Angeblich haben die Römer ihr riesiges Weltreich daduch erobert, dass sie sich immer nur verteidigen mussten. Und nur gerechte Kriege führten. Dabei ging es Rom von Anfang immer nur um Angriff, Annexion, Aggression, Beute und Imperialismus. Die Römer haben ihr Weltreich mit Blut, Gewalt und Schwert erobert und zusammen geraubt.
Ganz so einfach kann man sich das nicht machen.
Der Umstand, dass sich Rom ein Risenreich zusammeneroberte und durchaus rein auf Eroberung zielende Kriege vom Zaun brach, ist kein Nachweis dafür, dass es sich im Fall der punischen Kriege denn auch so verhalten haben müsste, zumal es hier noch nicht begonnen hatte im größeren Stil über die italische halbinsel hinaus zu expandieren.
Ein anders Beispiel für ein ziemlich zügig entstandenes (und ähnlich schnell wieder verschwunenes) europäisches Großreich, wäre das revolutionäre und napoleonische Frankreich, an dem sich eigentlich sehr gut nachvollziehen lässt, dass dass größere Eroberungen durchaus auch aus Kriegen resultieren können, in denen die Partei, die später Erobert und Annektiert ursprünglich die angegriffene Partei war.
Frankreich erweiterte sein Territorium seit den 1790er Jahren bis, wenn ich es richtig im Kopf habe 1809 mehr oder weniger bei jedem Friedensschluss.
Ein guter Teil dieser Kriege war allerdings nicht von Frankreich anderen Staaten erklärt sondern im Gegenteil durchaus von anderer Seite Frankreich aufgezwungen worden.
Den Krieg von 1809 etwa hatte nicht Frankreich begonnnen, sondern Österreich, in der Hoffnung das durch den Krieg in Spanien beanspruchte Frankreich zu schwächen, es möglichst aus dem Raum östlich des Rheins hinauszudrängen und die kürzlich verlorenen Gebiete in Tirol und Italien zurück zu gewinnen.
Das ganze endete nach der österreichischen Niederlage bei Wagram dann damit dass Österreich seine gesamte Adriaküste inklusive Triest abtreten musste, die dann als "Illyrische Provinzen" zu Frankreich kamen.
Frankreich hatte erobert, man kann Frankreich und Napoleon in diesem Fall allerdings schwerlich vorwerfen den Krieg begonnen zu haben.
Angeblich haben sie Jahr für Jahr für den Krieg nur immer gerüstet, und den Frieden zu sichern. Si vis pacem para bellum. Beispielhaft an den punischen Kriegen.
Zur Zeit der punischen Kriege hatte Rom überhaupt noch kein stehendes Berufsheer, sondern ein Modell, dass mehr oder weniger auf Wehrpflicht hinauslief.
Bedeutet ein Großteil der römischen truppen in den punischen kriegen waren eigentlich auf der italischen Halbinsel ansässige kleinbauern, die man zwar für eine Kriegssaison oder einen Feldzug mal aus ihrem Zivilleben herausreißen konnte, die aber in ihrer Masse nicht dauerhaft irgenndwohin transferiert werden konnten, weil ihre Arbeitskraft spätestens in der Erntezeit wieder zu Hause gebraucht wurde, weil sonst die Familien in Schwierigkeiten kamen, spätestens wenn die Abwesennheit der Männer länger als ein Jahr anhielt und damit die zweite dürftige Ernte in Folge zu erwarten stand.
Mit einer derartigen Militärverfassung war an große Expansionspläne weit außerhalb der italischen Halbinsel kaum zu denken, schon deswegen nicht, weil der Großteil der Truppen regelmäßig wieder ins Zivilleben entalssen werden musste und für eine dauerhafte Präsenz irgendwo am anderen Ende der ihnen bekannten Welt, die aber um die Kontrolle zu behalten und Aufstände niederzuschlagen nötig gewesen wäre, nicht zur Verfügung standen.
Schon von dem her macht es keinen Sinnden Römern zu unterstellen, dass sie von Beginn an auf weiträumige Eroberungspläne aus gewesen wären.
Aber die Römer waren die Einzigen, die immer vorgaben, angegriffen worden zu sein und nur " gerechte " Kriege geführt zu haben. Das ist der Punkt !
Eigentlich nicht.
Eigenntlich haben alle Staatswesen, in denen die öffentliche Meinung irgendein politisches Gewicht hatte oder die Bevölkerung überzeugt werden musste für den Krieg Opfer zu bringen in ihren offiziellen Darstellungen Kriege immer als Verteidigungskrieg oder als "Bellum Iustum", also jedenfalls "gerechten Krieg" verkauft.
