Eroberungen und Landnahmen der Nordmänner

Dieses Thema im Forum "Die Wikinger" wurde erstellt von Taliesin, 6. Oktober 2011.

  1. Taliesin

    Taliesin Neues Mitglied


    Hallo!

    Ich wühle mich gerade durch Texte über die Wikingerzeit (vornehmlich auf Forumsbeiträge hier und Wikipedia-Artikel beschränkt) und stelle mir die Frage:

    Warum haben Nordmänner/Dänen im 9/10 Jh. auf den britischen Inseln, Irland eingeschlossen, und in der Normandie Land als ihren Besitz erobert, aber nicht dasselbe in damals sächsischem bzw. ostfränkischem Raum getan?

    Ich weiß nicht, ob es neben den Raubzügen per Schiff etwa nach Köln, Hamburg oder Trier solche Versuche der Eroberung gegeben hat, bin bisher aber nicht darauf gestoßen und frage mich, ob es vielleicht daran lag, dass derartige Versuche durch Gegenangriffe der Sachsen und/oder Ostfranken im Keim erstickt wurden (daher dann vielleicht der Bau des Danewerks durch die Dänen?).

    Oder hat es vielleicht irgendwas damit zu tun, dass sie nur Gebiete, die sie erst mit Schiffen erreichten, eroberten?


    Weiß irgendjemand da mehr als ich hier ins Blaue vermute?

    LG
     
  2. Sandra PP.

    Sandra PP. Neues Mitglied

    köln wurde, auch wenn immer wieder in geschichtsbüchern behauptet, gar nicht per schiff geplündert, sondern zu pferde, vom befestigten lager an der maas bei maastricht aus (eine weit verbreitete taktik der nordmänner). die "normanni" die das ostfr. reich angriffen, waren fast ausschließlich dänen. das ostfränkische reich war also unmittelbarer nachbar dieser aggressoren und man musste mit massiven gegenschlägen rechnen, vor allem als sich das ostfr. reich stabilisiert hatte. diese unmittelbare nachbarschaft jedenfalls, und weil das ostfränkische reich militärisch stärker war als das westfränkische, werden sicher ihre auswirkungen gehabt haben, wenn es um die suche nach einem geeigneten bzw leichten opfer ging. für die zerstörung hamburgs hat man an das ostfränkische reich ja sogar finanzielle gutmachung geleistet (pikanterweise mit beute aus dem westfränkischen reich....).
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Oktober 2011
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  3. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied


    Das Ostfränkische Reich war im 10. Jahrhundert verteidigungspolitisch deutlich besser aufgestellt als das westfränkische. Allein mit dem sächsischen Herzogtum der Luitdolfinger (Ottonen) hatten die Nordmänner einen geschlossenen Machtbolck direkt auf Tuchfühlung, denn zu knacken äußerst Aufwendig wenn nicht gar unmöglich war.

    In Westfranken aber war die königliche Zentralmacht der letzten Karolinger am zerfallen. Das Königreich zerfiel in das Feudalgefüge, welches das hohe Mittelalter Frankreich prägen sollte, in denen die Feudalherren sich untereinander bekämpften und schwächten. Das ganze Land stand einfallenden Plünderern offen, von der alten Francia, über Burgund bis nach Aquitanien hinein. Erst Karl III. der Einfältige wusste die Normannen einigermaßen zu bändigen, indem er sie 911 im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte kurzerhand mit Land um Rouen ausstattete und sie zu seinen Lehnsmännern machte. So ward die Normandie entstanden.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das mag auch daran gelegen haben, dass die Wikinger bzw. Nordmänner Gegenden bevorzugten, wo reiche Beute winkte und die unterworfene Bevölkerung in der Lsge war, kostbarere Tribute zu entrichten, als das z.B. die von dir erwähnten Sachsen konnten - anders als die zivilisiertere Bevölkerung in Westfranken oder auf den Britischen Inseln.

    Eine Rolle für die Ansiedlung in der Normandie spielte zudem, dass der westfränkische König den Wikingern Land zu Lehen gegeben hatte, was sich als eine wirksame Maßnahme erwies, die Plünderungszüge der Wikinger in diesen Gebieten zu unterbinden.
     
  5. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Wo steht, das sie nicht Land in Besitz nahmen? Es sind sehr wohl Dänen nach "Niedersachsen" eingewandert, allerdings nicht in "hellen Scharen" sondern in Form einer Sickersiedlung. Die Edlen waren z.T. miteinander versippt,- Widukind war Schwiegersohn des Dänischen Königs-, und die Dänen waren dann doch zu schwach und auch wohl garnicht Willens , "eigene Gebiete" auszuweisen. Die wurden einfach "Sachsen". Und für echte Beutezüge war einfach zu wenig zu holen
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Dem Threadersteller ging es um die Frage, warum keine normannischen Herrschaften bzw. Staatenbildungen in Sachsen entstanden, wie das beim Herzogtum der Normandie oder bei den wikingischen Earldoms in England der Fall war, die im Gebiet des Danelag entstanden. Eine solche normannisch/wikingische Staatenbildung hat es in Sachsen unzweifelhaft nicht gegeben.
     
