Der Palast (ZDF): Betrug Umtausch Ost-West

H

Hausbesetzerrentner

Gast
Guten Abend,

in der ZDF-Serie "Der Palast" gibt es eine Szene, in der junge Hausbesetzer und Ostrentner sich zusammen tun. Es ist kurz vor der Währungsunion und der Umtauschkurs Westmark:Ostmark liegt bei 1:7.
Rentner sollen auf ihren Konten liegendes Geld bis 6000 Ostmark 1:1 umgetauscht bekommen. Es wird diskutiert, mit Westmark Ostmark zu kaufen und die Konten der Ost-Rentner vor dem Stichtag aufzufüllen. Diese würden so ihr Guthaben aufbessern und die Hausbesetzer würden ihr Geld zurückbekommen und 30 % vom Gewinn (Gewinn entsprechend Umtauschkurs).
Fragen dazu:
- wäre das theoretisch wirklich möglich gewesen?
- gibt es belegte Fälle, dass das in die Praxis umgesetzt wurde? (Die Hausgemeinschaft von Ostrentnern und Hausbesetzern erscheint ziemlich konstruiert aber vielleicht in Großfamilien?)
- wurde das juristisch verfolgt oder hat man das mangels Gesetzgebung ignoriert?

Beste Grüße
 
Soetwas gab es.

Der Stichtag der Währungsumstellung war ja der 01.07.1990.
Ein Rechenbeispiel dazu:
Man besorgte sich für 100,- Westmarkt bei einen Kurs von z.B 1:7 wie Sie Schreiben 700,- Ostmark.
Zum Umtauschstichtag waren das dann 700,- Westmark.

Man hatte nur eine Notbremse für solche Spekulationen.
Guthaben, die nach dem 31. Dezember 1989 entstanden waren, wurden zu einem Umtauschkurs von 3:1 umgetauscht.

Hier nochmal die Umtauschtauschtabelle:

1:1 ->
- für Personen bis 14 Jahre für bis zu 2.000 Mark der DDR Kontoguthaben
- für Personen bis 60 Jahre für bis zu 4.000 Mark der DDR Kontoguthaben
- für Personen ab 60 Jahre für bis zu 6.000 Mark der DDR Kontoguthaben

2:1 ->

Soweit die Guthaben die bevorzugt umzustellenden Beträge überstiegen, erfolgte die Umstellung im Verhältnis 2:1.

Guthaben die nach den 31.12.1989 entstanden sind ->

Guthaben, die nach dem 31. Dezember 1989 entstanden waren, wurden zu einem Umtauschkurs von 3:1 umgetauscht.

Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und Pachtkosten ->

Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und Pachtkosten wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt.

Bankguthaben im Ausland ->

Bankguthaben von natürlichen und juristischen Personen mit Wohnsitz außerhalb der DDR, die vor dem 31. Dezember 1989 entstanden, wurden im Verhältnis 2:1 umgestellt. Für Bankguthaben, die nach dem 31. Dezember 1989 entstanden, galt ein Umstellungsverhältnis von 3:1.
 
Alleine zur Vorbereitung der DM-Einführung in der DDR waren die größten Bargeldtransporte seit 1948 erforderlich. 25 Milliarden DM mussten für die Ausstattung Ostdeutschlands transportiert werden. Dabei war die Erstausstattung schon dadurch erschwert, dass die erforderliche Menge an Münzen nicht sofort in vollem Umfang vorhanden waren und das obwohl bereits im Frühjahr 1990 der Umfang der Prägeaufträge an die Münzprägeantalten deutlich erhöht worden war.
Daher mussten die DDR Münzen, im Volksmund Aluchips, zunächst weiter gesetzliches Zahlungsmittel bleiben. Die Versorgung der Bundesbankfilialen in der DDR mit Banknoten oblag den jeweiligen Betreuungs-Landeszentralbanken. Insgesamt waren über 22.000 Packbeutel mit jeweils 20 Paketen zu 1000 Banknoten mit einem Gesamtgewicht von 460 Tonnen zu transportieren.
Dafür reichten die Kapazitäten der Bundesbank nicht aus und es mussten private Unternehmer beauftragt werden.Die Transporte verliefen reibungslos. Der betriebene große Sicherheitsaufwand zahlte sich aus. Von der Grenze der DDR an wurden die Transport durch die Volkspolizei, Polizeihubschrauber und den Begleitfahrzeugen der Bundesbank gesichert und überwacht.
 
