Mao Zedong

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten in der Neuzeit" wurde erstellt von Arne, 1. März 2014.

  1. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied


    Albanien ist richtig.
    Es gab kein Internet.
    Im Fernsehen Ost wie West war Sendepause.
    Im ND und deren Duplikate war auch nichts zu lesen.
    Ich persönlich wusste wer dort was zu sagen hat, ärgerte mich das es kein Urlaubsland für uns war, Skanderbeg war mir auch bekannt und...

    Und erstaunlicherweise bekam ich den albanischen Rundfunk in deutscher Sprache, wenn ich in der Hohen Tara im Urlaub war.

    Hörte mir ab und zu ca. ¼ Stunde an was es da Neues gibt, hatte aber hinterher ca. 2 Stunden Ohrensausen.
    Die Russen waren die „Sozial – Imperialisten“, wenn ich mich recht erinnere.

    An den Schah erinnere ich mich.
    Hier in Erfurt war ja wieder mal alles in Aufruhr.
    Muss so 1978 oder anfang 1979 gewesen sein.
    Sein Staatsbesuch in der DDR stand an und im Programm war auch Erfurt.
    Habe mal gegoogelt, habe aber nichts gefunden.
     
  2. Sanssouci

    Sanssouci Neues Mitglied

    Die Positionierung der westdeutschen Linken zu Mao muss man wohl in den Kontext der jeweils verfügbaren Nachrichten stellen. In den 70ern war vieles noch nicht bekannt, was in den 80ern endlich "durchsickerte". Die Glorifizierung bröckelte nur sehr langsam in sich zusammen und es wurde später kaum aufgearbeitet, dass man da dem falschen "Heiligen" hinterher gelaufen war, um es mal salopp auszudrücken.
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    Ja da schau her. Die "vereinigte" westdeutsche Linke hatte "eine" Position zu Mao. Interessante These, wer war denn so mutig, außer Dir, eine derartige These zu formulieren?

    Eine sehr differenzierte Sicht auf die Entwicklungstrends in China gab bereits 1980 D. Senghaas: China 1979, in: J. Habermas: Stichworte zur Geistigen Situation der Zeit, Band I, 1980, S.408ff.

    Allerdings war seine Einschätzung des sozialistischen Kurses in China und der zukünftigen Rolle von China als Weltmacht falsch.

    Zudem spricht Senghaas sehr offen die Defizite an, die die damaligen sozailistischen Gesellschaften auch gekennzeichnet haben. Der problematische Zustand der Verwirklichung individueller politischer Freiheit und die Gefahr von Kriegen auch zwischen "sozialistischen" Gesellschaften.

    Die Sichtweise von O. Sik, die er im "Der dritte Weg" bereits 1972 ausformuliert hatte, widerspricht ebenfalls einer autoritären sozialistischen Ideologie, wie von Mao propagiert, und er wendet sich in seiner Kritik autoritärer Sozialismusvarianten an die "ehrlichen Sozialisten". Auch diese einflussreiche "linke" Position widerspricht obiger These!

    Zudem: Die westliche neo-marxistische Sicht - beispielsweise in Teilen repräsentiert durch die Kritische Theorie - stand autoritären Gesellschaftsentwürfen, sei es der Nationalsozialismus oder der Stalinismus, grundsätzlich kritisch gegenüber.

    Insofern ist die obige Einschätzung von "Sanssouci" oberflächlich und falsch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2015
  4. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied


    Und die beiden von dir zitierten Schriften hatten also tatsächlich einen starken Einfluss auf "die" deutsche Linke?. War dem so?
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    1. Wer ist die "Linke"? und welche Meinung hat sie? Kann ich schon mal nichts mit anfangen, weil das schwer einzuschätzen ist.

    2. Die "Stichworte" sind eine einflussreiche Positionsbestimmung gewesen, die die Pluralität der Sichten im Umfeld der "Linken" versuchte zu markieren. Es waren Angebote zur Diskussion, aber keine verbindlichen Positionen.

    3. Der "Dritte Weg" war wichtig für die Diskussion, da er die Defizite der autoritären post-stalinistischen Gesellschaften problematisierte.