  7. Geiserich429

    Geiserich429 Neues Mitglied

    Die Franken waren eben militärisch eine sehr harte Nuß, die die Wikinger nicht knacken konnten. Die Franken waren militärisch äußerst erfolgreich, dies gilt sowohl für die frühen Franken unter Chlowdig der das Frankenreich auf Kosten von Westgoten und Römern erweiterte, Karl Martell der die Araber schlug, Karl den Großen der das Frankenreich durch die Inkorporierung von Sachsen und Langobarden erweiterte als auch für die Nachfolgestaaten des Ostfränkischen und Westfränkischen Reiches. Die Franken haben sich in den Wirren der Völkerwanderung gegen andere germanische Gemeinwesen - Westgoten, Burgunder, Alemannen, Sachsen - militärisch durchgesetzt und diese oftmals unterworfen - Alemannen, Burgunder, Langobarden, Sachsen - und in ihr Reich integriert. Auch die weithin gefürchteten Reiterarmeen der Araber und Ungarn konnten von den Franken letztlich besiegt werden. Durch die ständigen Kriege haben die Franken eine der bestausgerüsteten, trainierten und auch flexibelsten Armeen des Mittelalters besessen.

    Die Wikinger haben überall angegriffen, aber wahrscheinlich haben sie eben lieber opportunistisch Beute eingestrichen und Kriege geführt die leicht zu gewinnen waren, statt sich gegen einen Staat wie das Ostfrankenkreich in einen sinnlosen Abnutzungskrieg hineinziehen zu lassen. Die Wikinger haben durchaus auch militärisch operiert, man denke an das große heidnische Heer in England oder die Belagerung von Paris, aber letztlich haben sie am liebsten leicht gewonnen. Geografisch wäre das Ostfrankenreich viel naheliegender zur Eroberung als England gewesen, da man sogar über Land aus Dänemark hätte heranziehen können oder nur Elbe oder Rhein hinauffahren musste. Nur gab es eben hier ein großes wehrhaftes Reich, dass man zwar mit Langbooten plündern, aber schwer als Ganzes erobern konnte. In Großbrittanien gab es zu dieser Zeit dagegen eine zersplitterte politische Landschaft aus mehreren mittelgroßen Sachsenreichen und weiteren Kleinkönigreichen die man mit Aussicht auf Erfolg militärisch besiegen konnte.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nuja, die Wikinger haben in Dusiburg überwintert. Grundsätzlich aber ist es viel leichter (und schneller), per Schiff irgendwo hinzugelangen, als zu Fuß, so von wegen, das Frankenreich wäre leichter zu erobern gewesen, als die angelsächsischen Reiche, weil man ja nur über Land habe ziehen müssen. Zumal die Wikinger eine geradezu maritime Kultur entwickelten, die sich bis zu ihren Bestattungsbräuchen durchsetzte.
     
  9. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Speziell zu den Raubzügen der Wikinger im Rheinland gibt es einen Artikel in der Wiki: Raubzüge der Wikinger in das Rheinland – Wikipedia


    Dusiburg haben wir nicht in den Quellen, aber oppidum diusburh. Die Normanni waren aber nur einen Winter da und zerstörten das mittelalterliche Duisburg anschließend. (Als erste gesicherte Erwähnung wurde dieses Ereignis in Duisburg 1983 als 1.100-Jahr-Feier begangen biggrin.gif .) Als Gegenmaßnahme errichtete Herzog Heinrich eine Festung. Dabei geht man davon aus, dass dies das Schloß Broich in Mülheim ist. An dieser Furt über die Ruhr konnte man den Hellweg überwachen.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja, ja, mach dich mal über meine Buchstabendreher lustig *grmpf*
     
  11. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Am Namen meiner Heimatstadt wird mehr nix gedreht, der Name ist über die Jahrhunderte schon genug verdreht worden blinzel.gif .
     
  12. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ich habe nie verstanden, warum ihr so stolz auf eine düsende Burg seid. Ist das nicht gefährlich?

    @ Topic: Wikinger haben zeitweise versucht, sich in Friesland festzusetzen. Eine Mischung aus Tributen, militärischer Bedrohung und Ablenkung nach Westen soll sie davon abgebracht haben, wenn ich mich recht erinnere.
     
  13. Geiserich429

    Geiserich429 Neues Mitglied

    Okay, ich muss meinen Wissenstand aktualisieren. In den 880er Jahren waren die Wikinger wohl nahe dran, das Rheinland zu erobern (also einen Teil des Ostfrankenreichs) und hatten sich schon in einigen Städten festgesetzt und waren somit ein politischer Akteur geworden, ähnlich wie die Wikinger in England oder der Normandie. Wie kommt es dann, dass es anscheinend keine dauerhafte Staatenbildung durch Wikinger im Ostfrankenreich gab?
     
  14. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Weil die Ostfranken die Wikinger letztendlich erfolgreich bekämpft haben. Ein Teil Englands (Danelaw) und die Normandie fielen an die Wikinger und dort konnten sie sich halten. Aber die wesentlichen Fakten sind doch in dem von mir zitierten Wiki-Artikel aufgeführt: Eroberungen, Verträge mit Abtretung Frieslands, weitere Plünderungen durch die Wikinger bis zur ihrer endgültigen Niederlage. Interessant ist vor allem der Verrat von Hugo.

    Es geht nicht um Stolz, sondern um die korrekte Schreibweise, sonst gibbet demnächst mit Bezug auf diesen Thread noch einen Wikiartikel zur Belagerung von Dusiburg.
     
  15. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Zumindest die Bahnstrecke Dortmund-Dusiburg gibt es dort schon.
     
  16. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

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