Die Frage ist, wer verkauft bzw. tauscht Ostmark in Westmark zu einem Kurs von 7:1, wenn er es wenig später zu einem Kurs von 1:1, 2:1, 3:1 offiziell tun kann.
Meine Mutter hatte eine Brief- und Paketfreundschaft in der DDR. Ihre Klassenlehrerin hatte das angeleiert, als meine Mutter noch relativ klein war, mit einer Freundin in der SBZ/DDR, die dort auch Klassenlehrerin war. Das Problem war der Altersunterschied von (ich weiß es nicht genau ca. 10 Jahren, also die Westmädchen aus dem Ruhrgebiet waren noch ziemlich klein, im Gegensatz zu den jungen Damen aus Sachsen-Anhalt. Die junge Dame aus Sachsen Anhalt wurde Mutter und übertrug irgendwann die Brieffreundschaft an ihre älteste Tochter. Irgendwann wurde aus der Brieffreundschaft eine Paketfreundschaft und es wurden regelmäßig Pakete mit Ost- und Westwaren ausgetauscht. Das ging bis ca. 1990/1 so. Danach bekamen wir keine Pakete mehr, ich weiß nicht, ob meine Eltern nach wie vor Pakete nach Sachsen-Anhalt verschickten, denn zumindest der Mann gehörte zu denen, die nach der Wende ihre Arbeit verloren, die Familie hatte also zu knappsen. Es kann aber sein, dass die Familie das auch nicht wollte, denn das wäre nach der Wende ja wie ein Almosen gewesen, zumal es ja auch keinen gegenseitigen Austausch mehr gab.

Vermutlich (aber das ist nur eine Vermutung von mir) fing die Paketfreundschaft damit an, dass meine Mutter Mephisto von Golo Mann lesen wollte, das in Westdtld. ja über offizielle Kanäle nicht zu bekommen war, weil Gustaf Gründgens bzw. seine Familie sich durch das Buch (Hendrik Höfgen war eben klar als Gustaf Gründgens erkennbar) diffamiert sah. Also "bestellte" sie das Buch aus der DDR. Meine Eltern hatten von so ziemlich jeder Stadt in der DDR Reiseführer (vor ca. zehn Jahren fand ich in einem solchen mal eine Postkarte unserer Bekannten, die sie wohl so vor der Stasi verstecken wollten, in der sie Klartext sprachen - aber Postkarte ist halt wie Twitter(!): nicht viel Platz) und einige meiner Lieblingsbücher als Kind (Der Knappe des Königs (Heinrich I., Otto I.), Der Stadthauptmann von Quedlinburg (um 1335)) kamen von dort.

Nach langer Einleitung ein denkbar kurzer Hauptteil:

Dezember 1989 kamen unsere Sachsen-Anhaltiner-Paketfreunde zu uns zu Besuch und deren Sohn, der etwas älter als ich war, drückte mir - für den Gegenbesuch - Ostmark in die Hand. Der Gegenbesuch war im März 1990 - da habe ich die Ostmark nicht gebraucht. .

Ich war noch ein Kind und daher bin ich als Zeitzeuge ziemlich unbrauchbar (obwohl das auch für viele erwachsene Zeitzeugen gilt), aber aus meiner Erinnerung würde ich wagen zu behaupten, dass die Ostmark bereits ziemlich uninteressant war.
 
Die Frage ist, wer verkauft bzw. tauscht Ostmark in Westmark zu einem Kurs von 7:1, wenn er es wenig später zu einem Kurs von 1:1, 2:1, 3:1 offiziell tun kann.
Erstens umgekehrt: DM in Mark der DDR, danach ist es eine einfache Rechnung, man tauschte 100 DM in 700 Mark der DDR "schwarz" um, um später für 700 Mark der DDR 350 DM zu erhalten.
 
