasen erscheint.
    Ich war 1967 15, vermutlich ist mir die "Gewissheit", dass hier ein "Alt-Nazi" kaltblütig mordete erst 1-2 Jahre später gekommen. Aber lest doch mal die Prozessakten, da war nichts zuvor zwischen Kurras und Ohnesorg, gar nichts. Das war kaltblütiger Mord.
    Dass Kurras damals in den Prozessen davon kam, ist nur darauf zurückzuführen, dass die damals durchaus in Teilen noch angebräunte Justiz den Polizisten als "Vertreter der Staatsgewalt" schützen wollte.

    Mord war es für mich schon immer, und jetzt hat er noch den tieferen Sinn erhalten.
    Aber OK, meine Spekulation.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Mai 2009
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Prozessberichte in der Presse von damals sind zu Teil im Netz nachzulesen.
    Googel mal.

    Vielleicht hat der Kurras auch bei den Ermittlern sehr in die Erwartungshaltung gepasst. Und seine Erklärungen wurden vielleicht sehr gerne geglaubt.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, eindeutige Akten-Notiz der Stasi ("bedauerlicher Unglücksfall").

    Ob Mord oder Unfall oder was auch immer, darüber will ich ich nicht äußern.

    Nur, wenn man gegen die Quellen argumentiert. Viel eher musste die Stasi doch befürchten, dass einer ihrer Agenten enttarnt würde. Auch dies wird in der Notiz deutlich: "Material sofort vernichten. Vorerst Arbeit einstellen."
     
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Was ist da eindeutig?
    Das kann man doch durchaus als Anweisung sehen, wie er bei Enttarnung zu argumentieren hätte. Was wird auch die Stasi einen Mordauftrag geben....

    Dem Unfall hat der Kurras ja auch eindeutig widersprochen. "ich hätte drei-vier-fünfmal draufhalten sollen, wer mich angreift..."


    Ach was,
    hätte "einer ihrer Agenten" mehr erreichen können? Wenn der dafür 5 Jahre Knast abgerissen hätte, was wäre das im Vergleich zum Erfolg gewesen?
    Dass ein Agent der sich derart exponiert hatte, anschließend abtauchen soll, ist klar. Was denn auch sonst?
    Nee, nee, nix mit Argumentation "gegen die Quellen" Argumentation gegen jede Logik, von Dir.:winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Mai 2009
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du bist vor 40 Jahren mit dem "Wissen" sozialisiert worden, dass der Tod Ohnesorgs ein Politmord war. Nun zeigen Akten, dass der "Mörder" Kurras SED-Mitglied und Stasi-Spitzel war. 40 Jahre liebgewonnenes "Wissen" um einen Politmord brechen da plötzlich wie ein Kartenhaus zusammen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es Dir noch schwer fällt, Dich von diesem als sicher geglaubten Wissen zu trennen und dass Du daher die Aktennotiz in einer Weise zu lesen versuchst, die es erlaubt weiterhin an einen Politmord zu glauben, wenn nun auch nicht mehr der braune Muff sondern die roten Socken schuld sind.
     

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