    4. Ansonsten kann ich die Intensität des Einflusses nicht beurteilen, aber Senghaas war wichtig für die Meinungsbildung in der damaligen Periode.
     
  6. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Mit Verlaub, du nennst Sanssouccis Aussagen oberflächlich und falsch.
    Und als Begründung nennst du zwei Publikationen, die vermutlich nur von Fachkreisen gelesen wurden, zu deren Einfluss du dich auch nicht äußern kannst.

    Natürlich ist das Meinungsbild einer nur wage zu beschreibenden Gesellschaftsgruppe, "der Linken", nur sehr schwer fassbar. Nur hilft eine rein akademische Betrachtungsweise auch nicht weiter und ist ebenso "oberflächlich und falsch".
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ganz so unrecht hat aber sanssouci nicht, auch wenn die Einstellung zu Mao im Zuge der Kulturrevolution zunehmend kritischer wurde. Das ganze Ausmaß der Kulturrevolution und der Kahlschlag kultureller Traditionen wurde erst nach Maos Tod angemessen rezipiert. Ausgewählte politische Texte Maos, die er zwischen 1927-1950 verfasste, wurden 1952 in Peking veröffentlicht und erschienen 1968 in deutscher Sprache. Theorien Maos zur Guerillakriegführung, zur Landreform, zur Mobilisierung des Proletariats fanden Beachtung in Teilen der europäischen Studentenbewegung und Maos Gedichte, er verfasste ja nicht nur politische Texte, sondern auch Lyrik, wurden sehr wohlwollend rezensiert.
     
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ja, weil die "Linke" diesem -angeblichen - "Heiligen" nicht hinterher gelaufen ist. Es ist ein platte und extrem vereinfachende Sicht. Wie von mir ausgeführt.

    1. Der Einfluss der Publikationen für die Diskussion war beachtlich. Welche Wirkungen sie hatten kann ich nicht beurteilen, weil es wohl keiner kann. Aber sie waren definitiv wichtig für die intellektuelle Diskussion!

    2. Der Kreis der beteiligten Autoren bei den Stichworten läßt zumindest vermuten, dass es eine der "repräsentativsten" Querschnitte durch die unterschiedlichen intellektuellen Sichten war. Und es in der Regel zitiert wird, sofern die Sicht der Zeit dokumentiert werden soll.

    Die Meinungsbildung erfolgte in den siebzigern und achtziger Jahren noch durch einen ausgedehnteren Diskurs innerhalb der Linken.

    Die einzelnen "linken Gruppierungen" folgten dabei ihren separaten Sichten und im Fall der maoistischen Gruppierungen entwickelte sich der Diskurs zunehmend in Richtung einer politischen Sekte.

    Die anderen politischen Strömungen, die bereits angeführt worden sind, bewegten sich in anderen Diskursbahnen.

    Es war die Zeit der Diskussion über die "Konvergenztheorie", der Diskussion über die "Legitimationskrise" der kapitalistischen Gesellschaften, der Kritik an dem Militarismus der "kolonialistischen/imperialistischen" Mächte und der Kriege gegen Befreiungsbewegungen, Stichwort Vietnam etc..

    Und diese Diskurse sind sehr stark akademisch geprägt worden wie beispielsweise über die "kursbücher".

    Eine unterstellte Glorifizierung, wie im Beispiel von Senghaas, kann ich da retrospektiv nicht erkennen. Bestenfalls war es die Suche nach einer Alternative zu der "Krise der kapitalistischen Gesellschaften". Und in diesem Kontext war Sik durchaus ein wichtiger Beitrag.

    @ Scorpio: Dass Mao in Teilen der studentischen Szene eine gewisse wohlwollende Akzeptanz fand, ist nicht zu bestreiten. Deine Beispiele berühren ja auch nur einzelne Aspekte und das nur über einen relativ kurzen Zeitraum. Spätestens Mitte der achtziger Jahre spielte der Maoismus als Ideologie für "die linke Theoriebildung" überhaupt keine Rolle mehr.