Schon klar, ich habe es aber von Verkäuferseite aus betrachtet. Meine Idee ist, dass sich die Schwarzmarktpreise entweder an den für Besitzer von Ostmark besseren offiziellen Umtauschkurs angeglichen haben oder der Schwarzmarkt tot war. Besitzer von größeren Mengen Ostmark werden sich ihre Konten schon selbst gesucht haben, um wenig später 1:1, 2:1, 3:1 umzutauschen, anstatt 7:1 zu verkaufen. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: warum soll ich auf dem Schwarzmarkt 700 Ostmark verkaufen, um 100 DM zu bekommen, wenn ich wenig später ganz offiziell 350 DM (bei 2:1) dafür bekommen kann. Nun kenne ich den Film nicht, wie es sich dort abgespielt hat.
 
Ich war noch ein Kind und daher bin ich als Zeitzeuge ziemlich unbrauchbar (obwohl das auch für viele erwachsene Zeitzeugen gilt), aber aus meiner Erinnerung würde ich wagen zu behaupten, dass die Ostmark bereits ziemlich uninteressant war.
In der DDR spielte Geld (Ostmark) eine andere Rolle. Es war wichtig beim Kauf von Waren des täglichen Bedarfs, aber vieles andere, das knapp und begehrt war, konnte nur durch Beziehungen, Tausch oder Westgeld erworben werden. Interessant wurde die Ostmark dann, als sie im Rahmen der Währungsunion zu einem guten Kurs in DM umgetauscht werden konnte.
 
Schon klar, ich habe es aber von Verkäuferseite aus betrachtet. Meine Idee ist, dass sich die Schwarzmarktpreise entweder an den für Besitzer von Ostmark besseren offiziellen Umtauschkurs angeglichen haben oder der Schwarzmarkt tot war. Besitzer von größeren Mengen Ostmark werden sich ihre Konten schon selbst gesucht haben, um wenig später 1:1, 2:1, 3:1 umzutauschen, anstatt 7:1 zu verkaufen. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: warum soll ich auf dem Schwarzmarkt 700 Ostmark verkaufen, um 100 DM zu bekommen, wenn ich wenig später ganz offiziell 350 DM (bei 2:1) dafür bekommen kann. Nun kenne ich den Film nicht, wie es sich dort abgespielt hat.
Die "Verkäufer" stammten überwiegend aus dem Westen und Westdeutsche konnten mW. ihre Ostmark nicht zum offiziellen Kurs umtauschen. Für Ostmark konnte man aber Waren in der noch existierenden DDR kaufen, war ja nicht alles schlecht.
 
Jedenfalls nach nun inzwischen 35 Jahren steht fest, den Sozialismus in seinem Lauf haben weder Ochs noch Esel aufgehalten, es waren die betroffenen Menschen.
Diese „Ochs noch Esel Arie“ schreibt man wohl August Bebel zu, aber so weit ich weiß, er hat es nie gesagt.
Gesagt hat der liebe August aber auf den „Erfurter Parteitag“ 1891 (14.-21.Oktober):

"Nur diejenigen, welche das Ganze nicht zu überschauen vermögen, können anderer Meinung sein. Die bürgerliche Gesellschaft arbeitet so kräftig auf ihren eigenen Untergang los, dass wir nur den Moment abzuwarten brauchen, in dem wir die ihren Händen entfallende Gewalt aufzunehmen haben."

August Bebel hatte damals die Leitung des „Erfurter „Parteitages“.
 
Vermutlich (aber das ist nur eine Vermutung von mir) fing die Paketfreundschaft damit an, dass meine Mutter Mephisto von Golo Mann lesen wollte, das in Westdtld. ja über offizielle Kanäle nicht zu bekommen war, weil Gustaf Gründgens bzw. seine Familie sich durch das Buch (Hendrik Höfgen war eben klar als Gustaf Gründgens erkennbar) diffamiert sah.
Klaus Mann, nicht Golo Mann. Sonst hätte ich Mephisto gelesen.
 
