Protolandwirtschaft

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Wsjr, 2. Juni 2013.

  1. Isleifson

    Isleifson Gesperrt


    Die Rolle der Haselnuss,sollte man für Europa nicht unterschätzen.Die wurde schon sehr früh gesammelt und durch Rösten haltbar gemacht.Manchmal ist die Röstvorrichtung verbrannt,die verkohlten Überreste findet man oft.
     
  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Stimmt und die, die man vor der Entdeckung Amerikas nutzte, sind inzwischen schon fast wieder vergessen, weil sie offensichtlich nicht so gerne verspeist werden oder andere Nachteile haben.
    Liegt vielleicht auch daran, dass gerade krautiges Gemüse, was oberirdisch wächst, in freier Wildbahn Bitterstoffe entwickelt, um sich vor Fraßschädlingen zu schützen. Bei Früchten und Samen kommt das selten vor.
    Zur Domestizierung gehört es daher auch, diese negativen Geschmacksstoffe wegzuzüchten. Bei vielen Gemüsepflanzen führte erst dieser Prozeß zur Genießbarkeit, gleichzeitig verloren die Pflanzen ihren natürlichen Schutz vor Fraßschädlingen und machte sie abhängig vom Bauern und Gärtner.
     
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Kennt jemand diese Publikation zur frühen Landwirtschaft östlich des Rheins?

    Corrie C. Bakels:
    The Western European Loess Belt Agrarian History, 5300 BC - AD 1000
    Leiden University, 2009
     
  4. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Wir diskutieren ja immer wieder, wie der Mensch entdeckt haben mag, das Früchte zugleich Samen für die sie tragenden Pflanzen sind. Dazu kommt mir gerade eine viel schlichtere Erklärung in den Sinn als Müllhaufen oder lange im Lager verweilende Gruppen: Bei einer ganzen Reihe von Samen gibt es ein Stadium in dem der Prozeß in dem aus dem Samen wieder eine Pflanze wird so ins Auge springt, dass man den Vorgang gar nicht übersehen kann, z.B.: Kastanien, Eichen, Hasel. Wo solche Pflanzen nennenswert vorkommen, müssen umherstreifende Jäger und Sammler das Austreiben bemerkt haben. Diese Nüsse sind noch gut erkennbar, wenn die Blätter bereits gut erkennen lassen, was für Bäume das werden. Da schließt sich der Kreis. Jäger und Sammler sich existentiell darauf angewiesen, die Natur sehr genau zu beobachten.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein anderer Aspekt "verweilender Gruppen", bei ausreichend Ressourcen der Umgebung, und vor der Landwirtschaft:

    Nach Untersuchungen zur Hausmaus wird eine längere Sesshaftigkeit etwa 15000 BP angenommen, jedenfalls eine Sesshaftigkeit und "Verweildauer", die Anpassungsfolgen auf die Tierwelt gehabt haben soll:

    Aufsatz:
    Origins of house mice in ecological niches created by settled hunter-gatherers in the Levant 15,000 y ago

    Presse:
    https://www.welt.de/wissenschaft/ar...schon-vor-15-000-Jahren-bei-den-Menschen.html
    http://www.pasthorizonspr.com/index...years-ago-mice-occupied-hunter-gatherer-homes
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Der Beitrag von zaphod ist bemerkenswert, weil er der nachfolgenden Untersuchung bzgl. der vermuteten Anpassungsstrategien (Entwicklung zum mobilen, evt. sogar zum Agropastoralismus) prophetisch vorgreift:
    Pastoralism may have delayed the end of the green Sahara

    Abgesehen davon ist der Aufsatz interessant, weil er Details zur Entstehung der Sahara enthält.

    Abstract ~ deepL

    The climate deterioration after the most recent African humid period (AHP) is a notable past example of desertification. Evidence points to a human population expansion in northern Africa prior to this, associated with the introduction of pastoralism. Here we consider the role, if any, of this population on the subsequent ecological collapse. Using a climate-vegetation model, we estimate the natural length of the most recent AHP. The model indicates that the system was most susceptible to collapse between 7 and 6 ka; at least 500 years before the observed collapse. This suggests that the inclusion of increasing elements of pastoralism was an effective adaptation to the regional environmental changes. Pastoralism also appears to have slowed the deterioration caused by orbitally-driven climate change.

    Die Verschlechterung des Klimas nach der jüngsten afrikanischen Feuchtzeit (AHP) ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Wüstenbildung in der Vergangenheit. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die menschliche Bevölkerung in Nordafrika zuvor vergrößert hat, verbunden mit der Einführung des Pastoralismus. Hier betrachten wir die Rolle, wenn es überhaupt eine solche Rolle gibt, dieser Bevölkerung beim anschließenden ökologischen Zusammenbruch.

    Mit Hilfe eines Klima-Vegetationsmodells schätzen wir die natürliche Länge der letzten AHP. Das Modell zeigt, dass das System am anfälligsten für Kollaps zwischen 7 und 6 ka war; mindestens 500 Jahre vor dem beobachteten Kollaps.

    Dies deutet darauf hin, dass die Einbeziehung zunehmender Elemente des Pastoralismus eine effektive Anpassung an die regionalen Umweltveränderungen war. Der Pastoralismus scheint auch die Verschlechterung durch den global bedingten Klimawandel verlangsamt zu haben.
     

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