    Es waren meistens sehr kleine Zirkel, die sich vertiefend mit ihm beschäftigt haben. Die Mao-Bibel war für die Masse dieser "Studentengeneration" eher ein "Requisit", dass manche bei sich hatten, in Kombination mit einem US-Parka mit Einschusslöchern. Das hatte auch sehr viel mit politischer Symbolik und dem damit ausgedrückten Protest gegenüber einem Establishment zu tun.

    Und in diesem Kontext mögen auch die Schriften von Mao zur Guerrillakriegsführung sogar einen Einfluss auf die Denkweise der RAF gehabt haben.

    Spätestens mit dem Aufbau der "Alternativen Listen" ergab sich ein ideologisches Amalgam, das den klassischen Bezug zu einzelnen ML-Denkrichtungen zunehmend aufgab. Und davon waren auch sehr gravierend die restlichen Theoriebestände des Maoismus betroffen.

    Aber das war nicht die Linke und es ist für mich nicht einsehbar, wenn generalisierende Tatsachenbehauptungen aus dem Bauch heraus über die "Linke" formuliert werden, die der damaligen Situation nicht angemessen sind, warum dem nicht widersprochen werden sollte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2015
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dieses Urteil akzentuiert sich noch zusätzlich, sofern man ein wenig tiefer einsteigt.

    Es gab in den siebziger und achtziger Jahren eine Vielzahl von K-Gruppen. Die wohl relevantesten und bekanntesten waren die KPD/AO (Aufbauorganisation) und die KPD/ML. Erwähnenswert ist sicherlich noch der der KBW (Kommunistische Bund Westdeutschland).

    Die KPD/AO war primär maoistisch, ähnlich wie der KBW, ausgerichtet und grenzte sich zur KPD/ML ab, die einen breiteren ideologischen Spagat zwischen Marx, Lenin, und Mao versuchte (vgl. J. Bacia: KPD / Maoisten, in: R. Stöss(Hg.) Parteienhandbuch, Bd. 3, S. 1810ff)

    Diese maoistischen Organisationen (KPD/AO & KBW) waren im wesentlichen "Zersetzungsprodukte" der Apo, die den vorhandenen Politiseirungsprozess organisatorisch kanalisierten. Allerdings, im Fall der KPD /AO gestand man bereits im Jahr 1980 das politische Scheitern ein.

    Die politische Bedeutung dieser Gruppierung sollte man insgesamt auch korrekt einschätzen. Im Jahr 1976 erhielt sie beispielsweise bei der BTW 22.714 Stimmen absolut, wobei ca. die Hälfte der Stimmen auf West-Berlin entfielen. Insgesamt war diese "linke" Partei eine im Wählerpotential unbedeutende Gruppierung.

    Die KPD/ML erhielt bei der BTW 1980 lediglich 9300 Stimmen.

    Mit der um 1980 einsetzenden Orientierung der KPD/AO in Richtung auf die ökologische Bewegung / Anti-AKW ging dann auch eine Selbstkritik der maoistischen Positionen einher (ebd. S. 1817).

    In diesem Zusammenhang anerkannte man, dass die BRD reale Verbesserungen der Lebensbedingungen der Bevölkerung vollbracht hatte und man distanzierte sich explizit von der VR China.

    Dieser Demokratisierungsprozess wurde begleitet durch den Zufluss von Mitgliedern aus diesen Parteien in die "Alternativen Listen" bzw. zu den "Grünen".

    Verfolgt man die Biographien von K-lern mit Bezug zu maoistischen Gruppierungen, wie Thomas Eberman, dann erkennt man sehr deutlich die ideologischen Metamorphosen, die in gravierendem Gegensatz zum Führungsanspruch der Partei in nahezu allen Ländern des Ostblocks stand, inklusive der VR China.

    Sodass selbst auf dem individuellen Niveau eine deutliche Abkehr vom Maoismus zu erkennen ist.