Wenn alle wissen, dass man morgen Währung x 1 zu 1 in Währung y eintauschen kann, ist schon heute der Marktwert von Währung x zu Währung y gleich 1.
1990 war es etwas komplizierter. Kleinere Ostmarkguthaben wurden 1:1 umgetauscht, größere 1:2.
Die TAZ schrieb am 30.6., am Vorabend des Untausches, der Schwarzmarktkurs in Berlin betrage in etwa 1:2. (Am Schwarzmarkt am Zoo regiert nun das Komma )
Gar nicht so schlecht, die TAZ.
 
Dann ging meine Vermutung ja in die richtige Richtung

Du sprichst jetzt von der Zeit +/- Dezember 1989 bis Juni 1990, ja? Nicht von den Intershops vor 11.89.
Ich meinte, die DDR-Zeit vor der Wende bis zur Wiedervereinigung, aber nicht die Intershops. Für Waren wie Lebensmittel, Klamotten usw. konnte man Ostmark gebrauchen. Schwieriger wurde es, wenn man z.B. sein Bad fliesen wollte und Fliesen benötigte. Dann war es erst einmal wichtig, über Beziehungen an Fliesen zu kommen und vielleicht über Tauschobjekte oder D-Mark nachzuhelfen.
 
Die "Verkäufer" stammten überwiegend aus dem Westen und Westdeutsche konnten mW. ihre Ostmark nicht zum offiziellen Kurs umtauschen. Für Ostmark konnte man aber Waren in der noch existierenden DDR kaufen, war ja nicht alles schlecht.
Gab es im Westen denn tatsächlich so große Bestände an Ost-Mark?

Für Westdeutsche, die die DDR besuchten, dürfte abseits, des obligatorisch verordneten Währungseintausches bei der Einreise es ja kaum Sinn ergeben haben, größere D-Mark-Beträge in Ost-Mark einzutauschen, da sich de facto in der DDR ja durchaus auch mit D-Mark bezahlen ließ, während ein Umtausch größerer Beträge in Ost-Mark die Problematik eines Rücktauschs der Restbeträge nach Ende des Besuchs mit sich gebracht hätte.

Westdeutsche Unternehmen, die regelmäßig in irgendeiner Form mit Kontakten in der DDR Geschäfte machten, dürften möglicherweise über ein paar Ost-Mark-Reserven verfügt haben, aber die ließen sich ja, so lange die Ost-Mark in den Gebieten der DDR noch gesetzliches Zahlungsmittel war und akzeptiert werden musste, ja durchaus noch vermittels Ankauf von Waren oder Rohstoffen abstoßen, ohne sie weit unter Wert an Währungsspekulanten/Umtausspekulanten verkaufen zu müssen.
 
Gab es im Westen denn tatsächlich so große Bestände an Ost-Mark?

Für Westdeutsche, die die DDR besuchten, dürfte abseits, des obligatorisch verordneten Währungseintausches bei der Einreise es ja kaum Sinn ergeben haben, größere D-Mark-Beträge in Ost-Mark einzutauschen, da sich de facto in der DDR ja durchaus auch mit D-Mark bezahlen ließ, während ein Umtausch größerer Beträge in Ost-Mark die Problematik eines Rücktauschs der Restbeträge nach Ende des
Kleine, persönliche Anekdote am Rande:

Im Februar 1990 reiste eine kleine Gruppe Studierender und Dozenten der FH Bund, Fachrichtung Post, auf Einladung der Verkehrshochschule Friedrich List nach Dresden. Darunter auch meine Wenigkeit.

Wir wurden, als angehende Beamte, von unseren Professoren angehalten, unsere D-Mark nur bei der Staatsbank in DDR-Mark umzutauschen. Soweit ich mich recht erinnern kann, war der Umtauschkurs auch dort schon nicht mehr 1:1.

