muck
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In der Präsentation des Buchs bezeichnet die Autorin Shakespeare als "semi-literate"; der Shakespeare Society zufolge hat er jedoch eine Grammar School besucht und eine humanistische Grundbildung erfahren, die nebst Sprachkenntnissen (Latein, eventuell Griechisch und Französisch) auch Rhetorik und Geschichte umfasste. Allein der Besuch einer Universität ist nicht nachgewiesen.Dieses Argument finde ich immer besonders abstrus. Welche „vollständige formelle Bildung“ sollen Homer (oder wer auch immer die Ilias und die Odyssee schrieb) und Hesiod genossen haben? Auch bei manchem mittelhochdeutschen Dichter ließ die „formelle Bildung“ wohl eher zu wünschen übrig.
Sollte er damit nicht das Handwerkszeug besessen haben, zumindest um sich die Fertigkeiten anzueignen, die für seine Werke nötig waren? Zeit genug hatte er auch, zwischen seinem Schulabgang in Stratford-upon-Avon und dem ersten Band von 'König Heinrich VI.' lagen wenigstens acht Jahre. Die er ja nachweislich in intellektuellen Kreisen verbrachte. Ich bin fast versucht, mir das Buch zu kaufen, nur um herauszufinden, wie genau die Autorin seine Urheberschaft definitiv ausschließen können will.
Coslets Hypothese erscheint noch gewagter, wenn man bedenkt, dass Shakespeares Schaffen mit Werken über Heinrich VI. und Richard III. begann, englischen Persönlichkeiten der jüngeren Vergangenheit also. Da musste er nicht großartig gebildet sein, die Großelterngeneration hatte zumindest Richard noch selbst erlebt. Als nächstes Historienstück folgte dann 'Titus Andronicus', das ja gemeinhin als seine schwächste Arbeit angesehen wird.
Auch das scheint mir zur Entwicklung zu passen, die ihm die Literaturwissenschaft gemeinhin zuschreibt …