Genau so die privaten Beführworter entsprechender Politik.
Geht bei den alten Griechen los, wo im Trojanischen Krieglos, wo angeblich die schöne Helena zurückgeholt und damit die Ehre des gehörnten Menelaos wiederhergestellt werdenn musste, geht weiter im Mittelalter wo durch Kreuzzüge angeblich die Heiligen Stätten zurückerobert und die Christen in der Levante geschützt werden mussten, geht weiter in der Neuzeit bei Kolonialkriegen, bei denen die Misshandlung oder tötung irgendwelcher Missionare gerächt werden musste, geht weiter in der Revolutionszeit und Napoleonik, wo wahlweise der "verderbliche Geist der Revolution" zerschlagen werden sollte um die übrigen Staaten und Nationen davor zu schützen, oder umgekehrt die Aristokratische Ordnung zu Fall gebracht werden sollte um die die Revolution zu schützen, geht weiter im Imperialismus, wo angeblich Bevölkerungen zu kolonisierender Länder von einer archaiischen, rückständigen Obrigkeit, die sie in Knechtschaft und Unwissenheit hielt befreit werden sollten, damit die Europäer (später auch die Amerikaner und Japaner) ihnen die Zivilisation bringen könnten, geht weiter bei den Weltkriegen, bei denen mehr oder minder fast alle Beteiligten Regierungen ihrer Bevölkerung erzählen, dass ihre Nachbarn drauf und drann sind sie zu überfallen und sie deswegen Krieg führen müssten, setzt sich fort bis Putin der seiner Bevölkerung erzählt, das müsse sein um sich gegen eine übermäßig agressive NATO zu verteidigen etc. pp.
Alles der Versuch die eigenen kriegerischen Maßnahmen als irgendwie gerecht darzustellen.
Das sich irgendwer hingestellt und tatsächlich Habgier als Motiv benannt hätte dürfte eine Seltenheit sein, im Besonderen, wenn wir die Kategorie von Erbfolgekriegen mal auslassen, allerdings auch bei denen wurde mitunter versucht auf Gerechtigkeit oder was man dafür hielt abzustellen und zu erklären, warum eine vor dem Tod von Fürst X abgefasste Erbregelung ungerecht sei und daher nicht beachtet werden müsse, etc.
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Der eigentliche Punkt, warum ich die ganze Debatte etwas schwierig finde, ist dass Kriegsschuldfragen eigentlich in den Kontext einer ausgebildeten, austarierten Staatenordnung gehören, zu deren grundsätzlichen Konventionen der Umstand zählt dass Angriffskriege und Eroberungen etwas generell moarlisch verwerfliches sind, was abzulehnen wäre.
Das ist allerdings ein Grundsatz, der sich, wie ich das sehe frühestens im beginnenden 20. Jahrhundert herauszubilden beginnt und der im Grunde genommen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts braucht, bis er mehr oder minder allgemein akzptiert ist.
In der Vormodernen Welt in der Krieg ein legitimes Mittel der Politik war, stellte sich die Frage, wer einen Krieg verschuldet hatte allenfalls dann wenn dieser Krieg der Bevölkerung verkauft werden musste.
Deswegen finde ich das hin und her, ob Rom oder Karthago ihn verschuldet hat, insgesamt eher befremdlich.
Rom und Karthago waren beides expansive Mächte, die Krieg für eine völlig legitime Sache hielten und ihn führten, wenn sie der Ansicht waren, dass das ihren Interessen diente.
In einem System der imperialen Konkurrennz, kann bereits eine überproportionale Machtzunahme einer beteiligten Macht von der anderen Seite als hinreichende Provokation aufgefasst werden, die es rechtfertigt einen Krieg zu beginnen um nicht in Sachen Machtausweitung dauerhaft ins Hintertreffen zu geraten und dann Spielball des Anderen werden zu können.
Das dürfte damals mehr oder weniger dem Mindset beider Seiten entsprochen haben.
Der Sinn davon da jetzt ein "gut" und "böse" hineininterpretieren oder es der einen oder anderen Seite zuschreiben zu wollen, erschließt sich mir nicht.
Das war einfach ein anderes System, dass nach anderen Spielregeln funktionierte und das mit heutigenn Wertmaßstäben auszudeuten für meine Begriffe anachronistisch wäre.