Rund um die Bank wurden wir ständig angesprochen, so nach dem Motto, "haste hundert DM, ich geb dir 700 dafür" (ob das der inoffizielle Kurs war, weiß ich aber nicht mehr).

Niemand von uns hat offiziell umgetauscht.

Was ich damit sagen will, gerade in der "wilden" Phase der Wende, vor der Wahl am 18.3., gab es zum einen Mittel und Wege, günstig an relativ viel Ost-Mark zu kommen. Zum Einen wuchs der Bedarf an West-Mark in der DDR, weil man z.B. Gebrauchtwagen vielfach nur mit D-Mark bezahlen konnte. Ich weiß nicht, wie viele der gut gefüllten Bankkonten in der DDR dafür geplündert wurden.

Zum Anderen ging es nicht um sehr große Umtauschbeträge im Einzelfall, einige tausend Mark vielleicht, aber keine Millionen.

Andere Anekdote:

Wenige Wochen nach der Währungsunion war ich auf Verwandtenbesuch in der Altmark. Beim Einkaufen achteten die Verkäufer peinlich darauf, mir als Wessi keine Aluchips zurückzugeben. Gerade kleine Pfennige waren aber selten in der Kasse. Ich versuchte bald, möglichst passend zu zahlen oder rundete auf.
 
Ich weiß nicht, wie viele der gut gefüllten Bankkonten in der DDR dafür geplündert wurden.

Naja, das Verhalten Ost-Mark deutlich unter dem offiziellen Wechselkurs einzutauschen, also 7:1 statt 2:1 oder 3:1 dass machte doch eigentlich nur dann Sinn, wenn diejenigen, die zu diesen Konditionen tauschten, entweder aus irgendwelchen Gründen ad hoc D-Mark benötigten und nicht mehr auf den offiziellem Währungsumtausch warten konnten, oder aber wenn sie ohne plausible Erklärung auf größeren Beträgen von Ost-Mark saßen, die so groß waren, das sie auffallen mussten.

Das da Regluär existierende Bankkonten, bei denen alles in Ordnung war, in größerem Stil geplündert wurden um für einen so nachteiligen Kurs umzutauschen, kann ich mir nicht vorstellen.

Das ergibt doch eigentlich nur Sinn, wenn da jemand schwarze Kassen auflösen oder Vermögen aus nicht unbedingt legalen Aktivitäten, das auf dem offiziellen Umtauschweg aufgefallen wäre und den Behörden nicht hätte erklärt werden können, vor der Totalentwertung retten wollte.
 
Ich weiß nicht, wie viele der gut gefüllten Bankkonten in der DDR dafür geplündert wurden.
Worauf ich eigentlich schon weiter oben hinauswollte, es gab in der DDR kaum prall gefüllte Konten, die für große Umtauschorgien hätten geplündert werden konnen. Die Löhne waren gering und es gab nichts, worauf es sich lohnte Ostmark zu sparen.

Nur 3 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner der DDR hatten 1990 mehr als 50.000 DDR-Mark gespart. Ein Drittel hatte zwischen 10.000 und 50.000, ein weiteres Drittel zwischen 5.000 und 10.000 DDR-Mark.

 
Ganz so niedrig war das Geldvermögen wohl nicht:
"In der ehemaligen DDR kam 1988 ein Privathaushalt im statistischen Durchschnitt auf Sparguthaben bei Geld- und Kreditinstituten von rund 22.650 Mark. Das waren 88 % der Summe, die Haushalte im früheren Bundesgebiet zu diesem Zeitpunkt im Schnitt in DM besaßen. Das gesamte Geldvermögen der Haushalte in der ehemaligen DDR belief sich unter Berücksichtigung der sparwirksamen Personenversicherung auf rund 25.130 Mark und bei Einschluss der Bargeldbestande auf fast 27.500 Mark je Haushalt."

