Bornholm: Sonnensteine??? (spätes Spätneolithikum, frühes Endneolithikum)

Ich habe schon viele Tätigkeiten in dieser Hinsicht ausprobiert und das ist echt anstrengend und erfordert ein großes Können und Wissen in fast allen Bereichen. Allein die Auswahl der zu bearbeitenden Steine, das fällen von Bäumen, Töpfern ohne Scheibe, mahlen von Getreide und vieles mehr, das nötigt einem Achtung vor den Menschen damals ab.
 
Ich traue den Menschen damals genauso einen Realitätssinn wie den heutigen Menschen zu, sprich eine realistische (wenn auch in stilisierter Form)
Darstellung.
Also bildeten sie etwas realistisch stilisiertes, was wir heute nicht entschlüsseln können, ab und vergruben es mit Opfergaben (Gefäße, siehe Artikel) - das legt zumindest einen rituellen/religiösen Kontext nahe.

Mir kommt da Sonne als abgebildetes stilisiertes Symbol naheliegender vor als Baumringe und Spinnennetz.
 
Ich kann da nichts genaues deuten, aber eine Sonne in stilisierter Form stelle ich mir anders vor.
Aber Spekulation ist Spekulation
Ich weiß nicht was ich davon halten soll, das kann man so sehen oder auch anders.
Letztendlich einer von mehreren Lösungsansätzen!?
 
Jeder von Euch kennt die Jahresringe, anhand der mit der Motorsäge erstellten sauberen Schnitte in Wald und Garten. Der Anblick ist für uns Alltag, prägt unsere Denkweise.

Aber das ist nicht die Wirklichkeit der Menschen früher. Holz wurde mit der Axt geschlagen, sichtbare glatte Jahresringe gab es nicht, Holz wurde gespalten. Der besseren Haltbarkeit und Handbarkeit wegen wurden beim Einsetzen von Pfählen diese z.T. zugespitzt und verkohlt.

Bei dem Baumsarg des Mädchens von Egtveld halte ich die Verwendung einer Säge für möglich.

Das ändert nichts daran, dass im Mesolithikum eine Baumscheibe nicht Teil der Lebenswirklichkeit war.
 
Selbst bei mit der Axt geschlagenen Bäumen sehe ich die Jahresringe und zudem werden die bei der weiteren Bearbeitung sichtbar (z.B. Bogenbau).
Das solltest Du doch auch schon selbst bei Arbeiten mit Beil und Axt bemerkt haben.
Auch wenn Hölzer grob geglättet werden tauchen die Jahresringe auf. Für die Jahresringe muß ich nicht zwingend sägen.
 
Ein anderer Ansatz ist der:
Wenn ich etwas teile, habe ich einen Haufen oder einen Kreis, in der Mitte.

Geteilt wird in Segmenten, und der besseren Teilbarkeit wegen im Hexagesimalsystem: "Ein Dutzend Eier, ein Schock Eier", Ihr kennt ja auch noch das englische hexagesimale Münzsystem.

Wir zählen ab an den Fingern, also im Dezimalsystem, und teilen im Hexagesimalsystem.
Der Kreis und seine Einteilung in radiäre Segmente war Teil der Lebenswirklichkeit.

Die meisten Kalendersysteme hatten eine radiäre Darstellung, das Rad ist Zeichen der Wiederkehr.
 
Obacht!
Ich nehme einen Stamm!
Den muß ich halbieren!
Hier sehe ich normalerweise die Ringe vom Kern bis zum Splintholz, sofern ich das Splintholz nicht schon vorher entfernt habe.

Sogar in Europa werden heute noch Einbäume gefertigt.
 
Ja. Aber: ausgehöhlt, ausgebrannt, geschäftet, geglättet.

Trotzdem hast Du recht: Wir alle sind, wie die Menschen früher, geprägt von und trainiert auf das Wiedererkennen von Mustern.
Naja, ob ich jetzt Recht habe oder nicht ist mir nicht wichtig, ich bin lediglich der Meinung, die Baumringe müßen den Menschen damals bekannt gewesen sein, wenn auch nicht in der Deutlichkeit einer gesägten Scheibe, aber die werden sich auch damals schon gefragt haben was die einzelnen Abschnitte bedeuten, zumindest wäre ich überrascht wenn dem nicht so wäre.
 
