Ja, die Wikinger können gut für sich am Rande der mittelalterlichen Welt bestehen. Keine Frage.
Wenn die Eckdaten dagegen festehen, dann ist die Byzantike ein adäquater historischer Rahmen, der die Zeit von Justinian bis 1453 umfasst. In dem Falle wäre es aber kein Korsett, schon gar nicht eines, das einengt, sondern ein echter Orientierungsrahmen, der nicht nur Akademikern nutzt, die genau wissen, womit sie es bei "Byzanz" zu tun haben, sondern auch für Laien, denn:
Ein Gedanke zur 'Bringschuld' der Geschichtswissenschaft:
Wir diskutieren hier oft über fachliche Nuancen, aber treten wir einen Schritt zurück: Der eigentliche Auftrag der Geschichtswissenschaft sollte es sein, Wissen für die Allgemeinheit nicht nur zu archivieren, sondern
begrifflich zugänglich zu machen. Hier sehe ich eine massive Bringschuld der Akademie.
Fragt man heute jenseits des Fachzirkels nach 'Byzanz', erntet man oft ratlose Blicke. Und wenn der Begriff bekannt ist, herrscht meist ein völlig verzerrtes Bild vor:
- Man hält es für einen komplett neuen Staat mit eigenem Anfang und Ende.
- Oder man sieht es als eine Art 'Nachfolger' oder 'Erben' – eine romantische Vorstellung von einem 'Teil-Rom', das irgendwie halbgeistig überlebt hat.
Dieses Lavieren um die Identität des Reiches raubt uns Zeit und Klarheit. Jedes Mal muss man mühsam erklären: 'Eigentlich war das noch Rom, aber wir nennen es anders.' Das ist eine terminologische Sackgasse, die den Zugang für eine breitere Leserschaft unnötig erschwert.
Die
Byzantike löst diesen Knoten. Wenn wir vom
'Römischen Reich in der Byzantike' sprechen, versteht auch der Laie sofort: Es ist derselbe Staat, aber in einer neuen Epoche. Wir müssten nicht mehr ständig die Identität des Akteurs rechtfertigen, sondern könnten uns direkt der echten Quellenarbeit und den tatsächlichen historischen Entwicklungen widmen.
Ein griffiger Epochenbegriff ist kein 'Dilletantismus', sondern ein notwendiges Werkzeug, um Geschichte aus dem Elfenbeinturm zu holen und ihr eine Sprache zu geben, die den Tatsachen entspricht: De jure und de facto war es Rom. Geben wir dieser Phase endlich einen Namen, der das nicht länger versteckt. Nur so eine Idee am Rande...