Quelle:
 
"In der ehemaligen DDR kam 1988 ein Privathaushalt im statistischen Durchschnitt auf Sparguthaben bei Geld- und Kreditinstituten von rund 22.650 Mark. Das waren 88 % der Summe, die Haushalte im früheren Bundesgebiet zu diesem Zeitpunkt im Schnitt in DM besaßen. Das gesamte Geldvermögen der Haushalte in der ehemaligen DDR belief sich unter Berücksichtigung der sparwirksamen Personenversicherung auf rund 25.130 Mark und bei Einschluss der Bargeldbestande auf fast 27.500 Mark je Haushalt."

Das durchaus nennenswerte Nominalbeträge in Ost-Mark vorhanden waren, erscheint ja schon insofern durchaus plausibel, als dass durch die immer wieder vorkommenden Engpässe an Waren, es häufig keine Möglichkeit gab alles wunschgemäß zu verausgaben/verkonsumieren das wird zu einer allgemeinen Neigung geführt haben entweder in irgendwelche Güter zu investieren, die sich gegen andere Dinge eintauschen ließen, oder aber (eher ungewollt) Sparvermögen anzusammeln.

Damit löst sich aber nach wie vor das Problem nicht auf, das bei in Aussicht stehenden Wechselkursen von 1:1 oder 2:1, es in der Regel nicht sinnvoll gewesen wäre sich auf so schlechte Wechselkurse einzulassen.

Wer Sparvermögen über den Nominalbetrag hinaus hatte, den er 1:1 umtauschen konnte und Aussicht hatte den Rest offiziell 2:1 umzutauschen, der mag vielleicht versucht gewesen sein zu probieren, ob es nicht möglich wäre Teile des überschüssigen Betrags noch irgendwo inoffiziell zum Kurs von 1,5, oder 1,75 : 1 umzutauschen oder sowas.
Das war dann vielleicht für westdeusche Besucher interessant, die gerade kleinere Summen an Ost-Mark für einen DDR-Besuch benötigten interessant, aber nicht für Währungsspekulanten.

Die mussten ja damit rechnen, dass größere Ost-Mark-Summen nicht vor dem Stichtag aufgekauft werden und daher nur 1:3 umgetauscht werden konnten.


Wenn die Stichtagsregelung griff, war mit Umtauschspekulation nur dann ein Gewinn zu erzielen, wenn sie Ost-Mark zu einem Kurs aufkaufen konnten, der schlechter war als 1:3.
Von einem solchen Kurs konnte aber niemand der selbst 1:2 oder1:3 umtauschen konnte profitieren.

Das macht wie gesagt nur Sinn, wenn jemand unbedingt ad hoc (vielleicht selbst für irgendwelche Geschäfte, vielleicht für nötige Warenkäufe aus dem Westen) D-Mark brachte und deswegen bereit war einen schlechteren Kurs hinzunehmen.

Aber auch in diesem Fall wird der Kurs dann wahrscheinlich nicht berauschend schlechter ausgefallen sein und zudem hätten die Spekulanten selbst erstmal über hinrchend Mittel in Westwährung verfügen müssen um das aufzukaufen, was auf die Schnelle zu organisieren sicherlich auch nicht ganz einfach gewesen wäre.

Oder aber es wurden bedeutend schlechtere Kurse in Kauf genommen, was allerdings nur dann Sinn ergab, wenn es sich um Mittel aus nicht einwandfrei erworbenen Vermögen handelte, die zu den offiziellen Kursen nicht getauscht werden konnten und die so groß waren, dass sie sich auch nicht mal eben zu leicht unter den offiziellen Kursen liegenden Kursen bei Touristen o.ä. unterbringen ließen.

Das ist eigentlich die einzige Erklärung, die ich sehe, wie eine solche Währungsspekulation im großen Stil hätte funktionieren können. Wer das umsetzen und damit richtig viel Geld hätte verdienen wollen, der hätte wahrscheinlich Kontakte zur organisierten Kriminalität und zu entsprechenden Millieugrößen haben müssen, die angesichts der Währungsreform wahrscheinlich Panik wegen nicht legaler Barvermögen geschoben haben dürften und bereit waren, wirklich massiv unter Wert umzutauschen, um wenigstens keinen Totalverlust zu haben.
 
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