warum wurde Faschismus toleriert ?

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von algarius, 24. März 2015.

Schlagworte:
  1. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied


    Also du vergleichst nicht Äpfel mit Birnen, da die Planwirtschaft bzw. das geselschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln ein elementarer Bestandteil des Konzeptes des Sozialismus ist. Ich würde mich dir insofern anschließen, dass in der Praxis Planwirtschaft nicht immer im Sozialismus vorkommt bzw. in abgewandelter Form auch in anderen Staats- bzw. Gesellschaftsformen.

    Kriegswirtschaft bzw. FDR's New Deal würde ich nicht unbedingt als Planwirtschaft definieren, mehr mit Elementen der Planwirtschaft. Eine Art "Mittelweg". Leider habe ich den Thread hier im Forum nicht gefunden, aber meiner Meinung nach würde ich das als "Merkantilismus" bzw. "Neo-Merkantilismus" bezeichnen. (Was mir beim Recherchieren dazu auffällt: Der heutige chinesische Kapitalismus passt relativ genau dazu, aber ich weiß nicht, ob dass zu tagesaktuell ist als das wir es hier diskutieren können)

    EDIT: Ich habe den Thread gefunden: http://www.geschichtsforum.de/f66/die-wirtschaftsordnung-des-dritten-reichs-41083/
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. März 2015
  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Möchte zwar keine offene Tür einrennen, aber trotzdem darauf hinweisen.
    Weil, hier ist von sozialistischer Planwirtschaft die Rede.

    Das sollte man schon genauer ausdrücken.
    Die DDR, die anderen sozialistischen Länder (Polen, CSSR usw.), incl. die UdSSR hatten eine zentrale sozialistische Planwirtschaft (Organe -> Staatliche Plankommission, Bezirks Plankommission, Kreis – und Stadtplankommission) und eine betriebliche Planwirtschaft.
    Aber dies hier in diesen Thread mit anzusprechen?
     
  3. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied


    Was genau meinst du mit betrieblicher Planwirtschaft?
     
  4. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Wie gesagt, gehört eigentlich nicht in diesen Thread, aber da Du fragst, versuche ich es hier zu beantworten.

    Jeder Betrieb, jedes Kombinat hatte eine Planungsabteilung.
    Diese war verantwortlich für die Erstellung des Planes. Dieser wurde so im späten Herbst für das folgende Jahr erarbeitet.

    Aus den Fachbereichen gab es dazu Zuarbeiten.
    Ich z.B. hatte den Fachbereich Betriebsmittel (in der DDR genannt Grundmittel).
    Diese Zuarbeit erstreckte sich auf:
    · Investitionen (Erweiterung– und Ersatzinvestitionen im Ausrüstungsbereich und baulichen Bereich (Gebäude, bauliche Anlagen)).
    · Aussonderungen von Betriebsmittel.
    · Instandhaltung von Betriebsmittel.

    Zur zentralen staatlichen Planung gab es da insofern eine Beziehung, der Investition – und Instandhaltungsbereich (Instandhaltung ausgewählte Maßnahmen) wurde mit materiellen Kennziffern und Ausrüstungsfonds belegt.

    Z.B.: plante ich die Anschaffung eines Kranes (Ersatz oder Erweiterung) benötigte ich dazu eine materielle Kennziffer und einen Fonds. Problem war in aller Regel der Fonds, denn dieser war die Voraussetzung, um beim Kranhersteller oder Außenhandel (Importgerät) den Typ zu bekommen, den man haben wollte.
    Und dies war der sogenannte neuralgische Punkt, da ging sehr oft nichts im Selbstlauf, da musste man dran bleiben um nicht leer auszugehen. Das kostete Nerven und oft gingen da auch noch der Direktor und auch der Parteisekretär in die Spur.
    Das finanzielle dazu war im Finanzplan des Betriebes eingearbeitet (Eigenmittel und/oder Kredit).
    Eine ähnliche Prozedur hatten wir beim betrieblichen 5-Jahr Plan.

    Nach 90ig verschwand die zentrale staatliche Planung.