Also bildeten sie etwas realistisch stilisiertes, was wir heute nicht entschlüsseln können, ab und vergruben es mit Opfergaben (Gefäße, siehe Artikel) - das legt zumindest einen rituellen/religiösen Kontext nahe.

Mir kommt da Sonne als abgebildetes stilisiertes Symbol naheliegender vor als Baumringe und Spinnennetz.
Wenn hier die angenommene Relevanz von Baumringen hervorgehoben wird, kann man mir dann irgendwie plausibel erklären, warum sie als Gegenstand einer vorgeschichtlichen "Abbildung" in rituell-religiösem Kontext (eingraben mit Opfergaben (Gefäßen)) gehäuft auftauchen?
Stur und/oder begriffsstutzig, wie ich bin, bleibe ich da beim fett markierten Satz.
 
In nordischen Mythen und Poesie sollen die Sonnen-Göttinnen Saulė, Frigg und Sól als spinnend und webend beschrieben sein. Letztere soll jeweils vor Sonnenaufgang noch eine Stunde gesponnen haben.
Es ist fraglich, ob schon im Spätneolithikum die Sonne mit dem Spinnen oder Weben der Textilherstellung in Verbindung gebracht wurde, besonders aber, ob das durch Spinnennetze dargestellt wurde.
Für die mesopotamische Web-Göttin Uttu ist es z.B. umstritten, ob Spinnennetze mit ihr assoziiert wurden.

Sollte man noch ein Fischernetz oder ein Sieb in Betracht ziehen?
 
Ich will und kann nicht argumentieren, dass es sich bei den Sonnensteinen um Abbildungen von Spinnennetzen handelt.

Aber: Die Textilherstellung nahm im Spätneolithikum und vor allem in der Bronzezeit einen gewichtigen Teil der Arbeitszeit der Frauen ein.

Ich meine mich an einen Vortrag des Marburger Archäologen Claus Dobiat zu erinnern, in dem über Sprunggelenksarthrose bei bandkeramischen weiblichen Skeletten (evtl. auch Michelsberger Kultur im Amöneburger Becken) als Folge der Belastung am Webstuhl berichtet wurde.

Die Beobachtung des Webens der Spinne, im Gegenlicht und mit den Tautropfen, hat ganz sicher eine hohe mystische Bedeutung.
Spinnennetz, Licht und Sonne, und das Weben sind eng verknüpft.

Sollte man noch ein Fischernetz oder ein Sieb in Betracht ziehen?
Das mit dem Fischernetz ist plausibel, zumal in den Feuchtgebieten sehr viel Binnenfischerei betrieben wurde.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir kommt da Sonne als abgebildetes stilisiertes Symbol naheliegender vor als Baumringe und Spinnennetz.
Nur wenn wenn das Sonnendarstellungen sein sollen, gibt es kaum eine Erklärung für die Querverbindungen zwischen den mutmaßlichen Sonnenstrahlen. Und die dürften bei diesen Darstellungen ja den weitaus größten Anteil der Arbeit in Anspruch genommen haben, daher müssen sich die Künstler schon irgendwas dabei gedacht haben.
 
Spinnen und Weben im Mythos: Arachne (altgriechisch Ἀράχνη Aráchnē, deutsch ‚Spinne‘) ist eine Gestalt der griechischen Mythologie. Die begabte, aber hochmütige Weberin forderte Athene – griechische Göttin u. a. der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit – zu einem Wettstreit auf dem Gebiet der Webkunst heraus, den sie mit Bravour meisterte. Dies erzürnte die Olympierin derart, dass sie ihre sterbliche Konkurrentin schließlich in eine Webspinne verwandelte. (aus wiki) Ovid, Metamorphosen 6, 1-145
Baumscheiben?: Kaltzeiten bilden sich beim Baumwachstum als sehr eng stehende Jahresringe ab - wenn ein Vulkanausbruch der Grund für die Gestaltung der Steine ist, eine folgende dunkle Zeit ohne Sonnenlicht, könnte mit der Gestaltung Baumscheibe für das Wachstum und Grünen der Bäume geopfert worden sein? Etwas konstruiert, und frei gedacht....
 
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