    Somit ist die Unterstellung von Sanssouci: "es wurde später kaum aufgearbeitet" nicht nur einfach falsch. Das Gegenteil trifft zu, da mindestens eine maoistische K-Gruppierung explizit sich von der VR-China und somit natürlich auch von Mao distanziert hatte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2015
  10. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2015
  11. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Es gab in den 70er/80er Jahren nicht *die* Linke; das war eine sehr heterogene Szene, die sich auch an verschiedenen Vorbildern orientierte (zb dem real-ex Sozialismus der UdSSR - dem maoistischen Vorbild - Albanien - Kambodscha --- wobei unter den Begriff "K-Gruppen" nicht ältere Strömungen wie zb der Trotzkismus subsumiert werden...). Allein aus der Auffächerung ergibt sich, daß es nicht nur eine Position gegenüber Mao und auch nicht gegenüber dem Maoismus gegeben haben konnte, sondern etliche, was sich ja auch durchaus hinsichtlich der Aufarbeitung niederschlägt.

    In der Auflistung von Thanepower (danke für das Stichwort 'Ebermann') fehlt außerdem noch der KB (Kommunistischer Bund), der in den 80er Jahren spektakulär an der geplanten Übernahme der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung scheiterte... Denn die Auflösung des KB war ja nicht das ursprüngliche Ziel, sondern das Ergebnis der Fehleinschätzung zweier - undogmatischer - Basisbewegungen. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistischer_Bund

    Daß eine Kritik an den K-Gruppen - von innen wie von außen - seinerzeit unterblieben wäre, kann so auch nicht stehenbleiben. Es gibt da zb ein nettes Büchlein, ebenfalls im Rotbuch-Verlag erschienen:

    anonym: Wir warn die stärkste der Partein..., Erfahrungsberichte aus der Welt der K-Gruppen. Rotbuch-Verlag, Berlin 1977

    Ein paar Leseproben daraus finden sich hier:

    GLASNOST Berlin - K-Gruppen-Kritik

    Wenn in den 70er Jahren in einer breiten, links aufgestellten Szene etwas prägend in Richtung Aufarbeitung war, dann das Aufkommen und Erstarken einer undogmatischen Linken bereits ab Mitte der 70er Jahre, die neue Wege suchte und keine als Allheilmittel propagierten Ismen welcher Couleur auch immer, und auch keine als allwissend aufzufassende Partei mit einer für alle verbindlichen Linie mehr wollte.
     
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  12. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Das Bild Chinas Westen wurde Jahrzehnte lang durch ein einziges Buch geprägt: Snow, Edgar: Red Star over China, 1937.
    An der Datierung wird schon jeder bemerkt haben, dass es noch aus der Bürgerkriegszeit stammt. Snow liefert ein ziemlich positives, ja geschöntes Bild der Revolutionsführer. Insbesondere Snows einseitige Schilderung des "langen Marsches" wurde später kritisiert, da er Maos Propaganda darüber weitgehend übernahm.
    Noch bizarrer ist natürlich das Datum 1969, dem Erscheinungsjahr der deutschen Übersetzung.

    Hierzu die Zeitschrift Welt (anderer Artikel als im Ausgangspost!): "Der Mann, dem in wesentlichen Teilen dieser Mythos von der reinen Revolution zu verdanken war, hieß Edgar Snow."

    Aus China drangen aufgrund der starken Isolation kaum Nachrichten in den Westen. Snow war einer der wenigen westlichen Journalisten, die bis zu Mao vorgedrungen sind. Es gab ja auch kaum was anderes als seinen Bericht aus den 1930ern.
    Mao gelang es immer wieder sich in der Rolle des Revolutionärs zu reproduzieren. In den 1960ern trat er gar nicht als der große Diktator auf, sondern als der Anführer der Kulturrevolution, der die Massen gegen die Regierung anführt, denn andere als Mao waren natürlich an den Misständen im Lande schuld.

    Mao hat jedoch die geleugnet, dass er Stalinist ist. Maos Ansicht, dass die Chruschtschows Entstalinisierungspolitik so etwas wie Verrat an der Sache bedeute und Rotchina der wahre Erbe des Leninismus-Stalinismus sei, wurde von seinen Anhängern in Westeuropa sogar geteilt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2015

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