    Wer den Einstieg ins Neue schaffte (war keine Selbstverständlichkeit!) und sich mit den Alten auskannte, war da nicht traurig, weinte den keine Träne hinterher, weil, der Staat war aus diesen Geschäft heraus.

    Was man plante musste finanzielle gesichert sein (war nichts Neues) und - das allerdings war dann Neu - man konnte den Lieferanten (Hersteller) i.d.R. unter mehreren selbst auswählen ohne Zwischenschaltung von irgendwelchen Plankommissionen (Kennziffern und Fonds).
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. März 2015
  5. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Danke! Aber abgesehen von der Zusammenarbeit mit den staatlichen Planung liest sich das nach dem, was ebenfalls bei Betrieben in kapitalistischen/marktwirtschaftlichen Systemen angewandt wird?
     
  6. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Man sollte immer die Begriffspaare

    Sozialismus - Kapitalismus
    Zentrale Planwirtschaft - Marktwirtschaft

    sauber unterscheiden.

    Das erste beschreibt die Steuerungsmechanismen, dass zweite die Besitzverhaeltnisse.

    Meist wird in sozialistischen Systemen zentral geplant, in kapitalistischen dezentral ueber Marktmechanismen.

    Es gibt aber Ausnahmen (wie oben beschrieben):

    In Kriegswirtschaften bleiben z. B. die Betriebsmittel in privater, kapitalistischer Hand. Es wird aber zentral geplant, was produziert wird und wie die Ressourcen (Arbeit, Rohstoffe, Energie, Devisen etc..) zugeteilt werden.

    Mindestens in Frankreich (Planification) und Japan (MITI-System) wurde auch in der Nachkriegszeit noch versucht, die private Wirtschaft durch Staatliche Steuerung grob in wuenschenswerte Richtungen zu lenken.


    Weiter gibt es das Modell, in dem die Betriebsmittel dem Volk und nicht den Unternehmern/Kapitalisten gehoeren, also sozialistisch sind. Die Betriebe aber dezentral marktwirtschaftlich planen und agieren.
    Das hat den Charme, dass die ineffiziente Zentrale Planung vermieden wird, die Gewinne aber zur Gaenze der Gemeinschaft gehoeren. Die staatlichen Versorgungsunternehmen in Europa haben so bis zur grossen Privatisierungswelle ganz gut funktioniert. Und Ugh Valencia hat ja auch noch andere Beispiele gebracht.
     
  7. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ja.
    Durch meine Tätigkeit nach der Währungsumstellung kam ich mit vielen Unternehmern (teilweise Lieferanten) aus den alten Bundesländern zusammen und da kam natürlich das Gespräch auch oft auf solche Dinge.
    Man war da schon ein wenig überrascht. Überzeugend war für diese Unternehmer wie schnell wir uns mit der sog. Neuen Planung zurecht fanden und auch verhandeln konnten.
    Das gleiche erlebten wir mit unseren Wirtschaftsprüfern. Wir hatten es anfangs mit 2 Gesellschaften zu tun. Die eine hatte uns die Deutsche Bank (unsere neue Hausbank) empfohlen, die andere – eine Gesellschaft aus Frankfurt/Main - wurde uns von der Miramar aus Triest/Italien empfohlen.
     
  8. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    der Faschismus kam anschliessend an die damals in Europa vorhandenen Monarchien, die als solche zumeist auch totalitär waren, insofern war das Vorhandensein eines 'starken Führers' nicht etwas abnormales, sondern es gab auch Leute, die das gut fanden.
     
  9. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Ich sehe das nicht unähnlich, ich werde morgen in der VWL-Bibliothek weiter recherchieren. (Wenn jemand dazu ein Buch kennt, immer her damit, ich würde das dann mir morgen mal ansehen).

    Aber Kriegswirtschaft würde ich als Planwirtschaft deklarieren, wenn dann mehr "merkantilistisch".
    Und ob die staatlichen Versorgungsbetriebe so gut funktioniert haben, ist eine andere Frage. (und gehört auch nicht hierher, denke ich).
     

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